Was ist der Beitrag der Hochschulen für eine offene, inklusive und demokratische Gesellschaft?

BLOG: Über das Wissenschaftssystem

Betrachtungen von Menschen und Strukturen in Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen
Über das Wissenschaftssystem

Angesichts komplexer, drängender gesellschaftlicher Problemlagen wird von Hochschulen erwartet, nicht nur als Wissensvermittler, sondern auch als aktive Gestalter gesellschaftlicher Entwicklungen zu agieren. Hochschulen spielen eine zentrale Rolle dabei, transdisziplinäre Forschung zu fördern und praxisnahe Lösungen für wicked problems, wie Klimawandel, Umweltbelastung, Armut, gesellschaftspolitische Polarisierung und soziale Ungleichheit zu entwickeln. Gemeinsam mit Akteur:innen aus der Praxis sollen sie Lösungsansätze erarbeiten und ihre Umsetzung fördern, die sowohl akademische als auch gesellschaftliche Bedürfnisse adressieren und integrieren. Hinsichtlich aktueller gesellschaftspolitischer Entwicklungen werden zudem Stimmen laut, die Hochschulen daran erinnern, dass sie dem Hochschulrahmengesetz gemäß, Studierende zu „verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat“ befähigen sollen (§ 7 HRG).

Vielzahl der Anforderungen

Daneben obliegen Hochschulen weitere normativ ausgerichtete Aufgaben, z.B. Nachhaltigkeitsorientierung verankern, besondere Verantwortung für die Entwicklung von Lösungsansätzen für gesellschaftliche Fragestellungen wahrnehmen, sich mit den möglichen Folgen der Nutzung ihrer Forschungsergebnisse auseinandersetzen, zum Erhalt und zur Verbesserung der Lebens- und Umweltbedingungen beitragen, strukturellen Benachteiligungen entgegenwirken usw. Angesichts dessen wird auch davor gewarnt, dass sich Hochschulen in der Vielzahl der Anforderungen verlieren.

Hochschullandschaft stark ausdifferenziert

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Hochschullandschaft zudem stark ausdifferenziert. Neben den klassischen – staatlichen – Universitäten und den etablierten Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) spielen auch duale und nicht-staatliche Hochschulen eine immer bedeutsamere Rolle und erfüllen jeweils spezifische gesellschaftliche Aufgaben (HRK, 2023; Wissenschaftsrat, 2022). Während zu öffentlichen Hochschulen umfangreiche Forschung vorliegt, ist systematisiertes Wissen auch über den gesellschaftlichen Beitrag nicht-öffentlicher Hochschulen im deutschsprachigen Raum bislang begrenzt. Damit bleibt auch unklar, welchen Beitrag sie zur Gestaltung zentraler gesellschaftlicher Aufgaben – etwa in den Bereichen Bildungsgerechtigkeit, Internationalisierung oder Geschlechtergerechtigkeit – leisten. Darüber hinaus bestehen weiterhin erkennbare Desiderata zur Frage, in welchem Umfang Hochschulen tatsächlich dazu beitragen, ihre Studierenden „zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat zu befähigen“ – was angesichts aktueller Entwicklungen neue Relevanz gewinnt.

CfP ruft zur Einreichung von Beiträgen auf

Diesem Themenkreis widmet sich der heute veröffentlichte CfP der Zeitschrift für Hochschulentwicklung (ZFHE). Beiträge für das Themenheft können eingereicht werden bis 15.02.2027, weitere Info in:

https://www.zfhe.at/index.php/zfhe/announcement/view/153

Die ZFHE ist ein referiertes Open-Access-Journal für wissenschaftliche Beiträge mit praktischer Relevanz zu aktuellen Fragen der Hochschulentwicklung. Der Verfasser ist Mitglied des Herausgeberkreises. Weiteres zur Ausrichtung der Zeitschrift in: https://www.zfhe.at/index.php/zfhe/zur_zfhe.

 

P.S.: Es gingen noch zwei weitere Calls online, die ggf. von Interesse sind: 

Call for Papers: ZFHE 22/1

Bildungsprozesse in Studium und Lehre: Erziehungswissenschaftliche Beiträge zur Hochschulforschung

Die aktuellen Debatten zu Studium und Lehre sind von Fragen der Steuerbarkeit von Hochschulen, der Qualitätsentwicklung, der Karrierestrukturen im Wissenschaftssystem , der Verbesserung von Lehr-Lern-Prozessen und insbesondere auch zu erwünschter bzw. nicht erwünschter sozialer Zusammensetzung der Studierendenpopulation dominiert. Hochschulen werden wesentlich unter dem Gesichtspunkt von beeinflussbaren Input-Output-Beziehungen, dabei angelegten Maßstäben der Effizienz, der Nachhaltigkeit, der Diversität, sowie der erfolgreichen Vermittlung von systematisierten Kompetenzen betrachtet. Zur Erreichung dieser Forschungsziele ist ein interdisziplinärer Zugang innerhalb der Hochschulforschung unerlässlich.

 

Call for Papers: ZFHE 21/4

Kooperative Doktoratsprogramme als innovative und hybride Qualifizierungsräume: Governance, Karrierewege und Betreuung an Schnittstellen und in Spannungsfeldern

Kooperative Doktoratsprogramme – also Promotionsmodelle, in denen Hochschulen mit anderen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Unternehmen oder öffentlichen Organisationen zusammenarbeiten – sind aus mehreren Gründen ein aktuelles und relevantes Thema für die Hochschulforschung. Sie stehen exemplarisch für die Veränderungen im wissenschaftlichen Qualifizierungssystem, in dem klassische Universitätspromotionen längst nicht mehr die einzige Option zur Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses darstellen. Mit der steigenden Bedeutung von Inter- und Transdisziplinarität, von anwendungsorientierter Forschung und dem Bestreben vieler Institutionen, Wissenstransfer systematisch zu organisieren, entstehen neue Formen geteilter Verantwortung und gemeinsamer Betreuung.

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Dr. René Krempkow bloggte zunächst seit 2010 bei den academics-blogs, nach deren Einstellung zog er zu Scilogs um. Er studierte Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der Technischen Universität Dresden und der Universidad de Salamanca. Nach dem Studium baute er zunächst am Institut für Soziologie, dann im Kompetenzzentrum Bildungs- und Hochschulplanung an der TU Dresden u.a. eine der ersten hochschulweiten Absolventenstudien in Deutschland auf und erarbeitete den ersten Landes-Hochschulbericht. Nach seiner Promotion 2005 zum Themenbereich Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen arbeitete er am Institut für Hochschulforschung Wittenberg am ersten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) mit. Danach war er im Rektorat der Universität Freiburg in der Abteilung Qualitätssicherung tätig, wo er die Absolventen- und Studierendenbefragungen leitete und eines der ersten Quality Audits an einer deutschen Hochschule mit konzipierte. Von 2009 bis 2013 leitete er am iFQ Bonn/Berlin (jetzt Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung - DZHW) ein bundesweites Projekt zur Analyse der Wirkungen von Governance-Instrumenten (v.a. Leistungsorientierte Mittelvergabe an Hochschulen) und arbeitete im Themenbereich wiss. Nachwuchs und Karrieren mit. Anschließend koordinierte er im Hauptstadtbüro des Stifterverbandes u.a. das Projekt zur Personalentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Gründungsradar; an der HU Berlin u.a. ein hochschulweites Projekt zur Kompetenzerfassung, sowie an der HTW Berlin die Wirkungsanalyse und Evaluation des Curriculum Innovation Hub. Derzeit ist er als Senior Manager und Senior Scientist an der Brandenburgischen Technischen Universität tätig, sowie als Dozent im Studiengang Bildungs- und Wissenschaftsmanagement der Universität Oldenburg. Er berät seit etlichen Jahren Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ministerien und lehrt im Studiengang Bildungs- und Wissenschaftsmanagement der Universität Oldenburg. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen; Akademische Karrieren und Nachwuchsförderung; Indikatorenentwicklung, Evaluationsforschung; Hochschul-, Wissenschafts- und Bildungsforschung.

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