Nomen est omen: Sarrazin und die Sarazenen

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Kopiert aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Sarazenen

Sarazenen ist ein Begriff, der ursprünglich einen im Nordwesten der arabischen Halbinsel siedelnden Volksstamm bezeichnete. Im Gefolge der islamischen Expansion wurde der Begriff in lateinischen Quellen und im christlichen Europa als Sammelbezeichnung für die muslimischen Völker, die ab ca. 700 n.Chr. in den Mittelmeerraum eingedrungen waren, verwendet, meist in angstgeprägtem Sinn. Obgleich dieser Begriff noch heute zuweilen in historischen Darstellungen als Bezeichnung für Muslime verwendet wird, ist dieser Gebrauch geschichtswissenschaftlich nicht korrekt, da es sich um einen „asymmetrischen Gegenbegriff“ (Reinhart Koselleck) handelt und überdies häufig nicht klar wird, welche muslimische Macht (Fatimiden, Ziriden, Abbasiden etc.) konkret damit gemeint ist.

Wortherkunft

Griechisch Sarakenoi, syrisch Sarkaye und lateinisch Saraceni bezeichnete in der Spätantike (2. bis 4. Jahrhundert) zunächst einen oder mehrere Nomadenstämme auf der Sinaihalbinsel, und zwar nach der Darstellung von Ptolemaios im Gebiet von Nabatäa. Die Herkunft des Wortes ist nicht sicher. Unter den zahlreichen Etymologien, die in moderner Zeit vorgeschlagen wurden, begegnet am häufigsten eine seit dem 18. Jahrhundert aufgekommene Herleitung Scharqiyyun aus arabisch scharqi („östlich, orientalisch, Orientale“). Ebenfalls bedenkenswert erscheint als mögliche arabische Wurzel sariq, Plural sariqin („Plünderer“).

Bedeutungsentwicklung

Die Bedeutung wurde seit der Spätantike sukzessive erweitert, zuerst auf die übrigen arabischen Stämme der vorislamischen Zeit (Eusebius, Hieronymus), und dann im Laufe der kriegerischen Auseinandersetzungen mit maurischen und arabischen Armeen in Europa auf die islamischen Völkerschaften schlechthin. In dieser erweiterten Bedeutung wurde das Wort seit der Zeit der Kreuzzüge aus dem Griechischen und Lateinischen auch in die europäischen Volkssprachen übernommen.

Der Gebrauch im christlichen Schrifttum war hierbei geprägt von einer die bezeichneten Völker abwertenden, gelehrten Volksetymologie. Bereits bei Hieronymus und Sozomenos, also in vorislamischer Zeit, erscheint die Worterklärung, dass die Agarener (oder Hagarener), die Nachfahren der Hagar, der verstoßenen Sklavin und Nebenfrau Abrahams, sich fälschlich als „Sarazenen“ bezeichnet hätten, um sich als Abkömmlinge der Sarah, der Freien und Ehefrau Abrahams auszugeben und sich dadurch aufzuwerten. Diese Worterklärung, die die Sarazenen als verkappte Agarener, und damit in Anknüpfung an die paulinische Deutung des alttestamentlichen Themas (Gal. 4,21-31) als Angehörige eines von Gott heilsgeschichtlich verstoßenen Volkes deutete, wurde bei den christlichen Autoren des Mittelalters seit dem Aufkommen des Islam zu einem anti-islamischen Topos, der in der europäischen Literatur über die Kreuzzüge und den Islam weitere Verbreitung erlangte.

Das Wort saracenus und seine volkssprachlichen Entsprechungen haben im Verlauf ihrer mittelalterlichen Bedeutungsentwicklung neben der primären ethnischen oder religiösen Bedeutung „islamischen Völkern zugehörig“ zum Teil auch die weitere Bedeutung „heidnisch“ oder allgemein „fremdartig, alt“ angenommen (so in Bezeichnungen von Bauwerken oder Ruinen der römischen Antike als „sarazenisch“, daher auch engl. sarsen (stone) für Megalithen in prähistorischen Monumenten), außerdem in bestimmten Zusammenhängen die übertragene Bedeutung „schwarz, dunkel“. Sprach- und sachgeschichtlich ist deshalb oft schwer oder nur anhand des jeweiligen Kontextes zu entscheiden, ob gegebene Verwendungsweisen auf der primären oder einer sekundären Bedeutung beruhen.

Als zu Beginn des 15. Jahrhunderts in romanischen und deutschsprachigen Ländern erstmals Gruppen der ursprünglich aus Indien stammenden, über Byzanz und den Balkan zugewanderten Roma auftauchten und von der einheimischen Bevölkerung als Angehörige eines fremden, dunkelhäutigen und aus dem Osten stammenden Volkes wahrgenommen wurden, wurde neben anderen Bezeichnungen wie „Ägypter“, „Zigeuner“ (beides schon im byzantinischen Sprachgebrauch vorgebildet), „Heiden“ und „Tataren“ zuweilen auch die Bezeichnung „Sarazenen“ für Roma verwendet, so hauptsächlich in romanischen Sprachen und unter deren Einfluss dann im 15. Jh. vereinzelt auch im Deutschen.

Abgeleitete Namen – Personennamen

Besonders in Frankreich und der Schweiz ist noch heute der Familienname Sar(r)asin bzw. Sar(r)azin verbreitet, in der deutschsprachigen Schweiz auch Saratz, in Italien und der italienischsprachigen Schweiz Sar(r)aceno, Sar(r)acino, im Englischen die aus dem Französischen bzw. Anglonormannischen noch weiter entwickelte Form Sarson. Vorläufer solcher Namen ist im Mittelalter ein in den lateinischen Quellen seit dem 11. Jh. vielfach dokumentierter Name oder Beiname Saracenus, der in vielen Fällen wegen einer „sarazenischen“ Herkunft des Trägers, in anderen Fällen aber auch nur wegen eines zeitweisen Aufenthaltes bei den „Sarazenen“ oder, wie lat. Maurus, nordfrz. Moreau, engl. Moore, zur Hervorhebung einer besonders dunklen Haut- oder Haarfarbe entstand. Sofern der Name erst im Spätmittelalter in Gebrauch kam, ist auch mit der Möglichkeit zu rechnen, dass er im Hinblick auf die mögliche Bedeutung „Zigeuner“ gewählt wurde.

Gegenwärtig prominentes Beispiel in Deutschland ist Bundesbankvorstandsmitglied und SPD-Politiker Thilo Sarrazin.

 

(Wikipedia-Nutzungsbedingungen für diesen Text: hier)

 

Christian Hoppe

Veröffentlicht von

Geboren 1967 in Emsdetten/Westfalen. Diplom kath. Theologie 1993, Psychologie 1997, beides an der Universität in Bonn. Nach einem Jahr am Leipziger Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung (1997-98) bin ich seit Oktober 1998 klinischer Neuropsychologe an der Universitätsklinik für Epileptologie in Bonn. Ich wurde an der Universität Bielefeld promoviert (2004) und habe mich 2015 an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn habilitiert (Venia legendi für das Fach Neuropsychologie). Klinisch bin ich seit vielen Jahren für den kinderneuropsychologischen Bereich unserer Klinik zuständig; mit erwachsenen Patientinnen und Patienten, die von einer schwerbehandelbaren Epilepsie oder von psychogenen nichtepileptischen Anfällen betroffen sind, führe ich häufig Gespräche zur Krankheitsbewältigung. Meine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen in den Bereichen klinische Neuropsychologie (z.B. postoperativer kognitiver Outcome nach Epilepsiechirurgie im Kindesalter) und Verhaltensmedizin (z.B. Depression bei Epilepsie, Anfallsdokumentation). Ich habe mich immer wieder intensiv mit den philosophischen und theologischen Implikationen der modernen Hirnforschung beschäftigt (vgl. mein früheres Blog WIRKLICHKEIT Theologie & Hirnforschung), eine Thematik, die auch heute noch stark in meine Lehrveranstaltungen sowie meine öffentliche Vortragstätigkeit einfließt.

24 Kommentare

  1. Das Sarazenen-Gen (oder Mem?)

    Man könnte mit Sarrazin fragen ob es ein Sarazenen-Gen gibt. Dem obigen Artikel nach zu urteilen, nicht. Es scheint sich eine (wandelbare) Idee dahinter zu verbergen. Ausser man glaubt an sprachliche “Gene” (heute wohl Meme genannt).

  2. Ein interessanter Beitrag. Ich vermute, dass Thilo Sarrazin mit der Herkunft seines Namens nicht zufrieden ist.

  3. Weitere Etymologie

    Sollte in der ausführlichen etymologischen Betrachtung nicht auch das französische Wort “Sarrasin” (Buchweizen) erwähnt werden?

    Ist dieses Wort vom bis auf einen Buchstaben gleich geschriebenen gebräuchlichen Nachnamen vollkommen losgelöst?

    Was die Diskussion um den derzeit in Deutschland prominentesten Träger dieses Namens angeht: An der stört mich, dass es schon längst nicht mehr geht, was wirklich gesagt wurde, sondern fast schon ausschließlich nur noch die Deutungshoheit beansprucht wird.

    Am Abgleiten in die Unsachlichkeit ist aber der Urheber der Debatte selbst Schuld. Schließlich war er es, der sich zu Themen, die – da naturwissenschaftlich – außerhalb seines Wissenshorizonts liegen, dediziert geäußert hat.

    Neuestes Beispiel sind seine Behauptungen zum “Juden-Gen”. Das mag er Veröffentlichen wie der hier entnommen haben:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/7637/page/1

    Dort ging es aber um etwas anderes, nämlich um nachweisbare genetische Ähnlichkeiten bei ethnischen Gruppen – mittels dieser genetischen Ähnlichkeiten lässt sich eben feststellen, ob und inwieweit es sich um ethnische Gruppen handelt und wie ausgeprägt der Einfluss anderer ethnischer Gruppen ist.

  4. ad Khan

    Sie haben völlig Recht, Herr Khan, meine Zitation des Wikipedia-Beitrag war nicht vollständig, der Buchweizen fehlte.

    Ich habe übrigens eine ganze Reihe von (keinesfalls nur eins!) Christian-Hoppe-Genen. Ich hoffe, das ist für niemanden hier auf den Seiten ein Problem …

    Wahrscheinlich ist es grundfalsch dem Geschrei hinterher zu laufen und jemandem soviel Aufmerksamkeit zu schenken, der sie fachlich wohl nicht verdient hat. Ich enthalte mich daher (weiterhin und gar nicht weise) jedes inhaltlichen Kommentars zu einem Buch, das ja erst seit gestern überhaupt im Handel ist …

  5. Ups – in die Nesseln gesetzt?

    Tja, ob Herr Sarrazin sich dessen bewußt ist? Hatte gestern schon überlegt, wo dieser Name wohl herstammen könnte… Nichts desto trotz: in einem stimme ich H. Sarrazin zu: Deutschland schafft sich ab, allerdings nicht durch die von ihm propagierten Gründe. Wir machen es viel subtiler, wir versuchen Bildung zu verteuern und lassen unsere Bildungseinrichtungen verkommen. Dazu streichen wir dann noch die Ausbildung zusammen (kostet ja Geld) und klagen dann über zu wenig Fachkräfte… Lt. H. Sarrazin liegt das ja anscheindend an der angeborenen Intelligenz (hier stellt sich dann allerdings auch die Frage von wem?) – aber (aus)gebildet zu werden, um gebildet zu sein hat nun mal nicht nur mit Intelligenz zu tun.

  6. Sarrazin’s muslimisches Y-Chromosom …

    Seit den Forschungen von Bryan Sykes wissen wird, daß sich Familiennamen seit dem Mittelalter auffallend präzise bis heute mit dem Y-Chromosom vererben (trotz gelegentlicher Adoptivkinder etc.). Also muß die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering sein, daß sich Sarrazin in seinem Buch mit seinem Y-Chromosom unterhalten hat.

    Aber was wäre denn eigentlich der Tenor dieser Unterhaltung? Necla Kelek, die offenbar zustäzlich auch über das mitochondriale und sonstige Genom muslimisch ist, macht deutlich,

    http://www.faz.net//s/Rub9B4326FE2669456BAC0CF17E0C7E9105/Doc~E0A47A9BA62F54940957049B1C02B0EDA~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    daß Thilo Sarrazin auf SEITEN der Muslime ist. Denn er zeigt ihnen, wo es hakt, sowohl was ihre Jahrhundertelange Bevölkerungsweise, ihr demographisches Regime betrifft, als auch was ihr Bildungssystem betrifft.

    Statt daß sich die Deutschen an das demographische Regime der Muslime anpassen, so der Tenor, sollten sich lieber Muslime – und Deusche – auf demographische Regime langfristig stabil-fortschrittlicher Gesellschaften anpassen, das heißt solcher Gesellschaften, in denen die Intelligentesten ausreichend Kinder haben, zumindest nicht weniger als die weniger Intelligenten.

    Wer sich auf Fakten statt Ideologie und Wunschdenken beruft, tut ALLEN Menschen IMMER in letzter Konsequenz etwas Gutes. Denn sich in einer Scheinwelt einrichten, kann niemals für irgendjemanden gut sein.

  7. Sarazenen @Khan

    das mit dem Buchweizen frz. “sarrasin”
    ist ethymologisch durchaus auf die Sarazenen bezogen (seit 1554), wegen der schwarzen Farbe des Samens…können Sie in jedem frz. Wörterbuch nachlesen.
    Was die vererbten Anlagen angeht, herrscht doch, unabhängig von Sarrzins Thesen, ganz allgemein die Meinung vor, dass alles mögliche an Begabung vererbt wird, nicht nur Intelligenz sondern Musikalität etc.. das sind heilige Kühe. Fragen Sie ihre Nachbarn nach Mozart.
    Meiner Ansicht nach sind diese Vererbungsgeschichten der Versuch, sich von der Sozialisationsverantwortung zu drücken. Nichts Intellektuelles wird vererbt, es MUSS alles gelernt werden und da gibt es eben mehr oder weniger gute Bedingungen für die Entwicklung eines Individuums. Die “Dummheit” kommt von schlechten Bedingungen und nicht von schlechten Genen.

  8. @Becky: Erblichkeit

    Ich gebe Ihnen absolut recht, die “Vererblichkeit der Intelligenz” (usw.) ist (um mit H.G. Frankfurter zu sprechen) Bullshit. Alles muss gelernt werden, und hier mag auch die Genetik zur Erklärung der Varianz des Lernpotentials (!) einen Beitrag leisten. Aber da die Intelligenz nicht in den Genen steckt, wird sie auch nicht über Gene vererbt. Solange wir an einer “Gen-Therapie” Gesunder nicht interessiert sind, können wir also nur den durch die Umweltbedingungen bestimmten Anteil des Lernpotentials (!) optimieren.

  9. Intelligenz in den Genen

    @Christian Hoppe: “Aber da die Intelligenz nicht in den Genen steckt, wird sie auch nicht über Gene vererbt.”

    Das stimmt nicht. So ist der Korrelationskoeffizient der Intelligenz monozygoter Zwillinge, die getrennt aufwachsen, mit 0,72 sehr hoch. Allerdings ist sie bei niederigem sozioökonomischen Status geringer als bei hohem. Die Umwelt spielt also – natürlich – eine große Rolle. Die Angaben sind aus:

    http://www.yale.edu/scan/GT_2004_NRN.pdf

    Hernstein/Murray argumentieren in ‘The bell curve’: “It seems highly likely to us that both genes and the environment have something to do with racial differences.” Aber selbst wenn man ihnen hier zustimmt, lassen sich daraus keine politischen Kosequenzen ableiten. Wenn Menschen sich zu einer liberalen Lebensweise entschließen, in der es keine Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, etc. gibt, dann ist das völlig unabhängig von solchen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dieses Argument hat Steven Pinker in ‘The blank slate; the modern denial of human nature’ ausführlich entwickelt.

    In der öffentlichen Debatte über Sarrazins Thesen wird diese moderne Leugnung der menschlichen Natur leider wieder intensiv gepflegt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Dadurch ignoriert man nicht nur wissenschaftliche Evidenz sondern hemmt auch, fürchte ich, die Entwicklung einer offenen Gesellschaft, frei von Diskrimierung. Eine Gesellschaft, die ich mir wünsche.

  10. @Bolt

    Bitte richtig lesen! Natürlich bestimmen die Gene zu einem Teil vermittels Hirnaufbau/Steuerung der Hirnprozesse das Lern*potential*. Wenn Sie jedoch ein Individuum mit Intelligenz-Supergenen einfach unbeachtet lassen und lediglich am Leben erhalten, wird es über die Intelligenz eines 3-jährigen zeit seines Lebens nicht hinaus kommen.

    Intelligenz ist ein Merkmal von Organismus-Umwelt-Interaktionen – dieses kann schon aus begrifflichen Gründen nicht einfach in den Genen stecken. Methodisch machen Sie und viele Andere aus einer Korrelation Identität; das ist Quatsch.

    Aber natürlich bleibt es dabei, dass Organismen ein unterschiedliches Potential mitbringen; das gilt ja auch z.B.für sportliche Höchstleistungen, wo die körperlichen Voraussetzungen stimmen müssen. Auch für Intelligenz gibt es körperliche Voraussetzungen (was viele in der Tat nicht wahrhaben wollen)! Diese liegen natürlich nicht in den Muskeln, sondern im Gehirn. Aber diese Voraussetzungen sind genauso wenig die Intelligenz, wie der Muskel der Weitsprung ist.

    Muskelmerkmale und Gehirnmerkmale werden vererbt – Sportfähigkeiten und Intelligenz werden mit diesen Organen im Laufe des Lebens in mehr oder weniger geeigneten Interaktionen mit der Umwelt in stärkerer oder schwächerer Ausprägung erworben.

  11. @Bolt: erbliches

    Intelligenz müsste doch erst einmal definiert werden: “Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst..”. Aber selbst wenn es erbliche Prädispositionen für intelligentes Verhalten gäbe, wäre dies immer normalverteilt, d.h. der Durchnitt, und das ist die Mehrheit, ist immer gleich intelligent. Wichtiger ist die Wirkung der Intelligenz, die man erwerben muss. Es gibt kein einziges Beispiel, dass geniale Wissenschaftler ebenso geniale Kinder zeugen, nur das will keiner glauben, auch die genialen nicht. Deshalb sind in Samenbanken massenhaft Nobelpreisträger vertreten. Es geht darum, sich abzugrenzen vom Durchschnitt, deshalb ist und war
    Vererbung schon immer ideologisch besetzt. Sozialisation ist der einzige Weg, der uns zu dem macht, was wir sind. Aber die ist immer mit Fehlern behaftet, deshalb ist Vererbung bequemer. (“ich würde ja meine Fehler zugeben, wenn ich welche hätte”..) Das mit den Zwillingen ist einfach Unsinn, weil es keine Möglichkeit gibt, komplexe Dinge wie Schlüsselerlebnisse, sozialen Einfluss von Gruppen usw. zu kontrollieren.

  12. @Christian Hoppe: Richtig lesen

    Die Bitte, richtig zu lesen, möchte ich gerne zurückgeben. Ich behaupte nirgends eine Identität von Genen und Intelligenz. Ich widerspreche Ihrer Zustimmung zu Becky: “Nichts Intellektuelles wird vererbt, es MUSS alles gelernt werden und da gibt es eben mehr oder weniger gute Bedingungen für die Entwicklung eines Individuums. Die “Dummheit” kommt von schlechten Bedingungen und nicht von schlechten Genen.”

    Konkret dem “Nichts” für die Vererbung und “Alles” für das Lernen. Da sage ich, und Sie ja offenbar auch, daß Intelligenz aus einer Gen-Umwelt-Interaktion resultiert. Das bedeutet aber, wenn ich mich mal Ihrer Terminologie anschließe, daß man nicht lernen kann, wofür man kein Potential hat. Wenn man eine Mutation des ACTN3-Gens hat, wird man kein Weltklasse-Sprinter werden. Als Sprinter wird man geboren, Ausdauerläufer wird man durch Training. Ich weiß nicht, welche vom Intelligenztest untersuchten Teilkompetenzen sich mehr wie die Sprintfähigkeit und welche mehr wie die Ausdauerfähigkeit verhalten. Aber insgesamt scheint es irgendwo dazwischen zu liegen.

  13. @Bolt: richtig lesen

    ich habe nicht behauptet, das physische Merkmale nicht vererbt werden, wir reden aber nicht von Weltklassesprintern, sondern von Vererbbarkeit von Intelligenz. Ich sehe den Zusammenhang nicht. Oder soll mit dem physischen Merkmal auch die mentale, logistische und was auch immer Disposition vererbt werden? Eine Trainingsintelligenz? Es ist nicht unser Thema. Die Ergebnisse der Gentechnik und der Hirnforschung verleiten viele zu der Meinung, dass man damit (endlich!) alles beweisen kann. Zu den Zwillingen: Korrelation von 72% ist eine schlechtes Ergebnis, müsste doch
    an die 100% sein, wenn die Intelligenz vererbt wird.. Ich würde auch lieber von intelligentem Verhalten reden, statt von Intelligenz. Das Thema ist aber viel zu komplex, um einfach schnell abgehandelt zu werden. Ohne Sprache oder eine andere komplexe Kommunikationsform gibt es kein intelligentes Verhalten. Also messen wir das Verhalten über diese Kommunikationsform. Was ist mit denen, die Sprachdefizite auf weisen? die diskriminiert werden? die arm sind? wieso sind die meisten Insassen in amerikanischen Gefängnissen Farbige? wieso ist die Kriminalität in D bei Randgruppen am höchsten? Weil das was wir lernen und erfahren entscheidet. Ich habe es schon einmal gesagt, die vermeintliche Vererbung von nicht physischen Merkmalen ist ideologisch besetzt, weil es in den Kram passt, weil man wie Sarrazin auf die zeigen kannn die durch ihr schlechtes Erbgut uns Schwierigkeiten machen.

  14. @becky Gene sind mehr als Schalter

    Sie treten der Gendeterminierung zu Recht entgegen, vereinfachen aber ebenfalls – nur mit umgekehrter Tendenz.

    Zitat: Vererbbarkeit von Intelligenz. Ich sehe den Zusammenhang nicht. Oder soll mit dem physischen Merkmal auch die mentale, logistische und was auch immer Disposition vererbt werden? …

    Dass Gene direkt über Phänotypen (sichtbare oder messbare Merkmale) entscheiden, kommt vor, ein Beispiel ist die Augenfarbe. Doch das ist eher die Ausnahme. Das wusste man sogar schon vor dem Gen-Hype.

    Die meisten Merkmale werden durch mehrere Gene beeinflusst und auch die Umwelt spielt eine bedeutende Rolle. Beispiele gibt es zuhauf:
    – Die Körpergrösse ist unzweifelbar genetisch mitbedingt, doch die Ernährung vor allem während der Kindheit und durchgemachte Krankheiten spielen ebenfalls eine Rolle (neben weiteren Faktoren)
    – Die Disposition zu Diabetes mellitus Typ II (Erwachsenendiabetes) ist genetisch festgelegt. Diabetes manifestiert sich aber meist nur bei Übergewicht.

    Auch Intelligenz, die im Intelligenztest gemessen wird ist überhaupt erst messbar, wenn die notwendige Bildung vorhanden ist (Lesen und vieles mehr). Doch daraus zu schliessen Gene spielten nur eine untergeordnete Rolle ist voreilig. Intelligenz wird sich von den genetischen Einflüssen her betrachtet wahrscheinlich gar nicht so stark vom Beispiel der Körpergrösse unterscheiden. In beiden Fällen gibt es eine Korrelation zwischen dem Merkmal bei den unmittelbaren Verwandten und den Merkmalen bei den Kindern, jedoch keine solch unmittelbare und zwingende wie beispielsweise bei der Augenfarbe.
    Der Wikipedia-Artikel Intelligenz (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenz) bespricht die Rolle der Gene recht differenziert.

    Etwas möchte ich festhalten. Die beobachtbaren psychischen, kulturellen und leistungsmässigen Unterschiede zwischen den Menschen sind sicher zum kleineren durch Gene bestimmt. Schliesslich sind unsere Vorfahren, die vor 40’000 Jahren oder mehr Europa besiedelt haben, genetisch immer noch sehr ähnlich zu vielen Menschen, die jetzt hier leben. Doch ihr Denken und Tun ist schwierig mit dem unseren vergleichbar.
    Wären alle Menschen genetisch bedingt sehr unterschiedlich, wäre unsere Kultur sogar in Frage gestellt. Auch privilegierte Familien und Stände hätten bei so einer Ausgangslage sehr viele Nachkommen gehabt, die versagt hätten. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Sozialisation macht die Kinder von Privilegierten und Gebildeten wieder zu Privilegierten und Gebildeten, auch wenn sie sonst recht verschieden von den Eltern sind.

    Trotzdem heisst das nicht, dass Gene nur eine untergeordnete Rolle spielen. Sie sind aber nur ein Player unter mehreren Playern im Konzert der Einflüsse, die zu einem beobachtbaren Merkmal führen.

  15. @ Martin Holzherr: Gendeterminierung

    Ich stimme Ihrem Kommentar zu, möchte aber doch darauf hinweisen, daß hier niemand von “Gendeterminierung” gesprochen hat.

    Übrigens ist die “Soziodeterminierung” auch nicht sympathischer.

  16. @Martin Holzherr @Bolt

    ich habe nichts gegen Ihre Ausführungen, nur sehe ich nicht wo die grossen Unterschiede zu meiner Meinung sind. Was ich nicht schätze sind Zitate aus Wiki, endlos streiten könnte man über die Kompetenz der unbekannten Schreiber, wenn es nicht gerade um technische Sachverhalte geht. Da ändert auch eine umfangreiche Bibliographie nichts. Ich bleibe dabei, eine Vererbungstheorie der Intelligenz ist ideologisch besetzt und diente schon immer gewissen Machtstrukturen. Ich verstehe den Quatsch mit dem “Sozialdeterminus” nicht. Wir sind zuallererst soziale Wesen, deren Katalysator die Sozialisation ist. In vielen Wissenschaften (inzwischen Industrien?) gibt es Meinungsmacher (eine Lobby?), die uns sagen, was wir denken sollen. Versuchen Sie nicht zu bezweifeln, dass die Lichtgeschwindigkeit die Grenze ist. Dann gibt es die Medien und die Politiker, da gilt ähnliches. Dann gibt es Leute wie Sarrazin, die wissen, dass sie eine heimliche Mehrheit haben, die voll auf seine inkompetente, und wie ich meine, gefährliche Masche abfährt. Ein Meinungsmacher von der Stammtischfraktion. Vielleicht kennt ja einer der Leser das Buch von E.A Rauter, “Wie eine Meinung im Kopf entsteht” (Anfang der 70er) Was meine “Vereinfachung” angeht, sie ist gewollt, ein Blog ist kein Seminar..

  17. @Becky Intelligenz und andere Merkmale

    Sie schreiben ich habe nichts gegen Ihre Ausführungen, nur sehe ich nicht wo die grossen Unterschiede zu meiner Meinung sind.

    Für mich gibt es grosse Unterschiede zwischen meiner Einschätzung des Merkmals Intelligenz und ihrer, wie sie im folgenden zum Ausdruck kommt.

    Zitat: Ich bleibe dabei, eine Vererbungstheorie der Intelligenz ist ideologisch besetzt und diente schon immer gewissen Machtstrukturen.

    Ihre Aussage macht nur Sinn, wenn sie Intelligenz – wie sie mit dem Intelligenztest gemessen wird – als entscheidenden (gar allentscheidenden) Erfolgsfaktor sehen. Klar, wenn sie das so sehen, müssen sich dagegen wehren, dass jemand diesen Erfolgsfaktor – eben die Intelligenz – für sich beansprucht, weil er den richtigen Stammbaum habe.

    Für mich ist Intelligenz jedoch ein Merkmal wie andere auch und es gibt für mich keinen Grund anzunehmen, dass dieses Merkmal viel weniger genetisch beeinflusst ist als andere Merkmale.

    Die Kinder des gleichen Paares unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht voneinander: In physiognomischen und charakterlichen Merkmalen, in Begabungen und in der Intelligenz. Es ist schwierig, den Einfluss der Umgebung vom Einfluss der Gene abzugrenzen, doch die Annahme, dass die unterschiedliche Intelligenz der Kinder – so sie denn ganz offensichtlich zu Tage tritt – allein auf Umweltfaktoren zurückgeht, ist für mich nichts weiter als eine Annahme und zudem eine sehr problematische Annahme, denn dann kommt schon bald die Frage, was man falsch gemacht habe.
    Dieses Beispiel mit den unterschiedlichen Kindern zeigt ja auch gerade, dass Vererbung, selbst wenn sie einen grossen Einfluss hätte, noch überhaupt keine Garantie für die Merkmale der Nachkommen gibt. Es gibt höchstens bestimmte statistische Erwartungen, mehr nicht. Auch ihr früheres Beispiel mit den “Genies”, die erwarten ebenfalls “Genies” als Nachkommen zu haben, zeigt ein stark vereinfachtes Bild von genetischen Gesetzen und Einflüssen. Eine günstige Kombination von Merkmalen – wie wir sie beim “Genie” annehmen dürfen – wird ja nicht als Gesamtpaket weitervererbt, sondern es wird für jedes Gen einzeln gewürfelt, so dass Genies meisten sehr gewöhnliche Nachkommen haben – wobei das Geniesein natürlich oft auch soziale und recht zufällige Faktoren beinhaltet.

    Zusammengefasst: Die Vererbung vieler komplexer Merkmale ist kompliziert und von vielen Faktoren, auch von der Umwelt abhängig. Die Annahme, die meisten Menschen seien in einem Merkmal wie der Intelligenz genetisch gleich und nur die Umwelt entscheide über dieses Merkmal ist jedoch selbst ideologisch, genauso wie die gegenteilige Annahme, dass Vererbung oder gar der Stammbaum entscheidend sei. Wenn man an die Umwelt als alleinigen Faktor glaubt, setzt man auch zu hohe Erwartungen in die Schule und tendiert zu Schuldzuweisungen.

  18. Sarazenen

    Sehr schöner Text, besonders in der Zielrichtung.
    Ein Irrtum ist unterlaufen: wie Günter Lüling bereits 1985 zeigte, stammt Sarazene von sara-kenoi, die “Bekämpfer der Sara” (also tatsächlich “Haragener”), was Hieronymus nur deshalb nicht verstand, weil ihm als Lateiner die Bedeutung der Wortwurzel KN nicht bekannt war. Auch dazu gibt es seit 1995 einen sehr schönen Text von Lüling, über “archaisches und semitisches Maskenwesen”.
    besten Gruß

  19. sarrazin

    Also, der Rassist Sarrazin behaupte, dass Menschen arabischer oder türkischer Herkunft (er bezeichnet es als “Rasse”)weniger intelligent wären als m
    Menschenmit mitteleuropäischer Herkunft. Wegen der Gene, schwafelt Sarrazin.

    Naja, vielleicht schliest er von sich auf andere. Wegen seiner Dummheit (die nicht angeboren ist, sonder anerzogen – Sarrazin stammt aus bourgiosen Verhältnissen und wurde daher folgerichtig auch Banker)kann er diesen seiene Irrtum aber nicht erkennen.
    Die Familie Sarrazin ist einstmals als Hugenottenflüchtlinge aus Frankreich nach Deutschland emigriert. Und auf welche Herkunft der Name “Sarrazin” ursprünglich in Frankreich verwiesen hat, habt ihr ja oben gezeigt. Wahrscheinlich ist der Familie Sarrazin in ihrer Geschicht immer wieder rassistisches Unrecht erfahren, da sie nie zur mehrheitlichen “Rasse” gehört haben. Jetzt gibt er diese Kränkungen unbewusst durch seine schwachsinnigen rassistischen Thesen an andere weiter.

    Thilo Sarrazin ist krank und ein Fall für den Psychiater !!!!!!!!!!!!!!

    die-wa@gmx.de

  20. Der Name ist ein Zeichen

    Sarasin(die Sarazenen=saris,plural saris´im)Hofbeamter,Eunuch

  21. Der Name Sarasin reicht ursprünglich auf die bibl.Geschichte “Abrahams” zurück.( Sarasin = Zeugung ohne Sara).Nach der Völkerwanderung in den Mittelmeerraum flüchteten die Sarazenen bei
    der Schlacht zwischen Tours und Poitiers in die Berge, wo sie sich mit der kelt. Bevölkerung vermischten. Ca.600 Jahre später wurde der Erste Sarasin ein “Troubadour” aus Lyon erwähnt…
    Sarasin, Sarrazin und Konsortien wandten sich vom jüdischen Glauben ab und konvertierten zum Calvinismus, ehe sie als Glaubensflüchtlinge Frankreich verlassen mussten. Weder Basler Sarasins,noch Genfer Sarasins die aus Siena (ITA) stammen und auch nicht Thilo Sarrazin tragen
    ein muslimisches oder gar ein Juden Gen! Nein, sie sind kelt. Abstammung (Haplo Gruppe R1b)