Nur ein paar reiche Leute auf einer luxuriösen Achterbahnfahrt?

Heute bei der Next-Generation Suborbital Researchers Konferenz hat der Präsident von XCOR Aerospace, Jeff Greason, einen “Lunch-Vortrag” gehalten. Er hat mit einer Schelte der Presse begonnen – die Suborbital-Industrie würde so dargestellt, als ginge es nur darum, Achterbahn-Flüge für ein paar Superreiche zu ermöglichen (in diese Richtung ging ja auch ein Kommentar zu meinem vorherigen Artikel).
XCOR-Präsident
Jeff Greason ist davon überzeugt, dass diese Behauptung eine Lüge sei – nicht nur ein Fehler, sondern eine Lüge. Er habe in den letzten Jahren wieder und wieder wiederholt, um was es diesen Firmen genau gehe, wird aber ignoriert. Seiner Meinung nach ist es für Reporter leicht, überheblich über etwas zu berichten, ohne sich die Mühe zu machen, es wirklich zu verstehen.
Seiner Meinung nach geht es bei den Suborbitalflügen nicht um Vergnügungspark-Fahrten. Die Menschen, die diese Firmen finanzieren, setzen ihre Zeit, ihr Geld und letztendlich ihr Leben ein, weil sie denken, dass sie an etwas wichtigem teilhaben. Es geht letztendlich darum, die Welt zu verwandeln, so wie große Schiffe es im 19. und Flugzeuge im 20. Jahrhundert getan haben.

Ohne “early adoptier”, also Menschen, die neue Technologien schnell verwenden, gäbe es keine der Technologien, die unsere heutige Welt prägen. Wenn so eine neue Technologie gerade am Entstehen ist, ist es unmöglich, die vollen Anwendungsmöglichkeiten vorherzusagen. Vor der massenweisen Verbreitung von PCs konnte niemand die Möglichkeiten erahnen, die sie bieten würden.

Natürlich gibt es auch jetzt schon Ideen, was man mit Suborbitalflügen sinnvolles anfangen kann (die in zehn Jahren vermutlich schon wieder antiquiert wirken werden). Diese Flüge sollen für Wissenschaftler so selbstverständlich werden beispielsweise ein Elektronenmikroskop. Der Zugang zum Weltraum und zur Schwerelosigkeit soll selbstverständlich werden. Im Moment werden viele Projekte wegen Frustration über die lange Zeit, die von der Idee bis zur Verwirklichung nötig sind, und über die Arbeit mit Regierungsorganisationen, gar nicht erst durchgeführt.

Die Raumfahrt-Industrie scheint im Moment auf der Technologie der 1960er zu verharren. Der Grund dafür ist es, dass niemand sein Projekt riskieren will, wenn es extrem teuer ist und man nur einmal im Leben die Möglichkeit dazu hat, es durchzuführen. Suborbitalflüge können dazu verwendet werden, neue Technologien zu qualifizieren und diesen Stillstand zu beenden.

Wiederverwendbare und leicht zu wartende Raumschiffe sind dabei absolut notwendig, um die niedrigen Preise zu erreichen. Und dabei kann man nicht erwarten, dass das Technologie sofort völlig wiederverwertbar ist – sie muss sich entwickeln und getestet werden. Dabei muss man dann alles weglassen, was sich als nicht wiederverwertbar und nur mit großem Aufwand zu warten herausstellt.

Erst dann, wenn die “space planes” (Raumzeuge?) für Suborbitalflüge diese Spezifikationen erfüllen, sollten die verwendeten Prinzipien aufRaumschiffe für den Flug in den Orbit angewendet werden. Und wenn man erst im Orbit ist, hat man den halben Weg nach überall geschafft!

Ich persönlich finde diese Aussicht absolut faszinierend. Ich hoffe, dass die Visionäre Recht haben und wir tatsächlich auf dem Weg zu einer neuen technologischen Revolution sind. Es werden auf alle Fälle ein paar interessante Jahre werden.

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hm…

    Da bin ich jetzt mal gespannt, was der Herr Kahn dazu zu sagen hat.
    Denn schon wenn ich mit meinem rudimentären Raumfahrt-Fachwissen darüber nachdenke, fallen mir ein halbes Dutzend Probleme ein, die zu lösen sind, wenn man wiederverwendbare Raumschiffe bauen will. Die Vorgehensweise, erst hohe Parabelflüge und danach erst in den Orbit erscheint mir aber vernünftig.

  2. Energie

    Ich bin schon seit dem Jahre 1957 für die Raumfahrt begeistert, und das hat bis jetzt noch kein bisschen nachgelassen.

    Allerdings kam das SpaceShipOne nur auf eine Geschwindigkeit von etwa 1000 Meter pro Sekunde, das ist etwa ein Achtel der Orbitalgeschwindigkeit.

    Das bedeutet, dass man etwa die 64-fache Energiemenge benötigt, um im Orbit bleiben zu können, und auch dass man diese viel grössere Energiemenge beim Wiedereintritt in die Atmosphäre mit einem Hitzeschild wieder abbauen muss.

    Trotzdem befürworte ich jede Art von Aktivitäten in die Richtung der Raumfahrt, denn die risikofreudigen “early adoptier” haben schon vielen Erfindungen zur allgemeinen Verbreitung verholfen.

  3. Girls just wanna have fun

    Suborbitalflüge geben der eigentlichen Raumfahrt wenige Impulse und sind auch nicht als Vorläufer des Kontinentalhoppings mit Scramjets oder Hybriden von Flugzeug und Rakete (wie die A2 von Reaction Engines) geeginet.

    Suborbitalflüge sind eben keine Raumflüge sondern Touristenflüge zu einem Punkt mit spektakulärer Aussicht auf unsere Heimat. Wenn Virgin Galactic später einmal Mondflüge für Touristen anbieten will, dann wird sie die nötige Raumflugtechnik wohl kaum von ihrer Suborbitalfirma Scaled Composites einkaufen, sondern vielleicht SpaceX beauftragen.
    Ich sehe also sogar im eigentlichen Weltraumtourismus-Geschäft wenig Berührungspunkte zwischen Suborbitalflügen und eigentlichen Raumflügen. Bigelows Weltraumhotels sollen jedenfalls von der Nasa oder SpaceX in den erdnahen Orbit geschossen werden und nicht von einer der Suborbitalfirmen für Touristikflüge wie
    RocketShip Tours, Space Adventures, Virgin Galactic, Starchaser, Blue Origin, Armadillo Aerospace, XCOR Aerospace.

  4. Die Mischung macht’s

    Unabhängig von der Frage der technischen Innovation bieten Suborbitalflüge für raumfahrtenthusiastische Unternehmer zunächst mal ein Geschäftsmodell, auf dessen Grundlage sie hoffentlich weiterarbeiten. Die Frage, ob Staaten wirklich Geld ausgeben sollen, um Raumstationen und Mondflüge zu bezahlen stellt sich dann nicht mehr, wenn die Raumfahrtenthusiasten das privatwirtschaftlich organisiert bekommen – und dazu braucht es eben auch eine Einnahmenseite. Ich bin auch sehr gespannt, ob uns der wünschenswerte Wandel hin zu mehr privater Raumfahrt gelingen wird. Im übrigen ist mit einem Preissturz bei Virgin Galactic zu rechnen, wenn die Flüge erst einmal Routine sind. Das war bei Schiff- und Luftfahrt auch nicht anders. Wenn die reichen Leute statt einen dritten oder vierten Sportwagen zu kaufen lieber eine Reise ins All bei einem Raumfahrtunternehmen buchen, ist das sicherlich nicht verkehrt.

  5. Suborbitalflüge

    Natürlich wollen die Privaten mit diesen Flügen erst einmal Geld verdienen und ob sie der Raumfahrt nützen, das kann man noch nicht genau sagen. In einem Punkt scheinen mir diese Flüge aber doch interessant zu sein, dass nämlich daraus die Luftfahrt der Zukunft entstehen könnte:
    “Mit Raketenflugzeugen, die Passagiere in eine Höhe von rund 100 Kilometern befördern, soll ein Nonstop-Flug von Frankfurt nach Sydney nur noch eine Stunde und 20 Minuten statt derzeit 18 Stunden dauern, ein Flug von London nach New York ist in 20 Minuten erledigt. Gelingt hier der technologische Durchbruch, stehen die beteiligten Firmen vor einem Milliardengeschäft.”
    Quelle: http://www.format.at/…302102/3-2-1-weltraum-alle

  6. @Mona: Flug London-Sydney in 4 Stunden

    Besten Dank für ihren Link. Ich bezweifle allerdings, dass Suborbitalflüge etwas bringen für das Ziel die Reisezeit von Frankfurt nach Sydney auf wenige Stunden zu reduzieren. Der Grund ist ganz einfach: Eine solche Reise benötigt grosse Mengen an mitgeführtem Treibstoff, während das bei Suborbitalflügen gerade nicht der Fall ist. Die Zielhöhe des Suborbitalfluges von 100 km ist zudem nicht genügend um dann im “Gleitflug” weit zu kommen. Der Unterschied zwischen einem Suborbitalflug und einem Kreisen um die Erde auf 100 km Höhe ist die Horizontalgeschwindigkeit, nämlich 7 km/h, die erreicht werden müssen. Mit einer geringeren Geschwindigkeit sind sie bald zurück auf der Erde und das Erreichen einer Geschwindigkeit von nur annähernd 7km/h braucht sehr viel Energie.

    Die Firma, die Flugverbindungen in der hohen Strathospäre mit Reisezeiten von 2 bis 4 Stunden London-Sydney anbieten will heisst Recation Engine. Sie hat im Auftrag der EU ein entsprechendes vehicle Lapcat/A2 entwickelt. Es fliegt mit Wasserstoff als Treibstoff, gewinnt den Sauerstoff aber weitgehend aus der Atmosphäre und nur zum kleineren Teil aus Sauerstofftanks. Es benötigt Spezialwerkstoffe für den Rumpf um den Wiedereintritt zu überstehen.
    Reaction Engine hat nie daran gedacht an Suborbitalflügen teilzunehmen. Ihr Projekt ist auch schon älter als der Suborbital-Hype.

  7. Der Mann hat komische Vorstellungen von Wahrheit und Lüge. Natürlich sind suborbitale Flüge derzeit ein Abenteuer für Superreiche – genauso wie die ersten Interkontinentalflüge auch nur etwas für Superreiche waren. Dass sich daraus einmal etwas Größeres entwickeln KANN (wie damals in der Luftfahrt), steht außer Frage, es ist aber keinesfalls sicher. Dazu müssen die ganzen Lautsprecher von Xcor & Co. erst mal liefern (Xcors “Lynx” sollte zum Beispiel schon seit zwei Jahren fertig sein, lässt aber noch immer auf sich warten).

    Und es ist nun mal nicht Aufgabe der Presse, Werbung für irgendwelche privaten Weltraumvisionen zu machen, sondern sich an das zu halten, was aktuell die Faktenlage ist.

  8. Lüge und Wahrheit

    Mein Kommentar dazu hier. Sorry, das war zu lang für einen Kommentar.

    @Mona:

    Das, was Sie da beschreiben, ist nur knapp unter wirklicher Raumfahrt angesiedelt, so knapp, dass der Unterschied kaum noch ins Gewicht fällt. Der energetische Unterschied zwischen einem Raumschiff, das in einer Stunde zu den Antipoden fliegt und einem orbitalen Raumschiff ist nur noch marginal, die Anforderungen an Start und Wiedereintritt sind fast gleich. Das ist etwa zwei Größenordnungen von dem entfernt, was die Parabelflieger überhaupt versuchen.

    @Hans:

    Man sollte nicht so tun, als sei das Problem “bemannte Raumfahrt” technisch nicht gelöst. Ob das auch wiederverwendbar geht, ist eine andere Frage, aber ich bezweifele, dass XCOR, Virgen und Konsorten dazu die Antwort haben.

    @Alexander Stirn

    Ich habe noch kein plausibles Argument dafür gesehen, warum sich hieraus etwas Größeres entwickeln kann, und mehr als blumige Behauptungen haben auch die protagonisten nicht zu bieten. Währenddessen gehen Unternehmen einfach voran und entwickeln die Technik, derer es bedarf. Virgin Galactic kennt jeder, Bigelow und SpaceX nur Fachleute. In einigen Jahren könnte das genau umgekehrt sein. Wenn es erst ein Hotel im Orbit gibt, wer interessiert sich dann noch für Parabelflüge?

  9. Kritische Presse?

    Der von Mona verlinkte Artikel auf format.at ist eigentlich typisch für die Art, wie über diese Unternehmen berichtet wird. Unkritisch, unrecherchiert, reich an Behauptung, arm an Fakten. Was beschwert sich Jeff Grearson eigentlich? Ist ihm das immer noch nicht gefügig genug?

  10. technische Probleme @Michael Kahn

    Nun, ich dachte dabei auch an die Probleme der Wiederverwendbarkeit. Beispielsweise bessere nicht ablative Hitzeschilde, als beim Space Shuttle. Oder Hüllenmaterialien, die auch Ein- bzw. Aufschläge von Körpern in der Grössenordnung von Apfelsinen ohne Probleme aushalten. Soweit ich weis kämpft man immer noch mit Problemen, wenn die Körper die Grösse einer Erbse haben.
    Aber wenn die “Parabelflieger” gar nicht erst in die Bereiche kommen, wo solche Probleme akut werden, dann können sie die auch nicht lösen oder vorhandene Lösungen weiter entwickeln…

  11. technische Probleme @Michael Kahn

    Nun, ich dachte dabei auch an die Probleme der Wiederverwendbarkeit. Beispielsweise bessere nicht ablative Hitzeschilde, als beim Space Shuttle. Oder Hüllenmaterialien, die auch Ein- bzw. Aufschläge von Körpern in der Grössenordnung von Apfelsinen ohne Probleme aushalten. Soweit ich weis kämpft man immer noch mit Problemen, wenn die Körper die Grösse einer Erbse haben.
    Aber wenn die “Parabelflieger” gar nicht erst in die Bereiche kommen, wo solche Probleme akut werden, dann können sie die auch nicht lösen oder vorhandene Lösungen weiter entwickeln…

  12. So ein Blödsinn, jetzt ist der Kommentar zwei mal drin. Und ich dachte, er hätte ihn nicht angenommen, weil nach dem ersten abschicken ‘ne Fehlermeldung vom Server kam…

  13. So ein Blödsinn!!! – Jetzt ist der Kommentar 2 mal drin. Dabei dachte ich, er hätte ihn nicht angenommen, weil bei ersten Posten eine Fehlermeldung vom Server kam…

  14. @Hans

    Genau so ist es: Wenn man das Problem des Hitzeschild umgeht, ist auch nicht davon auszugehen, dass man einen entwickeln wird.

    Zum Thema der Wiederverwertbarkeit, die angeblich alles billiger machen soll, kann ich nur sagen, dass die Geschichte der Raumfahrt bis nicht wirklich Anzeichen dafür liefert, dass diese Erwartung gerechtfertigt ist. Wahrscheinlich ist der Königsweg irgendwo in der Mitte. Beispielsweise bei einer wiederverwertbaren Eintrittskapsel mit einfach austauschbarem, aber nicht wiederverwertbarem Hitzeschild. Aber solche Entwicklungen werden nicht aus der suborbitalen Branche kommen, warum sollten sie?

  15. @Hans

    soll ich die doppelten Beiträge und den doppelten Kommentar zu den doppelten Beiträgen 😉 löschen?

  16. Wiederverwertbarkeit

    Ich halte die Idee, langsam voran zu gehen und erst Suborbitalflüge zu machen und die dort gewonnenen Kompetenzen dann wenigstens teilweise auf die Entwicklung von richtigen Raumschiffen anzuwenden, immer noch für nicht schlecht. Durch Touristen und vielleicht auch Wissenschaftler kommt dann Geld in die Kasse, so dass eine höhere Anzahl an Flügen und dadurch mehr Erfahrung gewonnen werden kann, wodurch man dann wiederum besser weiß, welche Komponenten zu wartungsintensiv sind.

    Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn andere Firmen “sofort” Orbitalflüge zu vernünftigen Preisen anbieten würden, ohne den Umweg über Suborbitalflüge. Möge der schnellere und vor allem sicherere gewinnen. 😉

  17. Gewonnene Kompetenzen

    […] und die dort gewonnenen Kompetenzen dann wenigstens teilweise auf die Entwicklung von richtigen Raumschiffen anzuwenden

    Welche gewonnen Kompetenzen? Die mit den Hochschubantrieben, Hitzeschilden, Regelungssystemen für den Hyperschallflug durch die Atmosphäre, Lebenserhaltungssystemen, Meteoritenschutzschilden, Maßnahmen gegen die physiologischen Auswirkungen der Schwerelosigkeit. Schutzvorrichtungen gegen den Strahlenschutz, Wasseraufbereitungsanlagen, usw., … die man beim suborbitalen Flug gar nicht braucht und deswegen auch nicht entwickeln wird?

    Oder die mit der architektonischen Gestaltung des “Weltraumbahnhofs”, dem angeschlossenen Vergügungspark oder der Dekoration des Innenraums des Fahrzeugs? OK, gut, das wird wahrscheinlich wirklich weitergehenden Nutzen bringen.

    Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn andere Firmen “sofort” Orbitalflüge zu vernünftigen Preisen anbieten würden, ohne den Umweg über Suborbitalflüge.

    “teuer” ist ebenso wie “sicher” ein relativer Begriff, und ob ein Preis “vernünftig” ist, bemisst sich daran, was man dafür als Gegenwert bekommt.

    Wenn die jetzigen Suborbitalfirmen von Preisen pro Sitzplatz von rund 100,000 bis 200,000 $ ausgehen, dann dürfte man für einen wissenschaftlichen suborbitalen Flug, wo man das ganze Ding bucht, dann so $500,000 bis $1,000,000 annehmen. Ob sich das für einige Minuten effektiver Experimentdauer lohnt, kann ich nicht beurteilen. Oft ist es ja zudem noch so, dass die Anwesenheit von Leuten, die sich bewegen und gegen die Wand stoßen und kleine Beschleunigungen auslösen, eher störend ist – ein unbemanntes Gefährt wäre da besser – und ganz sicher billiger.

    Ein bemannter Flug in einem bemannten Raumschiff wird ganz sicher 10 – 100 mal so viel kosten wie ein suborbitaler Flug, aber dafür kriegt man dann auch eine Flugdauer, die mindestens in Tagen statt Minuten bemessen wird und deswegen umgerechnet auf die Experimentierzeit damit deutlich preisgünstiger sein kann.

    Es hängt wohl alles davon ab, was im Orbit für eine Infrastruktur zur Verfügung steht. Wenn Boeing und Bigelow wirklich eine große kommerzielle Forschungsraumstation nach oben schicken, dann sind alle Karten ganz anders gemischt als heute.

    Manche der vorgebrachten Vorschläge klingen allerdings eher nach Verzweiflung, wie das mit er Venus-Beobachtung von einem suborbitalen Flug aus. Wenn ich mir vorstelle, was das für ein Aufwand ist und wie kurz die effektive Beobachtungszeit ist, dann dürfte es doch in jedem Fall mehr Sinn machen, einfach Beobachtungszeit auf einem existierenden orbitalen Teleskop zu beantragen.

  18. @Michael Khan

    Guten Morgen!

    Welche gewonnen Kompetenzen?

    Diese Firmen müssen ja erst einmal lernen, wie man raketenbetrieben Flugzeuge sicher auf diese Höhen bekommt und wieder zurück und das ganze so, dass man innerhalb weniger Stunden wieder starten kann. Dazu gehört ein wiederverwertbares Triebwerk, Lebenserhaltung, ein – wenn auch kleines – Hitzeschild und die Erfahrung, wie man das ganze Flugzeug wiederverwertbar machen kann. Dabei sollen dann diejenigen Teile, die sich als zu wartungsintensiv erweisen, ausgetauscht werden.

    Wenn die jetzigen Suborbitalfirmen von Preisen pro Sitzplatz von rund 100,000 bis 200,000 $ ausgehen, dann dürfte man für einen wissenschaftlichen suborbitalen Flug, wo man das ganze Ding bucht, dann so $500,000 bis $1,000,000 annehmen.

    Ja, das ist natürlich schon eine Menge. Vermutlich wird das erst so richtig interessant, wenn der Preis für den Flug für das Equipment samt Personal auf die Größenordnung von einem hochwertigen wissenschaftlichen Werkzeug fällt, z.B. einem Elektronenmikroskop. Die können bis zu $100,000 und mehr kosten.

    Es stimmt natürlich, dass andere Leute, die gegen die Wand oder vielleicht sogar noch gegen das Experiment stoßen, stark stören können. Falls es unbemannte Flüge mit richtig guter Telescience gibt – mit einer so hohen Übertragungsgeschwindigkeit, dass auch Filme mit genügend hoher Auflösung quasi in Echtzeit übertragen werden – wäre das in vielen Fällen sicherlich sinnvoller.

    Manche der vorgebrachten Vorschläge klingen allerdings eher nach Verzweiflung, wie das mit er Venus-Beobachtung von einem suborbitalen Flug aus. Wenn ich mir vorstelle, was das für ein Aufwand ist und wie kurz die effektive Beobachtungszeit ist, dann dürfte es doch in jedem Fall mehr Sinn machen, einfach Beobachtungszeit auf einem existierenden orbitalen Teleskop zu beantragen.

    Das habe ich anscheinend nicht ausführlich genug beschrieben. Die orbitalen Teleskope können nicht nah genug an die Sonne heranblicken, dafür sind ihre Kameras nicht ausgelegt. Diese Gruppe will das Transmissionsspektrum der Venusatmosphäre beobachten. Dazu muss die Venus von hinten von der Sonne beleuchtet werden.

  19. Abschließend zu desem Punkt (von meiner Seite):

    Diese Firmen müssen ja erst einmal lernen, wie man raketenbetrieben Flugzeuge sicher auf diese Höhen bekommt und wieder zurück und das ganze so, dass man innerhalb weniger Stunden wieder starten kann. Dazu gehört ein wiederverwertbares Triebwerk, Lebenserhaltung, ein – wenn auch kleines – Hitzeschild und die Erfahrung, wie man das ganze Flugzeug wiederverwertbar machen kann. Dabei sollen dann diejenigen Teile, die sich als zu wartungsintensiv erweisen, ausgetauscht werden.

    Jetzt wird dem Ingenieur erklärt, wie Ingenieursarbeit geht. 😉

    Was hier beschrieben wird, ist Optimierunhg eines technischen Systems. Allerdings wird ein technisches System auf einen bestimmten Anwendungszweck hin optimiert. Da kann man nicht erwarten, dass es auch einen anderen erfüllen wird, bei dem die Anforderungen mehrere Größenordnungen darüber liegen – bei allen Komponenten.

    (Ein Lebenserhaltungssystem kann man das, was ein suborbitales Flugzeug in diesem Bereich maximal braucht und deswegen auch nur mitführt, nur mit viel gutem Willen nennen.)

    Wenn man für ein suborbitales Szystem so weit ist, dass die Komponenten mehrheitlich wiederverwertbar sind, dann bedeutet das für die Einsetzbarkeit in einem orbitalen System erst einmal gar nichts.

    Außerdem darf bei der Diskussion nicht vergessen werden, dass es bereits Systeme zur bemannten orbitalen Raumfahrt gibt. Woüber reden wir hier also eigentlich?

    Gut, da zu diesem einen Punkt wohl die Diskussion versandet ist, schlage ich vor, sie zu beenden. Wer das anders sehen will, kann das ja gerne tun.

    Das habe ich anscheinend nicht ausführlich genug beschrieben. Die orbitalen Teleskope können nicht nah genug an die Sonne heranblicken, dafür sind ihre Kameras nicht ausgelegt. Diese Gruppe will das Transmissionsspektrum der Venusatmosphäre beobachten. Dazu muss die Venus von hinten von der Sonne beleuchtet werden.

    Nein, sorry, my mistake. Die Erklärung im anderen Artikel war ausreichend, ich hatte sie nur nicht verstanden.

    Zu meiner Entlastung sei aber angemerkt, dass die hier beschriebenen Bedingungen (Venus zieht vor der Sonnenscheibe vorbei = Venustransit), im Juni 2012 eintreten wird, also in drei Monaten, und dann erst wieder im Jahr 2117. Ich hatte deswegen nicht angenommen, dass wir wirklich von der Beobachtung eines solchen Ereignisses von einem suborbitalen Flugzeug aus reden.

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