Ein kaum beachtetes Rekordminimum

Gastbeitrag von Dirk Notz – 

Während in Mitteleuropa die vergleichsweise niedrigen Sommertemperaturen die allgemeine Diskussion über das Wetter beherrschen (Belfast meldet am 19.08. 3°C Lufttemperatur!), schwindet in der Arktis bei überdurchschnittlich hohen Sommertemperaturen das Meereis weitestgehend unbemerkt dahin. Kaum jemand scheint mitbekommen zu haben, dass die durchschnittliche Ausdehnung der Meereisdecke im Juli ein neues Rekordminimum erreicht hat – niemals zuvor seit Beginn zuverlässiger Messungen wurde für diesen Monat eine geringere Meereisausdehnung gemessen (Abb.1).


Abb.1: Ausdehnung von Arktischem Meereis im Juli. Die Daten decken den gesamten Zeitraum ab, für den wir aus Satellitenmessungen zuverlässige Daten für die Eisausdehnung besitzen (1979-2011).

Eigentlich ist es erstaunlich, dass ein solches Ereignis bisher medial kaum Beachtung gefunden hat, schließlich schwindet mit dem Meereis auch der Lebensraum des Eisbären, dessen Schlüsselrolle als „Wappentier des Klimawandels“ auch der plötzliche Tod Knuts keinen Abbruch getan hat. Und auch als allgemeiner Indikator für einen globalen Klimawandel konnte sich das Meereis bisher großer Aufmerksamkeit sicher sein. Über das alljährliche Minimum der Meereisausdehnung im September wurde daher auch immer mit großer Regelmäßigkeit berichtet, warum wird da ein neues Rekordminimum im Juli kaum erwähnt?

Hauptgrund hierfür könnte sein, dass wir Wissenschaftler bisher nicht genügend deutlich gemacht haben, wie wichtig ein solches Rekordminimum mitten im Hochsommer ist: Klimatologisch hat ein Eisrückgang zu dieser Zeit deutlich weitreichendere Folgen, als ein Rückgang der Meereisausdehnung im September. Der Grund hierfür liegt in der vorherrschenden Tageslänge und damit in der Menge des einfallenden Sonnenlichts: Im Juli steht die Sonne über dem gesamten Arktischen Ozean rund um die Uhr am Himmel. Die Rolle des Meereises als „Sonnenlichtspiegel“, der die Arktis durch die Reflektion des einfallenden Sonnenlichts effektiv kühlt, ist also gerade zu dieser Zeit entscheidend. Sollten, wie jetzt geschehen, mitten im Hochsommer durch ein neues Rekordminimum des Arktischen Meereises ausgedehnte Wasserflächen eisfrei werden, so nimmt der Arktische Ozean in diesen Gebieten einen Großteil des einfallenden Sonnenlichts auf und speichert es als Wärme. Diese Wärme führt zu einem stärkeren Schmelzen des verbleibenden Eises von der Eisunterseite her und verzögert die Bildung von neuem Eis im folgenden Winter. Im Gegensatz hierzu steht im September die Sonne schon vergleichsweise tief am Himmel, sodass ein Meereisminimum während dieser Zeit einen deutlich geringeren Einfluss auf den Wärmehaushalt der Arktis hat. Eine größere Beachtung des gerade eingetreten Rekordminimums im Juli wäre also aus klimatologischer Sicht durchaus angebracht gewesen.

Es muss allerdings natürlich hinzugefügt werden, dass es im Rahmen einer bisher nur etwa dreißig Jahre langen Zeitreihe grundsätzlich nicht allzu ungewöhnlich ist, dass gerade jetzt in einem bestimmten Monat ein Rekordminimum auftritt: da rein rechnerisch 12 Rekordmonate irgendwie auf 30 Jahre verteilt werden müssen, lägen die Chancen für einen einzelnen Rekordmonat im Laufe eines bestimmten Jahres bei über 30 % wenn diese Wahrscheinlichkeit gleichverteilt wäre also kein Trend vorläge. Aus dem Auftreten eines einzelnen Rekordwertes kann, wie schon oft gesagt, nicht auf einen klimatischen Trend geschlossen werden.

Ein solcher Trend wird allerdings sehr deutlich, wenn man sich anschaut, wie sehr sich in den letzten Jahren für alle Monate Rekordminima der Meereisausdehnung gehäuft haben. In Abb 2 ist der entsprechende Zusammenhang graphisch dargestellt: Für jeden Monat sind die Jahre mit den fünf niedrigsten Werten der  Eisausdehnung rot eingefärbt, während die Jahre mit den fünf höchsten Werten für den entsprechenden Monat blau gekennzeichnet sind. Die Häufung von extrem niedrigen Werten der Meereisausdehnung in den letzten Jahren ist für alle Monate klar zu erkennen. In Tabelle 1 ist dieser Zusammenhang noch einmal zusammengefasst, wobei hier zusätzlich auffällt, dass außer der April bisher jeder Monat des Jahres 2011 unter den „Top 3“ der niedrigsten Meereisausdehnung vertreten ist.


Abb.2: Verteilung von Rekordminima und –maxima für die Meereisausdehnung im Arktischen Ozean. Die Jahre mit den fünf niedrigsten Werten der Meereisausdehnung sind für jeden Monat rot gekennzeichnet, die Jahre mit den fünf höchsten Werten sind blau gekennzeichnet. Die Stärke des Farbtons gibt die Rangliste an: Dunkles Rot entspricht der niedrigsten Meereisausdehnung, dunkles Blau der höchsten.


Monat Kleinste Ausd. Zweitkleinste Ausd. Drittkleinste Ausd.
Januar 2011 2006 2005
Februar 2005 2011 2006
März 2006 2011 2007
April 2007 2006 2005
Mai 2004 2006 2011
Juni 2010 2011 2006
Juli 2011 2007 2010
August 2007 2010 2008
September 2007 2008 2010
Oktober 2007 2009 2010
November 2006 2010 2007
Dezember 2010 2006 2007

Tabelle 1: Jahre mit der jeweils kleinsten, zweitkleinsten und drittkleinsten Ausdehnung von Meereis im Arktischen Ozean

Wie schon in meinem Beitrag im Vorjahr dargestellt, lässt sich die Entwicklung des Meereises für den weiteren Verlauf des Sommers nur schwer vorhersagen. Das Meereis in der Arktis besteht inzwischen fast ausschließlich aus relativ dünnem Eis, das aufgrund seiner geringen Dicke äußerst empfindlich auf das vorherrschende Wetter reagiert. Die Entwicklung bis zum diesjährigen Minimum der Meereisausdehnung wird daher primär von der kurzfristigen Entwicklung von Hochdruck- und Tiefdruckgebieten über dem arktischen Ozean bestimmt werden. Dieser Zusammenhang ist in den letzten Wochen bereits deutlich geworden: Während sich der Eisrückgang gegen Ende Juli ein wenig verlangsamt hatte, hat sich inzwischen in der Arktis wieder ein Hochdrucksystem etabliert, das in den vergangenen Tagen zu einem verstärkten Rückgang des Meereises geführt hat. Derzeit liegen die Werte der Eisausdehnung nur knapp über den entsprechenden Werten aus dem bisherigen Rekordjahr 2007 (Abb.3).

Abb. 3: Entwicklung des Ausdehnung von Meereis im Arktischen Ozean

In den nächsten Wochen werden die Lufttemperaturen in der Arktis mit dem Heraufziehen des Herbstes langsam absinken. Dadurch wird das Schmelzen an der Eisoberseite verlangsamt werden und schließlich zum Stillstand kommen. Der Ozean wird allerdings noch längere Zeit seine im Sommer gespeicherte Wärme an das Eis abgeben und von der Eisunterseite her das Schmelzen weiter vorantreiben. Wie gering die Eisausdehnung zum Ende des Sommers tatsächlich sein wird, hängt daher zu einem Großteil davon ab, wieviel Wärme der Ozean in den letzten Wochen tatsächlich speichern konnte. Aufgrund des Rekordminimums der Meereisausdehnung im Juli wären weitere Negativrekorde in den nächsten Monaten insgesamt allerdings wenig überraschend.

 

Anders Levermann ist Professor für Dynamik des Klimasystems im physikalischen Institut der Universität Potsdam. Er leitet den Forschungsbereich Globale Anpassungsstrategien am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er ist unter anderem einer der leitenden Autoren im Meeresspiegelkapitel des letzten IPCC-Klimareports und beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Ozean und Cryosphäre in Vergangenheit und Zukunft.

23 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Meereisausdehnung MItte August

    Die Grafik zeigt zum Ende eine fast senkrechte Abnahme des Extents, ist das korrekt?

    [Antwort: Lieber Herr Becker,

    vielen Dank für diesen Hinweis. Sie haben Recht, dass der senkrechte Abfall ganz zum Ende der Zeitreihe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unrealistisch ist. Bei Satellitendaten gibt es immer wieder einzelne Ausreißer, die bei den normalerweise in der Polar- Klimaforschung verwendeten Zeitreihen durch eine gewisse Qualitätssicherung herausgefiltert werden. Die entsprechende Filterung ist bei den hier für 2011 gezeigten „near-real time“ Satellitendaten noch nicht durchgeführt worden, wodurch unglücklicherweise einzelne Ausreißer in der Zeitreihe verbleiben. Dass dieser Ausreißer genau zum Ende der hier gezeigten Zeitreihe auftritt, ist natürlich besonders ärgerlich. Ich werde im September nach dem Eintreten des diesjährigen Minimums noch einmal eine aktualisierte Graphik nachreichen.

    Herzliche Grüße,

    Dirk Notz ]

  2. Arktisches Meereis

    Noch bedenklicher als die sehr wetteranbhängige arktische Meereisausdehnung finde ich die Entwicklung des arktischen Eisvolumens:

    http://nsidc.org/…eaicenews/20110816_Figure5.png

    http://wetterjournal.files.wordpress.com/…e5.png

    Das Grönlandeis z.B. schmilzt deutlich schneller dahin als bisher angenommen wurde, so jüngste Untersuchungen der Universität Sheffield:

    http://www.welt.de/…erschmelze-in-Groenland.html

    [Antwort: Hierbei ist zu bedenken, dass Meereis und Landeis etwas sehr unterschiedliches sind. Ihre ersten beiden Links beziehen sich auf das auch hier besprochene Schmelzen des Meereises, dass nicht direkt zum Meeresspiegelanstieg beiträgt. Der dritte Link beschäftigt sich mit dem Landeisverlust auf Grönland, was eine völlig andere Physik und Meeresspiegelrelevanz hat. Anders Levermann]

  3. @TBecker
    in der Tat hat sich die Kurve der Meereisbedeckung in den letzten Tagen etwas abgeflacht und sieht nicht mehr so dramatisch aus, wie man in folgendem Link gut sehen kann:
    http://www.ijis.iarc.uaf.edu/…a_Ice_Extent_L.png
    Bei genauerem Hinsehen ist erkennbar, dass die Jahre mit hoher Eisbedeckung tendenziell länger zurück liegen. Abb. 2 oben verdeutlicht diese Tendenz sehr klar.

  4. JAXA

    Hier

    http://www.ijis.iarc.uaf.edu/…/seaice_extent.htm

    Sieht man den Spaghetti plot ziemlich gleich, aber ohne den unrealistischen Abfall am Ende. Was zu bestaetigen scheint dass es ein numerisches Artefakt ist.

    Aufgepasst, die sg. Skeptiker Fraktion reagiert auf sowas gerne wie gestochen (*big* drama)

    Lg
    Marcus

  5. Update öfter möglich?

    Ausgesprochen interessante Daten! Wäre hier nicht ein monatlicher oder quartalsweiser Update möglich?

    Vg
    Robert Müller

  6. Definition: sea-ice extent

    Ist der Rohdatensatz auf den JAXA und NSIDC zurückgreifen, derselbe ?
    Habe ich das richtig verstanden, daß bereits eine 15%-ige Eisbedeckung einer „Wasserfläche“ als Meereisfläche gilt ?
    Wie kommt man auf eine solche „Definition“ ?

    @Herr Müller,
    Hier ist man immer auf aktuellem Stand mit Graphiken, Beschreibungen etc.
    http://nsidc.org/arcticseaicenews/

  7. wieder enorme Abnahme am 22.8.

    Laut JAXA-Daten ein Meereisschwund von 98000 km2 an diesem Tag !
    Es könnte sogar noch das Rekordminimum von 2007 unterboten werden.
    Ansonsten wird das 2011er Minimum wohl zwischen jenem von 2007 und 2008 liegen.

  8. Als Laie stellen sich da einige Fragen:

    1. Wie war die Eisbedeckung vor den Satellitenmessungen?

    2. Wieviel qkm wäre denn die ideale Eisbedeckung und warum?

    3. Woran liegt der derzeitige Rückgang? Am globalen oder am lokalen Temperaturanstieg? Wie wird bzw. wurde dieser langfristig über dem Meereis gemessen?

    4. Was ist mit anderen Faktoren wie periodische Änderungen der Meeresströmungen, Hauptwindrichtungen, Bewölkung usw. Inwieweit gibt es dazu historische Vergleichsdaten?

    5. Warum gibt es in der Antarktis keinen Rückgang des Meereises?

  9. IR Abstrahlung

    Sg. Herr Notz,

    wir sollten nicht nur das Albedo über der Arktis betrachten.
    Nehmen wir für Ende Juli einen Einfallswinkel solarer Strahlung zwischen 15 und 20° an, so wird doch ein Gutteil dieser Strahlung vom Wasser ebenfalls sofort reflektiert.
    Nun wissen wir auch, dass jede Eis- od. Schneedecke den Untergrund gut vor IR Abstrahlung schützt.
    Zu gewissen Zeiten verliert der arktische Ozean mehr Energie, solange er eisfrei ist, auch wenn die Sonne noch scheint. Haben sie dazu detailiertere Angaben, sprich, wo und wann stellt sich ein sg. Gleichgewicht zwischen absorbierter Strahlung und emittierter langwelliger bei ang. ebener Meeresoberfläche ein?

  10. Ich finde auch die Erklaerung des Autors zum Minimum im Juli sehr erhellend. Wie gebannt schaut man immer auf das absolute Minimum im September, obwohl einleuchtet dass das Albedo Feedback im Sommer die meiste Energie ins System bringt, eine Frage waere auch wieviel von diesem „Netto Einkommen“ ueber Meeresstroemungen suedwaerts verteilt wird?

    Lg
    Marcus

  11. @Binikowski

    „Woran liegt der derzeitige Rückgang? Am globalen oder am lokalen Temperaturanstieg?“

    Ausgezeichnete Frage, um deren Beantwortung sich die Klimaforschung redlich müht.

    Als Laie darf ich die Vermutung äußern, dass hier die selben Triebkräfte wie beim verbreitet zu beobachtenden Gletscherrückgang wirken, bzw. dass der Rückgang mit der global gemessenen Temperaturerhöhung zusammenhängt, die ihrerseits auf die vermehrte IR-Rückstrahlung in der Troposphäre („Treibhauseffekt“) zurückgeführt wird.
    …..
    „Am globalen oder am lokalen Temperaturanstieg?“
    Die Arktis umfasst ja ein Gebiet von vielen Mio km², daher täte ich mich schwer, hierfür einen „lokalen Temperaturanstieg“ als Ursache auszumachen.
    ……
    „Inwieweit gibt es dazu historische Vergleichsdaten?“
    Mir (Laie) ist nur bekannt, dass zum Beispiel die Befahrung der Nordwest-Passage ein historisch einmaliger Vorgang ist. Ansonsten muss mit sog. Proxydaten wie z.B. Isotopenmessungen aus Eisbohrkernen gearbeitet werden.
    MfG

  12. @Binikowski

    Ich bin auch Laie, versuche aber das beizutragen, was ich weiß:

    >>Wie war die Eisbedeckung vor den Satellitenmessungen?

    Ich würde davon ausgehen, dass sie größer war, da zwar seit den 70er Jahren ein starker Anstieg der globalen Temperatur vorliegt aber es auch schon zu Anfang des 20. Jhd eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur gab und das sich vermutlich auch in der Arktis ausgeprägt hat. Vermutlich war der Eisverlust zu diesen Zeiten geringer – leider weiß ich nichts genaueres.

    >>2. Wieviel qkm wäre denn die ideale Eisbedeckung und warum?

    Eine „ideale Eisbedeckung“ setzt voraus, dass man sagt, wofür sie ideal sein soll.
    Aber das stetige Abnehmen und das in einigen Jahrzehnten zu erwartende Verschwinden der Eisdecke hat Nachteile
    – für Tiere, die dort leben (Eisbären z.B.)
    – für den Wärmehaushalt der Erde; im Moment reflektiert das vorhandene Eis einen großen Teil der Sonnenstrahlen; ist anstelle des Eises nur noch Wasser vorhanden, so absorbiert dieses einen größeren Teil der Wärmestrahlung und das bedeutet eine Beschleunigung der Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur

    3. Woran liegt der derzeitige Rückgang? Am globalen oder am lokalen Temperaturanstieg?

    – in den letzten hundert Jahren ist die Durchschnittstemperatur in der Arktis etwa doppelt so stark angestiegen wie der globale Durchschnitt; dies liegt am globalen Klimawandel, der sich aber regional unterschiedlich ausprägt

    Wie wird bzw. wurde dieser langfristig über dem Meereis gemessen?

    Wie das vor den Satellitendaten genau gemacht wurde, weiß ich nicht, aber üblicherweise macht man sowas mit Wetterstationen.
    Eisdicke würde sich wohl am ehesten durch Bohren bzw Zerschlagen der Eisdecke messen lassen.
    Das Eis wurde meines Wissens z.B. auch von der US Marine von U-Booten aus vermessen (Dicke usw.)

    5. Warum gibt es in der Antarktis keinen Rückgang des Meereises?

    In der Antarktis liegt das Eis großteils auf Land – es ist ein kontinentaler Eisschild. Das Eis liegt außerdem höher, die Durchschnittstemperatur ist niedriger, so dass ein Temperaturanstieg nicht so viel ausmacht und der regionale Anstieg war meines Wissens nach nicht besonders hoch – aber in der Westantarktis höher als in der Zentralantarktis.
    Die Westantarktis reagiert sensibler.
    Mit dem Eis, das in der Antarktis auf dem Wasser schwimmt – direkt vor der Küste, vor den Landeismassen – war in den letzten Jahren einiges los, weil es teilweise instabil wurde und zerbrach (Larsen B Eisschelf z.B.)aufgrund wärmeren Untergrundwassers.
    Das bedeutet indirekt, dass das Landeis instabiler wird, weil es schneller ins Meer abfließt, wenn die Barriere des Schelfeises fehlt.

    MfG
    K.B.

  13. Kirstin

    Hier die Entwicklung des Antarktis-See-Eis:

    http://nsidc.org/…images/S_stddev_timeseries.png

    Der südlichste Punkt der je mit einem Schiff erreicht wurde war 1911 bei der Amundsen-Expedition. Dort kommt heute selbst ein Atomeisbrecher nicht hin.

    Zum Abbrechen des Schelfeises: Was würde wohl passieren wenn da nichts abbricht? Da ganzjährig tiefe Minustemperaturen herrschen müßte die Landeis-Dicke ständig durch die Schneefälle zunehmen, theoretisch so lange bis kein Wasser mehr in den Ozeanen ist. Das Abkalben der Schelfe ist daher wohl eher Teil des natürlichen Kreislaufs.

    Vor ca. 80 Jahren gab es bereits einige Jahre lang einen deutlichen Rückgang des Meereises in der Arktis und die Wissenschaftler prognostizierten damals einen eisfreien Nordpol in wenigen Jahren.

    Über die Eisbären wird viel geschrieben aber nur selten darauf hingewiesen dass es diese Tiere schon gab als in der Themse Krokodile planschten.

  14. Less ice than today

    Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge waren im Holozän-Klimaoptimum, also vor 8000 bis vor 5000 Jahren, nur ca. 50% des 2007er sea-ice-Minimums vorhanden.
    http://news.ku.dk/…s/2011/2010.8/arctic_sea_ice/

    Der Meereisbedeckungsgrad am Nordpol in direktem Zusammenhang mit der globalen Durchschnittstemperatur.
    Halte ich für ziemlich wahrscheinlich, daß das so ist.

  15. Binikowski

    OK, Sie mögen ein bisschen Recht haben, dass die Durchquerung der NW-Passage kein singuläres Ereignis der neueren Zeit war. Aber der von Ihnen zitiertenb Seite (Wiki) ist folgendes zu entnehmen:

    „Im September 2008 durchfuhr die Camilla Desgagnés als erstes Handelsschiff planmäßig die Nordwestpassage.[3][4] Auf Nachfrage wurde die Passage als eisfrei beschrieben.“

    Die Pioniere von damals hätten sich sicherlich über solche Verhältnisse gefreut.
    ……

    „2. Wieviel qkm wäre denn die ideale Eisbedeckung und warum?“

    Den Begriff „ideale Eisbedeckung“ habe ich bisher noch nicht gehört. Ich möchte annehmen, dass Sie damit ausdrücken möchten, dass eine eisbedeckte Arktis kein Selbstzweck sei, -evtl. als Argumentationslinie für den Fall, dass das arktische Seeeis weiter abnimmt und evtl. ganz verschwindet.

    Da mögen Sie wieder ein bisschen Recht haben, denn die arktische Eisbedeckung erscheint aus der Sicht des modernen Menschen nicht überlebenswichtig. Nur müssen Sie dabei bedenken, dass daraus Folgen für das System der Meeres- und Luftströmungen verbunden sein könnten und dass die Temperatur anzunehmenderweise nicht nur in den arktischen Regionen steigt -mit möglicherweise unkalkulierbaren (politischen) Folgen. In den Tropen wäre man über steigende Temperaturen gewiss nicht erfreut.

  16. Frierende Krokodile

    @ Jochen Binikowski

    Vor ca. 80 Jahren gab es bereits einige Jahre lang einen deutlichen Rückgang des Meereises in der Arktis und die Wissenschaftler prognostizierten damals einen eisfreien Nordpol in wenigen Jahren.

    Wer sind DIE Wissenschaftler?

    Über die Eisbären wird viel geschrieben aber nur selten darauf hingewiesen dass es diese Tiere schon gab als in der Themse Krokodile planschten.

    Nun ja, als sich vor ca. gut 30 Mio Jahren im Tertiär die Erde deutlich abkühlte, die Polkappen vereisten und sich die Art des Eisbären abspaltete, dürfte es für Ihre Krokodile in der Themse arg kühl geworden sein…

    Aber Krokodile wurden auch schon in norwegischen Fjorden gesichtet…..:

    http://2.bp.blogspot.com/…9ds/s1600/IMG_5874.JPG

  17. Relativierung

    Dass es in der Vergangenheit einzelne Durchquerungen der Nordwestpassage gab, kann man wahrscheinlich nicht widerlegen. In den letzten Jahren war die NWP aber im September immer offen und deshalb gibt es auch begründete langfristige wirtschaftliche Interessen und Investitionen. Ich denke, gleichartige Vorschläge wurden in der Vergangenheit von den Banken eher belächelt, lese aber gerne mal einen gegenteiligen und durchgeführten Businessplan.

    Natürlich gab es früher in der Arktis mal mehr und mal weniger Meereis. Die Frage ist aber, ob der gegenwärtige Abwärtstrend von 7 Mqkm auf 0 Mqkm in 100 Jahren schon öfters stattgefunden hat? Weder Sedimente, Küstenlinien, noch Treibholzfunde aus den letzten Jahrtausenden belegen derartig kurzfristige Schwankungen.

  18. na was nun?

    hier gäbe es schon ein paar recht interessante Ansätze, welche von den Autoren zu beantworten wären. Zum Beispiel die Sache mit dem antarktischen Meereis, es reagiert scheinbar gar nicht auf „AGW“? Warum ist die T Erhöhung im hohen Norden so hoch, ganz im Süden fast Null und wie viel davon ist „natürlich“?
    Was ist mit der IR Abstralung des arktischen Ozeans wenn kein Eis zu gewissen Jahreszeiten diese mindert?
    Die einfachen Fragen werden gerne beantwortet, kennen wir schon…

    [Kurze Antwort: Der Platz reicht nicht hier in die Tiefe zu gehen, aber der Südliche Ozean ist eine sehr spezielle Region in dem es eine atmosphärische und ozeanische Zirkumpolarströmung gibt, die die Region vom Rest der Welt abschirmt. Dieses wird nicht vollständig und nicht für alle Zeiten geschehen, aber es spielt eine wichtige Rolle im Verständnis des Klimas der Antarktis. Anders Levermann]

  19. Rekordmeereisschmelze

    Das Alfred-Wegener-Institut hält ein Rekordminimum bei der arktischen Meereisausdehnung in diesem September für „höchstwahrscheinlich“…:

    http://www.welt.de/…mpft-dramatisch-schnell.html

    Und das in einem Jahr ohne aussergewöhnliche Wetterverhältnisse in der Arktis wie 2007 und trotz La Nina. Auch das arktische Meereisvolumen geht bedenklich zurück:

    http://www.n-tv.de/…dminimum-article4110551.html

    Damit dürften die zahlreichen „klimaskeptischen“ Verkündigungen einer Trendwende bei der arktischen Meereisschmelze seit 2007 entgültig ins Land der Märchen verbannt sein…