Publikationen um des Teufels Willen?

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung

Wir hatten gestern im Institut eine Diskussion darüber, wie sinnvoll es ist, so viele Publikationen wie es geht anzuhäufen… praktisch "um des Teufels willen"…

Es geht im konkreten Fall darum, dass viele Konferenzen ja einen Tagungsband ("Proceedings") herausbringen, in denen diejenigen Teilnehmer, die entweder ein Poster oder einen Vortrag präsentieren, einen kurzen (normalerweise zwei- oder vierseitigen) Artikel publizieren können. Diese Artikel sind  normalerweise nicht von Fachleuten begutachtet, können aber genau wie normale Artikel zitiert werden.

Nun kommt es gar nicht so selten vor, dass man auf Konferenzen etwas vorträgt, was bereits irgendwo anders publiziert, aber bisher noch nicht auf Konferenzen präsentiert wurde. Man kann nun natürlich diese Themen in einem weiteren Artikel im Tagungsband nochmals publizieren (wobei man aber aufpassen muss, nicht das Copyright der Zeitschriften zu verletzen, die die Originalartikel verlegt haben).

Dafür spricht, dass man einen weiteren Eintrag in der Publikationsliste hat und dass man seine Arbeit weiter bekannt macht. Artikel in Fachzeitschriften werden manchmal übersehen, wenn man dasselbe Thema noch einmal aufschreibt, am besten noch mit Zitaten der eigenen Arbeit, wird es einfach bekannter.

Ich persönlich habe mich jetzt aber gegen eine erneute Publikation entschieden (gegen den Einwand eines meiner Betreuers, aber mit dem Einverständnis des anderen). Ich werde meine Ergebnisse auf einem Poster vorstellen (habe leider keinen Vortrag bekommen), dieses Poster ausdrucken und an interessierte Teilnehmer verteilen, mit Referenzen auf die Publikationen. Ich sehe nicht den Sinn darin, denselben Stoff zweimal unterschiedlich zusammenzuschreiben, nur um einen weiteren Eintrag auf irgendeiner Liste zu haben. 

Wirklich zählen zudem ja auch nur die referierten Artikel, nicht irgendwelche schnell zusammengetippten Sachen in Tagungsbändern. Stattdessen widme ich mich lieber meinen Experimenten, um bald die nächste referierte und richtig neue Publikation zu haben. 🙂


Bild: © Raffibre / PIXELIO

 

Mierk Schwabe

Veröffentlicht von

Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

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