Wissenschaftliches Fehlverhalten in der Medizin – spezifische empirische Befunde

In einem vorangegangenen Blogbeitrag habe ich fächerübergreifende empirische Befunde zum Thema wissenschaftliches Fehlverhalten in Deutschland aus einem wissenschaftlichen Artikel vorgestellt. Die Situation in der Medizin ist – nicht nur, aber auch – beim Thema wissenschaftliches Fehlverhalten von Besonderheiten geprägt. Daher erfolgt hier eine spezifische Darstellung der Ergebnisse für diese Fächergruppe. Am Beispiel der Medizin wird nicht nur die Rolle der Professor/inn/en, sondern auch die der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen genauer ausgewertet.[1]

Die Leitfrage für diesen Beitrag ist: Sind öffentlich gewordene Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens in der Medizin nur „die Spitze eines Eisbergs“ (Dannemann/Weber-Wulff 2015, S. 278; Dirnagl in Borgwardt 2014, S. 16) und hat die Wissenschaft demnach ein generelles Qualitätsproblem; oder sind dies Einzelfälle, deren Aufdeckung „Beleg für die Wirksamkeit der Selbstreinigungskräfte des Wissenschaftssystems“ sind (Neufeld 2014, S. 3)?

Besondere Situation der Universitätsmedizin

Das Fehlverhalten ist (wie im vorangegangenen Blogbeitrag ausführlicher dargestellt) keineswegs gleichmäßig über die Fächergruppen verteilt. Vielmehr tritt es in einzelnen Fächergruppen deutlich häufiger auf als in anderen. Die Forschung zeigt, dass Fehlverhalten in den Lebenswissen­schaften und v.a. in der Medizin in den häufigsten Fehlverhaltensaspekten deutlich weiter verbreitet ist als im Gesamtschnitt aller Fächergruppen (vgl. zu einer ähnlichen Einschätzung Dirnagl in Borgwardt 2014). Dies hängt auch mit besonderen Bedingungen der Hochschulmedizin zusammen, die neben dem Spannungsverhältnis von Forschung und Lehre zusätzlich noch jenes zur Krankenversorgung zu bewältigen hat (vgl. ausführlicher hierzu Krempkow u.a. 2013, Wissenschaftsrat 2004). Die Medizin ist neben einem generell erhöhten Wettbewerbs- und Drittmitteldruck (vgl. Grande u.a. 2013, sowie aktuell die Stellungnahme der DFG (2018) zur Replizierbarkeit von Ergebnissen in der Medizin und Biomedizin) sicherlich auch aufgrund dieser besonderen Situation bei den häufigsten Fehlverhaltens­aspekten stärker betroffen (vgl. auch Böhmer u.a. 2011). Daher bietet sie sich für eine detailliertere Untersuchung besonders an. Hinzu kommt, dass in der Medizin im Vergleich zu vielen anderen Fächern auch besonders schwerwiegende Folgen des Fehlverhaltens zu befürchten sind, wenn die so erzeugten Forschungs­ergebnisse in medizinische Behandlungen einfließen. An der Erzeugung von Forschungsergebnissen sind neben den Professor/inn/en aber in erheblichem Maße auch wissenschaftliche Mitarbeiter/innen beteiligt, weshalb auch diese in solche Untersuchungen einbezogen werden sollten. Über die Erhebungen im BMBF-Projekt „Governance Hochschulmedizin (GOMED) sind hierfür in Deutschland für diese Fächergruppe Aussagen zu verschiedenen Dimensionen wissenschaftlichen Fehlverhaltens auch bei wiss. Mitarbeiter/innen als Selbst- und Fremdeinschätzung möglich (vgl. Krempkow 2016).

Daher erfolgt hier eine differenzierte Darstellung der entsprechenden Ergebnisse für die Universitäts­medizin in Deutschland.[2] Nachfolgend werden Ergebnisse unserer Online-Befragung von wissenschaft­lichen Mitarbeiter(inn)en präsentiert, die ursprünglich durchgeführt wurden, um insbesondere die Wahr­nehmung und Bewertung der LOM[3] zu erfassen, die aber auch Fragen zum Publikations­verhalten und zum wissenschaftlichen Fehlverhalten enthielten (vgl. ebd.). Insgesamt konnten die Angaben von 692 Befrag­ten ausgewertet werden.[4] Die Rücklauf­quoten entsprechen mit rund 27% in etwa denen ähnlicher Online-Befragungen. Zentrale überprüfbare Merkmale in der Stichprobe wie die Ge­schlechter-, Fakultäts- und Fächerzusammensetzung stimmen weit­gehend mit den verfügbaren Angaben zur Grundgesamtheit überein, so dass die Datenqualität als zufriedenstellend eingestuft werden kann.[5]

Wie verbreitet ist wissenschaftliches Fehlverhalten in der Medizin?

Hier wurde – wie auch in der fächerübergreifenden Untersuchung im vorangegangenen Blogbeitrag – wieder nach wissen­schaft­lichem Fehlverhalten gefragt, welches die Befragten selbst erlebt und/oder beobachtet haben,[6] so dass die Ergebnisse potentiell vergleichbar sind.[7] Auch hier ist allerdings wie bei Böhmer u.a. (2011) zu berücksichtigen, dass der empirische Zugang mit ähnlichen Problemen behaftet ist wie auch andere Dunkelfeldforschung über abweichendes Verhalten. Die zu erwartende Dunkelziffer führt damit zu einer tendenziellen Unterschätzung des Problems, der immerhin teilweise mit der Frage nach beobachtetem Fehlverhalten bei Kolleg/inn/en entgegengesteuert wird. Im Ergebnis zeigt sich, dass auch bei wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen beobachtetes Fehlverhalten häufiger angegeben wird als eigenes (s. Abb. 1). In dieser differenzierten Darstellung werden die Items nicht verkürzt, aber aufgrund ihrer Länge nummeriert und nur im nachfolgenden Text im Wortlaut wiedergegeben.

Abb. 1: Wissenschaftliches Fehlverhalten von wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen in der Medizin 

Insgesamt gaben die Befragten bei fast allen Aspekten bzw. Items zu über 60% an, weder fremdes noch eigenes Fehlverhalten zu erleben. In neun von 17 Aspekten waren es sogar über 80%, die kein Fehlverhalten angaben. Die am weitesten verbreiteten Arten wissenschaftlichen Fehlverhaltens umfassen Items, bei denen es um (Ko-)Autorschaften geht:

  • ‚Die Vergabe von (Ko-)Autorschaften ohne substanziellen Beitrag’ (17) wurde von nahezu zwei Dritteln der Befragten mindestens beobachtet; gefolgt von einem Drittel der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen bei der ‚Nicht-Aufnahme von Wissenschaft­ler/innen mit substanziellem Beitrag als Ko­autoren’ (16) und bei ‚unzureichendes Dokumentieren des Projektverlauf bzw. Archivieren der Daten’ (15).
  • Weitere wichtige Aspekte, die von einem Viertel der Befragten genannt werden, betreffen ‚Einseitige oder verzerrte Interpretation von Daten oder Befunden’ (14), ‚Nutzung von Ideen Dritter, ohne deren Einverständnis’ (13), ‚Unsachgemäße oder nachlässige Begutachtung von Manuskripten oder Anträgen’ (12).
  • Etwa ein Fünftel nennt ‚“Aufpolieren“ von Forschungsergebnissen’ (11), ‚Zweckfremder Einsatz von Forschungsgeldern’(10) und ‚Zurückhalten von Daten/Befunden, die den bisherigen Forschungs­ergebnissen widersprechen’ (9).
  • Seltener (von etwa einem Zehntel) angegeben wurden ‚Unangemessene Veränderung von Daten’ (8), ‚Publikation von Textteilen oder Daten Dritter ohne Angabe der Quelle’ (7), ‚Veröffent­lichung eigener bereits publizierter Daten oder Texte als Originalarbeit’ (6), ‚Unerlaubte Nutzung von Ressourcen der Hochschule/des Instituts für externe Beratungsaufträge oder andere persönliche Zwecke’ (5), ‚Unangemessene Veränderung oder Zurückhaltung von Forschungs­ergebnissen auf Druck durch Mittelgeber’ (4), ‚Nicht-Anzeige von Befangenheitsgründen als Gutachter/innen’ (3) und ‚Fehlende Offenlegung von persönlichen Verflechtungen mit Firmen, die die eigenen Forschungsergebnisse für Produktentwicklungen nutzen’ (2).
  • Am seltensten (von 6 Prozent der Befragten) genannt wird ‚Fälschen oder Erfinden von Daten’ (1), wobei dieses Fehlverhalten Auslöser der ersten Welle wissenschaftspolitischer Befassung mit dem Fehlverhalten war und als besonders schwerwiegend gilt.

Die Ergebnisse der GOMED-Befragung von wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen ähneln damit in weiten Teilen durchaus den Befunden zu den Medizin-Professor/inn/en in der iFQ-Wissenschaftler­befragung (vgl. Krempkow u.a. 2013; Böhmer u.a. 2011, S. 150f.). Deren Ergebnisse werden nachfolgend noch einmal vergleichbar differenziert dargestellt (siehe Abb. 2). Im Vergleich mit den Medizin-Professor/inn/en) ist festzustellen, dass in beiden Befragungen die Vergabe von (Ko-)Autorschaften ohne substanziellen Beitrag die am häufigsten berichtete Form wissenschaftlichen Fehlverhaltens ist. Weiterhin wird in beiden Erhebungen relativ häufig der unangemessene Umgang mit Daten und Befunden genannt. Die in der iFQ-Wissenschaftler­befragung zweithäufigste Nennung ‚Unsach­gemäße oder nachlässige Begut­achtung von Manuskripten oder Anträgen’ spielt in der GOMED-Befragung der wissen­schaft­lichen Mitarbeiter/innen eine eher untergeordnete Rolle, da diese seltener begutachten. Die in der GOMED-Befragung zweithäufigste Nennung ‚Nicht-Aufnahme von Wissenschaft­ler/­innen mit substanziellem Beitrag als Koautoren’ wird dagegen von den Professor/inn/en in der iFQ-Wissenschaftler­befragung relativ selten genannt.

Abb. 2: Wissenschaftliches Fehlverhalten von Medizin-Professor/inn/en

Folgerungen

Auch für die Medizin gilt insgesamt wie für die anderen Fächergruppen: Die Verantwortung für wissenschaftliche Integrität wird „in vielen Fällen zuverlässig wahr­genommen, wichtige Veränderungen wurden in den letzten Jahren angestoßen und Empfehlungen der zentralen Leitlinien umgesetzt. In einigen Bereichen sind jedoch weitere Anstrengungen und Entwicklungen nötig, um die Kultur wissenschaftlicher Integrität nachhaltig zu stärken“ – formulierte der Wissen­schaftsrat (2015). Die hier dargestellten Ergebnisse empirischer Erhebungen geben zusätzliche Hinweise für die Medizin, bei welchen Aspekten die wissenschaftliche Integrität relativ gut gewahrt wird und bei welchen ggf. noch stärker angesetzt werden müsste. So zeigt sich, dass die übergroße Mehrheit der Wissenschaftler bezüglich der Transparenz wirtschaft­licher Verbindungen kein Fehlverhalten beobachteten bzw. für sich selbst angaben (über 90%). Deutlich anders sieht dies jedoch insbesondere bei der Vergabe von (Ko-)Autorschaften ohne substanziellen Beitrag aus, die von nahezu zwei Dritteln der Befragten erlebt wurden. Außerdem zeigte sich für die Professor/inn/en, dass unsachgemäße Begutachtungen ebenfalls recht häufig vorkommen, was bislang nur selten als verbreitetes Problem thematisiert wurde. Obwohl die hier für die Medizin betrachteten wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen deutlich seltener an Gutachten beteiligt sind, werden selbst bei diesen zu einem Viertel unsachgemäße Begutachtungen angegeben. Insbesondere bei Autorschafts­vergehen und unsachgemäßen Begutachtungen sollten demnach weitere Anstrengungen und Entwicklungen verstärkt ansetzen. Der Wissenschaftsrat empfiehlt, bei der Gutachterauswahl stärker auf Unbefangenheit zu achten und Gutachtertätigkeiten sowie entspr. Problembewusstsein bei der Leistungsbewertung aktiv zu unterstützen. In Borgwardt (2014, S. 59) werden bei grobem Fehlverhalten über den befristeten Ausschluss aus der (DFG-)Förderung hinaus weitere Sanktionierungen empfohlen.

Auch der durch eine stark quantitativ ausgerichtete Leistungsbewertung verstärkte Publikationsdruck trägt zu solchem Verhalten bei (vgl. Wissenschaftsrat 2015: 31), sowie auch zur Gutachterüberlastung. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden. Als Alternativen für klassische Begutachtungen werden z.B. Post-Publication-Reviews und Open-Review-Verfahren diskutiert, aber auch die Gutachten vergebenden Instanzen gemahnt, den Umfang zu bedenken (vgl. Wissenschaftsrat 2015: 32f.). In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob unter bestimmten Bedingungen (u.a. starke „Überbuchung“ und nahe beieinander liegende Bewertungsergebnisse) nicht doch ein Losverfahren unter allen von ihren Leistungen her in Frage kommenden Personen funktional sein kann? Hierzu gibt es seit Januar 2018 auch die „Experiment!“-Förderung der Volkswagen-Stiftung, die ein Losverfahren in einer Testphase einsetzt und dies auch empirisch untersuchen lässt.

Darüber hinaus ist insbesondere für die Medizin hier auch die LOM anzusprechen, die in der Medizin größere Summen umverteilt und v.a. quantitative Indikatoren berück­sichtigt und teils ungewollte Effekte erziele, welche erfasst und vermieden werden sollten (vgl. Krempkow u.a. 2013, Krempkow/Landrock 2014).

Für eine langfristige, nachhaltige Veränderung der Praxis hin zu einer wissenschaftlichen Kultur, „in  der die Bewertung von Forschungsleistungen von Qualitätskriterien abhängt (etwa Originalität, Kohärenz, Erkenntnisfortschritt, Belastbarkeit)“ (Wissenschaftsrat 2015: 37) wären aber nicht nur – wie auch fächerübergreifend – Veränderungen der Kriterien bei der Drittmittelakquise, bei der LOM, bei Beschäftigungsbedingungen  und Begutachtungsverfahren nötig. Zu letzterem könnte speziell für die Medizin aufgrund der hohen Anteile unsachgemäßer Begutachtungen für Begutachtungen auch über (eine Förderung für) Angebote zur Gutachter-Fortbildungen insbes. auch für jüngere (potentielle) Gutachter nachgedacht werden.

Darüber hinaus gilt dies wie in anderen Fächergruppen genauso bei der Transparenz der Kriterien für Berufungen (vgl. Wissenschaftsrat 2015: 41) bzw. insgesamt für transparente und berechenbare Karriere­wege in der Wissenschaft (vgl. Borgwardt 2014, Krempkow u.a. 2016), sowie für Clinician-Scientist-Programme wie das des BIH, die zugleich eine weitere Stärkung der Bestenauswahl unterstützen.

Literatur

Böhmer, Susan/ Neufeld, Jörg/ Hinze, Sybille/ Klode, Christian/ Hornbostel, Stefan, 2011: Wissenschaftler-Befragung 2010: Forschungsbedingungen von Professorinnen und Professoren an deutschen Universitäten. iFQ-Working Paper 8. Bonn.

Borgwardt, Angela, 2014:  Wissenschaft auf Abwegen? – Zum drohenden Qualitätsverlust in der Wissenschaft. Schriftenreihe des Netzwerk Exzellenz an deutschen Hochschulen. Berlin.

Dannemann, Gerhard/Weber-Wulff, Debora, 2015: Viel Licht und noch mehr Schatten. Wie Universitäten auf Plagiatsdokumentationen reagieren. In: Forschung & Lehre 22 (4), S. 278-280.

DFG 1998: Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis: Empfehlungen der Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“, Weinheim: Wiley-VCH.

DFG 2016: Verfahrensleitfaden zur guten wissenschaftlichen Praxis, Bonn: DFG.

Grande, Edgar, Dorothea Jansen, Otfried Jarren, Arie Rip, Uwe Schimank, Peter Weingart (Hrsg.), 2013: Neue Governance der Wissenschaft: Reorganisation, Externe Anforderungen, Medialisierung. Bielefeld: Transkript.

Krempkow, René, 2016: Wissenschaftliche Integrität, Drittmittel und Qualität in der Wissenschaft: Empirische Befunde. In: Qualität in der Wissenschaft (QiW) 2/2016, S.46-52.

Krempkow, René/ Sembritzki, Thorben/ Schürmann, Ramona/ Winde, Mathias, 2016: Personal­entwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs 2016. Bedarf, Angebote und Perspektiven – eine empirische Bestandsaufnahme im Zeitvergleich. Berlin: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Hg.).

Krempkow, Rene/ Landrock, Uta, 2014: Welche Effekte hat die LOM? Das Beispiel der deutschen Universitätsmedizin. In: Krempkow, Rene/ Möller, Torger/ Lottmann, Andre (Hrsg.): Völlig losgelöst? Governance der Wissenschaft. iFQ-Working Paper 15. Berlin: IFQ Berlin. S. 69-97.

Krempkow, Rene/ Landrock, Uta/ Neufeld, Jörg/ Schulz, Patricia, 2013: Intendierte und nicht-intendierte Effekte dezentraler Anreizsysteme am Beispiel der fakultätsinternen leistungsorientierten Mittelvergabe in der Medizin. Berlin: IFQ Berlin.

Neufeld, Jörg, 2014: Wissenschaftliches Fehlverhalten – Selbstauskünfte des wissenschaftlichen Personals in Österreich und Deutschland. OeAWI 2014.

Wissenschaftsrat, 2015: Empfehlungen zu wissenschaftlicher Integrität, Positionspapier.

Wissenschaftsrat, 2004: Empfehlungen zu forschungs- und lehrförderlichen Strukturen in der Universitätsmedizin.

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Fußnoten

[1] Dieser Beitrag ist die gekürzte und aktualisierte Fassung eines früheren Beitrages (Krempkow 2016).

[2] Für ihre Mitarbeit an der zugrunde liegenden GOMED-Studie möchte ich Uta Landrock, Patricia Schulz und Jörg Neufeld danken.

[3] Untersucht wurde insbesondere, wie vertraut die Befragten mit den Kriterien und den Ergebnissen der LOM sind, und wie sie die (Auswirkungen der) LOM bewerten. Über die LOM hinausgehend wurden zudem die Arbeitsbedingungen und Motive, die Relevanz und Effekte von Drittmittelforschung sowie Publikationsstrategien der Akteure identifiziert.

[4] Dabei entfielen 516 Fragebögen auf die Statusgruppe der wiss. Mitarbeiter/innen. Die Differenz waren v.a. (habilitierte)  inzwischen auf eine Professur berufene wiss. Mitarbeiter(inen), oder ausgeschiedene, die daher nicht berücksichtigt wurden.

[5] Eine ausführliche Dokumentation der Datenbasis findet sich in Krempkow u.a. 2013.

[6] Es wurde wie bei Böhmer (2011) das anhand der Richtlinien der DFG (1998) leicht modifizierte Item-set zur Erfassung wissenschaftlichen Fehlverhaltens verwendet. Viele der Items sprechen zugleich die aktuell von der DFG (2016, S. 20) thematisierten Arten von Fehlverhalten an.

[7] Die Erhebungsmethodik der beiden zugrundliegenden Befragungen der wiss. Mitarbeiter/innen und der Professor/inn/en war weitgehend identisch, wobei der Fragebogen zu ersterer Befragung stärker spezifisch auf die Belange der Medizin zugeschnitten war. Zwar liegt ein zeitlicher Abstand von rund einem Jahr zwischen den Befragungen, beide Befragungen fallen allerdings gleichermaßen in die Mitte der „erste Welle“ der Sensibilisierung aufgrund „besonders schwer­wiegender und öffentlichkeitswirksamer Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ nach 1997 (Fälschungsskandal in der Krebs­forschung) und noch vor 2011 (Beginn  der zweiten Welle aufgrund der Plagiatsskandale um die Promotions­arbeiten von Politikern – vgl. Wissenschaftsrat 2015). Daher war hierdurch keine grundsätzlich andere Sensibilisierung zu befürchten.

Dr. René Krempkow bloggte zunächst seit 2010 bei den academics-blogs, nach deren Einstellung zog er zu Scilogs um. Er studierte Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der Technischen Universität Dresden und der Universidad de Salamanca. Nach dem Studium baute er zunächst am Institut für Soziologie, dann im Kompetenzzentrum Bildungs- und Hochschulplanung an der TU Dresden u.a. eine der ersten hochschulweiten Absolventenstudien in Deutschland auf und erarbeitete den ersten Landes-Hochschulbericht Sachsen. Nach seiner Promotion 2005 zum Themenbereich Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen arbeitete er am Institut für Hochschulforschung Wittenberg am ersten Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (BuWiN) mit. Danach war er im Rektorat der Universität Freiburg in der Abteilung Qualitätssicherung tätig, wo er die Absolventen- und Studierendenbefragungen leitete und eines der ersten Quality Audits an einer deutschen Hochschule mit konzipierte. Von 2009 bis 2013 leitete er am iFQ Bonn/Berlin (jetzt Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung - DZHW) ein bundesweites Projekt zur Analyse der Wirkungen von Governance-Instrumenten (v.a. Leistungsorientierte Mittelvergabe an Hochschulen) und arbeitete im Themenbereich wiss. Nachwuchs und Karrieren mit. Anschließend koordinierte er im Hauptstadtbüro des Stifterverbandes u.a. das Projekt zur Personalentwicklung für den wissenschaftlichen Nachwuchs und den Gründungsradar. Derzeit ist er an der Humboldt-Universität zu Berlin in der Stabsstelle Qualitätsmanagement tätig, wo er u.a. die hochschulweiten Absolventenstudien leitet. Er berät bereits seit über 15 Jahren Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Ministerien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Leistungs- und Qualitätsbewertung an Hochschulen; Akademische Karrieren und Nachwuchsförderung; Indikatorenentwicklung, Evaluationsforschung; Hochschul-, Wissenschafts- und Bildungsforschung.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Lieber Herr Breitenstein,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und die weiterführenden Links. Zwar kann ich zu dem von Ihnen dort beschriebenen konkreten Fall nichts sagen. Aber mir wurde gestern auf einer Veranstaltung der Jungen Akademie in Berlin aus dem Kreis der Ombudsleute für die Wissenschaft zum Thema Fehlverhalten in der Medizin mitgeteilt, dass die Zahl der Anfragen aus der Medizin um etwa 25% zugenommen habe und sich damit in der Tendenz noch einmal bestätigt, dass die Situation in der Medizin hier von Besonderheiten geprägt ist. Der offizielle Bericht der Ombudsleute für die Wissenschaft, der weitere Zahlen dazu enthalten wird, soll auch in Kürze erscheinen. Ich plane, dann hier auch darauf hinzuweisen und ggf. darüber zu berichten. (Die Diskussionen in der Veranstaltung der Jungen Akademie, in der es um “Departments statt Lehrstühle” ging – das Thema meines Blogbeitrages im Oktober – waren natürlich auch noch aus anderen Gründen sehr spannend, aber dazu hat Amory Burchard einen sehr informativen Tagesspiegel-Artikel geschrieben…)

      Beste Grüße
      René Krempkow

  1. Dr. Krempkow, der Artikel ist der Beweis, dass Sie niemals als in einem Gerichtssaal an einem befangenen, medizinischen Rechtsstreit teilnahmen und somit auch nicht in die medizinisch-juristische Motherbox schauten.
    Dort hätten Sie von den Besten der Besten lernen können, wie hässlich Realität sein kann.
    Sie hätten gelernt, das Lernen von Fehlverhalten notwendig ist, um im erheblichen Schadensfall vor Gericht ‚schlüssig’ Unfug vortragen zu können.
    Eine Richterin oder ein Richter prüft nicht den Inhalt eines medizinischen Vortrags, sondern nur dessen Schlüssigkeit.
    Eine Haftpflichtversicherung für Ärzte interessiert sich nicht für Ethik und kündigt nach Behandlungsfehler-Geständnissen sofort, wenn in der Bilanz ein Verlust von 1 Milliarde Euro steht.

    Zum medizinischen Fehlverhalten gehört auch die neurotypische Kultur des Schweigens, die kulturelle Höflichkeit unter neurotypischen Kollegen.
    Kein Mediziner korrigiert den Physiker Joachim Schulz und seine falsche Interpretation der speziellen Relativitätstheorie.
    Jeder Mediziner weiß, dass kein mit Polonium vergiftetet Geheimagent länger lebt, wenn er mit einem fast lichtschnellen Raumschiff unterwegs ist. Dass die vom Sterbenden erzeugten Lichtblitze immer mehr Raum durchqueren müssen und damit auch immer mehr Zeit brauchen, um einen nicht vergifteten Geheimagenten auf der Erde zu erreichen, ändert nichts an der medizinischen Tatsache, dass die Lebenserwartung des Sterbenden nur wenige Tage oder Wochen beträgt, unabhängig in welchem Bezugssystem Zeit gemessen wird.
    Prof. Paes pflegt wie Mediziner diese Kultur und schweigt, obwohl er wegen (des verstorbenen) Prof. Zeh und dessen Artikel
    Dekohärenz und andere Quantenmißverständnisse
    Beitrag zum Didaktik-Workshop Physik an der TU Karlsruhe (12. Juni 2009) zuletzt verändert und ergänzt: Mai 2011

    weiß, dass relativistische ‚Gedanken-Experiment’-Lichtblitze zeitlich nichts an Partialwellen-Dekohärenz-Vorgängen im Körper des Sterbenden ändern können.

    Ein weiteres Opfer der neurotypischen Kultur des Schweigens wurde mein Kommentar unter Dr. Hossenfelders Spektrum-Artikel
    Quantengravitation: Neues Leben für eine alte Theorie von Allem

    Unter den Kulturschichten kann Realität sehr hässlich sein, weswegen ich das Buch von Dr. Sabine Hossenfelder Lost in Math vorbestellt habe.
    Sie möchte mit Mathematik die physikalische Mauer durchbrechen und tief in eine Motherbox hineinschauen.
    Das wird lustig, wenn der Titel ihres nächsten Buches „This cannot be!“ sein wird.

    • Hallo “Realität ist”,

      nach Hinweisen, dass Ihr Kommentar auf meinem Blog für Leser/innen kaum noch nachvollziehbar wirkt und ich bei Wiederholung darauf reagieren sollte, möchte ich darum bitten, künftig allgemeinverständlicher zu formulieren sowie stärker bei der Thematik des urprünglichen Blogbeitrages zu bleiben. (Der Kommentar entfernt sich am Schluss doch sehr weit davon.) Anderenfalls behielte ich mir vor, entsprechende Kommentare nicht freizuschalten. Es gibt auch einen Blogbeitrag zum Thema, der die Problematik ausführlicher aufgreift: https://scilogs.spektrum.de/relativ-einfach/kontroverse-diskussionen-umgang-mit-kommentaren/.

      Beste Grüße
      René Krempkow

  2. @ …

    Kein Mediziner korrigiert den Physiker Joachim Schulz und seine falsche Interpretation der speziellen Relativitätstheorie.

    .
    Erstens ist es nicht die Aufgabe von Medizinern sich entsprechend fachfremd zu äußern und zweitens interpretiert Joachim Schulz die SRT nicht falsch. Der Fehler liegt wohl wieder auf deiner Seite.
    .

    Jeder Mediziner weiß, dass kein mit Polonium vergiftetet Geheimagent länger lebt, wenn er mit einem fast lichtschnellen Raumschiff unterwegs ist.

    Was jeder Mediziner weiß oder nicht, kannst du nicht wissen, es sei denn du hättest wirklich jeden dazu explizit befragt. Also ist es wohl so, dass du das nur so behauptest, weil du es glaubst und dich erdreist hier mal eben für alle Medizinern sprechen zu können.
    .
    Dann ist es eine Frage, wer den Agenten “beobachtet”, würde er durchs All reisen und viele Jahre später wieder auf die Erde kommen, würde er länger gelebt haben, im Vergleich zu denen auf der Erde. Einfach mal schlau machen, ist ja viel Raum dafür erkennbar.
    .

    Dass die vom Sterbenden erzeugten Lichtblitze immer mehr Raum durchqueren müssen und damit auch immer mehr Zeit brauchen, um einen nicht vergifteten Geheimagenten auf der Erde zu erreichen, ändert nichts an der medizinischen Tatsache, dass die Lebenserwartung des Sterbenden nur wenige Tage oder Wochen beträgt, unabhängig in welchem Bezugssystem Zeit gemessen wird.

    .
    Darum geht es in der SRT und der Zeitdilatation gar nicht, es geht nicht um die Laufzeit von Lichtsignalen. Die Zeit selber dilatiert, die Zeit im Raumschiff vergeht für den Agenten auf der Erde langsamer. Für den Agenten in der Rakete ändert sich nichts, er hat seine Eigenzeit, hat er nur noch eine Woche zu leben wird sich für ihn daran nichts ändern, egal wie schnell er auch fliegt.
    .

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