Wer will Geld und Ehre für diversitätsgerechte Lehre?

Lehrpreise sind heute an Hochschulen deutlich weiter verbreitet als noch vor zehn Jahren. Aber es ist nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel, dass sie ähnlich hoch dotiert sind wie renommierte Forschungspreise[1]. Der mit 50.000 Euro dotierte „Ars-legendi-Preis für exzellente Hochschullehre”[2] ist einer von bislang wenigen dieser Lehrpreise. Erstmals will der seit 11 Jahren von Stifterverband und Hochschulrektorenkonferenz vergebene Preis in diesem Jahr diversitätsgerechtes Lehren und Lernen würdigen. Er greift damit die gewachsenen Unterschiede in den biografischen Hintergründen und Erwartungen der Studierenden auf.[3] Diese bedeuten als neue Herausforderung für die Lehrenden, u.a. durch entsprechende Lernwege und Prüfungsformen auf unterschiedliche Wissensstände, Lerntypen und -geschwindigkeiten einzugehen, um die Potentiale der Vielfalt möglichst für den Studienerfolg aller zu nutzen.[4]

Und noch etwas ist neu in diesem Jahr: Erstmals für einen Preis mit dieser Dotierung wird neben der Auszeichnung in der Kategorie Einzelpersonen nun die Auszeichnung in einer zweiten Kategorie eingeführt; die Auszeichnung eines Teams von Lehrenden für ein herausragendes Projekt im Bereich des diversitätsgerechten Lehrens und Lernens. Damit wird das lange bestehende Desiderat für Lehrpreise umgesetzt, dass sie neben Individualleistungen auch die Leistungen einer Gruppe von Lehrenden und deren erfolgreiches Zusammenwirken für die Lehre zu honorieren ermöglichen sollen.

Insgesamt soll der Preis dazu beitragen, so die beiden Initiatoren, „die Qualität der Lehre als ein zentrales Gütekriterium für Hochschulen und als strategisches Ziel des Qualitätsmanagements zu profilieren”.[5] Die Auszeichnung soll außerdem „einen karrierewirksamen Anreiz bieten, sich in der Hochschullehre zu engagieren und gute Lehre über den eigenen Wirkungsbereich hinaus zu fördern”.[6] Es sind sowohl Eigenbewerbungen als auch Vorschläge möglich, die bis zum 15.Juli eingereicht werden müssen.

Es bleibt zu wünschen, dass es viele gute Bewerbungen gibt und es dem oder den Preisträger(innen) gelingen möge, mit dieser Unterstützung ihren Weg in der Wissenschaft noch besser fortzusetzen.

Weiterführende Informationen/ Quellenangaben:

[1] Zu Dotierungen von Lehr- und Forschungspreisen in Deutschland siehe z.B. den Beitrag: „Die Rolle von Wissenschaftspreisen als nichtmaterielle Anreize im Wettbewerb um Reputation” in: Forschung 4/2014, S. 116-122).

[2] Detailliertere Informationen siehe URL: www.ars-legendi-preis.de.

[3] Für einen Überblick über Forschungen und Aktivitäten zum Umgang mit Diversität in der Wissenschaft in Deutschland siehe z.B. das Themenheft: “Diverses – Heterogenität an der Hochschule” der Zeitschrift „Die Hochschule” sowie die Sammelbände „Diversity Management und Diversität in der Wissenschaft” und „Diversity und Hochschule”.

[4] Zum beobachteten und erwarteten Studienerfolg für Studierende mit unterschiedlichen biografischen Hintergründen und Verfahren zu ihrer Berücksichtigung in der Leistungsbewertung siehe den Beitrag: “Can Performance-based Funding enhance Diversity of Higher Education Institutions?” in: “Diversity and Excellence in Higher Education: Can the Challenges be Reconciled?”, S. 231-244; bzw. eine frühere deutsche Fassung des Beitrages: „Leistungsklassen oder „Added Value”? Zwei Ansätze zur Berücksichtigung unterschiedlicher Startbedingungen”.

[5] Siehe hierzu auch die Beiträge im kürzlich veröffentlichten Tagungsband: “Heterogenität der Studierenden: Herausforderung für die Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre, neuer Fokus für die Evaluation?”.

[6] Zu den oft noch unterschätzten Signal- und Anreizeffekten von Preisen und Auszeichnungen, v.a. bei einer entsprechenden Dotierung und Öffentlichkeitswirksamkeit, vgl. auch Beiträge in: “Incentives and Performance: Governance of Knowledge-Intensive Organizations”; sowie in: „Innovative Lehre – Grundsätze, Konzepte, Beispiele” und: Kreativ, Innovativ, Motivierend – Lehrkonzepte in der Praxis. Der Instructional Development Award (IDA).

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Dr. René Krempkow studierte Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der Technischen Universität Dresden und der Universidad de Salamanca. Nach dem Studium arbeitete er von 1998 bis 2006 im Bereich Lehrevaluation und Absolventenstudien an der Technischen Universität Dresden und erarbeitete den ersten Landes-Hochschulbericht Sachsen. Darüber hinaus beriet er Hochschulen zur Leistungsbewertung und Qualitätssicherung. Nach seiner Promotion 2005 zum Themenbereich Leistungs- und Qualitätsbewertung und Anreizsysteme an Hochschulen arbeitete er 2006-2008 am Institut für Hochschulforschung Wittenberg am ersten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) mit (v.a. Darstellung der verfügbaren empirischen Studien zum Thema und quantitative Analysen). Von 2008-2009 war er im Rektorat der Universität Freiburg in der Abteilung Qualitätssicherung tätig. Von 2009 bis 2013 leitete er am iFQ Berlin das Projekt zur Analyse der Wirkungen von Governance-Instrumenten (v.a. Leistungsorientierte Mittelvergabe an Hochschulen). Von 2013 bis 2015 arbeitete er am FiBS Berlin in Forschungsprojekten zur Hochschul- und Bildungsforschung und der Beratung von Hochschulen und Ministerien. Derzeit leitet er an Stabsstelle QM der Humboldt-Universität zu Berlin die Absolventenstudien und koordiniert im Hauptstadtbüro des Stifterverbandes u.a. das Projekt zur Personalentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Neben seinen Projekten arbeitet er bereits seit über 15 Jahren als Berater von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ministerien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Forschung zu Leistungs- und Qualitätsbewertung und Anreizsystemen an Hochschulen; Indikatorenentwicklung, Evaluationsforschung; Akademische Karrieren; Hochschul-, Wissenschafts- und Bildungsforschung.

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