PK-3 Plus Mission 10: Hilfsbereite Russen

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung

Hier in Korolyov in der Nähe Moskaus liegt noch immer Schnee. Der Weg zur Arbeit im Kontrollzentrum für die ISS (im Foto links mit Neujahrsdekoration) gestaltet sich damit etwas schwieriger als im Sommer, wo wir die 45 Minuten vom Hotel häufig einfach zu Fuß gegangen sind.

Jetzt im Winter haben wir bisher meistens ein Taxi genommen – wobei der Preis Verhandlungssache ist (wenn der Taxifahrer Englisch oder sogar drei Worte Deutsch spricht, kostet das gleich 100 Rubel mehr). Heute, am Sonntag, sind wir erst gegen 14 Uhr im Kontrollzentrum gewesen, und haben die Zeit vorher für einen Spaziergang zum ZUP genutzt. Dabei ist dort, wo gestreut ist, häufig eine Eisschicht unter dem Schnee, was das Gehen nicht gerade erleichtert. Viele der Russen hier steigen daher in den Parks einfach gleich auf Skier um.

Dafür war der Arbeitstag dann erfolgreich. Die Prozeduren für die 10. Mission unseres Plasmakristall-Experiments auf der Raumstation sind jetzt allesamt fertig. Gestern und heute haben wir alles weiter getestet, sämtliche Prozeduren sind beim Testaufbau fehlerfrei durchgelaufen, und auch die Reaktion, falls Fehler auftreten sollten, wurden getestet. Falls zum Beispiel bei der Durchführung des Experiments das Plasma ausgehen sollte, wird es neu gezündet und mit den nächsten Experimentbedingungen weitergemacht.

Rechts auf dem Foto sieht man unsere Ingenieurin Tanja Hagl und den Projektwissenschaftler Hubertus Thomas beim Überprüfen der Prozeduren. Heute ist außerdem der Vertreter der Firma Kayser-Threde angekommen, der sich zusätzlich um die Software kümmert, und bei dem auch alles so weit für den Upload der Programme auf die ISS bereit ist.

Als wir gegen 8 dann zurück ins Hotel fahren wollten, wollten wir gerne ein Taxi bestellen – kannten aber weder die Nummer eines Taxiunternehmens, noch konnten wir dort zuverlässig auf Russisch mitteilen, wo das Taxi hinkommen sollte. Wir haben also die Pförtnerin des  Kontrollzentrums gebeten, uns ein Taxi zu bestellen, was auf einer Mischung aus Russisch und Englisch auch ganz gut klappte.

Leider gab es dann irgendein Problem – was genau, weiß ich immer noch nicht. Die Dame hat sicherlich vier, fünf verschiedene Nummern gewählt und auch mit weiteren Leuten beratschlagt, aber kein Taxi war in Sicht. Sie suchte dann verzweifelt nach einem Übersetzter und fragte alle, die das Kontrollzentrum betraten oder verließen, ob sie Englisch könnten… Die Rettung kam in Form einer jungen Frau, die sehr gut Englisch sprach – und dann, als sie hörte, was wir wollten, sofort anbot, dass ihr Mann uns fahren könnte, der sie sowieso gerade zur Arbeit gebracht hatte. Der uns bis dahin unbekannte Igor hat uns vier dann tatsächlich gefahren – eine riesige Hilfe. Ich hoffe, dass Deutsche in dem umgekehrten Fall auch so hilfsbereit sind!

Morgen werden die Radiogramme erstellt, in denen dem Kosmonauten die Anweisungen zur Experimentdurchfühung mitgeteilt werden. Dazu kommt unser russischer Kollege ins Kontrollzentrum, der eigentlich ansonsten immer dabei ist – aber leider gerade eine Rippe gebrochen hat und eigentlich im Bett bleiben sollte. Hoffen wir, dass er keine allzugroßen Probleme durch die Mithilfe morgen bekommt.

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

4 Kommentare

  1. Hätte ich beinahe nicht gesehen, daß es einen neuen Bericht von Dir gibt, weil die Überrschriften fast gleich sind.

    So langsam lohnt es sich für Dich Russisch zu lernen, gell. 😉

  2. Ein Radiogramm

    ist ein durch Funk übermittelter Text. In unserem Fall stehen da die Anleitungen für den Kosmonauten drin, wie ich oben ja schon geschrieben habe, teilweise auch Bilder, die zum Beispiel erklären können, auf welchen Effekt er bei der Durchführung des Experiments achten muss. Das ganze wird dann auf die Raumstation gefunkt.

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