2000 Jahre Meeresspiegel + Updates

US-Kollegen ist es erstmals gelungen, eine durchgehende Rekonstruktion des Meeresspiegels über die letzten 2000 Jahre zu erstellen. Demnach steigt der Meeresspiegel heute schneller als je zuvor in den letzten beiden Jahrtausenden.

Gute Daten über die frühere Meeresspiegelhöhe sind nicht leicht zu bekommen. Dabei lässt sich der riesige Anstieg seit der letzten Eiszeit (120 Meter) noch ganz gut rekonstruieren, weil wenige Meter Ungenauigkeit in der Höhe oder ein paar Jahrhunderte in der Datierung dabei relativ wenig ins Gewicht fallen. Aber für die subtilen Veränderungen der letzten Jahrtausende braucht man genauere Verfahren.

Andrew Kemp, Ben Horton und Jeff Donnelly haben ein solches entwickelt. Dabei nutzen sie Sedimente in Salzwiesen an der Küste, die regelmäßig durch die Gezeiten überflutet werden. Wenn der Meeresspiegel steigt, dann wächst auch die Salzwiese mit in die Höhe, da sie Sedimente einfängt. Die auf diese Weise anwachsenden Sedimentschichten kann man untersuchen und datieren. An ihrer Höhe in Abhängigkeit vom Alter sieht man schon grob den Verlauf des Meeresspiegels.

Wie wird der Meeresspiegel rekonstruiert?

Jetzt aber kommt die clevere Feinarbeit. Denn der Aufbau der Sedimente folgt zwar im Mittel dem Meeresspiegel – aber er hinkt etwas hinterher, wenn der Anstieg besonders rasch ist, oder eilt voraus, wenn der Anstieg langsam ist. Daher möchte man noch wissen, wie hoch – relativ zum mittleren Meeresspiegel – die Salzwiese zu jedem Zeitpunkt lag. Dazu nutzt man aus, dass es eine charakteristische Abfolge von Organismen gibt: für jede Höhe im Bereich des Tidenhubs findet man eine bestimmte Artenzusammensetzung. Die kann man  analysieren – zum Beispiel anhand der winzigen Kalkschalen der Foraminiferen, die sich in den Sedimenten finden. Dazu muss man diese Kalkschalen in jedem Zentimeter Sediment unter dem Mikroskop bestimmen und zählen.

Mikroskopaufnahme der Foraminifere Trochammina inflata

Um eine lückenlose Sedimentabfolge mit hoher zeitlicher Auflösung zu erhalten, braucht man einen Ort mit einem kräftig und kontinuierlich steigenden Meeresspiegel. Kemp et al. nutzen Salzwiesen in North Carolina, wo das Land in den letzten beiden Jahrtausenden (infolge des Endes der letzten Eiszeit) stetig rund 2 m abgesunken ist. So erhält man einen rund 2,5 m langen Sedimentbohrkern. Den Effekt der Landsenkung muss man dann hinterher wieder herausrechnen, um den eigentlichen Anstieg des Meeresspiegels zu erhalten.

Messungen in der Salzwiese: die postdocs Andy Kemp und Simon Engelhart Ben Horton und Reide Corbett bei der Arbeit in Sand Tump Point, einem der Studienorte [sorry, Foto verwechselt]

Wie hat sich der Meeresspiegel entwickelt?

Die Grafik zeigt den so gefundenen Meeresspiegelverlauf über die letzten 2000 Jahre. Man erkennt vier Phasen:

  • Von 200 vor Christus bis 1000 nach Christus war der Meeresspiegel stabil.
  • Ab dem 11. Jahrhundert stieg er 400 Jahre lang um etwa sechs Zentimeter pro Jahrhundert an.
  • Dann folgt eine weitere stabile Periode bis ins späte 19. Jahrhundert.
  • Seither ist der Meeresspiegel um gut 20 Zentimeter angestiegen.

 


Verlauf des Meeresspiegels in North Carolina nach Proxidaten (blaue Kurve mit Unsicherheitsband). Die lokale Landabsenkung ist bereits herauskorrigiert. Die grüne Kurve zeigt Messdaten von einem nahe gelegenen Hafenpegel eine Rekonstruktion auf Basis eines globalen Satzes von Hafenpegeln (Jevrejeva et al. 2006, 2008). Die rote Kurve zeigt ein einfaches Modell über den Zusammenhang von Meeresspiegel und globaler Temperatur. Über die letzten tausend Jahre folgt die Meeresspiegelrekonstruktion sehr gut dem, was man aufgrund des Temperaturverlaufs erwarten würde – damit stützen die beiden von einander unabhängigen Rekonstruktionen von Meeresspiegel und Temperatur sich gegenseitig, da sie ein konsistentes Bild liefern. Vor 1000 n.Chr. gibt es aber eine Diskrepanz: warme Temperaturen in der verwendeten Temperaturrekonstruktion lassen einen steigenden Meeresspiegel erwarten, die Daten zeigen aber stabilen Meeresspiegel. Allerdings sind die Temperaturdaten aus diesem Zeitraum spärlich und weniger zuverlässig, und schon bei nur 0,2 ºC kühleren Temperaturen wäre diese Diskrepanz beseitigt. Eine mögliche Erklärung der Diskrepanz ist daher eine etwas zu warme Temperaturrekonstruktion.  

Diese Daten gelten zunächst für das Untersuchungsgebiet in North Carolina, wo sie auch gut mit Pegeldaten (grüne Kurve) (Abb. 2 im Paper) übereinstimmen. Sie decken sich aber auch sehr gut mit einem weiteren Datensatz aus Massachusetts. Veränderungen des Meeresspiegels entlang der US-Atlantikküste müssen allerdings nicht genau mit dem globalen Verlauf übereinstimmen. Zwar steigt der Wasserspiegel überall gleichmäßig an, wenn ich Wasser in meine Badewanne einlasse. Aber im Ozean gibt es eine Reihe von Mechanismen, die zu regionalen Abweichungen vom globalen Meeresspiegelverlauf führen können. Ein Beispiel kennen wir auch aus der Badewanne: das Wasser kann "herumschwappen", im Ozean über Zeiträume von Jahrzehnten. Es gibt aber auch andere Faktoren, etwa Veränderungen der Meeresströme oder des Gravitationsfeldes (durch Abschmelzen von Landeismassen). In der Studie werden diese Faktoren abgeschätzt und gefolgert, dass die gezeigte Kurve bis zu 10 Zentimeter vom global gemittelten Meeresspiegel abweichen kann. Damit wäre der globale Verlauf immer noch dem gezeigten ähnlich.

Zusammenhang mit der Klimaentwicklung

Wir waren selbst an der Studie beteiligt (mit den Kollegen Martin Vermeer und Mike Mann), um den Zusammenhang von globaler Temperatur und Meeresspiegel zu analysieren. Dabei verwendeten wir ein einfaches semi-empirisches Modell, bei dem im Wesentlichen davon ausgegangen wird, dass die Rate des Meeresspiegelanstiegs proportional zur Temperatur ist. Mit anderen Worten: je wärmer es wird, desto schneller steigt der Meeresspiegel. Dieser Zusammenhang wurde schon für Pegeldaten für die letzten 130 Jahre aufgezeigt, funktioniert aber auch sehr gut für die abgelaufenen 1000 Jahre (rote Kurve). Davor gibt es Diskrepanzen (mehr dazu in der Bildunterschrift).

Demnach ist der Anstieg ab dem 11. Jahrhundert eine Folge der Warmperiode des Mittelalters. In diese Phase fielen übrigens auch einige der großen Sturmfluten und Landverluste an der deutschen Nordseeküste, etwa die Julianenflut im Jahr 1164, die Marcellusflut 1219, die Luciaflut 1287 und die "Grote Mandränke" am 16. Januar 1362. Dabei hat wohl die lokale Landabsenkung die Hauptrolle gespielt; es wäre aber eine interessante Frage für die weitere Forschung, inwieweit ein global steigender Meeresspiegel hier mit beigetragen hat.

Die dann folgende Phase mit stabilem Meeresspiegel von 1400 n. Chr. bis ins 19. Jh. ist den etwas kühleren Temperaturen der "kleinen Eiszeit" zuzuschreiben. Dann folgt ein steiler Anstieg im Zuge der globalen Erwärmung im 20. Jahrhundert. Die (genaueren) Pegel- und Satellitendaten zeigen, dass sich auch innerhalb des 20. Jahrhunderts der globale Meeresspiegelanstieg weiter beschleunigt.

Quelle: Kemp et al., Climate related sea-level variations over the past two millennia, PNAS 2011.

Weitere Infos zum Meeresspiegel: Meeresspiegel-Themenseiten des PIK

Update 21. Juni: Spiegel Online behauptet über unsere Studie:

Die neue Meeresspiegel-Rekonstruktion weicht zudem deutlich von früheren Studien ab. So hatte ein Team um Michael Mann, der auch zu den Autoren der aktuellen Untersuchung gehört, in einer 2008 veröffentlichten Studie einen viel steileren Meeresspiegel-Anstieg für die vergangenen Jahrhunderte berechnet. Für das Jahr 500 etwa liegt das Wasserniveau um fast eineinhalb Meter unterhalb des neuen Wertes. Auch Rahmstorf selbst hatte 2007 und 2009 Studien zur historischen Entwicklung des Meeresspiegels mitveröffentlicht, die ähnlich stark von der neuen Berechnung abweichen.

Das ist falsch. Weder Michael Mann noch ich selbst haben schon einmal abweichende Aussagen zum früheren Meeresspiegelverlauf publiziert. Offenbar hat der Spiegel-Online Autor Markus Becker unsere Abb. 4D im Paper missverstanden. Im Jahr 2007 und 2009 haben wir einfachere Modellgleichungen zum Zusammenhang von Meeresspiegel und Temperatur publiziert, die sich nur für kurze Zeiträume eignen (~100 Jahre), wie auch explizit in beiden Papers gesagt wird. Daher haben wir im neuen Paper eine etwas kompliziertere Gleichung benutzt, die die Langzeitentwicklung erfasst. Lediglich zum Vergleich – um den Unterschied zwischen den verschiedenen Modellen transparent zu machen – haben wir in Abb. 4D gezeigt, was man mit diesen alten Modellen für die letzten 1500 Jahre bekommen würde. Die Grafik soll zeigen, dass man tatsächlich den Langzeitterm in der Gleichung braucht und wie er sich auswirkt. (Die eigentliche Überraschung bei dieser Grafik war für mich, dass die alten, einfacheren Modelle nicht nur für ~100 Jahre gut funktionieren, wie wir dachten, sondern sogar bis zu 800 Jahren zurück.)

Solche Missverständnisse lassen sich übrigens leicht vermeiden, wenn Journalisten einmal mit den Forschern sprechen, über deren Arbeit sie schreiben – wie das die Berichterstatter anderer Zeitungen auch getan haben, Markus Becker aber leider nicht.

SpON macht natürlich auch wieder eine "Debatte" daraus, die die "Forschergemeinde entzweit". Dabei werden drei Kritikpunkte genannt:

  1. Die Daten gelten nur lokal für die US-Atlantikküste. Genau das sagen wir in der Studie auch. Unserer detaillierten Abschätzung, wonach die gezeigte Meeresspiegelentwicklung dort nur bis zu 10 cm vom globalen Mittel abweichen dürfte, hat offenbar keiner der gefragten Kollegen widersprochen. Es würde uns natürlich sehr interessieren, wenn jemand da zu anderen Zahlen käme. Ab dem Jahr 1700 gibt es eine globale Zusammenstellung von Pegeldaten (Jevrejeva et al. 2006, 2008 – grüne Kurve im Bild oben), die gut zu den Proxidaten passt (wobei es zwischen 1700 und 1850 nur europäische Pegeldaten gibt). 
  2. Es wird bezweifelt, dass diese Daten für Zukunftsprojektionen hilfreich sind. Nun hat damit auch bislang niemand Zukunftsprojektionen gemacht – inwieweit die Daten aus der Vergangenheit helfen, die künftige Entwicklung einzugrenzen, das kann man erst dann kritisch diskutieren, wenn der Versuch gemacht worden ist. Grundsätzlich sollte man natürlich alle verfügbaren Informationen nutzen und Meeresspiegel-Modelle an der Vergangenheit testen.
  3. Jens Schröter vom AWI wird mit der Aussage zitiert: "Hätte man versucht, allein auf Basis der Daten eine Kurve zu entwickeln, wäre das wohl schwierig geworden." Aber genau das haben unsere US-Kollegen gemacht, die über fünf Jahre an dieser Studie gearbeitet haben. Erst als die Daten fertig analysiert waren und die Meeresspiegelkurve stand, haben sie uns involviert, um den Zusammenhang dieser Kurve mit der globalen Temperaturentwicklung zu untersuchen.

Update 22.6.: Spiegel Online hat nun eine Art Korrektur publiziert – bzw. einfach dem Artikel einen Einschub hinzugefügt, in dem steht, dass ich feststelle, dass Mann oder ich keine früheren, abweichenden Meeresspiegelberechnungen publiziert hätten. Das liest sich jetzt ein wenig so, als gäbe es darüber unterschiedliche Meinungen: SpON sagt, wir haben, Rahmstorf sagt dagegen, wir haben nicht. Dabei ist das natürlich ein leicht objektiv nachprüfbares Faktum – sauberer wäre m.E. gewesen, das im Dienste der Leser einfach klar als Misverständnis richtig zu stellen (wie ich oben im Artikel auch einige Flüchtigkeitsfehler sichtbar korrigiert habe). Inzwischen ist auch eine englische Fassung des SpON-Artikels erschienen, wo der ganze Abschnitt über die angeblichen "Abweichungen von früheren Studien" fehlt.

Ich habe auch den von SpON zitierten Kollegen Jens Schröter um Klärung gebeten, was mit einigen seiner Zitate konkret gemeint war. Hoffentlich können wir hier in Kürze genauer eingrenzen, in welchen Punkten tatsächlich ein sachlicher Dissens besteht. Und auf RealClimate habe ich noch einen kurzen Anhang publiziert, der einige der in der Diskussion aufgekommenen Fragen erläutert.

Und als Kontrastprogramm zu SpON: hier ZEIT online zu unserer Studie. (Siehe dazu auch unsere beiden Beiträge zur Diplomarbeit von Robin Avram zur Klimaberichterstattung von Spiegel vs. Zeit, die zu den meistgelesenen des letzten Jahres gehörten.)

Update 24.6.: Inzwischen hat Jens Schröter auf meine Rückfrage geantwortet. Wie ich vermutet hatte, besteht in keiner Sachfrage ein nennenswerter Dissens zwischen uns. Allerdings ist es in seinem Gespräch mit dem Journalisten wohl zu einigen Missverständnissen gekommen, und er hat die Zitate nicht autorisiert. Schröter dazu:

Ich stimme weder mit der Überschrift des SpON-Artikels überein noch mit der Behauptung, die Studie stünde "auf wackligem Fundament".  Im Gegenteil: Die Datenlage der Messungen in North Carolina ist eindeutig. Wir  kommen beide zum Ergebnis, dass sich der Anstieg des Meeresspiegels nach einer langen Ruhephase beschleunigt hat. Heute zeigt sich der steilste Anstieg der vergangenen 2100 Jahre. Auch die Abschätzung der Studie, dass der Meeresspiegel in North Carolina im Rahmen von ± 10 cm dem globalen Meeresspiegelverlauf gefolgt sein dürfte, halte ich für vernünftig.

Auch darüber, dass man natürlich nicht nur aus einem solchen Datensatz die Zukunft voraussagen kann, gibt es keinerlei Dissens. Solche Daten über die Vergangenheit sind aber wichtig um Modelle zu testen, die für Zukunftsprojektionen verwendet werden sollen.

Der "Forscherstreit" ist zwar ein beliebter Topos, entspricht aber oft nicht der realen Fachdiskussion unter Kollegen.

[Dieses Update erscheint mit Zustimmung von Jens Schröter.]
 

Stefan Rahmstorf ist Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf Klimaänderungen in der Erdgeschichte und der Rolle der Ozeane im Klimageschehen.

33 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Journalisten…

    …und Fachkollegen sollen sich diktieren lassen, was sie zu denken und zu veröffentlichen haben ?

    US-Kollegen ist es erstmals gelungen, eine durchgehende Rekonstruktion des Meeresspiegels über die letzten 2000 Jahre zu erstellen. Demnach steigt der Meeresspiegel heute schneller als je zuvor in den letzten beiden Jahrtausenden.

    An der Küste, wo geforscht wurde, aber nicht global, Sie reden gewissermaßen vom „Wetter“ des Meeresspiegels an genanntem Ort.

  2. qualitätsjournalismus?

    mittlerweile werde ich wohl paranoid. jedenfalls intpretierte ich den vor ein paar tagen im SPON veröffentlichten artikel zu einem vulkanausbruch in ostafrika so. da hieß es, experten beschuldigten falschen vulkan.

    für mich ein weiterer fall, zu versuchen, wissenschaft zu diskreditieren. „experten beschuldigen“ fälschlicherweise. was ist das für ein thema? schuld? experten machten einen fehler – mal wieder…einfach nur tendenziös. allein das wort „schuld“ in so einem absurden zusammenhang nehme ich als beleg für die religiöse denke des autors.

  3. @Aladin

    Nein, das ist schlicht falsch. Erstens steigt der Meeresspiegel auch global gesehen so schnell wie nie zuvor und sogar beschleunigt:

    http://www.skepticalscience.com/…-level-rise.htm

    Zweitens ist das nicht „Wetter“ des Meeresspiegels. Wetter wäre es ja nur, wenn zu kurze Zeiträume betrachtet worden wären, z.B. die Meeresspiegelveränderungen der letzten 5 Jahre könnten „Wetter“ sein, aber Veränderungen über mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrtausende sind Klima. Die Daten aus der im Blogtext beschrieben Untersuchung sind sogesehen das lokale „Klima“ des Meeresspiegels in North Carolina.

    Die Abweichungen zum globalen Meeresspiegel können jedoch nur begrenzt sein, weil Meeresströmungen etc nicht zu beliebig hohen Unterschieden im lokalen Meeresspiegel führen können.

  4. Aladins Journalisten….

    @ Aladin

    Journalisten… 21.06.2011 | 20:06 …und Fachkollegen sollen sich diktieren lassen, was sie zu denken und zu veröffentlichen haben ?

    Könnten Sie bitte auch eine Quelle für Ihre Behauptung angeben?

    Hinter „Aladin“ versteckt sich vermutlich Herr Michael Krüger:

    http://www.readers-edition.de/…e/#comment-385728

    An der Küste, wo geforscht wurde, aber nicht global, Sie reden gewissermaßen vom „Wetter“ des Meeresspiegels an genanntem Ort.

    Nun ja, bekanntlich hängen alle Meere zusammen, auch wenn der Meeresspiegel nicht überall gleich stell ansteigt können die Abweichungen nicht grundlegend anders sein. Zudem wurden hier in der Klimalounge und auch in anderen Wissenschaftsblogs schon oft über ähnliche Beobachtungen in anderen Regionen der Welt berichtet, zuletzt hier u.a. über Messungen in der Deutschen Bucht:

    http://www.wissenslogs.de/…ues-vom-meeresspiegel

    Mit „Wetter“ kann man das nun wirklich nicht vergleichen.

  5. Die Größe eines Flohs

    Ich empfehle folgende Lektüre:

    http://www.jcronline.org/…JCOASTRES-D-10-00157.1

    Der kontinuierliche Anstieg des Meeresspiegels seit den 1940ern ist, laut den Aussagen in obiger Studie, so nicht gegeben. Dass, seit anthropologisch induzierte Faktoren in einem entsprechenden Ausmaß schlagend werden können, der Meeresspiegel um ca. 15cm angestiegen ist – cf., ibid, fig 1 – verschweigen Sie.

    Mich würde interessieren, wie groß Sie den von Menschen gemachten Anteil an den 2,1 mm/year sea-level-rise veranschlagen.

    Man könnte letztlich sagen, dass der Mensch nicht mehr als die Größe eines Flohs pro Jahr zur Erhöhung des Meeresspiegels beiträgt.

    Bei allem nötigen Respekt. Ich finde es durchaus interessant, wie man Studenten anhand Ihrer Arbeiten vorführen kann, wie sich normale und postnormale Wissenschaft überschneiden.

  6. … wird nicht ohne Folgen bleiben

    Der Mensch trägt katastrophal zur Meeresspiegelerhöhung bei, indem er den CO2-Gehalt der unteren Atmosphäre von 280 ppm auf mittlerweile 393 ppm erhöht hat, weiter steigern wird und außerdem andere zusätzliche Treibhausgase freisetzt.

  7. Herr Rahmstorf,

    ich habe Schwierigkeiten, Ihre Gln 2a/b nachzuvollziehen.
    In Vermeer/Rahmstorf 2009 war das kein Problem – ausgehend vom Modellansatz, daß die Meeresspiegel-(Volumen-)änderung etwa proportional zur über die Zeit akkumulierten Landeis-Schmelzwassermenge und der zusätzlichen thermischen Ausdehnung sein sollte, ergab sich die Gl. 2 ebd zwangsläufig durch Differentiation.

    Sie machte auch physikalisch sofort Sinn; die Anstiegsrate sollte

    – etwa proportional zur Abschmelzrate des Landeises sein, die wiederum proportional zur Abweichung von dessen Gleichgewichtstemperatur sein sollte;

    – zzgl proportional zur thermischen Ausdehnungsrate, die vom Wärmediffusionsstrom in die/aus den Ozeanen und damit von der Temperaturänderungsrate abhängt.

    Für den neuen Term in der Mitte der Gleichung 2a/b, den Sie in der aktuellen Arbeit einführen, kann ich aber keine direkte physikalische Entsprechung mehr finden. Die gegebene Erklärung …

    „The second term represents intermediate
    time scales, where an initial linear rise gradually saturates
    with time scale t as the base temperature (T0) catches up with
    T. In Eq. 1, T0 was assumed to be constant.“

    … gibt leider auch keine Hilfestellung bzgl. der konkreten physikalischen Interpretation dieses Modellterms. Könnten Sie mir erklären, welcher konkrete physikalische Vorgang mit diesem Term modelliert wird?

    [Antwort: Es ist einfach: wenn es z.B. ein Grad wärmer geworden ist und dabei bleibt, dann wird Eis schmelzen und der Meeresspiegel mit einer bestimmten Rate ansteigen. Für kurze Zeitskalen (~100 Jahre oder so) kann man diese Rate als konstant annehmen – so haben wir es in den früheren beiden Papers gemacht. Der Meeresspiegel wird aber nicht ewig weiter steigen, irgendwann kommt das System wieder in ein neues Gleichgewicht (mit z.B. etwas kleineren Gletschern, aber keinem weiteren Abschmelzen mehr). Diese Zeitskala, auf der sich das System einem neuen Gleichgewicht nähert, wird mit dem 2. Term berücksichtigt. Stefan Rahmstorf]

  8. Lokaler Meeresspiegelanstieg not global

    Das der Meeresspiegel regional stark unterschiedlich ansteigt und regional teils auch sinkt zeigt diese Auswertung/ Abbildung von Dr. Jens Schröter vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI in Bremerhaven). Einer der im SpON-Artikel genannten Kritiker der Studie.

    Gerade die Ostküste der USA (also der Bezugspunkt der Studie) weist einen der stärksten lokalen Anstiege der letzten Jahrzehnte auf. Dieser Ort ist also keinenfalls repräsentativ für den globalen Meeresspiegelanstieg. Den lokalen „Hockeystick“ darf man also keinenfalls global ausweiten und daraus Aussagen für die Zukunft ableiten.

    Abschließend seinen noch zwei Studien genannt, welche im Widerspruch zu der aktuellen Studie stehen.

    Larsen und Clark 2006. A search for scale in sea-level studies. Journal of Coastal Research.

    Holgate 2007. On the decadal rates of sea level change during the twentieth century. Geophysical Research Letters.


  9. Ich empfehle folgende Lektüre:

    http://www.jcronline.org/…JCOASTRES-D-10-00157.1

    Der kontinuierliche Anstieg des Meeresspiegels seit den 1940ern ist, laut den Aussagen in obiger Studie, so nicht gegeben.

    Nein, das sagt die Studie nicht. Die Studie behauptet, dass der Meeresspiegel nicht *beschleunigt* ansteigen würde. Sie sagt aber sehr wohl aus, dass der Meeresspiegel ansteigt. Ich empfehle einfach mal folgende Lektüre, in der diese Studie ein bisschen auseinandergenommen wird:

    http://www.skepticalscience.com/…-level-rise.htm

    Bei allem nötigen Respekt. Ich finde es durchaus interessant, wie man Studenten anhand Ihrer Arbeiten vorführen kann, wie sich normale und postnormale Wissenschaft überschneiden.

    Vielleicht wäre es ein Start, überhaupt mal zu lesen, was das von dir genannte Paper überhaupt aussagt?

  10. Hallo Herr Rahmstorf,

    Es geht hierbei um dieses Paper von Ihnen und Vermeer:

    http://www.pik-potsdam.de/…er_rahmstorf_2009.pdf

    Und ich wollte eigentlich mal fragen wie es z.b mit der Antarktis ausschaut?

    In der West-Antarktis verstehe ich das ganze noch gut aber, wie schaut es mit dem Rest der Antarktis aus?

    Meines Wissens (gerne werde ich korrigiert) ist es noch erheblich zu kalt damit die Antarktis flächendeckend schmilzt. (Wohl auch grad wegen des ganzjährigen Polarwirbels).

    Woher nehmen sie die Annahme, dass bei erreichen der erforderlichen Temperatur die Schmelze nahezu linear geschieht? Wird es nicht viel mehr ein Kippunkt sein??

    Das Modell beruht ja auf:

    dH/dt = a(T – T0) + b dT/dt.

    1. Term

    „Eq. 1 is based on the assumption that the response time scale
     of sea level is long compared with the time scale of interest
    (typically (100 years).“

    Wäre also die Linearität zwischen Temperatur und Sea-Level-Rise im Bezug von 100 Jahren.

    2. Term

    „However, some components of sea level adjust
    quickly to a temperature change, e.g., the heat content of the
    oceanic surface mixed layer.“

    Also hiermit wird der Meerspiegelanstieg noch beschleunigt durch Thermische Expansion des Wassers.

    Aber ich erkenne den Sinn nicht ganz, ersterer Term muss zwangläufig schon den die OHC-Expansion berücksichtigen!?

    mfg

  11. Hockeystick Nr. ?

    mittlerweile fast schon langweilig sind diese immer wieder kehrenden Versuche, historische Klima- und Meerespiegelschwankungen möglichst klein zu halten und die anthropogenen Einflüsse extrem darzustellen. Warum auch nicht, aber stimmt denn obige Darstellung und die Kernaussage?
    Hmm, lt. dieser allg. akzeptierten Darstellung:
    http://www.zamg.ac.at/…iegel/Gegenwart/index.php

    stieg der Meerespiegel von 1930 bis 1960 um 3mm/a und von 1990 bis 2009 2,5mm/a, die vergleichbaren 30a von 1980 bis 2010 noch etwas weniger.

    Dazu kommt, dass der schnellere Anstieg um die Mitte des 20. Jahrhunderts nur einen marginalen anthropogen verursachten Anteil haben kann und den Schluss zu ziehen, dass gegenwertige Änderungen zum Großteil auf die CO2 bedingte Erwärmung zu führen sind, ist angesichts der enormen Trägheit der Ozeane aber auch der großen Landeispnazer mehr als nur aus der Luft gegriffen, oder etwa nicht?

    [Antwort: Schauen Sie doch einfach einmal die Korrelation von der Rate des globalen Meeresspiegelanstiegs mit der globalen Temperatur im 20. Jh. an – Vermeer & Rahmstorf 2009, oben verlinkt. Stefan Rahmstorf]

  12. Hmm, Herr Rahmstorf, ich verstehe jetzt. Aber ich hätte da spontan ein Produkt erwartet, in der Art ‚Abschmelzintensität (wie im alten Modell) * Menge des noch nicht abgeschmolzenen Eises unterhalb der Gleichgewichtstemperatur‘. Aber das muß ich nochmal mit etwas Muße durchdenken.

  13. Replik

    @ Beobachter
    „Nein, das sagt die Studie nicht. Die Studie behauptet, dass der Meeresspiegel nicht *beschleunigt* ansteigen würde. Sie sagt aber sehr wohl aus, dass der Meeresspiegel ansteigt.“

    Ne, stimmt doch gar nicht. Figure 1 zeigt und in den results ist zu lesen, dass der Meeresspiegel sogar „zeitenweise“ sinkt. Cf. Fig. 1., ca. 1962, 1979, 1983. Fig. 2 für den Zeitraum 1993-2008, kann auch hilfreich sein oder die Aussagen: „Relatively large sea-level decreases are seen in Figure 2 along the coast of Alaska, Yakutat, Adak, and Skagway,contributing to decelerations of 20.1880, 20.1410, and 20.0994 mm/y2, respectively.“Ibid, 411

    Daher mein vorsichtiges „kontinuierlicher Anstieg“ „so“ nicht gegeben. Auch wenn man gegenteilige Studien nicht teilen mag, sollte man akademisch redlich, wenigstens versuchen, diese richtig darzustellen.

    Jedoch, jemand der zwingend solche Sätze von sich gibt:“Erstens steigt der Meeresspiegel auch global gesehen so schnell wie nie zuvor…“ disqualifiziert sich für den akademischen Diskurs in meinen Augen selber. „So schnell wie nie zuvor..“- mein Lieblingssatz.

  14. Volumen Eis/Wasser

    Hallo Herr Rahmstorf,

    ich habe mich gefragt, in wie weit die geringere Dichte von Eis im Vergleich zu Wasser eine Rolle beim Meeresspiegel-Anstieg spielt. Da Wasser im gefrorenen Zustand mehr Volumen einnimmt als im flüssigen, müsste es beim Abschmelzen doch auch einen negativen Effekt auf den Meeresspiegel-Anstieg geben. Ist der zu vernachlässigen? Ist er bezifferbar? Ist von Relevanz, ab welcher Temperatur flüssiges Wasser auf Grund der thermischen Expansion ein größeres Volumen einnimmt als gefrorenes?

    Sie haben beim Vortrag zur Klimakrise erwähnt, dass ein Abschmelzen der Inlandeismassen den Effekt habe, dass mehr Niederschlag in der Antarktis falle und sich damit dass Eis dort wieder aufbaue. (siehe auch third assessment report 2001). Wenn sich Grönland und die Antarktis die Waage halten, wäre vor allem die Eisberge der Arktis für den Meeresspiegel relevant. Stimmt dieser Schluss? Und spielt dabei Dichte eine Rolle?

    Freundliche Grüße
    Stefan Kaiser

  15. Ein Punkt in den USA = global ?

    Wenn ich mir diese Arbeit hier ansehe, bekomme ich so meine Zweifel, daß Mann et al das alles richtig sehen und interpretieren.
    Quo vadis Meeresspiegel? – Meeresströmungen führen zu starken regionalen Schwankungen –IFM GEOMAR kommt ebenfalls zu ganz anderen Ergebnissen.
    Vor allen Dingen wird nicht von regionalen Einzelergebnissen auf globale Veränderungen geschlossen.
    D.h. wir haben Meeresströmungen und sich verändernde / verlagernde Hoch- und Tiefdruckgebiete, die sich maßgeblich auf die Höhe des Meeresspiegels auswirken und die in der hier vorgestellten Studie nicht erwähnt und berücksichtigt wurden.

    Reconstructions of the spatial pattern of recent multi-decadal sea level trends in the Indian Ocean (IO) indicate a zonally-extended band in the southern tropics where sea level has substantially fallen between the 1960s and 1990s; the decline is consistent with the observed subsurface cooling associated with a shoaling thermocline in this region.

    Franziska U. Schwarzkopf
    Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR), Kiel, Germany
    —–
    Claus W. Böning
    Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel (IFM-GEOMAR), Kiel, Germany

    Klingt für mich sachlich und seriös.

    [Antwort: Die Arbeit der Kieler Kollegen ist sehr interessant und hilft dabei, die regionalen Schwankungen des Meeresspiegels besser zu verstehen, die wir auch in unserem Paper diskutieren. Einen Widerspruch zu unserer Abschätzung, wonach auf langen Zeitskalen die regionalen Abweichungen in North Carolina sich im Rahmen von +/-10 cm bewegt haben dürften, kann ich nicht erkennen. Stefan Rahmstorf]

  16. Antwort auf Herrn Kaisers Frage

    Sehr geehrter Herr Kaiser,

    ein Effekt des Abschmelzens von arktischem Eis auf den Meeresspiegel durch die geringere Eisdichte existiert nicht. Grund: Die Eismasse verdraengt Wasser nach ihrem Gewicht – also auch das nach oben herausragende Eis verdraengt unter sich Wasser. Dies gilt fuer alle schwimmenden Eismassen. Schmilzt das Eis also, aendert sich der Meeresspiegel durchschnittlich gar nicht. Leicht ueberpruefbar zuhause mit einer Schale gefuellt mit Eiswuerfeln – dabei allein auf den Wasserspiegel achten, nicht zuviele Eiswuerfel in die Schale da sonst Kapillareffekte am Glasrand auftreten!.

    Allerdings gibt es einen anderen Effekt zu beruecksichtigen: Schmilzt das Eis, aendert sich der Salzgehalt des Ozeanwassers und damit die Dichte. Wenn ich mich richtig erinnere, fuehrt dies zu einem sehr geringfuegigen Ansteigen des Meeresspiegels durch Abschmelzen von Arktiseis.

    Mit freundlichen Gruessen,
    Wizzy

  17. Ergaenzung…

    …ich meinte eine Schale gefuellt mit schwimmenden(!) Eiswuerfeln. Schmelzendes Eis, das auf Grund liegt, traegt natuerlich schon zum Wasserspiegelanstieg bei! In der Arktis gibt es ja auch Eis auf dem Land (auf Island, Groenland usf.), durch das Schmelzen dieses Eises steigt der Meeresspiegel natuerlich durchaus deutlich – allein 7,2 m durch den hypothetischen vollstaendigen Verlust aller Groenlandgletscher.

  18. Lokaler Meeresspiegelanstieg not global

    @ Michael Krüger

    Das der Meeresspiegel regional stark unterschiedlich ansteigt und regional teils auch sinkt zeigt diese Auswertung/ Abbildung von Dr. Jens Schröter vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI in Bremerhaven). Einer der im SpON-Artikel genannten Kritiker der Studie.

    Das bestreitet doch niemand. Ihre Grafik zeigt aber auch, dass Sie die punktuell kleinen Stellen, an denen der Meeresspiegel absinkt, mit der Lupe suchen müssen. Fast überall auf der Welt steigt der Meeresspiegel an. Diese Bereiche liegen zudem in Zonen starker Meeresströmungen. Das AWI geht ebenfalls von einem sich beschleunigenden Meeresspiegelanstieg aus. Als Ihr Kronzeuge ist es daher ungeeignet.

    Nicht nur die Ostküste der USA zeigt einen starken Meerespiegelanstieg. An der chinesischen Ostküste oder in der sibirischen See ist der Meeresspiegelanstieg noch viel stärker… Die Ostküste der USA ist somit keine Ausnahme. Aber man argumentiert hier wie beim Wetter und Klima: Wenn an einem Ort der Erde kaltes Wetter ist, so kann man unmöglich von globaler Klimaerwärmung sprechen….

    Die Entwicklung abfällig als „Hockeystick“ zu bezeichnen zeigt zudem Ihre voreingenommene Einstellung zum Thema.

    Inwieweit die beiden von Ihnen benannten Studien (Larsen und Clark 2006 und Holgate 2007) im Widerspruch zur aktuellen Studie stehen sollten Sie anhand von Zitaten und konkreten Ausführungen erklären.

  19. Widerspruch ?

    Herr Rahmstorf

    Einen Widerspruch zu unserer Abschätzung,

    Ich glaube nicht von einem Widerspruch gesprochen zu haben.
    Eine Fehlermarge von 20 cm ist andererseits natürlich schon ein starkes Stück, wenn das Meer das real tatsächlich stemmen müßte, wenn ansonsten von Millimetern hinterm Komma die Rede ist…

  20. Pressekodex

    Bei so häufigen Falschmeldungen in der Presse sollten Wissenschaftler vielleicht auch mal von der Möglichkeit einer Beschwerde beim Deutschen Presserat Gebrauch machen. Dieser SPON-Artikel ist zwar wahrscheinlich noch nicht „falsch“ genug, um eine solche Beschwerde zu rechtfertigen, aber bei anderen Pressemeldungen, die es schon gab, wäre dies womöglich angebracht gewesen.

  21. Daten, Code?

    Herr Rahmstorf,

    in der Diskussion auf RealClimate kam die Frage nach (u.a. Foraminiferen-)Daten und Code auf; Herr Vermeer ließ anklingen, daß da wohl etwas bei der Veröffentlichung schiefgelaufen sei, die Sache sei aber in Arbeit. Gibt es da mittlerweile Fortschritte mit der Publikation bzw einen Link auf ein Datenarchiv?

    Ich würde die (D)CA nämlich gerne selbst einmal nachvollziehen, um ein besseres Gefühl für die Unsicherheiten der Rekonstruktion zu bekommen.

    [Antwort: Sie können das auf unseren Meeresspiegel-Seiten herunterladen: http://www.pik-potsdam.de/sealevel/en/data.html. Stefan Rahmstorf]

  22. Vielen Dank für den Hinweis, Herr Rahmstorf – aber im Archiv fehlt leider alles, was erforderlich wäre, um die Meeresspiegel-Rekonstruktion von Kemp nachzuvollziehen – lediglich die Resultate seiner Rekonstruktion sind in der Datei ‚SP and TP final RSL datasets.xls‘ dokumentiert.

    Ist Ihnen vielleicht bekannt, ob Herr Kemp seinen Teil der Dokumentation noch ergänzen wird?

    [Antwort: Haben Sie die Supporting Information zum Paper bei PNAS einmal angeschaut? Da sind alle Datenpunkte tabelliert, die Chronostratigraphie ist gezeigt usw. Stefan Rahmstorf]

  23. Pressekodex

    @Freund der Wissenschaft
    Es gibt in er Presse dermaßen viele übertriebene und falsche Meldungen über den „Klimawandel“ und seine „Folgen“, daß auch hier einerseits der Presserat gefordert wäre und zum anderen wäre zu fragen, warum „unsere“ Klimaforscher dem nicht offen und ebenso entgegentreten wie sie es auch gern und mit Verve gegen Artikel wie z.B. hier im Falle des Spiegel so gerne tun. Wird hier etwa mit 2erlei Maß gemessen ?
    Das wäre nicht im Sinne der Freund der Wissenschaft, oder ?

    [Antwort: Andere Kollegen ebenso wie ich selbst haben sich auch häufig gegen Übertreibungen der Medien gewandt; auf meiner home page werden sie eine Reihe von Beispielen dazu finden. Stefan Rahmstorf]

  24. Zusammenhäge

    Herr Rahmstorf,
    können Sie zwischen Ihren Daten und denen hier so etwas wie einen Zusammenhang herstellen, insbesondere auch im Vergleich zu diesen hier ?
    Danke für Ihre Informationen

    [Antwort: Selbstverständlich, das ist in unserem Paper (Vermeer&Rahmstorf 2009) ja dokumentiert. Die Satellitendaten (Ihr erster Link) passen genau in den von uns vorgeschlagenen Zusammenhang von Temperatur und Meeresspiegel, Abb. 4 im Paper. Stefan Rahmstorf]

  25. Hilfreich

    sind die Klarstellungen der seltsamen SPON-Zitate von Dr. Schröter, denn der wird in Leugnerkreisen als großer Kritiker Ihrer Studie gehoben.
    MfG

  26. Leugner

    Herr Rahmstorf,
    wäre schön, Sie könnten den Begriff „Leugner“ aus Ihrem Blog fernhalten, ad hominem der Art verweisen auf mangelnde Sachargumente.
    Danke

  27. Kemp: Daten, Code

    Herr Rahmstorf,

    vielen Dank, dies und mehr habe ich natürlich geprüft. In Ref (12) findet sich folgendes Zitat:

    „We used the modern elevational distribution of foraminiferal assemblages from 184 samples in 10 North
    Carolina salt marshes (Kemp et al., 2009;
    Fig. 1) to develop transfer functions with strong predictive power (r2 = 0.59–0.63) and small errors (0.03–0.05 m). We applied the transfer functions to 73 samples from cores collected at Sand Point and Tump Point (Fig. 1) to provide estimates of paleomarsh elevation (PME) with sample-specific errors.“

    Es existieren also nicht nur zwei, sondern insgesamt 73 Bohrkerne aus Sand/Tump Point.
    Weiterhin werden für die Reproduktion der Transferfunktion, mittels der man aus dem Foraminiferen-Fingerabdruck den RSL abschätzen kann, noch die Metadaten und die Foraminiferen-Auswertung der 184 regionalen Proben benötigt. Das habe ich weder in der aktuellen noch in der damaligen Arbeit dokumentiert gefunden und hatte gehofft, es würde jetzt ergänzt werden.

    [Antwort: Bei solch speziellen Fragen würde man sich normalerweise an den Autor der Daten wenden. Stefan Rahmstorf]

  28. „Antwort: Bei solch speziellen Fragen würde man sich normalerweise an den Autor der Daten wenden. Stefan Rahmstorf“

    Herr Rahmstorf,

    ich bitte Sie einfach mal um ein wenig Verständnis. Normalerweise würde ich bei PNAS die Arbeit+SI abrufen und könnte unmittelbar feststellen, was an Daten und Code dokumentiert/verlinkt ist und was fehlt.

    Bei dieser Veröffentlichung ist lt. Kommentar von Herrn Vermeer auf RealClimate aber etwas mit der Dokumentation schiefgelaufen. Deshalb weiß ich nicht, ob diese Daten in der Enddokumentation ohnehin enthalten sein werden.
    Was raten Sie als Koautor mir jetzt konkret; sollte ich Herrn Kemp darauf ansprechen oder erübrigt sich das demnächst ohnehin?

  29. Steigung Meeresspiegel

    Herr Rahmstorf,

    Sie wissen bestimmt das es in die 30er und 40er jahren in Grünland heisser war als heute. Kann mann das sehen an die Steigung des Meeresspiegel?

    „the warmest year in the extended Greenland temperature
    record is 1941, while the 1930s and 1940s are the
    warmest decades.“
    http://www.cru.uea.ac.uk/…nd/vintheretal2006.pdf

    [Antwort: Wir finden auf längeren Zeitskalen (ca. > 15 Jahre) eine gute Korrelation von Meeresspiegelanstieg und globaler Temperatur – das ist plausibel, weil eine globale Erwärmung in der Summe über alle Prozesse (thermische Ausdehnung, Gletscherschmelze, Eisschilde in Grönland und Antarktis) zu einem Meeresspiegelanstieg führen muss. Bei einer lokalen Erwärmung nur in Grönland kann man das nicht erwarten, weil es dafür dann ja in anderen Regionen zum Ausgleich entsprechend kühler war (ansonsten reden wir ja wieder über Veränderungen in der globalen Mitteltemperatur). Stefan Rahmstorf]

  30. Die Desinformation geht weiter

    Inzwischen hat Spiegel online zum Thema nachgelegt. Axel Bojanowski nähert sich dem Thema in bekannter Skeptiker-Manier nach dem Motto: Nicht genaues weiß man nicht – und gibt dafür viel Geld aus. Welchen Einfluss diese Desinformation auf die Meinung des „kleinen Mannes“ hat, kann man sehr gut den Kommentaren im Spiegel Forum entnehmen.

    [Antwort: Ja, wieder ein echter Bojanowski. Schade für die Spiegel-Leser. Stefan Rahmstorf]

  31. Desiformation Axel Bojanowski in Spiegel

    Die Definformationsartikel des Axel Bojanowski in Spiegel-online und anderwo sind ja nicht neu:

    Schon 2006 berichtete Bojanowski über angebliche „Rüpeleien unter Klimaskeptikern“:

    http://www.pik-potsdam.de/~stefan/bojanowski.html

    Oder 2010 über den „Heissen Krieg ums Klima – Protokoll einer beispiellosen Wissenschaftsfehde.“

    http://www.spiegel.de/…tur/0,1518,688175,00.html

    Dass sich das sog. „Climategate“ in Luft aufgelöst hat und dass sich die von Bojanowski aufgebauschten Vorwürfe als haltlos erwiesen haben, darüber hat man bei Spiegel-online nichts gelesen.

    Haben die dort kein Qualitätsmanagement und keine redaktionelle Selbstkontrolle? Unglaublich, was Spiegel-online seinen Lesern hier für Hetzartikel vorsetzt! Das grenzt an Bildzeitungsniveau!

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