19. Mission: Dritter Tag, drittes Experiment

BLOG: Zündspannung

Blick über den Plasmarand
Zündspannung

Dies ist eine Serie von Berichten von meinem Kollegen, Dr. Peter Huber, von der 19. Mission des Plasmakristall-Experiments PK-3 Plus auf der Internationalen Raumstation. Ich bin leider wieder nicht dabei, da ich ja mittlerweile in Berkeley in den USA bin. Im Folgenden der Bericht vom 7. November.

Das spannendste heute war die veränderte Schmelzroutine. Damit wir auch wie vorgestern beschrieben, in dem äußeren Teil der Wolke sicher alles geschmolzen haben, mussten wir die Schmelzroutine verändern. Da hätte es, wenn es blöd gelaufen wäre, passieren können, dass das Plasma ausgeht. Aber es läuft auch heute wieder gut. Wir können alles schmelzen und es kristallisiert wieder. So bleibt mir Zeit, etwas zurück zu blicken.

Zuerst auf gestern. Als wir ins Kontrollzentrum gegangen sind, hat es bereits geregnet, so dass wir um einige Pfützen einen weiten Bogen machen mussten. Auf dem Rückweg hat dann der Regen noch angezogen und es war der reinste Spießrutenlauf: vor dem Regen schützen, den Pfützen ausweichen und dann immer darauf achten, dass nicht gerade ein Auto oder LKW vorbeikommt, das einen von oben bis unten mit Dreckwasser durchnässt. Da war ich froh, dass ich wenigstens nicht nur Winterschuhe, sondern Bergstiefel eingepackt hatte. Wir haben dieses Mal ja zum Glück wieder unser schönes Hotel in unmittelbarer Nähe zum ZUP wie bei der Mission 18. Heute Morgen habe ich mich dann mal als kleine Demonstration in den Dreck am Weg gestellt. Gestern stand das noch unter Wasser.

Peter Huber im Dreck in Korolov
Peter Huber in Korolov – (c) Peter Huber

Der zweite Rückblick geht zurück zur Mission 18 im Sommer. Damals war Robert, der Physiker, der von der MPE-Seite aus die Datenaufnahme und -visualisierung geplant und entwickelt hat, zum letzten Mal dabei. Weil er das Institut verlassen hat, hat er mir noch einiges zu seinen Programmen mit auf den Weg gegeben. Darum hatte ich leider keine Zeit gefunden, um von unserer Mission zu berichten.

Damals hatten wir auch zum ersten Mal dieses schöne Hotel gefunden. Die Zimmer sind riesig. Die meisten sind mit Küche und Wohnraum ausgestattet, alles neu hergerichtet mit Klimaanlage und dichten Fenstern und in 5 Minuten Nähe zum Kontrollzentrum. Aber das beste daran ist, dass es nicht mehr kostet, als die arg abgewohnten Unterkünfte die wir sonst mitunter hatten. Da war es auch gut zu verkraften, dass der vierte Experimenttag kurzfristig vom Donnerstag auf Freitag verlegt wurde. So hatten wir Neulinge im Team die Gelegenheit endlich mal das Institut unserer russischen Kollegen, das Joint Institute for High Temperatures, zu besuchen. Das Bild zeigt uns vor der Explosionstestkammer des Instituts zusammen mit unserem dortigen Fremdenführer.

im JIHT
Physiker vom JIHT und MPE im JIHT – (c) Manis Chaudhuri

Auf der Raumstation gab es unterdessen eine Besonderheit: sowohl Oleg Kononenko, der die Mission 17 durchgeführt hat, als auch Gennadi Padalka, Mission 18, hatten an diesem 21. Juni Geburtstag. Ein Grund mehr, diesen Tag zu feiern, auf der Erde und über der Erde.

Mierk Schwabe

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Erhöht man die Spannung zwischen zwei Elektroden, die ein Gas umgeben, beginnt das Gas irgendwann zu leuchten: Freie Elektronen im Gas haben genug Energie, um die Gasteilchen zu ionisieren und noch mehr Elektronen aus den Atomen zu schlagen. Ein Plasma wurde gezündet, die Zündspannung ist erreicht. Gibt man nun noch zusätzlich Mikrometer große Teilchen in das Plasma, erhält man ein sogenanntes "Komplexes Plasma", mit dem ich mich zunächst als Doktorand und Post-Doc am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und nun an der University of California in Berkeley beschäftige. In diesem Blog möchte ich sowie ein wenig Einblick in den Alltag im Forschungsinstitut bieten, als auch über den (Plasma)-Rand hinaus blicken. Mierk Schwabe

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