Was sich strukturell für Mental Health in Hochschulen ändern muss

BLOG: Über das Wissenschaftssystem

Betrachtungen von Menschen und Strukturen in Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen
Über das Wissenschaftssystem

Im Rahmen des kürzlich beendeten Symposiums „Wissenschaft – eine mentale Herausforderung“ des Doktoranden- und Postdoc-Netzwerks THESIS e.V. wurden u.a. Forderungen zu strukturellen Änderungen für Menthal Health in Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen an die Hochschulpolitik erarbeitet.

Eine Sektion hierzu wurde eingeleitet mit einem Impuls von Sebastian Kubon, einem der Initiator*innen von #IchbinHanna. Daran schloss sich – moderiert von mir als THESIS-Referenten Hochschulpolitik – eine lebhafte und konstruktive Diskussion zur Frage an, was sich ändern muss, um neben individuellen auch strukturelle Ursachen anzugehen. Dies mündete in drei Hauptforderungen, die jeweils mit einigen als besonders wichtig erachteten Beispielen untersetzt wurden. Diese möchte ich hier wiedergeben:     

1. weniger prekäre Beschäftigungsbedingungen, z.B. durch:

  1. deutliche Absenkung des Befristetenanteils des wissenschaftlichen Personals;
  2. Vollzeitverträge für Vollzeittätigkeiten (wie Promotion, Postdocstellen);
  3. höhere Grundfinanzierung verbunden mit verbindlicher Forderung von Konzepten für Personalentwicklung inkl. Entfristungsverfahren und Umsetzungsüberprüfung (+nötigenfalls Rückforderung finanzieller Förderung);

2. bessere Berechenbarkeit der Perspektiven, z.B. durch:

  1. realistische, transparente und klar operationalisierte Leistungsanforderungen und -bewertungen, inkl. Anwendung des wissenschaftlichen anstelle des biologischen Alters (d.h. Berücksichtigung von Kinderbetreuungs-, Pflegezeiten u.ä.) als eine Ausgangsbedingung für faire und leistungsgerechte Bewertungen;
  2. systematische Berücksichtigung auch von längerfristig wichtigen (Gemeinschafts-)Aufgaben wie akad. Selbstverwaltung, Tagungsorganisation, Betreuung von Studierenden usw. und generell Leistungen auch jenseits der Forschung für die Stellenvergabe, insbes. Berufungen;
  3. konsequentere Umsetzung des Leistungsprinzips (d.h. Zurückdrängen des Einflusses von persönlichen Kontakten zu renommierten Professor*innen, privat bezahlte Auslandsaufenthalten an Ivy-League-Unis usw.);

3. Auffangen der Projektförmigkeits-Herausforderungen der Finanzierung der Wissenschaft, z.B. durch:

  1. Stellenpoolbildung an Fakultäten und Abteilungen für Entfristungen auch aus Drittmitteln, oder zumindest für Übergangsfinanzierungen;
  2. Diskussion auch von Möglichkeiten wie das Aufteilen von Stellen in z.B. halbe unbefristete Stellen aus gepoolten Drittmitteln, die aufgestockt werden können durch befristete Stellenanteile mit eigenen Drittmitteln.

 

THESIS schließt damit an frühere Forderungen an, insbesondere an die Sechs Thesen zur Erhöhung der Chancengerechtigkeit von (Nachwuchs-)Forschenden, an die gemeinsam mit anderen Netzwerken erarbeiteten Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl 2021, und an die Forderungen zum Promovieren in Zeiten von Corona.

 

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Dr. René Krempkow bloggte zunächst seit 2010 bei den academics-blogs, nach deren Einstellung zog er zu Scilogs um. Er studierte Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der Technischen Universität Dresden und der Universidad de Salamanca. Nach dem Studium baute er zunächst am Institut für Soziologie, dann im Kompetenzzentrum Bildungs- und Hochschulplanung an der TU Dresden u.a. eine der ersten hochschulweiten Absolventenstudien in Deutschland auf und erarbeitete den ersten Landes-Hochschulbericht Sachsen. Nach seiner Promotion 2005 zum Themenbereich Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen arbeitete er am Institut für Hochschulforschung Wittenberg am ersten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) mit. Danach war er im Rektorat der Universität Freiburg in der Abteilung Qualitätssicherung tätig, wo er die Absolventen- und Studierendenbefragungen leitete und eines der ersten Quality Audits an einer deutschen Hochschule mit konzipierte. Von 2009 bis 2013 leitete er am iFQ Bonn/Berlin (jetzt Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung - DZHW) ein bundesweites Projekt zur Analyse der Wirkungen von Governance-Instrumenten (v.a. Leistungsorientierte Mittelvergabe an Hochschulen) und arbeitete im Themenbereich wiss. Nachwuchs und Karrieren mit. Anschließend koordinierte er im Hauptstadtbüro des Stifterverbandes u.a. das Projekt zur Personalentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Gründungsradar; sowie an der HU Berlin u.a. ein hochschulweites Projekt zur Kompetenzerfassung, sowie Sonderauswertungen der hochschulweiten Absolventenstudien. Derzeit ist er an der HTW Berlin im Curriculum Innovation HUB für die Wirkungsanalysen und Evaluation zuständig, Er berät bereits seit über 20 Jahren Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ministerien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen; Akademische Karrieren und Nachwuchsförderung; Indikatorenentwicklung, Evaluationsforschung; Hochschul-, Wissenschafts- und Bildungsforschung.

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