Physikerinnen weniger ernst genommen?

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung

Weibliche Physiker sind in Führungspositionen in der Wissenschaft noch immer deutlich unterrepräsentiert, sogar noch mehr als in den entsprechenden Studienfächern. Die Frage ist nur, warum. Geben Frauen eher auf dem Weg "nach oben" auf als Männer? Sind sie einfach nicht so karriereorientiert? Oder werden sie diskriminiert? 

In die letzte Richtung deutet eine Untersuchung, über Physics Worlds berichtet: Die Physikerin Amy Bug hat in einem kleinen Experiment untersucht, wie Vorträge von männlichen und weiblichen Physikern von Studenten aufgenommen werden. Dazu hat sie je zwei Schauspieler jedens Geschlechts trainiert, Vorträge über physikalische Themen zu halten. Physikstudenten haben sich diese Vorträge angeschaut und wurden danach zu ihrer Meinung über den Vortragenden befragt.

Bei Fragen zu den fachlichen Fähigkeiten der Redner, z.B. ob sie das Material gut verstanden hätten oder sachkundig waren, wurden die Männer von allen Studenten besser bewertet. Allerdings von den weiblichen Studenten nur insignifikant besser, von den männlichen stark besser. Bei Fragen zu der Lehrkompetenz der Redner haben Studenten beides Geschlechts ihr eigenes Geschlecht bevorzugt.

Amy Bug und ihre Kollegen haben also gezeigt, dass sowohl das Geschlecht der Redner als auch das der Zuhörer eine große Rolle spielt. Die Stärken und Schwächen des Redners werden anders bewertet. Für Frauen ist die Karriere dann natürlich doppelt schwierig, denn die werden hauptsächlich von Männern bewertet, die unbewusst ihr eigenes Geschlecht bevorzugen.

Für eine einzelne Situation macht das nicht viel aus, aber viele kleine Ungerechtigkeiten können sich im Laufe eines akademischen Lebens anhäufen und einen großen Unterschied machen.

Ich persönlich habe in meiner – bisher recht kurzen – Physik-Laufbahn nie das Gefühl gehabt, diskriminiert zu werden. Im Gegenteil, ich werde super gefördert.

Ich denke aber, solche Studien sind trotzdem wichtig, so dass allen klar ist, dass es ein Problem geben könnte. Man sollte möglichst viele neutrale Bewertungskriterien einführen. Eine Quote ist meiner Meinung nach nur insofern sinnvoll, dass Frauen ihrem prozentuellen Anteil in den jeweiligen Richtungen nach gefördert werden.

Ich denke nämlich auch, dass ein Bewertungsunterschied nicht alles ausmacht, es gibt viele andere Faktoren. (Z.B. scheinen Frauen mit ihren eigenen Schwächen viel kritischer umzugehen als Männer, siehe z.B. dieses interessante Interview zu dem Thema mit Prof. Meg Urry.)

Und natürlich sollte man auch darüber diskutieren, warum immer noch so wenige Frauen überhaupt Physik (oder Mathe oder Chemie) studieren. Die Diskussion sollte auf alle Fälle weiter verfolgt werden, auch wenn das mehr oder weniger seriös geschieht: 

PS: Jörg hat bei Diax’s Rake auch einen Bericht über diese Studie


via: Scientific American

Comic: Saturday Morning Breakfast Cereal, via Pharyngula

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

8 Kommentare

  1. @Mierk; Widerspruch

    “ch persönlich habe in meiner – bisher recht kurzen – Physik-Laufbahn nie das Gefühl gehabt, diskriminiert zu werden. Im Gegenteil, ich werde super gefördert.”

    Offenbar ist das eine eigenschft der Intistution in der du arbeitest. Wenn ich richtig verstehe, dann ist das ein Widerspruch zu der Studie. Kann man den Widerspruch vielleicht vermeiden, in dem man das Studienergebnis auf einen bestimmten Kulturkreis lokalisiert? Wie wurden denn diese Studenten ausgewählt?

  2. eine weitere Physikerin u.a. dazu:

    Eine Ihrer Kolleginnen machte in ihrem blog ein paar Bemerkungen u.a. dazu. Ihr zufolge sind männliche Kollegen, die gegenüber intelligenten Frauen narzistisch gekränkt reagieren, das größere Problem.

  3. Aus der Sicht des Opfers

    Aus der Sicht des Opfers.

    Chemie ist ja nur der schmutzige Teil der Physik.

    Nach 40 Jahren in der Praxis kann ich sagen, dass der chemisch-technische Assistent immer ein machtloses Opfer seines akademischen Laborleiters ist.

    Während männliche Laborleiter zumeist, aber sicher nicht immer, freundlich und entspannt wirken, zeigten sich alle weiblichen Laborleiter die ich kenne, als streng und verkrampft.

    Vielleicht ist das gar nicht ihre eigene Schuld, sondern ein Ergebnis der Selektion durch die männliche Konkurrenz.

    Etwa zwei Drittel der männlichen Laborleiter besitzen Humor, aber bei den weiblichen Laborleitern habe ich Humor bisher noch nie beobachtet.

    Etwa ein Drittel der männlichen Laborleiter verhält sich genau so ungünstig, wie die von mir beschriebenen weiblichen Laborleiter.

    Männliche Laborleiter motivieren den chemisch-technischen Assistenten dadurch zur Mitarbeit, dass sie erklären, warum sie etwas getan haben wollen, und sie hören auf vorgebrachte Vorschläge des Assistenten.

    Weibliche Laborleiter befehlen einfach, was getan werden muss, und jeder Kommentar ist unerwünscht.

    Ein Drittel der männlichen Laborleiter entwickelt eigenständige Ideen, aber praktisch alle weiblichen Laborleiter glauben sklavisch daran, was in der Literatur steht.

    Natürlich ist eine Person und nur 40 Jahre nur eine winzige Stichprobe im riesigen Pool der Gesamtereignisse.

    Vielleicht habe ich nur die guten Laborleiterinnen rein zufällig verpasst.

  4. Beobachtungen und Vermutungen

    Nach der Darstellung meiner Beobachtungen folgt nun die Darstellung meiner Vermutungen.

    Die Verkrampfung, die ich bei einigen männlichen Laborleitern und bei allen weiblichen Laborleitern beobachtet habe, ist vermutlich eine Folge ihrer eigenen Unsicherheit.

    Die meisten Männer ruhen in sich selbst, und für sie genügt es, wenn sie einfach da sind.

    Die meisten Frauen fragen sich andauernd, ob sie auch alles richtig machen.

    Die Abwesenheit von Selbstkritik bei den meisten Männern kann man natürlich auch als Nachteil auffassen.

    Auf die an sich selbst gestellte Frage: “Werde ich ernst genommen?” reagieren die meisten Männer mit der an sich selbst gerichteten Antwort: “Das ist mir gleich”.

    Bei der Untersuchung vom Verhalten von Kindern im Schulunterricht zeigte sich, dass die Knaben mutig und schnell mit halbfertigen Überlegungen herausplatzen, während die Mädchen in aller Stille überlegen, und dann erst später mit dem vollständigen Ergebnis ihrer Überlegungen herauskommen.

    Jetzt kann man natürlich tagelang darüber diskutieren, was nun wirklich besser ist, und ob unsere patriarchalische Kultur das bewirkt hat.

    Ich persönlich habe natürlich lieber eine Laborleiterin oder einen Laborleiter die/der freundlich, entspannt und humorvoll ist, und die/der nicht die Literatur sklavisch auswendig gelernt hat, sondern die/der sich von ihrer/seiner eigenen Logik und den allgemeinen Naturgesetzen leiten lässt.

    Nachdem schon meine Beobachtungen mit grosser Unsicherheit behaftet sind, sind natürlich auch meine Vermutungen mit einer noch viel grösseren Unsicherheit behaftet.

    Es ist übrigens ein Zeichen der inneren Sicherheit, wenn man zugibt, dass die eigenen Überlegungen mit Unsicherheit behaftet sein können.

  5. Eigenschaft des Kulturkreises?

    Wo genau die Studie durchgeführt wurde, steht nicht in dem Artikel auf Physics World. Ich nehme aber an, dass es sich um Studenten der Universität der Autorin handelte, dem Swarthmore College in den USA.

    Dass mein “Mangel” an Erfahrung mit Diskriminierung an dem unterschiedlichen Kulturkreis liegt, wage ich allerdings zu bezweifeln.

    Ich denke auch eher, dass man es bei solch unbewusster Diskriminierung gar nicht unbedingt merken würde, wenn sie geschieht. Ich war z.B. natürlich bei keiner mündlchen Prüfungen eines männlichen Kommilitonen dabei, bei der er genau so gut oder schlecht wie ich geantwortet hätte und dabei aber eine bessere Note bekommen hätte. Für so eine Untersuchung genügen keine Stichproben und persönlichen Erfahrungen und Anekdoten, das muss objektiv durch Studien gemessen werden.

    Das möchte ich auch Ihnen, Herr Bednarik, erwidern: Ich kann es nicht wirklich bestätigen, dass während meines Physikstudiums alle weiblichen Versuchsbetreuer unentspannt gewesen wären. Es waren aber auch nur wenige, von daher ist das hier wieder nur eine zu kleine Stichprobe.

    Zuguterletzt: Vielen Dank für den Hinweis auf den weiteren Blog. Ich finde es allerdings etwas schwierig, den entsprechenden Artikel zu finden. Vielleicht kann mir jemand helfen und das Datum des Eintrags nennen?

  6. @Mierk: links etc.

    Die Autorin hat hier eine kommentierte Literaturübersicht, hier Tipps zur Diagnose, hier allgemeinere Überlegungen niedergeschrieben. Auch interessant, aber wenig erfreulich, sind diese ihrer Erfahrungen mit der deutschen Hochschulbürokratie. Hier finden Sie (ab ca. 40.min.) einen Vortrag der Autorin, anläßlich tragischer Vorfälle an ihrer Heimatuni, über selten explizit erwähnter Aspekte der Psychologie wiss. Kreativität. Schliesslich hier eine Darstellung, wie die Autorin und deren Umfeld (auf deren Anregung ich übrigens erst zum bloggen kam) den mentalitätsgeschichtlichen Hintergrund ihrer Arbeit sehen. Viel Spaß beim Lesen!

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