Marie-Curie-Proposal

Framework 7Sommerzeit, Ferienzeit… denkste. Weder dieses noch letztes Jahr werde ich im Sommer wegfahren. Heuer spare ich meinen Urlaub für später, und zu dieser Zeit vor einem Jahr steckte ich knietief in meinem Antrag für ein Marie-Curie-Stipendium. Diese Stipendien der Europäischen Union dienen dazu, jungen Forschern einen Aufenthalt im Ausland zu ermöglichen. Sie bieten relativ gute Bedingungen, zum Beispiel kann man während des Stipendiums in Europa angestellt bleiben und ist somit beispielsweise weiter rentenversichert. Allerdings muss man nach der Zeit im außereuropäischen Ausland dann für ein Jahr wieder zurück in die EU kommen (dieses Jahr ist immerhin auch noch vom Stipendium bezahlt).

Ich hatte Glück, und mein Antrag war erfolgreich – weniger als 20% aller Marie-Curie-Anträge werden genehmigt. Die Deadline für die diesjährigen Anträge nähert sich, und daher möchte ich hier kurz Tipps für diejenigen aufschreiben, die sich gerade durch den Antrag wühlen.

Es geht bei dem Marie-Curie-Programm darum, etwas im Ausland zu lernen, was die EU nicht bieten kann, und dieses Wissen dann wieder zurück zu bringen und hier weiterzugeben. Man sollte daher möglichst präzise und glaubwürdig darstellen, dass dies funktionieren kann. Dazu gehört es, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • was genau will man machen, warum ist dieses Thema relevant?
  • mit welchen Methoden wird das Projekt durchgeführt?
  • warum ist die Forschungsgruppe, zu der man will, besonders geeignet für das Projekt?
  • warum ist man selbst für das Projekt geeignet?

Dabei sollte man sich selbst und auch die beteiligten Institute in dem allerbesten Licht darstellen, hier ist auf keinen Fall falsche Bescheidenheit angezeigt. Grafiken und Abbildungen helfen. In meinem Fall wurde in der Bewertung durch die Gutachter besonders der gute Arbeitsplan hervorgehoben.

Mich hat beim Schreiben besonders geärgert, dass in den verschiedenen Teilen des Antrags dieselben Dinge mehrmals abgefragt wurden. Man sollte allerdings peinlich genau darauf achten, wirklich alle Punkte in der Anleitung abzuarbeiten, denn dies tun die Gutachter auch. Sie achten darauf, ob alle Fragen ausführlich und verständlich beantwortet wurden, und schreiben genau das dann im Gutachten auch, z.B. dass der Stand der Wissenschaft gut beschrieben wurde, ein machbarer Arbeitsplan vorgestellt wurde, die Infrastruktur und die Trainingsziele in den beteiligten Instituten gut sind, usw.

Beim Schreiben des Antrags hatte ich mir die Frage gestellt, ob ich diesen Blog hier erwähnen soll oder nicht – es ist ja eine offene Frage, ob Bloggen in der Wissenschaft als positiv oder negativ gesehen wird. Ich habe mich dann dafür entschieden, und habe ihn gemeinsam mit Engagement z.B. beim Tag der offenen Tür als "outreach activity" angeführt. Interessanterweise wurden dann in der Bewertung gerade dieser Outreach positiv erwähnt. Wenigstens in diesem Fall war das also wohl die richtige Entscheidung.

Negativ wurden bewertet, dass ich für Besprechungen mit dem Betreuer im Ausland lediglich ‘monatlich oder öfter, falls nötig’ angegeben hatte. Das sei zu wenig, stand in der Bewertung. Ebenfalls negativ sei es, dass der Betreuer eine Stelle in der Verwaltung inne hat (er ist Vizedekan der Fakultät), und dass das Training bei der Wiederkehr nach Europa zu schlecht beschrieben war. Aber gereicht hat es trotzdem.

Meine Punktzahl habe ich Ende November erfahren, dass die Punkte gereicht haben, Mitte Dezember. Der Vertrag mit der EU wurde Ende Mai unterschrieben, und losgehen soll es Ende des Jahres. Man muss also Geduld mitbringen – und viel Glück, damit man durch kommt.

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

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  1. Glückwunsch! Und es wird Zeit, daß die Jüngeren endlich anfangen, Blogs “gesellschaftsfähig” zu machen, auch dafür Glückwunsch.

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