Teilchenphysik-Slam

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung

Meine Kollegen vom Science@Stage-Blog berichten darüber ja schon länger – Science Slams. Ich habe schon viel Positives davon gehört, aber leider noch nie die Gelegenheit gehabt, selbst einen zu besuchen. Nun hat endlich so eine Veranstaltung auch bei uns in München stattgefunden. Um es gleich vorneweg zu sagen: Ich wurde nicht enttäuscht.

Bei einem Science Slam geht es darum, einem Laien-Publikum die eigene Forschung möglichst unterhaltsam zu präsentieren, und das noch dazu in nur etwa zehn Minuten. Die Vortragenden – Slammer genannt – werden vom Publikum bewertet, und der erfolgreichste erhält am Ende einen kleinen Preis.

Die Veranstaltung fand am Max-Planck-Institut für Physik statt, und die Slammer waren alle Mitarbeiter des Instituts. Ich hatte von dem Science Slam im Internet erfahren – war es Facebook? – und sonst keinerlei Werbung dafür mitbekommen. Daher war ich sehr überrascht, wie viele Besucher der Slam angezogen hatte. Während ich noch vor dem Gebäude wartete, wurde ich von einem Radioreporter kurz interviewt – der allerdings scheinbar enttäuscht abzog, als ich ihm verriet, dass ich Physikerin sei.

Nicht nur ich war von dem großen Andrang überrascht, auch die Veranstalter. Zehn Minuten vor Beginn musste der Eingang wegen Überfüllung geschlossen werden. Wir sind gerade noch ins Gebäude gekommen, haben dann im größten Vortragssaal des Instituts noch ein Plätzchen ganz hinten auf der Heizung gefunden. Nach den üblichen Grußworten der Organisatorin und Prof. Lüsts (einer der Direktoren des Instituts) ging es endlich los.

Der erste Vortrag hatte den Titel “Was die Welt im Innersten zusammenhält” und wurde vom einzigen Nicht-Doktoranden unter den Slammern gehalten. Es war, nun ja, der einzige Vortrag, der nicht witzig war. Ein schöner wissenschaftlicher Übersichtsvortrag über den aktuellen Stand der Materie, so nach dem Motto “und dann bestehen die Protonen und Neutronen aus Quarks”. Solche Vorträge habe ich schon zuhauf gehört, und so haben ich nach diesem Vortrag den Entschluss gefasst, zu gehen, falls der nächste nicht besser sein sollte .

Doch das war er! Thorsten Rahn berichtete über “Strings auf behaarten Donuts”. Obwohl das ja ein sehr theoretischen und komplexes Thema ist, hat der Physiker es geschafft, es gut verständlich und witzig rüberzubringen. Ab und zu kam passenderweise Homer Simpson vor, aber auch ansonsten hat Thorsten Rahn viele lustige Animationen und Erklärungen verwendet. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre dies der Gewinnervortrag gewesen.

Strings auf behaarten Donuts
Donuts während Thorsten Rahns Vortrag

Als nächste erzählte Andreas Moll von der “Jagd nach der verschwundenen Antimaterie“. Er stand seinem Vorgänger kaum nach, auch er erklärte spannend und lustig, was es mit Antimaterie auf sich hat. Wussten Sie zum Beispiel, dass wir alle aus den traurigen Einzelgänger-Teilchen bestehen, die es nach dem Big Bang nicht geschafft haben, einen Antimaterie-Partner zu finden?

Jan Germer fragte danach: “Leben wir in einer supersymmetrischen Welt?” Er stellte kurz die Theorie der Supersymmetrie vor. Wenn ich mich recht entsinne, war es auch er, der als einzger ein Live-Experiment vorführte: Es ging darum, die verschiedenen Symmetrien zu demonstrieren, die es in der Welt gibt. Eine dieser Symmetrien ist die Dreh-Symmetrie. Es sollte gezeigt werden, wie Teilchen durch Drehungen in sich selbst überführt werden können. Dazu hat er Bänder an einem Kleiderbügel und einen Stuhl befestigt, den Bügel gedreht und dann die Bänder ohne weitere Drehungen entwirrt – das war schon fast eines Zauberers würdig.

Philipp Weigell führte die Zuhörer dann durch “ATLAS – Eine Entdeckungsreise”. Der Experimentalphysiker demonstrierte die Positionen der verschiedenen Experimente am CERN mithilfe eines T-Shirts, auf dem diese aufgemalt waren, und erklärte den Zwiebelschalenaufbau des Experiments.

Die dunkle Seite des Universums

Zuguterletzt begab sich Peter Graf auf die Suche nach der dunklen Seite des Universums, und zwar mithilfe einer naheliegenden, aber doch schönen Analogie mit der allseits bekannten Dunklen Seite der Macht.

Insgesamt ein sehr amüsanter und lehrreicher Abend. Ich hoffe, dass das bald in München wiederholt wird!

  • Veröffentlicht in: Spaß
Mierk Schwabe

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

9 Kommentare

  1. Stabilität der Materie

    Die Themen: “Was die Welt im Innersten zusammenhält” und “Dreh-Symmetrie. wie Teilchen durch Drehungen in sich selbst überführt werden.” hatte ich vor längerem mal für eine Gruppe interessierter Schüler zusammengebracht. Soweit ich mich erinnere, ging das so: Die Betrachtung solcher Drehungen (nicht eine, sondern zwei Volldrehungen “sind Null”) liessen Teilchen entspr. unterscheiden (für eine Sorte ist 1 Volldr.=0, für die andere ‘halt nicht), ein bischen elementare Rechnerei aus einem Buch des Knotentheoretikers Louis H. Kauffman führte zum Paulischen Ausschliessungsprinzip, das “Schuld” an der Stabilität der Materie ist.

  2. Laienfrage, ein wenig off topic

    Was halten Sie davon:

    http://news.stanford.edu/…august/sun-082310.html

    Die Neutrinos könnten höchstens den Beta-Zerfall beeinflussen, aber sicher nicht den Alpha-Zerfall, weil beim Alpha-Zerfall gar keine W-Bosonen auftreten.

    226 Radium geht durch Alphastrahlung in 222 Radon über.

    “The decay rate was faster in winter than in summer.”

    Ich hege da leise Zweifel.

  3. @Elmar

    Elmar, ich hatte Dir sogar eine Mail an die im Blog angegebene Adresse geschrieben und gefragt. Nachdem ich da keine Antwort bekommen habe (habe aber ehrlich gesagt nicht so lange drauf gewartet, nur ein paar Tage), habe ich es bei mir gepostet. Na ja, das nächste Mal hoffentlich.

  4. Radioaktiver Zerfall

    Danke für den Link, Herr Bednarik. Ich bin da auch sehr sehr skeptisch, aus mehreren Gründen. Neutrinos entstehen bei den Kernfusionen im Zentrum der Sonne, wieso sollte es da einen Zusammenhang mit Sonneneruptionen geben, die ja an der Oberfläche stattfinden? Da hat wohl jemand zu viel von dem, ähm, “etwas” an den Haaren herbei gezogenen Film 2012 gesehen…

    Und wie genau Neutrinos den radioaktiven Zerfall überhaupt beeinflussen können, ist auch nicht klar.

    Das Thema ist aber interessant, vielleicht schaffe ich es, heute abend darüber einen ganzen Blog-Eintrag zu schreiben.

  5. @Mierk: googlemail

    Ups …. stimmt, die email ist zugestellt worden am 28. August 2010 14:26. Am 29. August 2010, 22:14 hast du gepostet: 32h Zeit, um zu reagieren. Ich bin hier in Berkeley 9h zurück, stehe also erst gegen 16h deiner Zeit auf …. bleiben 30h.

    => Mein Fehler, ich sollte öfter meinen googlemail-account checken … sorry

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