Obamas Siegesrede + Updates

Barack Obama hat vor wenigen Stunden in Chicago eine große Siegesrede gehalten – und dabei auch die globale Erwärmung angesprochen.

Wer sich die Rede nicht als Ganzes anhören möchte (obwohl die 20 Minuten sich durchaus lohnen) findet die Rede hier auf der Seite der New York Times praktisch aufbereitet – mit dem vollen Text und einzelnen Abschnitten zum Anklicken. Wer bei den „Key Moments“ links auf „Hope for the Future“ klickt, kommt direkt zu der Stelle über den Klimawandel:

We want our children to live in an America that isn’t burdened by debt, that isn’t weakened up by inequality, that isn’t threatened by the destructive power of a warming planet.

In seiner vergangenen Amtsperiode hat Obama den Klimawandel nicht zur Chefsache gemacht, sondern sich stattdessen auf die Gesundheitsreform konzentriert (siehe ausführliche Analyse, wie es zu dieser Entscheidung kam). Im Wahlkampf kam die globale Erwärmung praktisch nicht vor. Romneys Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan ist ein ausgemachter „Klimaskeptiker“, und Romney hat sich beim Parteitag der Republikaner darüber lustig gemacht, dass Obama den Anstieg der Ozeane verlangsamen wolle (siehe sehenswerten Videoclip dazu) – was für ihn nach dem Supersturm Sandy wohl eher nach hinten losgegangen sein dürfte. Obama hat damals umgehend geantwortet:

… my plan will continue to reduce the carbon pollution that is heating our planet — because climate change is not a hoax. More droughts and floods and wildfires are not a joke. They are a threat to our children’s future. And in this election, you can do something about it.

Aber bei den TV-Debatten der Kandidaten kam das Thema Klima erstmals seit 25 Jahren überhaupt nicht vor. Und das obwohl die USA in diesem Jahr von einer ganzen Reihe von Wetterextremen heimgesucht worden sind, u.a. dem wärmsten Frühling und wärmsten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen, und damit verbundener schwerer Dürre. Zumindest bei den Hitzerekorden ist der Zusammenhang mit dem Klimawandel eindeutig, aber auch bei anderen Extremen spricht Vieles dafür.

Wird Obama in seiner zweiten Amtszeit den Klimawandel entschlossen anpacken? Ich kenne Klimaberater von Obama, die sich dazu im persönlichen Gespräch optimistisch äußern. Und dass der Punkt Klima neben dem Thema Schulden und Chancengleichheit in Obamas Rede auftaucht, ist ein Hoffnungszeichen.

Halten wir es also mit Obamas eindrucksvollem Appell gegen Ende seiner Rede, niemals die Hoffnung aufzugeben!

And tonight, despite all the hardship we’ve been through, despite all the frustrations of Washington, I’ve never been more hopeful about our future. I have never been more hopeful about America. And I ask you to sustain that hope.

I’m not talking about blind optimism, the kind of hope that just ignores the enormity of the tasks ahead or the road blocks that stand in our path. I’m not talking about the wishful idealism that allows us to just sit on the sidelines or shirk from a fight. I have always believed that hope is that stubborn thing inside us that insists, despite all the evidence to the contrary, that something better awaits us so long as we have the courage to keep reaching, to keep working, to keep fighting.

Update 8.11.: Analyse der Washington Post: Obama to continue efforts to curb greenhouse gases, push energy efficiency. Interessant: Kohleaktien in den USA nach der Wiederwahl stark gefallen.

Update 9.11.: Sen. Majority Leader Reid: ‘Climate Change Is An Extremely Important Issue For Me, And I Hope We Can Address It’

EU-Klimakommissarin: Jetzt muss Obama mehr Klimaschutz wagen

Update 15.11.: Selbst in den USA sind derzeit zwei Drittel der Wähler für sofortige Klimaschutzmaßnahmen.

Update 16.11.: Obama Addresses Climate Change In First Press Conference Since Reelection

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

14 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Obamas Wahlsieg

    Nicht nur bezüglich der globalen Klimaerwärmung, sondern auch in Bezug auf die globale (soziale) Eiszeit, die aufgrund der Überschuldung der Staaten droht, ist Obamas Wahlsieg ein Hoffnungszeichen.
    Mit Obama kam aber auch die Occupy-Bewegung, die unter ihm hoffentlich auch in ihre zweite Runde eintreten wird:
    Aus ihrem Moratorium heraus und hinein in die Rolle einer ernszunehmenden dritten politischen grünen und sozialen Kraft, die den USA gut tun würde.

  2. Obama & Global warming

    that isn’t threatened by the destructive power of a warming planet.

    Das ist wahrlich einen Artikel wert:
    1/3 Satz aus einer 20 minütigen Rede, das läßt auf Aktivitäten schließen…..

  3. Ohio’sKohlejobs können ihm nun egal sein

    Ohne die Stimmen des Swing-Staates Ohio wäre Obama nicht wiedergewählt worden.
    Und in Ohio gibt es zwei bedeutende Industriezweige: Die Autoindustrie und den Kohlebergbau. Wiedergewählt wurde er in Ohio wegen seines Einsatzes für die Autoindustrie als sie darniederlag.
    Doch das hätte nicht genügt, wenn er in seiner ersten Amtszeit der Kohle den Kampf angesagt hätte, also einen war on coal ausgerufen hätte.

    Jetzt in der zweiten Amtszeit hat er nichts mehr zu befürchten, da er nicht mehr wiedergewählt werden muss.
    Dennoch ist eine Abkehr von der Kohle selbst in den USA nur über einen längeren Zeitraum realisierbar. Allein schon wegen den involvierten Arbeitskräften. Zwar hat der jüngste Erdgasboom, ausgelöst durch die grossen, seit ein paar Jahren erfolgreich erschlossenen Schiefergasvorkommen bereits eine Abkehr von der Kohle und ein Umschwenken auf Erdgas ausgelöst. Doch bis jetzt wird deshalb kaum weniger Kohle gefördert, denn die überschüssige Kohle wird nun einfach exportiert.
    Der Erdgasboom wiederum liess die CO2-Emissionen der USA in den letzten Jahren sinken, hat aber auch den negativen Effekt, dass er alle anderen Energietechnologien – auch Wind+Sonne – aufgrund des Preisdruckes verdrängt.

    Global gesehen wäre es besser, wenn sich Obama in seiner Klimapolitik nicht vorwiegend auf die USA konzentrieren würde, sondern wenn er beispielsweise global einen Preis auf CO2 durchsetzen könnte.

  4. MailOnline et. al

    Schaut Euch die Kommentare zu diesem Artikel an:
    http://www.dailymail.co.uk/…rld-warming-not.html
    Dann schaut Euch die Ratings darunter an.
    Und dann verzweifelt. 🙁

    Ein Blick in FAZ, Tagesspiegel, Zeit, Blöd, Süddeutsche liefert nur wenig besseres zu Tage.

  5. Auch ohne Ohio gewonnen!

    Barack Obama hat auch den Swing State Colorado gewonnen. Damit hätte er auch ohne Ohio die notwendige Mehrheit an Wahlmännerstimmen für eine zweite Amtszeit beisammen gehabt.

  6. Obama II: Klimaschutz in den USA?

    Ich glaube nicht, dass sich an der Klimapolitik in den USA etwas Fundamentales ändern wird, dafür sind die Widerstände v. a. dort viel zu groß (Wirtschaft) und das menschliche Beharrungsvermögen ganz allgemein steht dem im Weg (Psyche). Uns bleibt nur die Möglichkeit, die Erneuerbaren noch dynamischer auszubauen und damit die brennstoffkostenfreie und umweltfreundliche Energieerzeugung unschlagbar günstig zu machen.
    Arbeiten wir daran, dass die Prognosen aus dem Buch „2052“ von Jorgen Randers (Bericht an den Club of Rome) eben nicht eintreten.

  7. politisches Gerede, nothing else…

    Schiefergas ist ja die „NEUE“ Energierevolution in den USA. Dieses Gas ist also nach Obama kein fossiler Brennstoff od. reicht es bereits, wenn die CO2 Emissionen etwas besser als die bei Kohle sind?

  8. Wie im ersten Kommentar schon angesprochen , denke ich auch , daß es des Drucks aus der Bevölkerung heraus bedürfen wird , um einem effektiven Klima-und Umweltschutz Gehör zu verschaffen, nicht nur in den USA.

    Obama alleine kanns nicht richten , wenn er es denn überhaupt in dieser Konsequenz will.

  9. kein Betreff

    Ich würde meine Hoffnungen ja auch eher auf ein weiteres hoffentlich zügiges Absinken der Kosten für Solarinstallationen setzen, so dass diese Dynamik weiter zunimmt und dann auch weitere Teile der Welt erfasst.
    Firmen erzeugen selbst Strom: Großkunden laufen RWE, Eon und Co. davon:
    http://www.manager-magazin.de/…28,863495,00.html

    Bleibt nur die Frage ob das dann auch ausreicht, so das tatsächlich die weltweiten Emissionen mal absinken. Die exorbitanten Emissionszuwächse des letzten Jahrzehnts scheinen ja bisher trotz vortschreitender Finanzkrise ungebrochen weiterzugehen.

    P.S.: Obama hat 97 Wahlmänner Vorsprung, Ohio stellt lediglich 18 Wahlmänner, dass wären ohne Ohio immer noch 61 Wahlmänner Vorsprung. Der einzige Staat mit genügend Wahlmännern um diese Ergebnis alleine zu drehen ist Kalifornien mit 55 Wahlmännern.

  10. @ Gast 10.11.

    das mit den Wahlmännern ist die eine Sache, mit der Solarenergie die andere.
    Es klingt ja immer alles schön und nett und für viele auch logisch, wenn man möglichst viel Strom aus PV Anlagen produzieren würde. Besondern dann, wenn man es irgendwie schaffen würde, die Kosten radikal zu senken. Aber selbst dann bleibt ein großes ? übrig. Wir dürfen nie vergessen, dass diese Anlagen sehr wetterabhängig sind und man muss dabei sg. extreme Wetterlagen berücksichtigen. Alleine so ein 10a Ereigniss bringt da schon massive Probleme. Z.B. im Jänner ein ausgedehntes Hoch über Europa mit Zufuhr kalter, kontinentaler Luftmassen. Etliche Millionen km² liegen dann im Nebel oder Hochnebel, die Sonnenleistung ist zu dieser Zeit so oder so minimal und somit fällt da mal über große Gebiete praktisch alles aus, was an Solarenergie installiert ist, über Tage und Wochen. Blöderweise trifft das dann gleichzeitig auch die Windenergie, da eben bei solchen Wetterlagen kaum nützbarer Wind zur Verwertung kommt. Auch mit dem Wasser ist es im kalten Hochwinter so ne Sache und in Summe können aus diesen EE dann eben mehr als 50% völlig ausfallen.
    Woher nehmen wir dann die fehlenden Energie, den Strom? Ok, gewaltige Netzwerke, welche über tausenden km andere Regionen wie Mitteleuropa versorgen. Von der Nordseee bis in die Sahara müssten rieseige Netzwerke installiert werden. Realistisch? Kosten?
    Oder die andere Variante, mann muss praktisch alle konventionellen Versorger in Betrieb halten, auf stand by sozusagen, damit man dann immer wieder eingreifen kann. Ich kenne keine vernünftigen Studien, welche extreme Wetterlagen bezgl. EE auswerten.

  11. Stromblackout verhindern

    Mit der Substitution der atomar-fossilen durch die Erneuerbaren, insbesondere Sonne und Wind, muss im Strombereich vieles gleichzeitig passieren:
    Weniger Stromverbrauch, wir brauchen dringend mehr Effizienz mit den dazugehörigen gesetzlichen Regelungen.
    Mehr Speicher auf allen Stromverbrauchsebenen, das braucht jetzt eine energische Anschubfinanzierung, sonst machen das Geschäft (wieder einmal) die Chinesen.
    Ausbau der Netze, insbesondere der Verteilernetze, die Probleme eines drohenden Stromblackouts lassen sich auf dieser dezentralen Ebene leichter lösen.
    Kapazitätskraftwerke, die vorgehalten werden und einspringen müssen in so einem Falle (GuD-Kraftwerke z. B.), bzw. das Gegenteil davon, wenn Großverbraucher kurzfristig für einige Stunden vom Netz genommen werden.
    Einführung und Entfaltung der Technologien, die aus überschüssigem regenerativen Strom Wasserstoff fürs Gasnetz und Methan für BHKWs machen. Das hätte den Vorteil, dass wir hier eine bedeutende CO2-Senke haben, gleichzeitig etwas für regenerative Wärme tun und die Stromspitzen geglättet werden.
    Alles ist nicht einfach, ich sehe aber keine realistischen Alternativen dazu.
    Studien zu diesen Szenarien gibt es genug.

  12. Schon jetzt

    unterhält Deutschland eine „strategische Gasreserve“ wie auch eine str. Ölreserve, die im Fall einer Verknappung mobilisert werden kann, und mit der eine Heizsaison überbrückt werden kann.

    Das Gas ist derzeit noch fossilen Ursprungs, bei einem EE-Ausbau kann dieses Gas auch nach dem Power to Gas-Prinzip hergestellt werden als letztendlich aus EE.

    Hilfreich wäre es dabei, wenn das Gas nicht zur Anwärmung von ungedämmten Hauswänden verheizt würde, wie das (noch) der Fall ist.

    Aber die Versorgung ist möglich, wenn die Weichen richtig gestellt werden.

  13. Beeinflussung des Wetters / Klimas

    Was hält ein Profi wie Sie davon, den Klimawandel mit der künstlichen Beeinflussung des Klimas zu lösen. Sollte man das verfolgen, ist das ein Hoffnungsschimmer oder ist das einfach zu gefährlich?
    http://nextbigfuture.com/…no+%28nextbigfuture%29

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