Plasmakristalle auf der Internationalen Raumstation – Mission 16

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung
Wir sind wieder in Korolyov bei Moskau, um eine Mission unseres Plasmakristall-Experiments PK-3 Plus auf der Internationalen Raumstation zu begleiten. Dazu haben wir unser Referenzexperiment in einem Raum im Kontrollzentrum TsUP aufgestellt, das wir gleichzeitig mit dem auf der Raumstation durchführen. 
Arbeiten im TsUP
Abb.: Meine Kollegen Hubertus Thomas und Chengran Du am Arbeiten im Kontrolzentrum.
Durch die Verzögerungen bei dem Rückflug der Astronauten und Kosmonauten von der Internationalen Raumstation haben wir dieses Mal unsere Daten von der letzten Mission relativ spät bekommen, so dass wir bei der Vorbereitung der nächsten Experimente nicht wussten, wie die letzten gelaufen waren. Als wir die Daten dann gesehen haben, haben wir noch einige Last-Minute-Änderungen bei der Planung der neuen Experimente gemacht. So wurde die Vorbereitung dann doch wieder etwas stressig. Aber es scheint sich gelohnt zu haben.
Gestern wurde bereits das erste Experiment dieser Mission von dem Kosmonauten Sergey Volkov durchgeführt. Im Moment erforschen wir intensiv, wie sich Kristallisationsfronten in dem System ausbreiten. Dazu schmelzen wir einen schon vorhandenen Kristall und sehen dann zu, wie er von einer Seite zur anderen wieder kristallisiert. Wir hatten gestern für die erste Hälfte des Experiments live Bilder. Natürlich reicht die Qualität der direkt übertragenen Bilder nicht aus, um eine wirklich genaue Analyse zu machen, aber vom Hinschauen sieht es so aus, als hätten wir es geschafft, bei jedem Durchgang Kristallisationsfronten zu erzeugen. Wir machen bei der Kristallisation immer kurze Scans mit der Laserebnene durch das System, so dass wir Schnitte bei verschiedenen Positionen bekommen – wie ein Tomograph. Damit können wir dann die Richtung der Kristallisationsfront bestimmen – und mittlerweile sollten wir genügend Daten haben, um statistisch signifikante Aussagen darüber machen zu können. 
Telescience-Rechner im TsUP
Abb.: Der Telescience-Rechner des Referenzexperiments im TsUP, im Hintergrund unsere Ingenieurin Tanja Hagl
Gerade im Moment läuft das zweite Experiment, auch zur Kristallisation, aber mit einigen Änderungen. Wir haben beispielsweise eine neue Putzprozeudr eingeführt – unsere Plasmakammer hat ja nun schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und wird leider durch Teilchen, die sich an den Wänden ablagern, immer dreckiger. Im Moment haben wir gerade kein Live-Video und müssen nun auf die Daten warten, die wir im Frühjahr dann auf Festplatten bekommen.
Morgen geht es weiter mit dem dritten Experiment dieser Mission.
Mierk Schwabe

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

3 Kommentare

  1. Experimente

    Liebe Kollegen,

    gerade haben wir gewollten Stromausfall im MPE und es ist sehr ruhig geworden. Keiner hat Internet – fast keiner 😉

    Habe gerade Mierks blog gelesen und bin gespannt wie es weiter geht.

    Denkt dran, nur wer abends früh ins Bett geht und nur Wasser trinkt ist morgen wieder fit!

    Wir wünschen Euch viel Erfolg.

    Milenko

  2. Im Moment haben wir gerade kein Live-Video und müssen nun auf die Daten warten, die wir im Frühjahr dann auf Festplatten bekommen.

    Na, so macht das doch richtig Spaß. Frühjahr dauert doch noch Jahrzehnte.

  3. Als am Sonnabend Thomas Reiter bei seinem Vortrag auf dem Geologentag von den Experimentan auf der ISS erzählte, erwähnte er auch die Plasmakristalle. Dank deines Blogs wusste ich, wovon da die Rede war.

    Danke

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