SkeptiCal-Konferenz

Letztes Wochenende fand in einem Hotel im Hafen von Berkeley die SkeptiCal Konferenz statt – das jährliche Treffen der Skeptiker in Kalifornien. Eine gute Gelegenheit, diese Szene, die ich bisher nur aus dem Internet kenne, einmal selbst kennenzulernen.

Es wurde eine Mischung aus wissenschaftlichen Vorträgen, Entertainment und Workshops geboten. Insgesamt hat mir die Konferenz sehr viel Spaß gemacht. Während des Mittagessens habe ich mich mit einem pensionieren Teilchenphysiker über Tau-Leptonen unterhalten. Am Vormittag war ich bei der Aufnahme des This Week in Science – Podcasts dabei. Nachmittags habe ich der Erzählung eines Manns gelauscht, der für viele Jahre tief in der Esoterik-Szene verstrickt war und erst vor kurzer Zeit den Absprung geschafft hat.

Am interessantesten fand ich den Vortrag von Sarah Strand, einer Neurowissenschaftlerin aus Sacramento. Sie berichtete über die Neurobiologie religiöser Erlebnisse, wobei sie sich hauptsächlich auf Out-of-Body Erlebnisse konzentrierte. Dabei haben die Personen das Gefühl, über ihrem Körper zu schweben, mit ihrer Umgebnung eins zu sein, oft sehen sie Gott oder ihnen bekannte Personen und/oder einen Tunnel und Licht. Dabei werden diese Erlebnisse oft, aber nicht immer religiös interpretiert.

Sarah Strand während ihres Vortrags
Sarah Strand während ihres Vortrags. Die Karte des Gehirns im
Cartoon ist beschriftet mit “You are here”

Verschiedene Experimente mit gezielter Stimulation von einzelnen Gehirnbereichen (zu anderem Zwecken, bei denen eher zufällig diese Erlebnisse ausgelöst werden) deuten auf folgende Entstehung dieser Erlebnisse hin: Der Bereich des Gehirns, der für die Trennung vom Selbst von der Umwelt zuständig ist, ist ausgeschaltet, aber andere sind noch aktiv. So kann eine Aktivität des Bereichs für Visuelles dazu führen, dass man Bilder von dem sieht, woran man gerade gedacht hat. Kinder sehen beispielsweise oft Bilder von Mickey Mouse.

In anderen Experimenten wurde der Bereich einer Gehirnhälfte stimuliert, der im anderen für die Persönlichkeit zuständig ist. Anscheinend kann dann die eine Gehirnhälfte die andere detektieren – die Versuchspersonen spüren dann die Gegenwart anderer Personen im Raum. Interessanterweise korreliert die Empfindsamkeit für solche Empfindungen mit den Punkten auf einigen Persönlichkeitstests.

Spannend war auch der Vortrag von Alison Gopnik, einer Psychologieprofessorin von der Uni Berkeley. In dem Vortrag ging es darum, wieviel Babys und Kleinkinder schon an wissenschaftlichem Vorgehen verstehen. In einem Versuch wurde vor acht (? – bin mir leider nicht mehr sicher) Monate alten Babys beispielsweise Bälle aus einer Kiste gezogen. Die Bälle hatten zwei verschiedene Farben. Wenn nun beispielsweise deutlich mehr rote als weiße Bälle gezogen wurden, waren die Babys überrascht, wenn sich dann herausstellte, dass in der Kiste das Verhältnis genau anders herum war. (Dies wurde dadurch gemessen, dass sie länger hingeguckt haben – artikulieren konnten sie es noch nicht.)

The Philosophical Baby
Alison Gopnik während ihres Vortrags

Ein weiteres Highlight für mich war es, an der 10 hoch 23-Aktion teilnehmen zu können. Das ist eine Kampagne, die deutlich machen soll, was für ein Unfug Homöopathie ist. Die Homöopathie beruht ja darauf, dass in einem genau festgelegten Verfahren ein Wirkstoff stark verdünnt wird. Dabei wird seltsamerweise genau der Wirkstoff genommen, der das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich das Ziel ist – wenn man beispielsweise ein Schlafmittel braucht, wird Koffein verdünnt. Je stärker die Verdünnung, desto stärker soll die Wirkung sein.

Die Wirksamkeit dieser Mittel ist nicht nur völlig unplausibel, sie lässt sich auch in wissenschaftlichen Studien nicht beweisen. Und dazu kommt jetzt noch die 10 hoch 23-Aktion, die dies sehr schön verdeutlicht: Jeder Teilnehmer der Konferenz, der wollte, konnte einen Becher mit der 15fachen Dosis eines homöopathischen Schlafmittels nehmen. Wenn die Vertreter der Homöopathie Recht haben, hätten wir also alle die Anzeichen einer Überdosis zeigen müssen. Die Anzahl der Leute, die eingeschlafen ist: Null. Wenig überraschend, aber doch eindrucksvoll, finde ich.

Im großen und ganzen ein sehr interessanter Tag. Nächstes Jahr bin ich sicher wieder dabei.

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Skeptiker und lebensfroh: Geht doch!!

    Die Esoteriker versprechen uns doch immer sinnliche und aussersinnliche Erfahrungen. Doch dieser Skeptiker-Workshop scheint ja nicht das Gegenteil, also Abstraktheit, Kühlheit und Unnahbarkeit transportiert zu haben.

    Skeptiker sein und lebensfroh sein. Geht doch!

  2. Außerkörperlichkeit

    Der Fairheit wegen muss man anmerken, dass gute(!) Theologen die sogenannten ´Nahtod-Erfahrungen´(NTEs)(mit Außerkörperlicher Erfahrung) als wissenschaftlich erklärbar betrachten (z.B. Prof. Dr. Hans Küng).

    Wenn Sie Ihre Skeptiker-Bekannten wieder treffen, können Sie mein Buch als Tipp empfehlen: Near-Death Experiences completley explained (book und e-book). Darin werden diese Phänomene komplett und im Detail erklärt.

    In Kürze:
    Wenn die Wahrnehmung von Außenreizen verringert wird, dann kann unser Gehirn sich(seinen virtuellen Körper) verorten, wohin es will. Wir können gedanklich fliegen – dies geschieht beim ´Außerkörperlichen Erlebnis´(OBE) oder auch beim Träumen.

    NTEs werden gestartet, wenn eine Person hört wie sie von medizinischem Personal für tot gesagt wird oder wenn man selbst meint, sterben zu müssen. Hören und Denken sind bewusste Aktivitäten lebender Menschen.
    Zu hören/denken ´Ich bin tot´ ist eine falsche INPUT Erfahrung für einen lebenden Menschen. Dieses Paradox wird verarbeitet indem das Gehirn seine Aufmerksamkeit diesem Problem zuwendet, d.h. die Aufmerksamkeitsschwelle wird verändert. Dadurch werden jetzt plötzlich Gehirnaktivitäten wahrnehmbar, welche normalerweise unbewusst ablaufen: z.B. eine OBE und ein Scan des episodischen Gedächtnisses in hierarchischer Abfolge, Inhalte werden dabei beim Erinnern verändert.
    Wichtig ist, dass wir Erfahrungen in der zeitlichen Gegenwartsform erleben, abspeichern und erinnern (dies erklärt, wieso auch bereits verstorbene Personen wie lebensecht erlebt werden).

    Außerdem fängt unser persönliches Gedächtnis etwa im 5. Schwangerschaftsmonat an – und damit unsere Erinnerungen.
    Erinnerungen sind zustandsabhängig: Sie hängen 1.) von dem Zustand ab (emotionale, physische und intellektuelle Fähigkeiten), mit der wir eine Erfahrung erlebt und so(!) im Gedächntis abgespeichert haben – wie auch 2) von unserem Zustand (emotional, physisch, intellectuell) wenn wir eine abgespeicherte Erfahrung wieder erinnern; d.h. sie wird mit dem aktuellen Verstand neu bewertet und verändert!

    Wenn Sie jetzt eine hypothetische/theoretische Liste machen, was ein Mensch ab dem 5. Schwangerschaftsmonat erleben kann (Reihenfolge der Sinne beachten) – und dann eine zweite Liste, wie diese Erfahrungen von einem Erwachsenen erinnert werden würden; dann bekommen Sie genau diese Erlebnisse, wie sie auch von NTEs in der gleichen Reihenfolge berichtet werden. D.h. hier ist ein Scan des episodischen/persönlichen Gedächtnisses erkennbar.

  3. Babies

    … sind kleine Wissenschaftler.

    In dem Vortrag ging es darum, wieviel Babys und Kleinkinder schon an wissenschaftlichem Vorgehen verstehen.

    Ob sie aber das wissenschaftliche Vorgehen an sich verstehen, ist nicht ganz klar. Wir bedenken, dass sich die Wissenschaftlichkeit, auch die Moderne Wissenschaftlichkeit, mehrfach gewandelt hat und vom Verifikatonsprinzip weggehend auf das Falsifikationsprinzip umgeschwenkt ist und von dort auf den dem Skeptizismus geschuldeten Konstruktivismus, was Erkenntnis wie Theoretisierung betrifft.

    MFG
    Dr. Webbaer

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