Wissenschaftsmanagement – ein Berufsfeld mit Potenzial

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Betrachtungen von Menschen und Strukturen in Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen
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Gut eineinhalb Jahre nach dem Start einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung im Wissenschaftsmanagement  liegen erste Ergebnisse vor.[1] Die Befragung hat der Projektverbund KaWuM – Karrierewege und Qualifikationsanforderungen im Wissenschafts- und Hochschulmanagement mit Förderung des Bundesforschungsministeriums organisiert und ausgewertet.

Frühzeitig für das Berufsfeld entschieden

Ein auffälliges Ergebnis aus den über 1.000 Datensätzen ist, dass sich viele der Befragten frühzeitig für das noch recht junge Berufsfeld Wissenschaftsmanagement entschieden: 40 Prozent gaben an, dass sie schon bei Studienabschluss als Wissenschaftsmanager*in arbeiten wollten. Wenn sie aus der Wissenschaft ins Management wechselten, nannten sie als Grund dafür deutlich häufiger die Attraktivität des Berufsfeldes, als das Risiko eines unfreiwilligen Ausscheidens aus einem wissenschaftlichen Beschäftigungsverhältnis. Letzteres müssen sie im Wissenschaftsmanagement tatsächlich deutlich seltener fürchten: Rund 70 Prozent der Beschäftigten im Wissenschaftsmanagement haben entfristete Arbeitsverträge, bei Wissenschaftler*innen bis 45 Jahren (ohne Professor*innen) sind es acht Prozent.

Studienabschlussnoten deutlich besser

Wie in der Wissenschaft setzt man auch im Wissenschaftsmanagement auf Qualität: Die Studienabschlussnoten der Befragten sind deutlich besser als die aller Hochschulabsolvent*­innen insgesamt, noch wichtiger aber sind bei der Auswahl passende Motive und Fähigkeiten der Kandidatinnen und Kandidaten. Erfolg­ versprechend für Karrieren im Wissenschaftsmanagement sind der Befragung zufolge ein Rollenverständnis als Berater*in, Generalist*in, Vermittler*in und Dienstleister*in, aber auch hohe Eigenständigkeit sowie Kommunikationskompetenzen und Fähigkeiten in der Problemlösung.

Wissenschaftsmanagement als Berufsfeld mit Potenzial

Ist eine Karriere im Wissenschaftsmanagement also prima? Nein, es gibt auch große Diskrepanzen zwischen den Erwartungen an den Beruf und deren Realisierung. Sie betreffen vor allem das Einkommen (11% erhalten weniger als das bei Hochschulabschluss übliche Gehalt nach E13 bzw. A13) und die Aufstiegschancen (womit 36% unzufrieden sind). Hier liegen Potenziale etwa für die Personalentwicklung. Mehr dazu gibt es Ende September im ausführlichem Paper auf der KaWuM-Webseite), ich werde dann auch hier darauf hinweisen.  

[1] Dieser Beitrag erschien heute zuerst als Gastkommentar im Wissen3-Newsletter der ZEIT.

Dr. René Krempkow bloggte zunächst seit 2010 bei den academics-blogs, nach deren Einstellung zog er zu Scilogs um. Er studierte Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der Technischen Universität Dresden und der Universidad de Salamanca. Nach dem Studium baute er zunächst am Institut für Soziologie, dann im Kompetenzzentrum Bildungs- und Hochschulplanung an der TU Dresden u.a. eine der ersten hochschulweiten Absolventenstudien in Deutschland auf und erarbeitete den ersten Landes-Hochschulbericht Sachsen. Nach seiner Promotion 2005 zum Themenbereich Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen arbeitete er am Institut für Hochschulforschung Wittenberg am ersten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) mit. Danach war er im Rektorat der Universität Freiburg in der Abteilung Qualitätssicherung tätig, wo er die Absolventen- und Studierendenbefragungen leitete und eines der ersten Quality Audits an einer deutschen Hochschule mit konzipierte. Von 2009 bis 2013 leitete er am iFQ Bonn/Berlin (jetzt Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung - DZHW) ein bundesweites Projekt zur Analyse der Wirkungen von Governance-Instrumenten (v.a. Leistungsorientierte Mittelvergabe an Hochschulen) und arbeitete im Themenbereich wiss. Nachwuchs und Karrieren mit. Anschließend koordinierte er im Hauptstadtbüro des Stifterverbandes u.a. das Projekt zur Personalentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Gründungsradar. Derzeit ist er an der Humboldt-Universität zu Berlin in der Stabsstelle Qualitätsmanagement tätig, wo er u.a. ein hochschulweites Projekt zur Kompetenzerfassung leitet, sowie Sonderauswertungen der hochschulweiten Absolventenstudien. Er berät bereits seit über 15 Jahren Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ministerien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen; Akademische Karrieren und Nachwuchsförderung; Indikatorenentwicklung, Evaluationsforschung; Hochschul-, Wissenschafts- und Bildungsforschung.

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