Es winkt die RWE-Lobby

Bislang herrscht in Deutschland unter den Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ein erfreulicher Konsens, Klimaschutz sachlich fundiert auf der Grundlage seriöser Wissenschaft zu diskutieren. Anders in den USA: dort hat sich etwa die konservative "Tea Party" Bewegung auf die Fahnen geschrieben, dass der anthropogene Klimawandel ein Hirngespinst ist, und maßgebliche Teile der Wirtschaft machen Lobbyarbeit mit dubiosen "Klimaskeptiker"-Thesen.

Greift dies nun auch auf Deutschland über? Das legt unter anderem ein "Essay" von RWE-Manager Fritz Vahrenholt in der Welt nahe (Die kalte Sonne, 22.12.2010). Es ist ein außerordentliches Lehrstück der Verdrehung wissenschaftlicher Fakten, das eine genauere Betrachtung lohnt.

Normaler, kalter Winter

Vahrenholt beginnt:

Der zweite außergewöhnlich kalte Winter in Nordeuropa und Nordamerika kündigt sich an, und schon gibt es erste Zweifel an der durch Klimagase verursachten globalen Erwärmung. Mojib Latif, einer der Protagonisten der Klimaforschung, überraschte kürzlich mit der Aussage: Die Erwärmung verstecke sich hinter der Abkühlung."

Zwar war der letzte Winter 2009/2010 in Deutschland der kälteste seit zehn Jahren, aber keineswegs außergewöhnlich kalt – in jedem Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gab es einen kälteren Winter, oft sogar zwei oder drei (wie in den 1980ern). Der Winter kam uns nur deshalb kalt vor, weil wir uns an milde Temperaturen gewöhnt hatten: der Winter 2006/2007 etwa war der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1761. Zudem erlauben lokal kalte Winter keine Rückschlüsse auf die globale Durchschnittstemperatur: laut NASA-Daten war der letzte Winter weltweit der zweitwärmste hinter 2006/2007.

Kein seriöser Forscher hat deshalb Zweifel an der globalen Erwärmung, schon gar nicht Mojib Latif, dessen zitierte Aussage auch gar nichts mit den kalten Wintern zu tun hat. Sie ist älter und bezog sich auf seine Modellprognose einer vorübergehenden globalen Abkühlung, die aber – wie wir inzwischen wissen – nicht eingetroffen ist. Latif hat sich bereits vor einem Jahr in der britischen Tageszeitung Guardian gegen solche politisch motivierte Verdrehung seiner Aussagen gewehrt.

Vahrenholt behauptet weiter, seit 1998 mache die globale Erwärmung Pause. Auch das ist falsch: in allen fünf gängigen globalen Klimadatenreihen zeigt der Trend selbst ab 1998 weiter nach oben. Dabei ist die Wahl von 1998 als Anfangsjahr durchaus trickreich, denn aufgrund eines singulären Ereignisses (dem stärksten El Niño im Pazifik seit Beginn der Aufzeichnungen) ragt 1998 besonders weit über den Klimatrend hinaus. Auch hier zitiert Vahrenholt zum Beleg seiner falschen These einen führenden Klimaforscher:

Kevin Trenberth […] bekannte nun: "Es ist eine Schande, dass die Wissenschaft die derzeitige Pause der Erderwärmung nicht erklären kann".

Allerdings ist auch dieses Zitat in anderem Kontext gefallen, und die Worte "derzeitige Pause der Erderwärmung" kommen im Original gar nicht vor. Trenberth hat selbst umgehend in der Welt (24.12.2010) klargestellt, dass das Zitat falsch ist und schreibt: "Die entsprechenden Daten zeigen auch keine Pause in der globalen Erderwärmung seit dem Jahr 1998, wie es in dem Beitrag fälschlicherweise behauptet wird." Wie man seinem Originalzitat aus dem Jahr 2009 (und dem zugehörigen Fachartikel) unschwer entnehmen kann, ging es ihm um etwas ganz anderes: nämlich darum, dass unser Beobachtungssystem noch nicht genau genug ist, um aus den u.a. von Satelliten gemessenen Wärmeflüssen die natürlichen Temperaturschwankungen von Jahr zu Jahr zu erklären – etwa weshalb 2008 etwas kälter als 2007 war. Auch Trenberth hat sich bereits vor einem Jahr öffentlich gegen die Verdrehung seiner Aussage gewehrt.

Es geht nicht um die Sonne

Trenberth ist Leiter der Abteilung Klimaanalyse am Nationalen Atmosphärenforschungszentrum der USA und nach seiner Publikationsbilanz unbestritten einer der absoluten Top-Klimaforscher der Welt. Statt ihn falsch zu zitieren um seine eigenen dubiosen Thesen zu stützen sollte Vahrenholt besser zuhören, was Trenberth wirklich sagt. Etwa zur Hitzewelle in Moskau und der Flutkatastrophe in Pakistan:  "Diese Ereignisse wären ohne die globale Erwärmung nicht passiert". Eine Erkenntnis, die auch mit unseren eigenen Datenauswertungen übereinstimmt.

Vahrenholt versucht stattdessen, die fiktive Pause der Erderwärmung, kalte Winter und Wetterextreme gleichermaßen auf die Sonnenaktivität zu schieben:

It’s the sun, stupid!

Sein Kronzeuge ist der britische Forscher Mike Lockwood, der laut Vahrenholt "den Nachweis führen konnte, dass die heißen Sommer in Russland und die kalten Winter in Nordeuropa die gleiche Ursache haben: Veränderungen der Sonnenflecken". Tatsächlich hat Lockwood einen statistischen Zusammenhang zwischen den Wintertemperaturen in England und der Sonnenaktivität gefunden. Vahrenholt verschweigt aber, wie schwach dieser ist: er erklärt nur fünf Prozent der Temperaturschwankungen! Der wärmste Winter seit 250 Jahren (2006/2007) fand gerade im Sonnenminimum statt, das laut Lockwood kalte Winter etwas begünstigt. Lockwood selbst sagt dazu: "Die Wirkung der vom Menschen verursachten Treibhausgase auf den Klimawandel der letzten Jahrzehnte ist ein Vielfaches größer als der Effekt von solaren Schwankungen".


Überzeugende Korrelation? Ein Scatterplot des von Lockwood gefundenen Zusammenhangs von Sonnenaktivität (x-Achse) und Wintertemperaturen in England (y-Achse). Mit einem Korrelationskoeffizienten r=0,23 erklärt dies gerade mal 5% der Varianz – doch Vahrenholt (immerhin promovierter Naturwissenschaftler) verkauft diese schwache Korrelation dem Laienpublikum als "Nachweis" für "die Ursache". (Quelle: Lockwood et al 2010)

Unredliche Argumente

Vahrenholts Beitrag ist durchtränkt vom Vorwurf gegenüber Klimaforschern, sie würden natürliche Klimafaktoren wie die Sonne nicht ernsthaft erforschen. Eine bewährte Methode der "Klimaskeptiker": einfach unsinnige Vorwürfe erheben, etwas wird schon hängenbleiben. Dabei widerlegen alle von ihm zitierten Forscher seine These, indem sie zu natürlichen Klimaschwankungen forschen. Allein 2010 sind in der Fachliteratur hunderte Studien zum Zusammenhang von Sonnenaktivität und Klima erschienen. Dass dabei dennoch Vieles ungeklärt bleibt, hat einen simplen Grund: die Wirkung der Sonnenschwankungen auf das Klima ist derart schwach, dass sie trotz des charakteristischen 11-jährigen Sonnenzyklus nur schwer in Klimadaten zu entdecken ist.


Zweifelhaft? Den Zusammenhang zwischen CO2 und globaler Temperatur findet Vahrenholt offenbar weniger überzeugend, auch wenn er nicht 5% sondern 79% der Varianz erklärt. Dabei wurde dieser Zusammhang nicht erst aufgrund einer beobachteten Korrelation festgestellt, sondern aufgrund der verstandenen Physik vorhergesagt, lange bevor er sich dann in den Beobachtungsdaten bestätigte. (Quelle)

Auch ich habe mehr Studien zu natürlichen als zu menschlichen Klimaeinflüssen publiziert, auch zur Sonnenaktivität. Vahrenholt gefällt nur das Ergebnis nicht: etwa dass auch ein neues großes Sonnenminimum die globale Erwärmung nur um wenige Zehntel Grad abschwächen würde. Am Ende schreibt er zu unseren Resultaten:

Ob sich die Sonne nach dem Potsdamer Modell verhält oder wie in der kleinen Eiszeit – wir wissen nicht, was die Natur bereithält.

Er verschweigt, dass auch im größten Sonnenminimum der ‚kleinen Eiszeit‘, im so genannten Maunder-Minimum des späten 17. Jahrhunderts, die globale Temperatur nur wenige Zehntel kühler war als davor und danach, und dass unser Modell den damaligen Temperaturverlauf gut wiedergibt – sonst hätten wir es nicht für eine Zukunftsprojektion verwendet.

Vahrenholt hat nicht ein seriöses Sachargument gegen die anthropogene Erwärmung und beweist damit einmal mehr: wer Zweifel an der Dringlichkeit von Klimaschutz säen will, muss schon kräftig die Tatsachen verdrehen. Doch nur mit einer ehrlichen Debatte kann die Klimakrise bewältigt werden.

Anders als das Lobbyisten-Zerrbild der Klimaforschung, das prominent auf Seite 2 gedruckt wurde, wollte die Welt diesen Kommentar ihren Lesern lieber nicht zumuten. Stattdessen publizieren wir ihn in (zumindest für uns) innovativer Zusammenarbeit mit der Berliner tageszeitung, die zeitgleich eine leicht gekürzte Fassung abdruckt. So erreichen wir einerseits eine breitere Leserschaft, andererseits können taz-Leser hier im Blog eine ausführlichere Fassung mit allen verlinkten Quellen und den Grafiken nutzen.

Update 28.2.: Heute erreichte uns folgende Stellungnahme von Dr. Vahrenholt:

Bevor ich auf Herrn Rahmstorfs Beitrag eingehe, möchte ich mich den Kommentaren von Stephan Fleischhauer, Wizzy, Dalonces widmen. Herr Fleischhauer schreibt : Wenn Vahrenholt behauptet, Atomkraftwerke wären so gut regelbar, denn sollte er mal ein konkretes deutsches Kraftwerk nennen, das im Lastfolgebetrieb läuft. Herr Fleischhauer : Alle tun das ! Denn wie Sie wissen, haben Erneuerbare Energien Vorrang, so dass bis zu 10 000 MW Regelenergie durch die deutschen Kernkraftwerke bereitgestellt werden können und im Falle hoher Windenergieproduktion auch tatsächlich Kernkraftwerke an vielen Tagen des Jahres partiell heruntergefahren werden. Ein Beispiel für die Sägezahn-Lastkurve eines deutschen Kernkraftwerks sehen Sie unter http://www.wiko-greifswald.de/…er_Rede_2010.pdf, S.51. Das muß man mittlerweile im Grundstudium der Elektrotechnik lernen.

Jetzt zu Herrn Rahmstorf.

1. Herr Rahmstorf beurteilt Latifs Aussage falsch. Latif : "Our results suggest that global surface temperature may not increase over the next decade, as natural climate variations in the North Atlantic and tropical Pacific temporarily offset the projected anthropogenic warming.” http://www.nature.com/…191/abs/nature06921.html. Das war im Jahr 2008. Es ist schon ein starkes Stück, zu schreiben,"sie (Latifs Aussage, F.V.) ist älter und bezog sich auf seine Modellprognose einer vorübergehenden globalen Abkühlung, die aber – wie wir inzwischen wissen – nicht eingetroffen ist".

2. Das Trenberth- Zitat lautet im Originaltext :The fact is that we can’t account for the lack of warming at the moment and it is a travesty that we can’t. http://www.eastangliaemails.com/…s.php?eid=1048. Wer zitiert hier falsch ?

3. Wie verschämt doch die Aussage von Herrn Rahmstorf daherkommt : " in allen fünf gängigen globalen Klimadatenreihen zeigt der Trend selbst ab 1998 weiter nach oben". Ich würde Ihnen empfehlen, in woodfortrees. org die Daten von 1998 bis 2011 berechnen zu lassen. Ist der Unterschied in 13 Jahren 0,02 Grad ? Würden man sagen können, das ist eine massive Erwärmung oder würde man eher zustimmen, dass die Erwärmung nahezu Null ist? Rahmstorfs Argument des sehr starken El Nino Jahrs in 1998 lasse ich nicht gelten. 2010 war auch ein starkes El Nino Jahr.

4. Herr Rahmstorf schreibt, dass in „der kleinen Eiszeit, im so genannten Maunder-Minimum des späten 17. Jahrhunderts, die globale Temperatur nur wenige Zehntel (Grad, F.V.) kühler war, als davor.“ Wie bei einer Abkühlung um Zehntelgrade, etwa 0,3 Grad Celsius -wie er an anderer Stelle maximal eingeräumt hat- die Themse zufrieren könnte, müsste der Klimaforscher Rahmstorf dem erstaunten Publikum erklären. Ihm geht es vornehmlich darum, die Variabilität des natürlichen Klimas durch historische Verfälschung kleinzureden, so, wie es Michael Mann mit seinem Hockeystick schon einmal in unsäglicher Weise versucht hat. Hinsichtlich der anthropogenen Klimaeinflüsse, gehen wir alle zu Recht von möglichen Verstärkungseffekten aus. Dass die Verstärkungseffekte der Einstrahlungsunterschiede des 11 -jährigen Sonnenzyklus,aber auch der de Vriess- und Gleissberg-Zyklen durch veränderte Abschirmung in der kosmischen Strahlung (Lockwood, Svensmark, Shaviv, Kirkby und Weber) bei Herrn Rahmstorf nicht berücksichtigt werden, zeigt, dass Herr Rahmstorf bezüglich des möglichen Einflusses der Sonne wissenschaftliche Scheuklappen aufgesetzt hat. Er sollte eine politische Laufbahn anstreben. Da kommt es auf das saubere Zitieren auch nicht so an.

Antwort von S.R.:

Zu den Sachargumenten:

1.    Vahrenholt gibt als Quelle des Latif-Zitats oben ja genau die Publikation mit seiner Prognose einer vorübergehenden Abkühlung an (Keenlyside et al. 2008), die ich meine – wäre er dem Link dazu oben in meinem Artikel gefolgt, hätte er das gesehen. Mit den aktuellen beiden (angeblich) kalten Wintern hat dieses Zitat aus 2008 nichts zu tun; ich hatte das vor dem Schreiben des Artikels mit Mojib Latif abgeklärt.

2.    Das korrekte Trenberth-Zitat ist mir bekannt und ebenfalls oben verlinkt. Es hat nichts mit einer angeblichen "Pause in der globalen Erwärmung" seit 1998 zu tun, sondern mit der Frage, warum 2008 kälter als 2007 war, obwohl die Messdaten über die Wärmebilanz der Erde für dieses Jahr Anderes erwarten ließen. Nicht umsonst hat Trenberth sich selbst gegen die Verdrehung seines Zitates u.a. durch Vahrenholt gewehrt.

3.    Ich empfehle Herrn Vahrenholt unseren ebenfalls oben verlinkten Beitrag Fieberkurven der Erde, in dem alle fünf Datenreihen verschämt abgebildet sind. Gerade wenn man die Daten um El Niño bereinigt ist 2010 in allen Datenreihen das wärmste Jahr. Ein Nachlassen oder gar eine Pause der globalen Erwärmung geben die Daten einfach nicht her.

4.    Das Zufrieren der Themse erlaubt aus zwei Gründen keine quantitative Abschätzung des Effekts des Maunder Minimums auf die globale Temperatur. Erstens ist es ein rein lokaler Effekt an einem Ort – die wissenschaftlichen Rekonstruktionen der globalen Temperatur kombinieren natürlich Proxydaten aus allen Erdteilen. Zweitens ist das Zufrieren der Themse selbst für die lokale Temperatur in London kein guter Indikator, weil die Fließgeschwindigkeit und der Effekt der Tide durch Flussbaumaßnahmen seit dem 17. Jahrhundert stark verändert wurden – das erklärt sogar der Wikipedia-Eintrag zur "Kleinen Eiszeit". Wenn die Wirkung der Sonnenzyklen angeblich so verstärkt wird, warum zeigt dann die oben abgebildete Korrelation der Sonnenaktivität mit der Temperatur (Lockwood) keine größere Wirkung der Sonne? Als Wissenschaftler muss ich mich von den empirischen Daten leiten lassen.

Ansonsten verbitte ich mir persönliche Beleidigungen. Auch der Vorwurf gegen den Kollegen Mike Mann, er habe "auf unsägliche Weise" eine "historische Verfälschung" versucht, ist nichts anderes als eine bösartige Verleumdung und eine alte "Klimaskeptiker"-Mär. Eine Kommission der National Academy of Sciences der USA hat sich schon im Jahr 2006 mit diesen Vorwürfen befasst und die Autoren von jedem Verdacht der "Mogelei" freigesprochen

Update 1. März:  Jetzt sind die Daten für den abgelaufenen Winter da. Mit einer Durchschnittstemperatur von -0,6ºC lag er in Deutschland 0,8 Grad unter dem Mittelwert 1961-1990. Die Spanne reicht von -6,6 ºC für den kältesten bis +4,4 ºC für den wärmsten Winter; dieser Winter liegt also nahe der Mitte der Schwankungsbreite. Er war wärmer als der vorherige Winter 2009/2010 (-1,5 ºC). Dem besonders kalten Dezember standen dabei überdurchschnittlich warme Monate Januar und Februar gegenüber: "Nach frostigem Dezember im Januar und Februar recht mild", fasst der Deutsche Wetterdienst es zusammen. Soviel zur Vahrenholt-These "Die Winter werden merklich strenger. Das beunruhigt all jene, die der Frage nachgehen, warum die Erderwärmung offenbar pausiert."

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

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  1. Die Welt

    Gerade gestern hat die Welt wieder einen Artikel von Ulli Kulke gedruckt, bei dem EIKE-Berater Horst Malberg zu Wort kommt, wenn auch nur als Fachperson in Sachen Bauernregeln. Im folgenden heißt es dann:


    Dass wir in Mitteleuropa künftig auf kältere Winterzeiten gefasst sein müssen, sagen inzwischen auch jene Klimaforscher, die besonders lautstark vor der tendenziellen Erwärmung der Erde warnen. Ihrer Ansicht nach würden die größeren eisfreien Flächen im Nordmeer – im Vergleich zu einem eisbedeckten Ozean – die Luft über dem Wasser minimal aufheizen und dadurch Luftströmungen auslösen, die die insgesamt nach wie vor sehr kalte arktische Luft nach Europa transportieren.

    Eine Theorie, die sich aus ihren Computersimulationen ergebe, heißt es. Eine Theorie aber auch, die erst jetzt aufkam, da die Wintermonate in den vergangenen drei Jahren tatsächlich frostiger geworden sind, und nun gewissermaßen als Bestätigung für die immer schnellere Erwärmung dient. Im letzten besonders milden Winter 2006/2007 galt noch eine andere Lesart: Dass sich nämlich der Klimawandel vor allem in milderen Wintermonaten und weniger in besonders heißen Sommerzeiten bemerkbar machen werde und somit die damalige Saison typisch sei für künftige Winterszeiten.

    http://www.welt.de/…lange-kalt-bleiben-wird.html

    im letzten absatz heißt es dann noch:


    Laut CRU-Daten lag 2010 hinter 1998 und 2005 an dritter Stelle, fast exakt gleichauf mit dem Jahr 2003. Gewiss: Das vergangene Jahrzehnt war das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren, aber innerhalb des Jahrzehntes ist die Erwärmung – zumindest vorerst – gestoppt. Im Dezember und Januar waren die globalen Durchschnittstemperaturen vergleichsweise niedrig, was Experten auf den „La Nina“-Effekt vor der Westküste Südamerikas zurückführen.

    das wurde dann von Blogger Pierre Gosselin (lebt in Norddeutschland) zur titelzeile „DIE WELT: “Certainly: Global Warming Stopped”“ weiterverarbeitet.

    Ansonsten ist der Artikel aber gemessen an so manchem anderen Artikel aus Kulke’s Feder recht balanciert. (zB hier: http://www.welt.de/…igene-Schlampigkeit-ein.html )

    Info zu EIKE: http://michaelsclimate.wordpress.com/…-sich-vor/

    h/t sprusko: http://sprusko.blogspot.com/…t-nirgends-638.html

    p.

  2. Falsche Grafik verlinkt?

    Wenn ich dem Link „Quelle“ in der Bildunterschrift der zweiten Grafik folge komm ich zu einer ähnlichen Abbildung, die aber den Zeitraum von 1958 bis 2010 abdeckt. Dadurch steigt das Bestimmtheitsmaß von 79% auf 81%

    [Antwort: Danke für den Hinweis – dieser Artikel lag schon etliche Wochen publikationsfertig herum, wg. Verzögerungen bei den Print-Kollegen. Offenbar ist die Grafik inzwischen aktualisiert worden. Stefan Rahmstorf]

  3. Die Luft für die „Klimaskeptiker“…

    …wird immer dünner. Wie der Beitrag schön zeigt, muss inzwischen schon praktisch jeder Satz verdreht oder erlogen werden, um überhaupt noch die Message von der Unschuld des Menschen bei der aktuellen Erwärmung herüber zu bringen.

    Inzwischen wirkt dies auf mich wie das Aufbäumen vor dem finalen Ende der „Klimaskeptiker“. Verzweifelt wird sich an jeden noch so kleinen Strohhalm geklammert und jedes irgendwie aus dem Kontext reißbare Zitat wird so verdreht, bis es passt. Irgendwie wirkt das langsam schon lächerlich und erinnert an ein kleines Kind, dass sich die Ohren zuhält und laut La-la-la singt, um sich der Wirklichkeit nicht stellen zu müssen.

    Und was ich auch noch anmerken muss: Es ist langsam echt ein Armutszeugnis für Zeitungen wie die „Welt“, wenn sie solchen Artikeln eine Plattform bieten. Jeder halbwegs intelligente Leser der nur mal 5min selbst über Vahrenholts Thesen nachdenkt, entdeckt doch die schier unübersehbaren Widersprüchlichkeiten in seiner Argumentation. Irgendwie wirkt es, als ob die „Welt“ hier fast zwanghaft versucht, den letzten vernünftigen Leser zu vergraulen. Da mag man fast wünschen, dass dieses Unterfangen gelingt, und die Auflage weiter in den Keller geht.

  4. Vahrenholt

    Vahrenholt war hier in Kiel gerade in einer Podiumsdiskussion der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Dabei konnte ich feststellen, dass er vor den dreistesten Behauptungen nicht zurückschreckt. So wollte der dem Publikum weismachen, dass sich Atomkraftwerke besonders gut mit den fluktuierenden Enerneuerbaren Energien vertragen würden, da sie so gut regelbar seien (viel besser als fossile Kraftwerke). Genau das Gegenteil ist der Fall, und das weiß er selbst wahrscheinlich am besten. (Atomkraftwerke sind die Kraftwerke, die sich am schlechtesten von allen regeln lassen.) Er machte eine unsinnige Aussage nach der anderen, aber da es eher um Energiepolitik als um Klimawissenschaft ging, wäre hier nicht der richtge Ort, alles zu referieren. Unangenehm fand ich auch, dass er immer wieder in einen lauten Debattenstil verfiel, so als wäre er im Wahlkampf.

  5. Die Frage der Redlichkeit einer Zeitung

    Eigentlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass die Welt solche Essays wie „Die kalte Sonne“ von Fritz Vahrenholt publiziert. Nur sollte ein solcher Artikel von einer kleinen Textbox begleitet sein, die die Sicht der anderen Seite – eben die IPCC-Sicht -wiedergibt.
    Einen Artikel wie den besprochenen unkommentiert abzudrucken wirft dagegen ein schlechtes Licht auf die zuständigen Redakteure der Welt. Entweder wissen sie es nicht besser oder sie kümmern sich mehr um die Wirkung bei der Leserschaft als um die Redlichkeit.

  6. 2 Monate her

    Das ist ja schon zwei Monate her. Quasi ein halbes Bloggerleben.

    Es ist kein Wunder, dass in Deutschland diese Taktiken nicht benutzt werden, gibt es doch kaum deutsche Firmen, die hier bedroht sind. Relevante Ölfirmen gibt’s nicht. Die Tankstellen sind britisch, österreichisch, italienisch, amerikanisch. Kohleförderung gibt es so gut wie nicht mehr. Und das Gas kommt aus Russland.

    Auf der anderen Seite stehen Firmen wie die Munich Re und die Allianz, die an einer Verschleierung der Risiken keinerlei Interesse haben.

    Vahrenholts Meinung ist für Ex-Vorstand der Deutschen Shell nicht überraschend. Für den CEO eines Unternehmens, das Kraftwerke aus regenerativen Energien baut und betreibt, allerdings sehr wohl.

  7. Eine Lanze für die „Welt“

    So prononciert formulierte Zusammenhänge sind der (unterstellt) mehrheitlich konservativen Leserschaft der „Welt“ m. E. gar nicht zumutbar. Das ernüchterte Publukum würde sich alsbald anderen Medien zuwenden..

  8. Vielen Dank

    Vielen Dank für diese wichtige Analyse! Es ist beschämend, aber auch bezeichnend, dass „Die Welt“ sie nicht abdrucken wollte.

  9. Schoener Artikel

    Schoener Artikel! Es ist ein Armutszeugnis der Welt, dass die Redaktion ihn nicht als fundierte Gegendarstellung veroeffentlicht hat.

    Eine Anmerkung zu S. Fleischhauers Beitrag: Kernkraftwerke lassen sich in der Tat innerhalb von Minuten (also schnell genug fuer z.B. Windaenderungen) regeln, also bitte Vorsicht mit der Argumentation! Es ist lediglich recht unwirtschaftlich, sie auf laengere Zeit deutlich unter der Maximalleistung laufen zu lassen; in dieser Beziehung finde ich Herrn Vahrenholts Aussage auch nicht ganz durchdacht. Aber technisch moeglich waere das Betreiben von KKW als Regelleistungsspender durchaus.

  10. Feigheit

    Sie haben mit chirurgischer Präzision die Machweise von Propaganda seziert – Gratulation. Besonders feige finde ich Vahrenholz passiv-Satz „schon gibt es erste Zweifel an der globalen Erwärmung“… Er sagt lieber nicht, dass er selbst Zweifel hat, sondern berichtet quasi nur über solche Zweifel die „es gibt“. Und dann folgt suggestiv der Satz über Latif – als hätte der diese Zweifel. Sauber.

  11. Wer hat T. C. Boyle gelesen?

    Es ist vielmehr so wie in seinem Roman „Ein Freund der Erde“ beschrieben:
    Wenn die Sonne scheint, brennt sie, wenn es regnet, schüttet es nur noch.
    Alle Klimaäußerungen werden durch den Klimawandel verschärft und Klimakatastrophen mehren sich.

  12. Globale Abkühlung – auch menschlich

    Sehr versehrter Herr Vahrenholt ,
    möchten Sie nicht mal Ihr Dasein – vielleicht nur für ein Paar Jahre – mit einem/einer MitarbeiterIn beim Uranabbau in Niger oder Naminia tauschen? Oder Ihr Haus neben einem Yellow Cake bauen?
    Und nicht nur nebenbei: Woher kommt die ENORME Menge an Dieselkraftstoff, der zu diesem schmutzigen Uranabbau erforderlich ist? Wohl aus Ihrem Biogarten, sonst könnte kein Nuklearmanager behaupten, Atomstrom sei klimaneuetral !!
    Nix für ungut, Vahrenholt, aber Frechheit hat kurze Beine !
    Hochachtungsvoll, Danes

  13. Regelbarkeit der Atomkraftwerke

    Auch wenn es etwas vom Thema des Blogs abweicht, ist es durchaus richtig, dass Kernkraftwerke in einem bestimmten Bereich regelbar sind, und zwar im Teillastbereich von ca. 55 bis 100 % ihrer Nominalleistung. D.h., Vahrenholt hat in diesem Punkt nicht komplett unrecht. Er verschweigt jedoch, dass die Alterung bei einem KKW in Regelbetrieb viel schneller voranschreitet, die Bauteile viel stärker unter mechanischem Stress stehen und KKW`s allgemein für den konstanten Dauerbetrieb und konzipiert, ausgelegt und gebaut wurden. Ebenso hört die „Moduliebarkeit“ bei ca. 50% der Nominalleistung auf, d.h. KKW`s sind eben auch nur eingeschränkt regelbar. Das komplette Abschalten und wieder anfahren dauert mehr als 2 Tage, von daher sind KKW`s nur stark eingeschränkt für die schnelle Ausgleichsregelung von fluktuierender Windkraft geeignet. Herr Vahrenholt unterschlägt aber noch einen weiteren wichtigen Punkt (abgesehen vom Müll- Entsorgung-, Sicherheits- und Proliferationsproblem): Aus wirtschaftlichen Gründen wird kein einziger Betreiber sein KKW herunterregeln!! Da praktisch alle KKW abgeschrieben sind und viele Kostenteile direkt und indirekt subventioniert wurden (und immer noch werden), können KKW`s mit sehr geringen Stromgestehungskosten produzieren. D.h. kein Betreiber würde bei minimalen Stromgestehungskosten (und somit maximalen Gewinnen aufgrund des Merit-Order-Effekts) auch nur auf die Idee kommen, sein KKW herunterzuregeln, auch wenn er das theoretisch könnte. Stattdessen werden ja schon heutzutage (trotz des gesetzlich garantierten Einspesievorrangs) Windkraftanlagen abgeschaltet, wofür die Netzbetreiber dann an den Windkraftanlagenbetreiber eine Entschädigung ezahlen, welche wiederum auf den Stromkunden umgelegt wird. So bezahlen teilweise heute schon doppelt, weil unsere Herren wie Hr. Vahrenholt auf diese Weise gesetzliche Regelungen aushebeln. Somit sollte klar sein, dass meinen einen Betreiber eines KKW (wie RWE) bezüglich des Ausbaus und der Integration erneuerbarere Energien nicht erstnehmen kann, bzw. er sich durch unterlassen der wirklich wichtigen Informationen selbst disqualifiziert.

  14. Regelbarkeit der Atomkraftwerke

    Ich wollte auch nochmal auf Wizzys Einwand antworten, aber Dalonces ist mir zuvorgekommen.

    Man könnte noch ergänzen, dass unsere Atomkraftwerke immer älter und störanfälliger werden, und gerade der Lastfolgebetrieb führt ja zur Erhöhung der Materialermüdung. Unsere Atombetreiber werden gerade in Zuknft, wo der Windanteil zunimmt, in ernste Schwierigkeiten kommen. Gerade in Verbindung mit Windstrom hätte der Lastfolgebetrieb hohe Amplituden. Man kann ganz klar sagen, dass Atomkraft der Anforderung, Erneuerbare zu ergänzen, nicht gewachsen ist. Es wird darauf hinauslaufen:
    entweder das EEG oder die Atomkraftwerke. Eins von beiden wird fallen, und wir können uns für die nachsten Jahre auf einen harten Kampf einstellen. Herr Vahrenholt möchte hierfür den Boden bereiten. Mit den Laufzeitverängerungen hat die Atombranche ja schon mal vorgelegt.

    Wenn Vahrenholt behauptet, Atomkraftwerke wären so gut regelbar, denn sollte er mal ein konkretes deutsches Kraftwerk nennen, das im Lastfolgebetrieb läuft.

  15. Fragezeichen

    Lieber Herr Rahmstorf,

    Ebenso wie Sie, bin auch ich ein absoluter Fan einer sachlich fundierten, wissenschaftlichen Diskussion. Ich nehme daher die Gelegenheit wahr, einige Punkte anzusprechen, die mir in Ihrer Argumentation nicht ganz schlüssig vorkommen.

    1) Die Diskussion um die Temperaturentwicklung ab 1998 erscheint mir am Punkt vorbeizugehen. Tatsache ist, daß es seit dem El Nino Jahr 1998 keinen SIGNIFIKANTEN Temperatur-Anstieg mehr gegeben hat. Das muß man einfach so hinnehmen. Das kann man sich in den Kurven selber anschauen oder auch im Interview von CRU’s Phil Jones aus dem Vorjahr nachlesen.
    http://news.bbc.co.uk/…cience/nature/8511670.stm

    Niemand bezweifelt, daß sich die Temperatur auf langfristige Sicht in den letzten 150 Jahren erhöht hat. Referenzpunkt hierfür ist bekanntlich die Kleine Eiszeit, eine natürliche solar-bedingte Kältephase, die daher als Bezugspunkt sicher eher ungeeignet ist.

    [Antwort: Dass man für eine statistisch robuste Trendbestimmung einen längeren Zeitraum braucht, ist klar. Das liegt am Rauschen der kurzfristigen Schwankungen. Sie können die bekannten Teile des Rauschens herausfiltern (z.B. El Niño), dann reicht ein kürzerer Zeitraum und der Erwärmungstrend ist ab 2000 und allen früheren Jahren (also auch ab 1998) in allen Datenreihen statistisch signifikant. Siehe Fieberkurven der Erde.]

    2) Mit einzelnen kalten Wintern und heißen Sommern sollte man sich nicht lange aufhalten. Die benutzt jede Seite wie es ihr paßt. Insbesondere die zitierte Hitzewelle in Moskau und die Flutkatastrophe in Pakistan sind keine guten Argumente für oder gegen einen CO2-bedingten Klimawandel. Das sieht z.B. auch die NOAA so.
    http://www.esrl.noaa.gov/psd/csi/moscow2010/

    Hier handelt es sich bekanntermaßen in erster Linie um blocking events, die Lockwood in einen interessanten Kontext mit der Sonnenaktivität gestellt hat. Auf diesem Sektor wird sicher noch die Forschungsaktivität zu erhöhen sein.

    [Antwort: Sicher; niemand sieht die Extremereignisse als Beleg für die globale Erwärmung, denn dieser Beleg ist und bleibt der gemessene Anstieg der globalen Temperatur. Das haben wir hier schon ausführlich diskutiert.]

    3) Ihre Behauptung, die Wirkung der solaren Aktivitätsschwankungen auf das Klima wäre nur sehr schwach, entspricht zwar der IPCC Meinung, ignoriert jedoch komplett aktuelle Forschungsresultate und andauernde Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Hier denke ich vor allem an Weber (2010) und Frederick & Hodge (2011), die zeigen konnten, daß die am Erdboden eintreffende Sonnenstrahlung während eines solaren 11-Jahres-Zyklus im Prozentmaßstab variiert, und nicht im Promillemaßstab wie lange angenommen. Nach Ram et al. (2009) verändert sich die kosmische Strahlung in diesem Zeitraum sogar um fast 10%. Und gerade die kosmische Strahlung ist ja die Hauptkomponente eines Verstärker-Prozesses, der sich momentan von Svensmark, Kirby/CERN u.a. in der Erforschung befindet.

    In Ihrer zweiten Abbildung zeigen Sie einen Crossplot Temperatur/CO2 für die vergangenen 50 Jahre mit guter Korrelation. Aber Korrelation bedeutet bekannterweise noch nicht Kausalität. Vorschlag: Tauschen Sie doch mal in dem Plot den CO2-Datensatz gegen Daten des solaren Magnetfeldes aus (z.B. aus Lockwood et al. 1999 oder etwas Moderneres). Auch hier wird eine akzeptable Korrelation mit der Temperatur herauskommen, da sich das solare Magnetfeld in dieser Zeitspanne ebenfalls graduell verstärkt hat.
    Siehe Abb. 12 auf http://www.klimaargumente.de/s2.htm
    Das solare Magnetfeld stellt hierbei einen Proxy für die solare Aktivität dar.

    Noch besser dürfte die Korrelation für die vergangenen 100 Jahre sein, da durch das träge Klimasystem/ozeanische Tiefenzirkulation mit Temperatur-Verzögerungen von 10-30 Jahren zu rechnen ist, wie Eichler et al. 2009 schön an einem sibirischem Eiskern für die vergangenen 700 Jahre zeigen konnten.

    Die Sonne als definitiv zu vernachlässigenden Klimasteuerungsfaktor darzustellen, empfinde ich als unverantwortlich, zumal die Forschung dazu fast monatlich zu neuen, interessanten Erkenntnissen kommt. Ihr Verweis auf „hunderte von Studien“ in 2010 zum Thema Sonne/Klima ist somit irreführend.

    [Antwort: Wenn von hunderten von Studien die eine oder andere Ergebnisse liefert, die allen anderen widersprechen, dann gibt es zwei Möglichkeiten. (1) Sie sind „Klimaskeptiker“ und glauben sofort dem Ergebnis, dass ihnen politisch ins Konzept passt, und verbreiten es fürderhin in Internetforen als schlagenden Beleg. Oder (2) sie sind ein seriöser Klimatologe, dann sind sie bei jedem neuen Ergebnis erstmal skeptisch, gerade wenn es von vielen anderen Ergebnissen abweicht, und sie schauen sich genauer an, woher der Unterschied eigentlich kommt. Im Falle von Weber (2010) liegt es z.B. daran, dass er vergessen hat, den Jahresgang in den Daten zu berücksichtigen. Macht man die Analyse korrekt, kommt auch aus diesen Daten wieder kein signifikanter Effekt der Sonne heraus. Sie haben lieber den ersten Weg beschritten, obwohl ich Sie schon darauf hingewiesen hatte, dass bei diesem Paper sogar für den klimatologischen Laien erkennbar alle roten Warnlampen leuchten.]

    Ebenso kann ich Ihr Statement schlecht einordnen, daß die Kleine Eiszeit nur wenige Zehntelgrade kälter gewesen sei als zuvor. Wenn ich die für mich unglaubwürdige Hockeystick-Kurve und entsprechende Nachfolger einmal weglasse und stattdessen aktuellere Kurven anschaue (z.B. Ljungquist 2010), dann sehe ich da etwa 0,8 Grad Abkühlung im Vergleich zur vorherigen Wärmephase (der Mittlelalterlichen Wärmephase). Und das ist in etwa der gleiche Betrag der aktuellen Erwärmung seit der Kleinen Eiszeit.
    Abbildung 6 auf http://www.klimaargumente.de/t5.htm

    [Antwort: Aber welche Zeiträume vergleichen Sie da genau? Wenn Sie den Effekt der Sonne isolieren wollen, dürfen Sie nicht einfach „mittelalterliche Warmphase“ mit „kleiner Eiszeit“ vergleichen (da kommen ja mehrere Ursachen zusammen, v.a. auch die Vulkanaktivität), sondern Sie müssen konkret das Maunderminimum mit den Jahrzehnten davor und danach vergleichen.]

    Ich denke es gibt in der Tat wenige seröse Argumente gegen eine anthropogene, CO2-bedingte Erwärmung. Jedoch gibt es ebenfalls sehr gute Argumente für einen signifikanten natürlichen Anteil an der Erwärmung, vorneweg die Sonne. Die Forschung sollte nun endlich Abstand nehmen von Entweder-Oder-Argumentationen. Vielmehr sollte nun verstärkt die wirkliche, quantitative Aufteilung der verschiedenenen Klimasteuerungsfaktoren angegangen werden. Die im AR4 dargstellte Aufteilung erscheint mir nicht mehr haltbar zu sein, insbesondere die Fehlerbalken. Auch die CO2-Klimasensitivität müßte nach Re-Evaluierung der Sonne selbstverständlich neu berechnet werden und würde dann möglicherweise viel moderater ausfallen als bislang vermutet.

    [Antwort: Kein Klimaforscher argumentiert einfach „entweder-oder“, sondern wir versuchen die Effekte zu quantifizieren. Das ist auch im IPCC-Bericht gemacht, wie Sie selbst sagen, auch wenn das Resultat Ihnen nicht gefällt. Auf die Bestimmung der Klimasensitivität hätte aber auch ein größerer Beitrag der Sonne keinen Einfluss, weil praktisch alle Bestimmungen der Klimasensitivität unabhängig von der beobachteten Erwärmung im 20. Jahrhundert sind. Die kann man wegen der großen Unsicherheit im Aerosolforcing nämlich nicht erfolgreich zur Eingrenzung der Klimasensitivität nutzen. Stefan Rahmstorf]

    Beste Grüße

    Sebastian Lüning

  16. Klimawandel—-„Es winkt die RWE-Lobby“

    Der klarste Hinweis auf die Ursache des Klimawandels ist das Diagramm „TempVsCO2“.
    Man hätte zusätzlich auf der x-Achse noc die Zeit auftragen können (steht zwar in der Überschrift, aber… Dann hätte man auch noch die mittleren Temperaturen weltweit im Winter und im Sommer in zwei weiteren Linien hinzufügen können. Dann wären wahrscheinlich die letzten 2 kalten Winter (auf der Nordhalbkugel) klar zum Ausdruck gekommen.

  17. Erneuerbare Energien

    Das ist klar, daß KKWs Grundlastkraftwerke sind und möglichst im konstanten Dauerbetrieb nahe Nennleistung laufen sollten.
    Nachdem bei euch in D derzeit aber nur 10% aus erneuerbaren Energiequellen zur Stromerzeugung kommen, würde mich schon interessieren, wie der Strombedarf ohne die umstrittene KKW-Laufzeitverlängerung in den nächsten 20 Jahren hätte gedeckt werden sollen.
    Das Desertec-EU-MENA-Projekt dürfte nun aufgrund der politischen Wirren leider noch schwerer aus den Startlöchern kommen.

  18. Kommentar zu

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    Sie schreiben zur Aussage von Prof. Vahrenholt zur Temperaturentwicklung seit 1998:
    „Vahrenholt behauptet weiter, seit 1998 mache die globale Erwärmung Pause. Auch das ist falsch: in allen fünf gängigen globalen Klimadatenreihen zeigt der Trend selbst ab 1998 weiter nach oben.“

    Leider ist in Ihrem Link kein Trend ab 1998 abgebildet.
    Ich habe daher einmal schnell die Trends von GISTEMP, HADCRUT, RSS und UAH zusammengestellt:
    http://tinyurl.com/5ucfgsa

    Man sieht sehr schön, dass Ihre Aussage ausschließlich für die von Ihnen so gerne verwendete GISS-Reihe zutrifft. Für alle anderen Temperaturreihen ist die Aussage von Prof. Vahrenholt richtig.

    MfG

    [Antwort: Auch mit dem einfachen online-tool woodfortrees muss man richtig umgehen. Die von Ihnen gezeigte Grafik zeigt die Daten nur bis Ende 2009, das warme Jahr 2010 fehlt. Stefan Rahmstorf]

  19. Klimaschutz brennt unter den Nägeln …

    Hier mal eine erstklassige Aussage von Vahrenholt:

    greenpeace magazin: Worauf sollte sich die Umweltdebatte denn konzentrieren, Herr Vahrenholt?
    Vahrenholt: Auf das, was uns unter den Nägeln brennt, etwa Klimaschutz.

    Das Zitat stammt aus einem hübschen Streitgespräch von 1996:
    http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=4856

    Er war übrigens auch mal gegen Atomkraft:
    „[…] der einerseits nach Tschernobyl den Ausstieg aus der Kernenergie forderte.“
    http://www.zeit.de/2001/37/Der_rote_Stoerenfritz)
    – aber das ist lange her.

  20. Theorie und Praxis

    Meine These ist, dass die „Mainstream-Klimatologie“ den Kampf um die Theorie des Klimawandels vollständig gewonnen hat. Die Argumente der Skeptiker sind offenkundig nicht geeignet, den wissenschaftlichen Konsens zu erschüttern, weil sie wohl entweder ganz unwissenschaftlich oder zumindest fachlich einfach grottenschlecht sind.

    Es gibt aber noch etwas anderes zu konstatieren:

    In der Lebens- und Wirtschaftspraxis haben die Argumente der Klimaskeptiker vollständig über die Forderungen/Warnungen der Klimatologie obsiegt. Denn die Menschheit handelt praktisch genau so, wie es die Klimaskeptiker für richtig halten und gerade nicht so, wie es die Masse der Klimawissenschaftler für angezeigt hält. Der Verbrauch fossiler Energie wächst in jedem Jahr und mit ihr die Menge des freigesetzten Kohlenstoffes.

    Insofern können sich eigentlich beide Seiten zurücklehnen und abwarten. Die Skeptiker können als Erfolg verbuchen, dass die Menschheit ihre CO2-Emissionen ständig steigert und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre stetig zunimmt und dies auch in den nächsten Jahrzehnten weiter tun wird. Nach Skeptikerüberzeugung wird das keine Konsequenzen haben. Auf jeden Fall werden die Skeptiker ihre These an der Realität prüfen können, denn die Menschheit führt ja genau das Experiment durch, das die Skeptiker durchgeführt wissen wollen. Und sie wird damit keinesfalls aufhören, egal, was Klimatologen schreiben und reden.

    Die Klimatologen ihrerseits haben das aus ihrer Sicht Notwendige gesagt. In 50 Jahren werden sie sagen können: „Seht ihr, wir hatten recht.“. Jedenfalls vermute ich, dass sie das dann sagen können werden.

    PS: Was weder Skeptiker noch Klimawissenschaft noch sonst jemand jemals schaffen würde, wäre, die Menschheit von der Droge Kohlenstoff wegzubringen. Niemals!

    Insofern: Nicht streiten und schön locker bleiben, es kommt eh alles so, wie es bei dem geistigen und moralischen Zustand der Menschheit nun mal kommen muss.

  21. Zielgruppe

    Man sieht an der Platzierung des „Essays“ (das Schöne an einem Essay ist ja, das es nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder gar Wahrheit erhebt) in der Welt das altbekannte Muster der Klimaskeptiker, sich nicht einer wissenschaftlichen Diskussion zu stellen, sondern die Meinung der (weitgehend uninformierten) Öffentlichkeit mit (kruden) Thesen zu beeinflussen. Und wenn man schon keinen Wissenschaftler für derartiges findet (auch durchaus nicht untypisch), muss eben Herr Vahrenholt „aushelfen“.
    Von der „Welt“, die ja auch den (ebenso kruden) Thesen von Herrn Kulke regelmäßig Platz bietet, war bezüglich einer redaktionellen Stellungnahme genau das zu erwarten, was passierte – nämlich nichts.
    Ein weiteres typisches Muster der Klimaskeptiker zeigen die Zeilen zu Herrn Mann. Ungeachtet der Fakten, die ihn komplett entlasten, wird er von Seite der Skeptiker weiterhin diffamiert. Nicht nur von Herrn Vahrenholt, das gehört zum „guten Ton“ in Skeptikerkreisen.
    Das gleiche gilt im Übrigen für den Vorgang „Climategate“. Der – wie inzwischen ein halbes dutzend Untersuchungen der verschiedensten politischen und wissenschaftlichen Organisationen gezeigt hat – vollkommen substanzlos ist. Was die Klimaskpetiker natürlich nicht davon abhält, den angeblichen „Skandal“, die angeblichen „Fälschungen“ etc. – vermutlich bewusst – weiter als „Argument“ gegen die Wissenschaft zu benutzen. Diesen Leuten geht es meiner Meinung nach nicht um die Fakten oder gar um die Wahrheit, es geht – ganz banal – um Desinformation.

  22. kkw regelbar?

    na, das ist ja mal interessant, wenn herr Vahrenholt sagt, kkws seien ja auch in ihrer leistung (relativ schnell) regelbar: und, sind sie dafür gebaut? gerade hinsichtlich der sicherheitsanforderungen sind die doch nie geplant worden für ein ständiges auf und ab der leistung. wie können die das verantworten, so etwas nach eigenem gusto einfach zu ändern. wird schon gut gehen, oder wie?

    ansonsten möchte ich nur noch sagen: die „replik“ von herrn Vahrenholt entlarvt sich selbst. nur weiter so 😉

  23. Kommentar von Vahrenholt

    Ist dieser Kommentar tatsächlich von Herrn Vahrenholt? Es ist ja kaum zu glauben, er wiederholt in sehr dreister Weise Argumente seines eigenen Essay, die (um bei seiner Argumentationsweise zu bleiben) ein Student der Atmopshärenwissenschaften schon in den ersten Semestern belegen könnte. Zudem gehen viele seiner Argumente keinesfalls auf eine wissenschaftliche Thematik ein, sondern sind nur dazu gedacht, Wissenschaft und Wissenschaftler zu diffamieren.

    Ich fand das Essay schon sehr befremdlich, aber nach seinem Kommentar bin ich absolut schockiert von dem Mann.

    [Antwort: Wir können sicher davon ausgehen, dass der Kommentar wirklich von Herrn Vahrenholt ist; auch die taz hat einen Leserbrief ähnlichen Inhalts von ihm abgedruckt. Stefan Rahmstorf]

  24. AKW’s und Regelenergie

    Die AKW’s sind so gut regelbar, dass bei hohem EE-Aufkommen in Verbindung mit geringem Stromverbrauch negative Stompreise an der Strombörse entstehen, d. h. die Kraftwerksbetreiber zahlen den Abnehmern Geld, damit sie ihre Meiler nicht herunterfahren müssen. Damit zeichnet sich ein Systemkonflikt ab, denn das tun sie mit Sicherheit nicht gerne.

  25. Diskussionsstil

    Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,

    wenn man über einen Artikel von Prof. Vahrenholt aus dem Jahr 2010 diskutiert, sollte man das nur auf der gleichen Datengrundlage tun. Daher habe ich in meinem vorigen Kommentar die Temperaturdaten von 2010 weggelassen, mal ganz abgesehen davon, dass auf woodfortrees die Daten von 2010 noch unvollständig sind.
    Aber selbst wenn man die Daten aus 2010 mit dazu nimmt, ändert das nichts an meiner Kritik. Auch dann zeigt nur die GISS-Datenreihe eine deutliche Erwärmung seit 1998 und die anderen Datenreihen zeigen keine signifikante Veränderung.

    Ihre wiederholten Hinweise auf einen früheren Artikel, in dem versucht wurde, die natürlichen Faktoren der Temperaturentwicklung heraus zu rechnen, sind auch nicht wirklich hilfreich. Mit gleichem Recht könnte dann Prof. Vahrenholt den CO2-Effekt heraus rechnen und behaupten, die Kohlekraftwerke der RWE verhindern eine gefährliche Abkühlung.
    Es geht aber um die realen Temperaturen und nicht um „Restwerte“.

    Leider ist diese Diskussion zwischen Ihnen und Prof. Vahrenholt ein typisches Beispiel für die derzeitigen Auseinandersetzungen zur Klimaproblematik. Jeder beharrt auf seiner Sichtweise und ist nicht bereit, auch nur einen Millimeter von seiner Auffassung abzuweichen, selbst wenn einzelne Aussagen kaum haltbar sind (siehe das Trendberth-Zitat von Prof. Vahrenholt oder Ihre wiederholte Aussage, dass es von 1998 bis heute kein Nachlassen der Erwärmung gibt). Bei anderen Fragen wird ständig aneinander vorbeigeredet (siehe Wortwechsel zur Aussage von Prof. Latif). Diese drei Fragestellungen haben aber keinerlei Bedeutung bezüglich der Klimaproblematik!
    Eine solche Haltung erscheint mir eher wie ein Glaubenskrieg und nicht wie eine Diskussion in der Naturwissenschaft.
    Mit solchen Auseinandersetzungen kann man dann auch keine Überzeugungsarbeit leisten, was u.a. an der derzeitigen Krise der Klimapolitik sehr gut zu beobachten ist.

    MfG

    [Antwort: Was den Erwärmungstrend ab 1998 angeht haben Sie natürlich recht: er ist wissenschaftlich irrelevant, weil man für einen robusten Klimatrend einen längeren Zeitraum braucht (das haben wir in der KlimaLounge immer wieder diskutiert). Ich habe ihn lediglich erwähnt, weil Herr Vahrenholt das Argument mit 1998 gebracht hat, und es natürlich ein Fall von cherry-picking ist, die Betrachtung ausgerechnet mit einem solchen Extrem-Peak zu beginnen. Meine Aussage war: selbst wenn man ab dem Extremjahr 1998 rechnet, geht der Trend sogar trotzdem noch aufwärts. Aber natürlich nicht statistisch signifikant, siehe Anfang. Ich bin auch frustriert darüber, dass man solche wissenschaftlich sinnlosen Diskussionen führen muss, aber wenn Leute wie Herr Vahrenholt mit solchen Thesen an das Laienpublikum herantreten, kann man sich dem nicht ganz entziehen. Stefan Rahmstorf]

  26. Diskussionsstil

    Lieber Herr Langer,
    sie tun gerade so, als ob sie ein neutraler Beobachter wären, stellen sich bei den Argumenten aber klar auf Herrn Vahrenholts Seite und stellen die Argumente von Herrn Rahmstorf auf das selbe Niveau. Nur Argumentiert hier eine Person mit Cherry-Picking, Verdrehung von Aussagen und veralteten Forschungsdaten, Herr Rahmstorf hingegen muss gegen diese gebetsmühlenartig schlecht vorgebrachte Argumentation ebenso gebetsmühlenartig mit den aktuellen Stand der Wissenschaft dagegen halten, dass er sich das antut, Respekt.

    Sie akzeptieren NICHT, dass 1998 reines Cherry-Picking ist, dies ist ohnehin egal, in ein paar Jahren (allerdings auch 2011 schon) wird sich die Diskussion restlich erledigt haben, dann werden auch sie den Trend erkennen (denn es jetzt schon bei längeren Zeitreihen, zb. 25 Jahre, gibt).
    Und NEIN, man braucht nicht dieselbe Datengrundlage, man kann sehr wohl eine aktuellere zeigen, auch wenn sich das Gegenüber weigert, dies zu akzeptieren!

    Natürlich ist der Hinweis, die natürlichen Klimaschwankungen rauszurechnen sinnvoll, ohne das Verständnis dieser Schwankungen ist die Diskussion komplett sinnlos und gerne könnte Herr Vahrenholt den CO2 Effekt rausrechnen und darstellen, er wird den anthropogenen Klimawandel vor sich haben und im anderen Diagramm KEINE gefährliche Abkühlung erkennen.

    Ihren letzten Absatz habe ich am Anfang schon etwas kommentiert, ich empfinde diesen ausschließlich als sinnlose Provokation. Schön, dass sich auch wieder Herrn Latif ins Spiel bringen, NUR diskutiert dort niemand an irgendwem vorbei, sondern Herr Vahrenholt macht sich fälschlicherweise eine Aussage von Herrn Latif zu eigen (wie schon geschrieben, verwehrt sich Herr Latif dagegen).

    Und sie haben recht, man kann Leute, wie Herrn Vahrenholt nicht von ihrer falschen Argumentationsweise überzeugen, aber man sollte auf jeden Fall (auch wenn es gebetsmühlenartig wirkt und ist) den akutellen Stand immer wieder vorbringen und somit Aussagen wie jene von Herrn Vahrenholt widerlegen.

  27. Großes Lob

    Hallo Prof. Rahmstorf,

    ich lese hier schon seit einiger Zeit mit, und wollte Ihnen und den anderen engagierten Autoren ein großes Lob zur sachlichen Auseinandersetzung mit den Klimaskeptikern und ihren Thesen aussprechen: In ihren Kommentaren lese ich immer eine sachliche und dennoch leicht ironische Auseinandersetzung mit Fakten, wenn auch gelegentlich eine leichte Zermürbung (Stichwort: Gebetsmühle) zu erkennen ist.

    Ich selber bin zwar technisch ausgebildet (Elektro-Ingenieur bei einem Energieversorger, aber nicht beim RWE, bei den anderen, den roten …), kann aber das komplexe Thema Klimawandel nicht wirklich beurteilen, und bin daher auf fachkundige Interpretationen wie die ihrigen angewiesen !

    Vielen Dank & weiterhin viel Erfolg bei Ihren Bemühungen,

    US

  28. Vahrenholts Realitätsverlust

    Ich bin echt platt, was uns Vahrenholt zur Verteidigung der Atomkraft hier anbieten will. Ich kann nur jedem empfehlen, das von ihm verlinkte PDF anzuschauen.

    http://www.wiko-greifswald.de/…der_Rede_2010.pdf

    Vahrenholt meint nun, dlie Graphik auf S.51 würde den Lastfolgebetrieb der Kernkraftwerke veranschaulichen. Abgesehen davon, dass hier offenbar ein einzelnes Kraftwerk herausgepickt wurde und abgesehen davon, dass weder Skalierung noch sonst irgendetwas erläutert wird, kann man hier bestens erkennen, dass das Kraftwerk einen Grundlastbetrieb mit 100% Auslastung anstrebt.

    Wenn man sich den Zeitverlauf von Wind und Sonnenenergie ansieht – das kann man im gleichen PDF auf S.43/44) –, kann man nur zu der Schlussfolgerung kommen, dass Erneuerbare und Atomkraft nicht miteinander harmonieren. Die von Vahrenholt genannten 10 GW Regelleistung der Atomkraft ist nur rein theoretisch abrufbar und ohnehin viel zu wenig. Vahrenholt verschweigt ganz bewusst die Mindeststillstandzeiten und die drastische Verschärfung des Problems durch die Zunahme der Erneuerbaren. Wenn das EEG in seiner jetzigen Form nicht fällt, werden die Atombetreiber ihre Anlagen um 2020 freiwillig abschalten. Die Laufzeitenfrage würde sich – das ist die gute Nachricht – von selbst erledigen. Wenn nur nicht die ökonomischen Interessen der «Großen Vier» wären …

    Ich halte Vahrenholt für einen leidenschaftlichen Unternehmer. Er wird einer der ersten sein, die versuchen, das EEG zu stoppen.

    Die Investitionen in Erneuerbare sind durch die Laufzeitverlängerung ja bereits erfolgreich ausgebremst worden.

  29. RWE-Propaganda

    Die von Vahrenholt verlinkte RWE-Präsentation ist ein gutes Beispiel für deren Propaganda.
    Auf S.15 wird dem Publikum untergejubelt, dass man im Stromsektor sich 2050 noch 20% fossile Energieträger leisten könnte. Dass damit das 2°-Ziel nie und nimmer erreicht werden kann, wird natürlich nicht erwähnt. Der Stromsektor lässt sich am schnellsten auf 100% EE umstellen, viele Studien nennen 2030.

    Auf der Graphik ist der 20% fossile Anteil schamhaft versteckt unter «Nicht-EE-Erzeugung 2050» – man nimmt diesen Anteil nicht so wahr, weil er nicht dieselbe Farbe hat wie die konventionelle Stromanteil 2008 (dunkelblau), zusätzlich wurde verhindert, dass diese fossilen 20% am Ende der Graphik auftauchen.

    Da kein Atomkraftwerk bis 2050 laufen soll, ist unstreitig, dass es hier wirklich um 20% fossile Stromerzeugung geht. Auch dies wird in der Graphik nicht kenntlich gemacht (Atom & Fossile werden nicht getrennt).

    So versteckt RWE seine klimafeindliche Geschäftspolitik!

    Über die klimaskeptischen Argumente Vahrenholts braucht man sich nun wirklich ich mehr zu wundern. Zwei Kommentare vorher hatte ich schon auf frühere Aussagen von ihm verlinkt – man sieht, wie er stets die Fahne nach dem Wind dreht.

  30. KKW Regelbarkeit

    Zur etwas strittigen Frage nach der Regelbarkeit von Kraftwerksleistungen habe ich gerade einmal nach brauchbar erscheinenden weiteren Quellen im Web gesucht und folgendes Hilfsblatt (Stand: Juni 2010) zu einer Ingenieur-Vorlesung von Prof. H. Alt, FH Aachen, gefunden [PDF Download].

    Diesem Hilfsblatt zufolge wäre die Lastregulierung bei Kernkraftwerken in der Tat wohl weniger ein Problem der Technik als eines der Rentabilität. Und die ist nun einmal im Grundlastbetrieb bei möglichst hoher Leistung am grössten — das darf man nie vergessen, wenn man dem Herrn Vahrenholt zuhört.

  31. Regelbarkeit

    @Chrys
    Bei KKW gelten besonders hohe Sicherheitsstandards. Ob die mit häufigem Hoch- und Herunterregeln vereinbar sind, wird kontrovers diskutiert, auch wenn sie grundsätzlich dazu in der Lage sind. (Herr Prof. Alt tritt oft als Lobbyist der konv. Energie in Erscheinung.)

    Dazu eine Meinung aus dem Minist. f. Reaktorsicherheit:

    „Das größte Problem sieht der frühere Abteilungschef Renneberg in der Materialermüdung. «Die Sicherheitsreserve der Anlagen nimmt durch diese Belastungen dramatisch ab». Es gebe zu diesem flexiblen Betrieb bisher keine Simulationen. Deshalb sei ihm schleierhaft, wie Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagen könne, das Rauf- und Runterregeln stelle kein Sicherheitsproblem dar.“

  32. @Chris

    Selbstverständlich gibt es erhebliche technische Probleme:
    – max. 50% Lastabwurf sind zuwenig, es kommt bei weiterem Ausbau der Erneuerbaren zu der Situation, dass Kernkraftwerke immer öfter auf Null heruntergefahren werden müssen (auf der Graphik des von Vahrenholt verlinkten RWE-ppt sieht man, dass nicht einmal 50% realistisch sind … abgesehen von der Frage, ob diese Graphik überhaupt repräsentativ ist)
    – Das Wiederanfahren aus dem Stillstand bis zur Vollast dauert etwa 2 Tage.

    Das führt zu den Problemen, auf die auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen in folgender Studie hinwies:
    http://www.umweltrat.de/…?__blob=publicationFile

    Dort S.75:
    „Bei einem erheblichen Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten werden konventionelle Kraftwerke darüber hinaus zeitweise vollständig abgeschaltet werden müssen. Nach Abschaltungen sind Mindeststillstandszeiten einzuhalten, um thermische Spannungen zu verringern (GRIMM 2007, S. 45 ff.)“

    Sehr anschauliche Graphiken sind in der Lichtblickstudie:
    http://www.lichtblick.de/…ft_der_energie_zsf.pdf
    Dort S.35ff, Graphiken S.44.

    Auf dem von dir verlinkten PDF der Fachhochschule Aachen ist genau das gleiche irreführende Diagramm wie auf der RWE-Präsentation (S.51, links).

    Dadurch dass die y-Achse in absoluten Werten (MW) statt in prozentualen skaliert ist, wird ein 875-MW-Gaskraftwerk mit einem viel größeren 1200-MW-AKW gleichgestellt. Man muss sich hier aber immer anderthalb Gaskraftwerke denken. Aber dann würde ja die AKW-Kure nicht mehr so schon steil aussehen …) Die Leistungsgradienten werden natürlich ebenso in absoluten MW-Werten angegeben, es soll ja der Eindruck der Überlegenheit von AKWs entstehen. Die Regelbarkeit aufwärts ist bei AKW übrigens schlechter. Abgesehen davon bezweifle ich die angegebenen Werte ohnehin. Sehr merkwürdig auch, dass zum Vergleich zwar Uralt-Kohlenmeiler abgebildet werden, jedoch keine Blockheizkraftwerke (die extrem schnell sind).

    Atomland Frankreich hat übrigens große Überkapazitäten größere als Deutschland), speichert seinen Atomstrom in den Pumpspeicherkraftwerken der Alpen zwischen und muss trotzdem von Deutschland Regelenergie einkaufen.

    Eine ähnliche Diskussion auf Klima-Lounge, siehe die Kommentare von Carsten Schmidt:
    http://www.wissenslogs.de/…erke-energiegutachten

  33. «AKW sind die unflexibelsten Anlagen»

    Hier werden sogar Sicherheitsgründe genannt:

    «Atomkraftwerke sind die unflexibelsten Anlagen im traditionellen Kraftwerkspark. […] häufiges An­ und Abschal­ten wird schon aus Sicherheitsgründen soweit irgend möglich vermieden.»

    http://www.bmu.de/…tudie_hindernis_atomkraft.pdf

    Tja, das war mal die Meinung unsere Umweltministeriums. Hier noch drei weitere Argumente aus der Studie:

    «Eine Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke würde […] die oligopolistische Struktur der deutschen Stromversorgung verlängern. […] Damit würden gerade die Akteure behindert, die für den Ausbau der dezentralen Kraft­Wärme­Kopplung, der erneuerbaren Energien, aber auch für die Umsetzung von Energieeinspar­maßnahmen essentiell sind.»

    «Im Fall einer Laufzeitverlängerung dürfte allerdings die Gefahr bestehen, dass an diesem erfolgreichen Instrument [gemeint: EEG] gerüttelt wird.»

    «Anfang Oktober 2008 war die Strom­erzeugung aus Windenergie in Deutschland so hoch, dass der Strom […] negativen Preisen „verkauft“ bzw. […] in benachbarte ausländische Systeme abgegeben werden musste. Das Überschussproblem trat auch des­wegen auf, weil zur gleichen Zeit mit der sehr hohen Windenergiestromeinspeisung auch die Atomkraftwerke mit einer Kapazität von etwa 13 GW vollständig Strom in die Netze einspeisten und nicht schnell genug herunter­geregelt werden konnten. Man bedenke: Es waren aufgrund von Wartungsarbeiten bereits 8 GW AKW­-Leistungen vom Netz, und trotz­dem wurde zu viel unflexibler Stromüberschuss in Atomkraftwerken produziert.»

    Das sind auch die Gründe, warum Vahrenholt sich gegen die Erkenntnisse der Klimawissenschaftler stellen muss.

    Es geht hier um einen Existenzkampf der vier Oligopolisten.
    Schlimm ist, dass sie bei unserer korrupten Presse und Politik gute Chancen haben.

  34. @Bleyfuß / @Stephan Fleischhauer

    Danke für diese weiteren Infos. Beim Schreiben meines vorigen Kommentars war mir übrigens nicht bekannt, dass Prof. Alt gewisse Verflechtungen mit der RWE hat. Um so gravierender dann aber seine Aussage, dass er alles andere als den Grundlastbetrieb bei einem KKW ausdrücklich für „unvernünftig“ hält, allein schon aus ökonomischen Erwägungen. Nicht gerade das, was Herr Vahrenholt uns erzählt.

    Von den Vahrenholtschen Diagrammen (S.51 seiner Präsentation) ist mir speziell noch das rechte absolut nicht aufschlussreich. Das ist mit keinen anderen Daten korreliert, sodass wohl niemandem von uns wirklich nachvollziehbar ist, warum das dargestellte Kraftwerk zeitweilig mit gedrosselter Leistung gefahren wurde.

  35. Regelbarkeit und Sicherheit

    Beim Betrieb von AKW sind unter den entstehenden Spaltprodukte auch Reaktorgifte (d.h. Stoffe, die Neutronen absorbieren). Bei hohen Temperaturen ist deren Konzentration gering.

    Die Kettenreaktion im Reaktor kann sowohl sehr schnell hochgefahren als auch runtergefahren werden. Aber:

    auch nach dem Stop der Kettenraktion ist die Wärmeabgabe durch die kurzlebigen Spaltprodukte sehr hoch und mit zunehmender Abkühlung reichern sich im Reaktor die Reaktorgifte an.

    Beim Hochfahren passiert Gegenteiliges: die Bremsstäbe müssen stark gezogen werden, damit die Kettenreaktion trotz der Reaktorgifte in Gang kommt. Beim Hochlaufen verdampfen mit steigender Temperatur die Reaktorgifte und die Bremsstäbe müssen schnell eingefahren werden um den Verlust der Reaktorgifte zu komensieren (bei Tschernobyl ging das nicht schnell genug, deswegen war die Kettenreaktion nicht mehr zu stoppen). Deswegen wartet man lange Zeit, damit die Reaktorgifte auch bei niedriger Temperatur verschwinden.

    MfG

  36. Lieber Herr Vahrenholt,

    Lieber Herr Vahrenholt,

    erst mal meine Anerkennung, dass Sie hier zumindest Stellung nehmen. Aber auch ihre diesmalige Antwort ist eine einzige Verdrehung von Tatsachen.

    Die von Ihnen angeführten Zitate sind zwar korrekt, aber sie sind vollkommen aus dem Kontext gerissen. Dass die Klimaerwärmung eine Pause macht, war eine Prognose von Latif, bei der es um den Zeitraum 2000-2010 vs 1994-2004 ging. Diese Prognose hat sich als falsch heraus gestellt.
    Siehe: http://www.wissenslogs.de/…awette-die-aufloesung

    Genauso bei Trenberths Zitat. Lesen Sie doch mal die ganze Mail-Konversation, aus der das Zitat stammt. Dort geht es nicht um die angebliche Abkühlung, die Sie ins Feld führen, sondern darum, dass es im Klimasystem Wärmeflüsse (Ozean-Atmosphäre) gibt, die die Temperatur z.B. für ein paar Jahre an der Oberfläche fallen lassen. Das hat aber nichts mit einer Abkühlung zu tun, weil die Wärme ist ja nicht weg, sondern jetzt eben z.B. im Ozean und nicht mehr in der Atmosphäre.
    Siehe: http://www.skepticalscience.com/…-of-warming.htm

    Nun zu Ihrer angeblichen Abkühlung.
    Plötzlich behaupten Sie jetzt, die Temperaturen seien nicht gefallen, sondern stagnierten (Anstieg von nur 0,02°C). Ja was denn nun? Abkühlung oder minimale Zunahme? Einigen Sie sich doch mal mit sich selbst! Zur Überprüfung Ihrer Behauptung sagen Sie, man solle den Zeitraum von 1998-2011 doch bei woodfortrees nachschauen. Genau das habe ich getan:

    http://www.woodfortrees.org/…/mean:7/offset:0.25

    Dort stellt man dann fest: In allen 4 Datensätzen fand eine Erhöhung statt (GISS +0,173°C, HADCRUT +0,025°C, UAH +0,093°C, RSS +0,046°C). Da wir nicht wissen, welcher Datensatz der bessere ist, bilden wir einfach den Mittelwert aus allen vier. Also kein Cherry-Picking wie Sie das betreiben. Dann kommt man für den Zeitraum seit 1998 auf eine Erhöhung von +0,085°C über 12 Jahre. Das ist 4x soviel wie von Ihnen angegeben!

    Über 100 Jahre betrachtet, entspricht das einer Erhöhung von +0,71°C. Und jetzt schauen Sie mal wie stark die Temperaturen seit rund 100 Jahren…
    http://www.woodfortrees.org/…:1911/to:2011/trend

    im Schnitt gestiegen sind: Um etwa 0,7°C! Wie kommen sie also zu der Behauptung, die Erwärmung mache eine Pause, wenn die Temperaturen in den letzten 12 Jahren genau so schnell gestiegen sind, wie im Schnitt der letzten 100 Jahre??

    Und das sogar, obwohl Sie sich mit 1998 ein außergewöhnlich warmes Jahr als Ausgangspunkt ausgesucht haben. Da hat das ganze Cherry-Picking nichts geholfen, denn merken Sie nicht, dass die Realität Ihre Behauptungen längst widerlegt hat? Merken Sie nicht, dass Ihre ganze Argumentation eine einzige Verdrehung von Tatsachen und Zitaten ist? Und glauben Sie, dass Ihre Beleidigungen des Diskussionspartners Ihre fehlenden Argumente ersetzten?

    Sorry, aber das einzige was Sie hier demonstriert haben ist, dass die „Klimaskeptiker“ überhaupt keine Sachargumente mehr haben und es von ihrer Seite eine rein ideologische und egoistische Kritik ist, da steigende Temperaturen und Klimaschutz den Energie-Konzernen wie RWE schlicht nicht ins Konzept passen. Könnte ja die Gewinne schmälern, gell?

  37. irgendwie seltsam

    Eigentlich hat Herr Vahrenholt keinen offensichtlichen Grund, klimaskeptische Thesen zu vertreten. Als Geschäftsführer von „RWE Innogy“ ist er mit der Entwicklung erneuerbarer Energienutzung innerhalb des RWE-Konzerns betraut. Er könnte sich daher sogar als „Klimaretter“ feiern lassen, auch die AKW, denen er das Wort redet, produzieren wenig CO2. RWE hat auch als erster Konzern in Deutschland erklärt, keine weiteren Kohlekraftwerke mehr bauen zu wollen. Ich höre jetzt auf..

    F.V. vertritt aber dennoch einen dezidiert „klimaskeptischen“ Standpunkt. Es ist müßig, über seine Motive zu spekulieren, nur die Auseinandersetzung auf Sachebene führt weiter.

  38. Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit

    Als lange mit dem Thema beschäftigtem, besorgten, unabhägigen, interessiertem Laien (Mathematiker, Softwarewentwickler) stellt sich mir die unabhängige Klimawissenschaft sehr viel sachlicher und realistischer dar, als die Interessensvertretung von Öl/Kohle-Kapital-Konzernen …

    Die Rück-Versicherungskonzerne, die die realistische Bewertung des Risikos als Business haben, hören anscheinend nicht auf Konzern-Scheinargumente, sondern auf ihre Statistiken und auf die vertrauenswürdige, von Energie-Konzernen unabhängige Wissenschaft und ihre eigenen Forschungsabteilungen.

    Das Hauptproblem ist aber ein ganz anderes:
    ————————————–

    Empfänglich für Schein-Argumente sind die Menschen nur

    a) weil sie Angst vor einem vermeintlichen Verlust haben (Wohlhabende und möchtegern-Wohlhabende, die chinesische Ersatz-Ausbeutungsprodukte konsumieren, die Lebensqualität vorspiegeln, aber nur die persönliche Leere übertünchen)

    b) weil sie diesen möchtegern-wohlhabenden Status von wohlhabenden Werbekonzernen als Ziel vorgesetzt bekommen haben (die ausgebeuteten Chinesen usw.).

    Die Lösung ist:
    ————

    a) wir relativ Wohlhabenden müssen sofort dringend abspecken und den Chinesen, Brasilianern, Indern, usw. zeigen, dass wir willig und weit mehrheitlich fähig sind, uns mit ihnen auf einem fairen Niveau zu treffen (und die Unfähigen damit schon implizit entmachten)

    b) die armen, aufstrebenden Menschen müssen akzeptieren, dass der angepriesene Kamikaze-Konsumlevel schädlich ist und sich auf ein höheres aber nicht unser exorbitantes Lebensniveau einstellen müssen.

    Die Haupt-Bringschuld liegt klar auf der reichen Seite: wir müssen sofort glaubwürdig handeln. Vahrenholt ist es nicht einmal wert, ignoriert zu werden: solche Scheinargumente sind nicht einmal lächerlich, sondern nur traurig.

    Wie geht die Änderung konkret:
    ————————–

    da es keine Top-Down-Lösung gibt (die hätten wir längst), muss aller Wahrscheinichkeit zum Trotz sofort von jedem Einzelnen, der die Informationen hat, persönlich angefangen werden (und weitergemacht) und das dann in die Umgebung und Welt getragen werden. Wenn wir es nicht versuchen, klappt es sicher nicht. Wenn wir es versuchen, besteht zumindest noch eine gewisse Wahrscheinlichkeit.

    Mein Beitrag: ich heize erst ab 10 Grad Innentemperatur, habe kein Auto, fliege nicht, habe keinen Kühlschrank, nur biologisches, vorwiegend pflanzliches, vorwiegend regionales Essen, usw. Meine Defizite: noch immer zu viel Bücher (Öko-Themen), …, noch immer zu wenig teilen/ Gemeinschaft/ Regionalität, …
    Siehe http://www.footprintnetwork.org

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