Griechenland: Klientelismus als Gesellschaftsform

Die Staatsform in Griechenland ist nur vordergründig eine Demokratie, tatsächlich herrscht dort ein alt-ehrwürdiges Gesellschaftssystem , das unter dem Fachbegriff Klientelismus bekannt ist.

Viele Menschen wundern sich über die seltsame Politik der griechischen Regierungen seit der faktischen Zahlungsunfähigkeit Griechenlands im Jahr 2009. Aber wie sich gleich zeigen wird, ist einiges davon zwar ausgesprochen unschön, aber nach den ungeschriebenen Gesetzen des Klientelismus durchaus folgerichtig und rational.

Wenn man verstehen will, wie die gegenwärtige Lage entstehen konnte, sollte man zunächst einen Blick auf die griechische Geschichte werfen.

Eine kurze Geschichte Griechenlands

Griechenland definierte sich vor dem 19. Jahrhundert nie als Staat, sondern immer als Kultur. In der Antike stritten sich verschiedene Stadtstaaten um die Führung, und es gelang keinem von ihnen, über längere Zeit die Herrschaft an sich zu reißen. Danach gehörte das Land zu Makedonien, zu Rom, zum Oströmischen Reich und schließlich über rund 400 Jahre zum osmanischen Reich. Die griechische Kultur und die griechische Sprache beherrschten dagegen über lange Zeit das gesamte östliche Mittelmeer bis zum Zweistromland und darüber hinaus.

Im osmanischen Reich änderte sich das Bild: die griechische Führungsschicht wurde weitgehend vernichtet, es blieben die Muchtare, örtliche Würdenträger, die Dörfer und kleine Städte gegenüber der osmanischen Regierung vertraten. Sie waren für Ordnung und Abgaben zuständig und nur sie fungierten als Ansprechpartner der Obrigkeit. Solange es keinen Ärger gab und alle Abgaben zuverlässig eingingen, hatten sie freie Hand. Durchgriffe der Osmanen auf die Bevölkerung waren die Ausnahme. Die Sippen der Muchtare wurden dabei oft genug ausgesprochen reich. Sie mussten festgesetzte Abgaben weiterreichen, wieviel sie selbst einstrichen, war dabei zweitrangig. Die Bauern und Handwerker mussten sich mit ihnen gut stellen, dann durften sie auf ungestörtes Arbeiten und sogar gelegentliche Unterstützung in Notfällen hoffen.

Sie waren damit Klienten der Muchtare (allgemeiner: Patrone), die Gesellschaftsform heißt Klientelismus. Die Osmanen haben sie keineswegs erfunden, bereits das antike Rom war im wesentlichen eine Klientelgesellschaft.

Im griechischem Freiheitskrieg (1821 – 1829) haben sich die mächtigen Familien zu Netzwerken zusammengeschlossen, die schließlich eine mehr oder weniger informelle Pyramide bildeten mit wenigen sehr reichen und sehr mächtigen Klans an der Spitze und vielen regionalen Familien an der Basis. Folgt man dem deutschen Historiker und Griechenlandexperten Heinz A. Richter, dann setzte sich diese Pyramide weiter nach oben fort, denn Griechenland war selbst wieder ein Klientelstaat des britischen Empire. Diese Machtverteilung hat sich trotz aller Widrigkeiten bis heute weitgehend erhalten.

Die beiden gerade abgewählten Regierungsparteien Nea Dimokratia und PASOK repräsentieren rivalisierende Klientelnetzwerke. Ideologische Differenzen sind eher nebensächlich.

Die Klienten und Helfer jeder Partei durften nach einem Wahlsieg auf einen sicheren Posten im öffentliche Dienst hoffen. Die fachliche Qualifikation spielte dabei keine Rolle (Stichwort: Ämterpatronage). Das wiederum begünstigte die Korruption. Viele Beamte verstanden ihren Posten vorwiegend als Pfründe. Ihre Unterschrift unter eine Genehmigung kostete Geld. Zur Absicherung wurden Gesetze gerne so formuliert, dass Beamte weitgehenden Ermessensspielraum hatten. Weil Korruption auch in Griechenland strafbar ist, werden Zahlungen diskret abgewickelt. Ein Zettel mit einer gekritzelten Kontonummer, ein Geldbetrag, der in eine Schublade gelegt wird, ein unbeschrifteter Umschlag irgendwo in einem Stapel ausgefüllter Antragsformulare. Über die übliche Höhe der Zuwendung erkundigt man sich vorher bei Freunden. Natürlich hat das System dort seine Grenze, wo Interessen der großen Familien betroffen sind. Ein Klient würde sich niemals gegen seinen Patron stellen, auch nicht für Geld.

Dieses System funktionierte jahrzehntelang einigermaßen und wurde durch den chronischen Geldmangel des griechischen Staats im Zaum gehalten. Mit dem Eintritt Griechenlands in die EU Im Jahr 1981 floss sehr viel Geld ins Land. Der öffentliche Dienst wuchs schlagartig. Um die anfallende Arbeiten zu erledigen, wurden schlecht bezahlte Hilfskräfte zur Unterstützung der Beamten eingestellt. Im Jahr 2001 führte Griechenland den Euro ein und hatte Zugriff auf vergleichsweise günstige Kredite. Das führte zu einer völlig untragbaren Verschuldung, die schließlich 2010 in den Staatsbankrott mündete.

Der Bankrott des Klientelsystems

Bis dahin hatten sich im Klientelsystem folgende Problemfelder aufgebaut:

  • Landwirtschaftliche Produkte wurden über einen monopolisierten, mehrstufigen Zwischenhandel verkauft. Er war (und ist noch) vielfach unter der Kontrolle oligarchischer Familienklans. Damit verdienten die Bauern eher wenig, während die Verbraucher hohe Preise bezahlten.
  • Ein ähnliches System versorgte das staatliche Gesundheitswesen mit teuren Heil- und Hilfsmitteln und ebenso überteuerten Medikamenten (Ausgaben pro Kopf, und Jahr: Deutschland 2009: 562 $US, Griechenland 2009: 724 $US, Zahlen der OECD).
  • Es gab – und gibt – in Griechenland keine Großindustrie. Sie hätte das Oligopol der Familienklans ernsthaft gefährdet, weil sie wegen ihrer Marktmacht kaum zu kontrollieren gewesen wäre.
  • Der öffentliche Dienst war von unten bis ganz oben von fachlich inkompetenten Beamten durchsetzt, die Gesetze waren widersprüchlich, Bearbeitungszeiten lang, Genehmigungen käuflich. Klientelnetze sorgten für eine Bevorzugung der superreichen Familien.
  • Das gleiche galt auch für Firmen oder Dienstleister im Staatsbesitz.
  • In Griechenland zahlten die Reichen eher weniger Steuern als die Armen. Überhaupt waren die Steuereinnahmen des Staats jämmerlich niedrig.
  • Das ganze System konnte nur bei einem ständigen Einstrom von Geld funktionieren. EU-Strukturhilfen, Einnahmen aus dem Tourismus und die Einnahmen der weltweit tätigen Reedereien sind Beispiele dafür. Das reichte aber nie aus, und die leicht verfügbaren Kredite aus der Zeit nach der Euro-Einführung ließen das System irgendwann platzen.

Als die Geldgeber schließlich durchgesetzt hatten, dass sie selber nachsehen durften, wo ihr Geld geblieben war, hatten sie den Eindruck, in ein Art Wunderland geraten zu sein, genauer gesagt, zu den Danaiden1 der griechischen Sage. Und offenbar wusste niemand so genau, wohin das ganze Geld verschwunden war. Weil der griechische Staat akut zahlungsunfähig war, mussten weitere Kredite her. Einige europäische Banken wären vermutlich zusammengebrochen, wenn sie ihre Griechenlandkredite auf einen Schlag hätten abschreiben müssen.

Weitere Kredite gab es aber nur gegen knallharte Bedingungen. Die Ausgaben mussten zurückgeschraubt und die Einnahmen erhöht werden. Was seitdem geschehen ist, wäre eine lustige Groteske, wenn die Mehrzahl der Griechen nicht so extrem darunter leiden müsste.

Schausparen

Die beiden großen Parteien versuchten alle Sparvorgaben so umzusetzen, dass ihre Klientelnetzwerke möglichst wenig angegriffen wurden. Die Geschäfte der großen Familien sollten ungestört bleiben. Alle anderen bekamen die Sparmaßnahmen in voller Härte zu spüren.

Die Hilfskräfte im öffentlichen Dienst wurden entlassen. Viele Beamte mussten plötzlich Arbeit erledigen, von der sie keine Ahnung hatten. Der Staat begann in allen Gelenken zu knirschen. Weil der Staat und die Staatsfirmen plötzlich die Bezahlung von Rechnungen monatelang aufschoben, mussten viele der kleinen Gewerbebetriebe aufgeben. Die Arbeitslosigkeit stieg auf Rekordhöhe.

Der Kampf gegen die verbreitete Steuerhinterziehung stand dagegen auf verlorenem Posten. Die reichen Patrone sahen überhaupt nicht ein, dass sie plötzlich ernsthaft Steuern zahlen sollten. Entsprechend selten gelang es den Steuerbehörden, sie festzunageln – wenn sie es überhaupt versuchten.

Die Lagarde-Liste

Die französische Finanzministerin Christine Lagarde übergab ihrem griechischen Kollegen Giorgos Papakonstantinou im Jahr 2010 eine Liste von 2000 griechischen Kunden der Genfer Privatbank HSBC. Die Liste enthielt die Namen von vielen prominenten Griechen aus einflussreichen Familien und wäre ein idealer Hebel für Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung gewesen. Bis 2012 wurde die Liste mit spitzen Fingern hin und her geschoben, ohne dass etwas geschah. Dann veröffentlichte der griechische Journalist Kostas Vaxevanis die Liste – und musste sich daraufhin vor Gericht wegen Diebstahls persönlicher Daten verantworten. Bis zu ihrer Abwahl im Januar 2015 unternahm die Regierung Samaras kaum etwas gegen die potentiellen Steuerhinterzieher, lediglich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt und tagte ohne Ergebnis. Die großen Familien blieben unangreifbar, die kleinen Leute wurden dagegen gnadenlos zur Kasse gebeten.

Die Privatisierung von Staatsbetrieben stand ebenfalls auf der Tagesordnung der Regierung, die Regierung erwartete nach ihren Angaben riesige Privatisierungserlöse. Das war von Anfang an Wunschdenken, denn die Betriebe waren überbesetzt, ineffizient und unprofitabel. Die Käufer sollten oft zusagen, erst einmal niemanden zu entlassen. Schon deshalb fanden sich kaum ernsthafte Interessenten. Trotzdem breitete sich unter dem Führungspersonal Panik aus und viele Unternehmen machten sich durch zusätzliche Tricks endgültig unverkäuflich.

Alle Maßnahmen der griechischen Regierung sind absolut nachvollziehbar, wenn man sie als Ausdruck des Klientelismus betrachtet. Die Patrone mussten ihre Netzwerke und ihre Geschäftsinteressen über die Zeit retten. Allen war klar, dass irgendwann ein Schuldenschnitt kommen würde, bis dahin hieß es, Wohlverhalten zu zeigen oder wenigstens zu simulieren. Nach einem Schuldenschnitt konnte man weitermachen wie vorher. Die Wut der Bürger wurde derweil auf die Gläubigerländer umgeleitet.

Es ist verblüffend, wie wenig Verständnis die Presse in Deutschland für diese einfachen Mechanismen hatte. Ein weiteres Beispiel:

Das Gesundheitswesen

Das staatliche Gesundheitswesen in Griechenland war vor der Krise zwar reichlich teuer, aber die Behandlung der Menschen funktionierte recht gut. Als die Schuldner aber verlangten, dass die Kosten zurückgefahren werden sollten, setzte die Regierung die Vorgabe auf eine beinahe verbrecherische Weise um. Sie gründete eine neue Zentralbehörde (EOPYY), die alle Zahlungen koordinieren sollte. Um die Sparauflagen einzuhalten, wurde sie von Anfang an mit viel zu wenig Geld ausgestattet. Schon nach wenigen Monaten ging den Krankenhäusern das Geld aus, weil die EOPYY nicht zahlte. Daraufhin stellten die Lieferanten irgendwann die Lieferungen ein. Die Angestellten erhielten keine Gehälter mehr, oder nur noch Abschläge. Wer Medikamente brauchte, holte sie in der Apotheke und zahlte sie selbst. Die Kosten durfte er der EOPYY dann in Rechnung stellen.

In Griechenland sind die Ambulanzen der Krankenhäuser für die Primärversorgung zuständig, weil die meisten niedergelassenen Ärzte nur privat abrechnen. Statt die hohen Kosten für Material und Medikamente zu senken, hat die Regierung das Gesundheitswesen insgesamt ausgehebelt. Die mächtigen Netzwerke der Zwischenhändler, die für die hohen Kosten verantwortlich sind, blieben dagegen weitgehend ungeschoren (hier ein Beispiel).

Die Troika als Vertreter der Gläubiger scheint diese Zusammenhänge zu ignorieren, sie geht verbissen davon aus, dass Griechenland eine funktionierende Marktwirtschaft ist. Sie stellt einfach fest, dass bestimmte Leistungen im internationalen Vergleich zu teuer sind und verlangt Abhilfe. Das ist aber vollkommen unsinnig und hat katastrophale Folgen für die Bevölkerung.

Die Aufgaben der neuen Regierung

Die neue Regierung möchte unter anderem das Problem der „Steuerflucht, der Korruption und des Klientelismus“ angehen. Zitat:

“We need time to breathe and create our own medium-term recovery program, which amongst other things will incorporate the targets of primary balanced budgets and radical reforms to address the issues of tax evasion, corruption and clientelistic policies. (Wir brauchen Zeit zum Atmen und für die Schaffung eines eigenen mittelfristigen Erholungsprogramms, das unter anderem folgende Ziele haben wird: ein ausgeglichener Primärhaushalt und radikale Reformen zur Lösung des Problems der Steuerhinterziehung, der Korruption und der Klientelpolitik).” (Bloomberg)

Die rhetorischen Volten von Ministerpräsident Tsipras und seines Finanzministers Varoufikas sind durchaus rational. Sie müssen nach innen ihre Wahlversprechen erfüllen, nach außen aber vorsichtig agieren. Eine Annäherung der griechischen Regierung an Russland ist übrigens kaum zu erwarten. Griechenland würde damit (wieder einmal) zum Klienten eines übermächtigen Patrons, nur dass Russland nicht allzu viel zu bieten hat, aber sehr bald Forderungen stellen dürfte.

Wie geht es weiter?

Ein Schuldenschnitt wird sicher kommen, auch wenn er offiziell nicht so heißen soll. Aber kann die neue Regierung wirklich die Klientelnetzwerke zerschlagen? Oder anders gefragt: kann sie den Sumpf trockenlegen, bevor sie darin versinkt? Das wäre eine Aufgabe für einen modernen Herakles. Die Ausmistung des Augiasstalls wirkt im Vergleich dazu wie eine Fingerübung. Eine Aussage des stellvertretenden Gesundheitsministers Dr. Andreas Xanthos lässt allerdings Zweifel aufkommen, ob die Regierung das Klientelsystem wirklich abschaffen wird. Er will 3000 neue Ärzte einstellen, dabei ist Ärztemangel wirklich nicht das größte Problem des Gesundheitssystems. Die Arztdichte in Griechenland ist deutlich höher als in Deutschland und mehr als doppelt so hoch wie in England. Wichtiger ist eine schnelle Kapitalisierung des Systems (hat er versprochen) und ein funktionierender Wettbewerb bei den Lieferanten (hat er nicht versprochen).

Die schnelle Umwandlung eines korruptionsverseuchten Klientelsystems in eine funktionierende soziale Marktwirtschaft ist eine absolut faszinierende Aufgabe, die bisher noch niemand gelöst hat. Die griechische Regierung könnte also Geschichte schreiben. So oder so.

Anmerkungen

1 Die Töchter des libyschen Königs Danaos hatten der Sage nach in der Hochzeitsnacht ihre Ehemänner ermordet. Dafür müssen sie in der Unterwelt Wasser in ein Fass ohne Boden schöpfen, bis das Fass voll ist.

Veröffentlicht von

www.thomasgrueter.de

Thomas Grüter ist Arzt, Wissenschaftler und Wissenschaftsautor. Er lebt und arbeitet in Münster.

27 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Klientelsystem Griechenlands überlebt also jede noch so tiefe Krise, selbst die Verarumung weiter Teile der Bevölkerung ändert daran nichts.
    Griechenland ist aber wohl nur der Extremfall einer Vielzahl von beinahe reformunfähigen Gesellschafts- und Regierungssystemen in Europa und anderswo.
    Das finde ich sowohl faszinierend als auch beklemmend. Dass ein Zustand, den man als die Hölle auf Erden bezeichnen könnte, zugleich ein stabiles Gesellschaftssystem darstellt – und das nicht nur für eine kurze Phase wie einen Krieg, sondern für Generationen.

    Vor diesem Hintergrund wundert man sich über folgenden Wikipedia-Eintrag nicht mehr

    Die moderne Auswanderung beginnt etwa um die Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach Angaben des griechischen Nationalen Statistischen Dienstes sind zwischen 1850 und 1940 rund 511.000 Menschen aus Griechenland ausgewandert, allein 463.000 von ihnen in die USA. Die höchsten Auswandererzahlen finden sich hierbei in den Jahren 1906-1915. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzt um die Mitte der 50er Jahre wieder eine stärkere Emigration aus Griechenland ein, mit jährlichen Zahlen bis 1975 von 12.000 bis 30.000, wobei die USA zugunsten Westeuropas immer stärker in den Hintergrund treten. Auch eine Rückwanderung nach Griechenland findet statt, ist jedoch wesentlich geringer als die Auswanderung.

  2. „Danach gehörte das Land zu Makedonien, zu Rom, zum Oströmischen Reich und und schließlich über rund 400 Jahre zum osmanischen Reich.“

    Nur ein Detail: das ist ein „und“ zuviel.

  3. Sehr interessant!
    Ich habe gehört, dass es in Griechenland für Beamte eine Prämie für Pünktlichkeit gegeben haben soll. Ein Delegation aus dem Ministerium eines EU-Landes wurde von zwei Polizeifahrzeugen und zwei Polizeimotorrädern am Flughafen abgeholt, was recht teuer ist, zumal viele Delegationen kamen. Beim Treffen gab es dann keinen Kaffee, nur Wasser, mit der Begründung, wir müssen sparen, Deutschland verlangt das.
    Es gibt noch andere solcher Geschichten

  4. Mal was Sachliches über Griechenland , das auf „böser böser Tsipras “ verzichtet, eine Wohltat.

    Die EU hätte einen großen Beitrag leisten können , indem sie Hilfszahlungen konsequent koppelt an die Bekämpfung etwa der Steuerhinterziehung durch Reiche , das aber war von vorneherein nur ein Lippenbekenntnis , ein wirkliches Interesse daran bestand zu keiner Zeit.
    Stattdessen wurden die Hilfszahlungen mißbraucht , um die unsinnige Ideologie der staatlichen Sparpolitik durchzudrücken .

    Die EU hat offenbar selber ein Interesse , daß alles hübsch so bleibt , wie es ist, was Wunder , letztlich funktioniert sie auch nicht wesentlich anders als Griechenland , Politik im Namen einer lobbystarken und sehr überschaubaren ökonomischen „Elite“.
    Ein Unterschied allerdings besteht , zumindest zu Deutschland , bei uns gibt es eine große Zahl von Leuten , die das Hohelied auf die „Eliten“ singen , ohne daß sie zu den Profiteuren zu zählen wären und ohne daß man sie dafür bestechen müßte , die tun das unaufgefordert und für lau.

  5. Der Artikel Politische Kultur in Griechenland von Hans A Richter ist eine gute Ergänzung zum Text von Thomas Grüter, vor allem weil er aufzeigt wie sich das Klientelsystem über viele Jahzehnte, ja Jahrhunderte, gehalten hat. Zudem macht Richters Text deutlich, dass es sich quasi um den Rückbleibsel eines feudalistischen Systems handelt in dem es bis heute Herren und Diener gibt. Alex Tsipras gehört dabei zu den Herren. Daran ändert das Ettikett Linkspartei gar nichts.
    Die Herren, also die Reichen und damit die politische und wirtschaftliche Oligarchie zahlt praktisch keine Steuern, etwas was sich auch in der aktuellen Krise nicht geändert hat. Eine Bindung zwischen Herren und Dienern – dem Haupharst des Volkes – gibt es im politischen Bereich über im Wahlkampf versprochene Stellen im öffentlichen Dienst, beim Militär und in den staatlichen Betrieben. Auch Tsipras hat versprochen wieder mehr Beamte einzustellen.

  6. „Die schnelle Umwandlung eines korruptionsverseuchten Klientelsystems in eine funktionierende soziale Marktwirtschaft ist eine absolut faszinierende Aufgabe, die bisher noch niemand gelöst hat.“

    So ist es, auch bei uns, die wir bestimmen was „Demokratie“, „Freiheit“, usw. ist, im „Recht des Stärkeren“ und im geistigen Stillstand seit der „Vertreibung aus dem Paradies“.

    Ein UNKORRUMPIERBARES / wirklich-wahrhaftiges MENSCHENRECHT, mit einer eindeutig-zweifelsfreien Welt- und Werteordnung, auf der Basis von KOSTENLOSER Nahrung, MIETFREIEM Wohnen und KASSEN- wie KLASSENLOSER Gesundheit, nur OHNE die konfusionierte und entmenschlichende / bewußtseinsbetäubende Symptomatik des nun „freiheitlichen“ Wettbewerbs um „Wer soll das bezahlen?“ und „Arbeit macht frei“ – GLOBALES Zusammenleben OHNE Steuern zahlen, OHNE „Sozial“-Versicherungen, OHNE manipulativ-schwankende „Werte“, OHNE irrationalem Zeit- / Leistungsdruck zu einer Karriere von Kindesbeinen, usw., ist ABSOLUT MACHBAR!!!

    DEMOKRATIE ist, wenn VERSTAND, VERNUNFT und VERANTWORTUNGSBEWUßTSEIN nicht mehr durch Kreuzchen auf dem Blankoscheck an die „Treuhänder“ / „Experten“ / Fachidioten leichtfertig delegiert wird.

  7. @Horst
    Ich kann kaum beschreiben, wir sehr ich Ihre These nicht glaube.
    Empirisch gesehen sind immerhin sämtliche entsprechenden Versuche sozialistischer Natur gescheitert und selbst bei indigenen Gesellschaften funktioniert das in der Form wie Sie schreiben nicht.
    Auch von theoretischen Erwägungen her kommend, ist der Mensch (bzw. die meisten Menschen) meines Erachtens zu divergent von ungeliebten Aufgaben um ohne äußeren Druck oder Belohnung das Notwendige zu leisten. Oder anders ausgedrückt: Die nicht notwendigen Dinge in unserer Gesellschaft sind intrinsisch wesentlich interessanter als die notwendigen (wie z.B. mindestens die IT + Ingenieurskunst die für die Automatisierung des Putzens, der Landwirtschaft, der Produktion, des Baus usw. notwendig wäre). Da müsste schon eine sehr einschneidende Umerziehung stattfinden, um dies zu ändern, die ich wiederum als Unterdrückung klassifizieren würde.

    Grüße, Wizzy

    • „… selbst bei indigenen Gesellschaften funktioniert das in der Form wie Sie schreiben nicht.“

      Was meine „These“ des geistigen Stillstandes seit … bestätigt!? 😉

  8. Vielen Dank für diese Einordnung.
    Zu: ‚Die rhetorischen Volten von Ministerpräsident Tsipras und seines Finanzministers Varoufikas sind übrigens durchaus rational.‘ – die regierungsbildenden radikalen Linken (Syriza meint Radikale Linke, eine Wertung liegt nicht vor) und die Rechten klingen wirklich irgendwie rationaler und vertrauenserweckender als die Vorgänger.
    MFG
    Dr. W

  9. Der Klientelismus als Kennzeichen einer clan-geprägten Gesellschaft (wozu auch der Feudalismus gehört) ist vielleicht in allen Staatsformen eine Stufe, die durchlaufen, am Schluss aber überwunden werden muss. Ich glaube kaum, dass dies in Ländern einer vergleichbaren Situation anders ist.

    Ich bezweifele auch, dass der Klientelismus die Bildung einer Großindustrie unterbindet. In Japan gab es das System der „zaibatsu“ vom 19. Jahrhundert bis zum Ende des zweiten Weltkriegs. Dabei handelte es sich um vertikale Trusts unter der Kontrolle einflussreicher Familien (also Clans), die nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das politische Leben bestimmten.

    Diese zaibatsu entstammten strukturell der vorindustriellen Adelsgesellschaft; sie verhinderten aber keineswegs die Industrialisierung – im Gegenteil, sie waren es, die die Aufholjagd Japans vorantrieben, und die Industrialisierung kostete sie auch nicht Macht und Einfluss, die sie in der vorindustriellen Zeit mit ihrer agrarisch/handwerklich geprägten Wirtschaft hatten – im Gegenteil, sie bauten Macht und Einfluss in nie gekanntem Rahmen aus, da sie selbst ja die Industrialisierung steuerten.

    Japan und Griechenland sind unterschiedliche Länder und es geht um unterschiedliche Zeiten – das Beispiel zeigt aber doch, dass Klientelismus und Industrialisierung keine Gegensätze sein müssen.

    Griechenland war zumindest in einem Industriezweig stark – der maritimen Industrie: Schiffbau und Reedereien. Ob die Schiffbauindustrie aber die aktuelle Krise überleben wird, ist mehr als fraglich. Problematisch ist das Preisniveau. Griechenland ist als Mitglied der Eurozone einfach nicht mehr konkurrenzfähig.

    Wenn Autofabriken heute in Marokko oder der Türkei entstehen, aber nicht in Griechenland, dann hat das einen Grund, und der lautet nicht Klientelismus, denn den gibt es in den anderen Ländern auch und steht dort den Investitionen nicht entgegen. Der Grund ist einfach, dass Griechenland kein attraktiver Standort ist. Den Kostennachteilen durch den Euro stehen keine Vorteile wie Infrastruktur oder Synergien mit vorhandenen Hochtechnologien gegenüber.

    So sehr der Klientelismus das Land zurückhält – die aktuellen Probleme lassen sich deutlich auf eine einzige Hauptursache zurückführen: Die verfrühte Einführung des Euro in einem Land, dessen Politik und Wirtschaft einfach noch nicht so weit waren. Die Folgen, Staatsverschuldung, wegbrechende Märkte, Korruption, poliutischer Stillstand, waren absehbar.

    Natürlich trägt die politische Kaste in Griechenland ein gerüttelt Maß an Mitschuld an der aktuellen Misere. Aber es war von vorneherein klar, dass sie als Teil des Problems kaum einen Beitrag zu seiner Lösung würden beitragen können.

    Die wirklich Schuldigen sitzen in Brüssel. Die forcierte Einführung des Prestigeprojekts Euro unter ignorieren aller fundierten Warnungen, die sich im Nachhinein als vollkommen berechtigt herausstellten, hat mehr als jeder andere Einzelfaktor zum vorhersehbaren Zusammenbruch geführt. Besser wäre es gewesen, die Aufnahme Griechenlands in die Eurozone zurückzustellen, aber einen klaren Weg dorthin aufzuzeigen und griechenland zu helfen, die Meilensteine zu erreichen.

    Das wurde aber verbockt – von der EU.

    • „Der Klientelismus als Kennzeichen einer clan-geprägten Gesellschaft (wozu auch der Feudalismus gehört) ist vielleicht in allen Staatsformen eine Stufe, die durchlaufen, am Schluss aber überwunden werden muss.“

      Doch wo ist das im Kreislauf der zeitgeistlich-reformistischen Hierarchie bisher wirklich geschehen – „Der König ist tot“, es lebe die Hierarchie!?

      Auch der nun „freiheitliche“ Wettbewerb um … wird in eine TOTALE Eskalation münden (alles nur KOMMUNIKATIONS- und ATOMMÜLL), wenn Mensch sich nicht endlich als ein Organ seiner Vernunftbegabung versteht und den Stumpf-, Blöd-, Wahn- und Schwachsinn von gebildeter / selbstverschuldeter Suppenkaspermentalität auf Schuld- und Sündenbocksuche beendet!

    • Japan mag Kleintelimus ebenso kennen wie Griechenland, aber Griechenland hat viel mehr Auswanderer (aus Griechenland Fliehende) als Japan. Früher sind die Griechen meist in die USA ausgewandert („Greeks began to settle in America at the end of the 19th century and the influx of migrants continued up until the 1920s. Around 400,000 Greeks migrated to America at that time, primarily from the Peloponnese and the rest of southern Greece.“). In einer Dokumenation darüber wurde von einem Auswanderer gesagt, die in Griechenland Verbliebenen seien eine Negativauswahl. Oder mit seinen Worten: Nur die Dümmsten sind in Griechenland geblieben, alle andern sind schon längst ausgewandert. Das scheint mir eine Übertreibung, denn selbst die 400,000 von Ende des 19. Jahrhunderts bis 1920 ausgewanderten Griechen machen nicht einmal 10% der damaligen Bevölkerung aus.
      Die Auswanderung aus Griechenland hat übrigens seit der Krise wieder stark zugenommen, wie der Artikel Greece records rapid increase in net emigration levels berichtet. Allerdings wandern auch Iren und andere Bewohner aus Krisenländern aus:

      Eurostat said 44,200 more people left Greece than arrived last year[2012]
      That amounts to a net migration of -4.0 people per 1,000, compared with -7.6 in Ireland, -7.1 in Lithuania, -5.8 in Latvia, -5.7 in Estonia, -3.6 in Portugal and -3.5 in Spain.

      Meanwhile, other research on 2,700 Greek third-level graduates in 2010 found that of those who worked abroad for at least one year, only 15.9% have returned.

  10. Sehr interessant.

    Trotzdem zwei Anmerkungen:
    Im Jahr 2001 führte Griechenland den Euro ein und hatte Zugriff auf vergleichsweise günstige Kredite. Das führte zu einer völlig untragbaren Verschuldung, die schließlich 2010 in den Staatsbankrott mündete.
    Aus meiner Sicht war die Finanz- und Bankenkrise der entscheidende Schlag, die in Ihrem Text fehlt.
    Bis 2012 wurde die Liste mit spitzen Fingern hin und her geschoben, ohne dass etwas geschah.
    In Deutschland haben sich auch CDU und FDP gegen den Ankauf solcher Listen ausgesprochen. Während es bei den Griechen Klientelpolitik war, war’s bei Schwarzgelb natürlich nur Sorge um den Rechtstaat.

    • Nein nicht die Finanz- Und Bankenkrise hat die Kompetivität der Südländer im Allgemeinen und Griechenlands im Besondern verschlechtert, sondern die Einbindung in die Eurozone hat dies bewirkt. Allerdings ist der sichtbarste Teil der Krise eine Folge von nicht gedeckten Krediten und nicht die mangelnde Kompetivität. Folgende Phasen in der Entwicklung der Krisenländer lässt sich ausmachen
      1) Alle Euroländer erhalten nach Einführung des Euro Kredite zu ähnlichen Bedingungen, die heutigen Krisenländer erhalten die Kredite damit zu sehr viel günstigeren Konditionen als vor dem Eurobeitritt.
      2) Die günstig erhaltenen Kredite befeuern in Spanien einen nicht nachhaltigen Immobilienboom und in Griechenland einen Konsum auf Pump
      3) Die Kreditkonditionen verschlechtern sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 massiv, was die wahre Situation der heutigen Krisenländer aufdeckt.

      Die mangelnde Kompetivität, die nicht direkt mit der Kreditproblematik zusammenhängt, zeigt sich aber nicht nur in den Kernkrisenländern sondern auch in Italien (kein Wachstum seit 1990) und sogar in Frankreich (permanent hohe Arbeitslosigkeit).
      Der Euro hat einen einheitlicheren Wirtschaftsraum geschaffen, was die Bedetung der Kompetitivität stark erhöhte. Wer in den Euroraum investiert, der investiert nicht in die Industrien Italiens und Frankreichs sondern in die Industrien der Nordländern und hier vor allem in Deutschland, denn die Industrieprodukte der Nordländer sind kompetiver. Italien, Frankreich und viele der heutigen Krisenländer müssen sich dagegen anderen Branchen zuwenden um bestehen zu können. Branchen wie dem Tourismus, die schon vor 30 Jahren grosse Bedeutung für Italien oder Spanien hatten und sie nun wieder bekommen werden.

      Ich vermute, dass ein einheitlicher Währungsraum immer zu einer stärkeren wirtschaftlichen Differenzierung führt.Sogar in Deutschland ist das der Fall. Dort hat sich Norddeutschland teilweise deindudstrialisiert und Süddeutschland zieht schon lange und weiterhin viele Fachkräfte für die dort von Erfolg zu Erfolg schreitenden Industriebetriebe an.

  11. @Michael Kahn: „Die wirklich Schuldigen sitzen in Brüssel. Die forcierte Einführung des Prestigeprojekts Euro …“

    Zur Einführung des Euros in Griechenland möchte ich daran erinnern, das Griechenland unbedingt den Euro einführen wollte und deswegen die notwendigen wirtschaftlichen Daten gefälscht hat. wäre das in einer Firma passiert, man hätte die Verantwortlichen verknackt.
    Kein EU-Land wird gezwungen, den Euro einzuführen, Tschechien hat ihn z.B. nicht, will ihn auch nicht. Ob es inzwischen die Bedingungen erfüllen würde, weiß ich nicht.
    Die EU war blauäugig, es gab ja Zweifel an der Eignung Griechenlands. Sie hätte die Daten genauer überprüfen müssen, ich weiß nicht wie, das sagt sich als Laie leicht.

    On Klientelismus in einem Staat wirtschaftlich funktioniert wie in Japan, ist wahrscheinlich auch eine Frage der Mentalität. Ich vermute mal, dass in Japan Gruppengeist und Pflichtbewusstsein eine größere Rolle spielen als in Griechenland.

    .

    • Tschechien will den Euro – aber erst auf das Jahr 2020 hin („Ende Mai 2013 rechnete man mit einem Beitritt Tschechiens zur Eurozone frühestens 2019“).
      Griechenland wollte den Euro wohl gerade darum, weil es dann billig Kredite erhielt. Mit andern Worten: Die griechischen Politiker handelten von Anfang an verantwortungslos gegenüber ihrem Volk oder aber verantwortungslos gegenüber den andern Ländern der Eurozone. Verantwortungslos gegenüber den andern Ländern der Eurozone, wenn sie erwarteten, dass diese ihnen am Schluss aus der Bedrouille helfen.

      Hier eine Reminiszenz an vergangene Tage (Zitat aus der NZZ):

      2009 hatte Papandreou die Regierungsgeschäfte übernommen. Mit den Worten «Geld ist vorhanden!» war er in den Wahlkampf gezogen und hatte 44 Prozent der Stimmen erhalten.

    • das Griechenland unbedingt den Euro einführen wollte und deswegen die notwendigen wirtschaftlichen Daten gefälscht hat.

      Sie sprechen hier von der griechischen Regierung, deren Mitglieder im eignenen persönlichen Interesse sowie denen der Interessengruppen handelten, denen die verpflichtet waren.

      Wie gesagt, dass diese Teil des Problems sind, ist unbestritten, den schwarzen Peter haben aber immer noch die Verantwortlichen in der EU: Es kann doch wohl nicht sein, dass ein so wichtiges und tief greifendes Projekt wie die Einführung einer gemeinsamen Währung derartig unprofessionell, naiv und amateurhaft durchgeführt wird. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage, die politische Situation und das Finanzgebaren können doch nicht einer auch nur einigermaßen ernsthaften Untersuchung verborgen geblieben sein. Das ist einfach nicht denkbar.

      Also muss es so gewesen sein, dass die Aufnahme in den Euro ohne nennenswerte Überprüfung des Kredithintergrunds und der Belastbarkeit der eingereichten Dokumente erfolgte. Das, und nicht irgendwelche Durchstechereien, ist die Ursache des Problems, das nun sehr wohl zur Implosion des Euros führen könnte.

      • Ein Grexit gefährdet den Euro nur, wenn Griechenland nur eines von vielen Länder ist, denen der Euro schadet. Dies zu: “ Das [die Unprofessionalität der Einführung des Euros], und nicht irgendwelche Durchstechereien, ist die Ursache des Problems, das nun sehr wohl zur Implosion des Euros führen könnte.“

        Die Leute, die die Einführung des Euros vorbereiteten wussen übrigens, dass die „Südländer“ in Schwierigkeiten geraten würden, wie Sitzungsprotokolle zeigen (Link später). Sie sahen aber jede Eurokrise – von den damaligen Notebankchefs vorausgesagt – als Chance für mehr europäische Integration. Vielleicht passiert das ja auch noch (mehr Integration). Es lässt sich aber heute schon sagen, dass der Idee des Euros Millionen von Menschen geopfert wurden, Menschen nämlich, die jetzt wegen der Krise arbeitslos sind und es noch lange bleiben werden.

        • Huch, haben Sie schon so analysiert, Herr Holzherr.
          Ihr Kommentatorenfreund vergaß den Merksatz: ‚Immer zuerst Herrn Holzherr lesen!‘

        • Das Ziel hätte verstärkte wirtschaftliche und finanzpolitische Konvergenz sein sollen, nicht politische Integration. Konvergenz hätte man erreichen können, indem man den Beitritt zum Euro eröffnet, aber nicht sofort, sondern am Ende eines klar umrissenen Wegs.

          Politische Integration ergibt sich später von selbst – Partner auf vergleichbarem wirtschaftlichem Niveau haben ähnliche Interessenlagen und finden zu beiderseits akzepblen, politischen Lösungen. Partner auf sehr unterschiedlichem wirtschaftlichem Niveau finden auch politisch nicht zueinander.

          Wie auch immer – ein klares Regelwerk mit drei vorgeblich knallharten Konvergenzkriterien – Preisstabilität, Schuldenstand, Neuverschuldung erst aufzustellen und dann nicht anzuwenden, und auch nicht zu überprüfen, ob die Kriterien wirklich erfüllt werden, ist mehr als lächerlich.

          Gemäß diesen Kriterien hätte übrigens auch Italien nicht aufgenommen werden dürfen.

          • Gemäß diesen Kriterien hätte übrigens auch Italien nicht aufgenommen werden dürfen.

            Was von Anfang an undenkbar war, Italien ist einer der sechs Gründungsmitglieder der EWG („Einer wird gewinnen“, lol).
            Insofern war hier, auf den Euro bezogen, von Anfang an Veranstaltung zu beobachten, politische, mit in der Kommentatorik bereits angedeuteter Zielsetzung.


            Übrigens besteht die Stärke Europas in der Heterogenität, zumindest galt dies einstmals als Stärke, in anderen Regionen besteht diese nicht, sie wird oder wurde zumindest von vielen Historikern einstmals so verstanden.
            Das An- oder Abgleichen dieser Unterschiedlichkeit kann eigentlich nur in einem Mangel enden.
            Nichts spräche natürlich gegen den Zusammenschluss in den Zielen und Anstrebversuchen ähnlicher Staaten,

            MFG
            Dr. W

      • Also muss es so gewesen sein, dass die Aufnahme in den Euro ohne nennenswerte Überprüfung des Kredithintergrunds und der Belastbarkeit der eingereichten Dokumente erfolgte. Das, und nicht irgendwelche Durchstechereien, ist die Ursache des Problems, das nun sehr wohl zur Implosion des Euros führen könnte.

        Es gibt die böse Theorie, dass Staatsmänner sich der Euro-Problematik, der Euro skaliert offensichtlich unzureichend, von Anfang an bewusst waren, dass aber, auch mit der Hinzunahme Griechenlands, Probleme in Kauf genommen bis generiert worden sind, um ein Zusammenwachsen zu einem Vereinigte Staaten von Europa zu erzwingen.
        Es gibt hierfür bspw. beim Dicken und beim Gerd, aber gerade auch in der Eurokratie Hinweise.

        MFG
        Dr. W

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