Pre/Trans Fallacy – die Verwechslung von Gestern und Morgen

Genau! R.W. hat neulich bei meinen Erklärungen zu den Stufen Lehrling, Geselle und Meister (Shu-Ha-Ri) kommentiert, dass viele Leute die verschiedenen Level deshalb nicht verstehen, weil sie den höheren Level zu sehr mit dem jetzigen Level und dem gestrigen vergleichen. Dieses Phänomen ist von Ken Wilber als Pre/Trans Fallacy (siehe Wikipedia) beschrieben worden.
Bei Ken Wilber geht es um hohe Philosophie, hier nicht! Das Phänomen kann man auch im realen Leben ausmachen.

Das Internet kommt! Wir diskutieren Fluch und Segen des Internets. Die einen sehen die Sicherheit gefährdet, das Land versinkt im Chaos, viele Arbeitsplätze gehen verloren. Der Welt droht durch die neue Technologie ein empfindlicher Rückschritt in Verhältnisse, die wir schon überwunden glaubten. Die anderen glauben glühend an das Internet, das uns helfen wird, die grässlichen Fehlentwicklungen des jetzigen kapitalistischen Systems wieder zu korrigieren oder rückgängig zu machen. Das Web gibt uns wieder Hoffnung für unsere Ideale, die durch das jetzige System niedergemacht worden sind. Kurz: Die einen sehen in der Zukunft einen Rückschritt in das Chaos, die anderen erhoffen eine Rückkehr zu den alten Idealen. Beide verwechseln daher das Kommende mit dem Vergangenen. Das Kommende ist aber weder Rückschritt noch Rückkehr, sondern etwas ganz Neues!

Neue Beziehungsformen der Menschen beim Arbeiten 4.0 kommen auf uns zu! Wir reden über Fluch und Segen. Die einen fürchten undisziplinierte Zeitgenossen aus der Generation Y, die das Alte und besonders die Alten nicht respektieren und alle Regeln des Zusammenseins schleifen. Eine Regression in Anarchie droht! Die anderen haben schon lange von unseren rigiden und demütigenden Hierarchien die Nase voll, sie hoffen inständig auf eine Kurskorrektur – die Welt könnte zurückkehren zu Solidarität, Gemeinschaft, Gemeinsinn und Inklusion, zu Wertschätzung und Liebe. Kurz: Die einen sehen einen Rückschritt im Vergleich zum schon Erreichten, die anderen wollen eine Rückkehr zu etwas, was wir früher einmal hatten oder als das Prinzipiell beste empfanden.

Alle sollen ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten! Die einen sehen eine Anarchie kom-men, wenn jeder einfach tun und lassen kann was er will. Schrecklich, da wollen bestimmt viele Leute nicht arbeiten! Zurück in den germanischen Busch? Die anderen machen das jetzige System für die Armut und das Prekäre verantwortlich und wollen diese Fehlentwicklungen durch eine Rückkehr zur Humanität rückgängig machen. Der Mensch soll wieder in den Mittelpunkt.

Und so weiter und so weiter. Anstatt in die Zukunft zu schauen, diskutieren sie Fluch oder Segen, worunter sie Rückschritt oder Rückkehr verstehen. Es geht aber um eine neue Welt der Zukunft, über die man schwer reden kann, weil eben die meisten Leute die Zukunft mit den Augen der Vergangenheit sehen: Die Idealisten hoffen, ihre ewigen Ideale im Neuen verwirklichen zu können. Die Realisten starren auf die möglichen Verschlechterungen und Unsicherheiten im Neuen. Niemand aber schaut das Neue nüchtern und real zuversichtlich an.

Hey, die Welt wird neu. Kommen Sie doch mit. Jammern Sie nicht, dass im Neuen die Ideale doch wieder recht fern sein werden. Und Sie anderen, haben Sie bitte keine Angst: Sie bekommen bestimmt wieder eine neue Heimat. Die Zukunft wird anders. Nicht besser oder schlechter – anders. Zu große Angst und zu großer Idealismus helfen nicht. Aufbrechen! Machen!

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Und doch sind jene Menschen welche die Zukunft falsch sehen, auch Teil der Entwicklung. Gibt es überhaput jemand, der die Zukunft richtig sieht? Bevor sie da ist? Wenn ja, dann kann das jeder: einfach die eigene Meinung als die richtige ausgeben, und davon abweichende Meinungen als falsch.

  2. Die Zukunft gibts zuerst immer nur für ein paar Wenige. Die Vergangenheit dieser Wenigen wird weiterhin die Gegenwart von Vielen bleiben. Und Einige leben gar unter Umständen, die für die “Fortgeschrittenen” schon seit Generationen überwunden sind. Ja,in gewissen Ecken dieser Welt gibt es noch Fronarbeit, Sklaverei, Geschlechtertrennung.

    Diejenigen, die in den Genuss einer Zukunft kommen, in der nicht mehr gearbeitet werden muss, werden sich an neuen Lagerfeuern über das unsägliche Schicksal ihrer Vorfahren auslassen und daberi vielleicht vergessen, dass weiterhin viele Menschen (Menschen, nicht Zeitgenossen) leben wie die Vorfahren dieser Pioniere der Zukunft

  3. Ganz hervorragend wieder, dieser WebLog-Eintrag, werter Herr Dr. Dueck, deshalb nur kurz ergänzend:

    Das Internet kommt! Wir diskutieren Fluch und Segen des Internets. Die einen sehen die Sicherheit gefährdet, das Land versinkt im Chaos, viele Arbeitsplätze gehen verloren. Der Welt droht durch die neue Technologie ein empfindlicher Rückschritt in Verhältnisse, die wir schon überwunden glaubten. Die anderen glauben glühend an das Internet, das uns helfen wird, die grässlichen Fehlentwicklungen des jetzigen kapitalistischen Systems wieder zu korrigieren oder rückgängig zu machen.

    Nichts zur Reaktion, nur zu den dem Web Beispringenden:
    Sogenannte PIRATEN nutzen mit dem Kapitalismus die linke herabsetzende Sicht auf die Marktwirtschaft und weitergehend die linke herabsetzende Sicht auf die seit einiger Zeit bereitstehenden Gesellschaftssysteme, die den Ideen und Werten der Aufklärung folgend implementieren konnten.
    Was “ein wenig” fehlt, sind sozusagen liberale und verständige “Piraten”.

    Wir reden über Fluch und Segen.

    Bezugnehmend auf das Web macht es nur dann Sinn von einem Fluch zu sprechen oder zu schreiben, wenn analog auch von einem Fluch bei der Erfindung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks gesprochen oder geschrieben werden könnte.
    Es gibt insofern (und erst einmal) nur Gutes im Web, bspw. wird auch die Bildungsarmut ausgelöscht.

    Alle sollen ein bedingungsloses Grundeinkommen erhalten!

    Ein Bezug zum Thema konnte jetzt hier nicht sofort erkannt werden, aber das sogenannte bedingungslose Grundeinkommen würde einerseits den unseligen parasitären Sozialapparat “weghauen” und andererseits die Bedürftigkeit staatlich bearbeiten, also nicht Bedürftige der privaten Wohlfahrt überlassen, wobei beides nicht schlecht sein muss.

    Die Idealisten hoffen, ihre ewigen Ideale im Neuen verwirklichen zu können. Die Realisten starren auf die möglichen Verschlechterungen und Unsicherheiten im Neuen. Niemand aber schaut das Neue nüchtern und real zuversichtlich an.

    Doch, doch, der Schreiber dieser Zeilen, der sozusagen idealistischer Realist ist, schon.
    Wobei hier im Zitierten angenommen worden ist, dass jeweils umgangssprachliche Bedeutung gemeint war.

    Hey, die Welt wird neu. Kommen Sie doch mit. Jammern Sie nicht, dass im Neuen die Ideale doch wieder recht fern sein werden. Und Sie anderen, haben Sie bitte keine Angst: Sie bekommen bestimmt wieder eine neue Heimat. Die Zukunft wird anders. Nicht besser oder schlechter – anders. Zu große Angst und zu großer Idealismus helfen nicht. Aufbrechen! Machen!

    Es würde schon genügen nicht wie bspw. Schirrmacher, Gott sei seiner Seele gnädig, miesepetrig zu werden, Tschak­ka muss auch nicht sein, korrekt + danke.

    MFG
    Dr. W

  4. Der Widerspruch löst sich teilweise dadurch auf, dass zwar viele Neues kommt, der Mensch aber mehr oder weniger derselbe bleibt. Vielleicht steigt seine Leistungsfähigkeit, seine psychische Verfasstheit wird sich nicht wesentlich ändern. So wird das Internet weder ein Utopia noch eine Hölle, sondern ein relativ getreues Abbild unserer realen Welt, also vieles ziemlich normal, ein paar Inseln der Seeligen und ein paar infernalische Orte und das alles in dynamischer Form. Die Frage ist, wie viel Macht das Internet als Instrument der Macher über die reale Welt erlangen kann. Schrift, Buchdruck, Internet, das sind Erfindungen von Potenzierungen an Machtmitteln, zum Guten wie zum Bösen.

    • Die Frage ist, wie viel Macht das Internet als Instrument der Macher über die reale Welt erlangen kann.

      Da schaut’s im Web, sofern mit den ‘Machern’ Machthabende gemeint sind, nicht so gut aus.
      Das Web ist sozusagen, auf die Herrschaftssysteme bezogen natürlich nur, anarchistisch.
      D.h. die Verbreitung spezieller, auch politischer Sicht, über bereit stehende Print- oder andere Darstellungsmedien betreffend, schaut es zunehmend mau aus. [1]
      Gerd Schröder könnte jetzt bspw. nicht mehr per Glotze und Bild regieren, bundesdeutsch, wie einst von ihm verlautbart:

      Zum Regieren brauche ich nur Bild, Bams (Bild am Sonntag) und Glotze.

      Insofern bemüht sich die auch hier bekannte Dame um das sog. Nudging.
      GL!

      MFG
      Dr. W

      [1]
      Mit der durchaus nicht unwitzigen Folge, dass sich bundesdeutsche und an Auflage massiv verlierende Printmedien mehr den Inhabern anvertrauen, als Käufern, dass sie als von Inhaberseite gesteuerten Publikationsmedien zu dienen beginnen, sozusagen ihr Gewissen aufgebend.
      Wobei noch ein wenig i.p. Werbung gesaugt werden kann, korrekt.

      • Also der IS verwendet das Internet recht effektiv als Propagandainstrument, die NSA als Informationsinstrument, wer weiß, was noch kommt, wenn die “netten” Chefs von Internet-Riesen abtreten und andere diese Instrumente in die Hand bekommen. Da waren doch auch die Angriffe auf das Netzt des Bundestags und Putintrolle, die Kommentarbereiche vollmüllen, usw. usw.

  5. Webbaer: “Das Web ist sozusagen, auf die Herrschaftssysteme bezogen natürlich nur, anarchistisch.”

    Es ist vielleicht doch eher chaotisch und kann dabei auch Ungeheuer gebären. Selbstverständlich treiben sich im Web Leute umher, die nach Macht und/oder Einfluss streben.

    • nett gestaltet.

      Ich wäre höchst vorsichtig bei jeder Form von bedingungslosem Grundeinkommen. Ich finde dies auch nicht erstrebenswert. Es schafft eine nicht mehr umkehrbare Abhängigkeit vom Staat.

      Ich glaube leider, dass die Welt immer zweigeteilt bleiben wird. Das heißt es gibt die hierarchische Struktur in der Welt und die rhizomatische Struktur im ideellen Denken (oder auch im Internet). Die hierarchische Struktur ist allein schon durch die Evolution bedingt, denn der Stärkere gewinnt. Oder der mit dem größeren Benz kriegt die Ischen. Ideelll kann man sich da die schönsten Sachen ausdenken, es funktioniert halt nur auf dem Papier. Und alles was vom Papier umgesetzt wird, ist mit höchster Vorsicht zu genießen, da es allzumeist extrem anfällig für Machtmissbrauch ist (denn wie wir gesehen haben, wird man Machtstreben nicht ausschalten können – jedenfalls nicht durch politisch implementierte Systeme.

      Wenn jeder Einzelne aus sich heraus, also aus seiner eigenen ideellen Motivation anfängt konkurrenzlos zu denken, dann ist dies eine erstrebenswerte Situation. Aber bitte nicht mit Grundeinkommen über einen Staat, den schon heute niemand von uns Wählern mehr beeinflussen kann (siehe Griechenland).

      • In Israel kann man sehen, wozu ein garantiertes Grundeinkommen führt: Wer dort die heiligen Bücher studiert, bekommt vom Staat dazu eine garantierte Grundleistung ohne zeitliche Begrenzung. Dies führte dazu, dass besonders orthodoxe Personen diese Bücher lebenslang studieren und daher lebenslang vom Staat finanziert werden müssen.

        Wer für ein bedingungsloses Grundeinkommen ist, sollte an diesem konkreten Beispiel untersuchen, welche Vor-/Nachteile sich daraus für eine Gesellschaft ergeben können.

  6. Gunter Dueck schrieb (23. Juli 2015):
    > […] Aufbrechen! Machen!

    Ja, gerne, aber:
    Wo bzw. Wie den?

    Wo, bitteschön, ware denn ein (weitgehend) bedingungsloser, oder jedenfalls öffentlich-rechtlicher, Grund-SciLog, in dem man nicht zuletzt z.B. Λ*-Baryonen auch Λ*-Baryonen nennen könnte und dürfte, wenn jedenfalls nicht Λ(1115)-Baryonen oder Λ(1405)-Baryonen gemeint sind ??

    Ohne konkrete Angaben (wenigstens „Hilfe zur Selbsthilfe“) des „Wo bzw. Wie“ wirkt die Aufforderung zum „ Aufbrechen! Machen! “ lediglich rhetorisch, naiv und demütigend.

  7. Gunter Dueck schrieb (23. Juli 2015):
    > […] Aufbrechen! Machen!

    Ja, gerne, aber:
    Wo bzw. Wie denn?

    Wo, bitteschön, ware denn ein (weitgehend) bedingungsloser, oder jedenfalls öffentlich-rechtlicher, Grund-SciLog, in dem man nicht zuletzt z.B. Λ*-Baryonen auch Λ*-Baryonen nennen könnte und dürfte, wenn jedenfalls nicht Λ(1115)-Baryonen oder Λ(1405)-Baryonen gemeint sind ??

    Ohne konkrete Angaben (wenigstens „Hilfe zur Selbsthilfe“) des „Wo bzw. Wie“ wirkt die Aufforderung zum „ Aufbrechen! Machen! “ lediglich rhetorisch, naiv und demütigend.

  8. Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. unter Umständen gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung des freien bzw. unfreien Willens seinen freien Willen verliert. Es ist gut, dass es einen technischen Fortschritt gibt. Aber die Technologie darf nur dann weiterentwickelt werden, wenn die Gefahren relativ gering bleiben. Es ist z. B. unter den gegebenen Umständen falsch, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Es ist sinnvoll, Faktor-X-Technologien (z. B. 1-l-Autos, Linsermethode gegen Krampfadern) zu fördern. Es ist gut, an Gott zu glauben. Aber die Welt wurde nicht “erschaffen”, sondern existiert von Natur aus (und seit ewig). Das Beten ist sinnlos. Ein Mensch muss u. a. seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Und sich dann mit Mystik und Geistheilung beschäftigen. Z. B. mit Nahtoderfahrungen (Selbstmord ist abzulehnen) und mit Traumdeutung sowie Ereignisdeutung. Bestimmte esoterische Verfahren (z. B. Hypnose) sind gefährlich. Es sollten relativ wenige Menschen ein Auto besitzen. Es ist besser, mit Zug, Bus oder Roller zu fahren. Die Arbeitszeit kann verkürzt werden. Man sollte in eine klimatisch günstige Region (z. B. Süd-Spanien) auswandern. Man braucht dort nicht in einem teuren Haus zu wohnen, sondern kann in einem Gartenhäuschen leben. Man kann sich teilweise von Wildfrüchten ernähren. Überdies kann man für einen Teil der Nahrung einen natürlichen Ersatz finden, z. B. astrale Energie.

  9. Sehr geehrter Herr Dyck, irgendwie ist Ihr interessanter Beitrag zum “Internet” hier in NRW eine Woche später angekommen, aber seis drum.

    Mit “Internet”, was ich jetzt mal in Anführungsstrichen schreibe, meinen Sie sicher das World Wide Web mit seinen Service-Leistungen, Informationsangeboten, Shopping, die digitale Kommunikation mit mobilen und fixen Endgeräten, digitale Technolgien der Informationsverarbeitung, der Medien und Werbung und und und …

    Mir scheint, dass Sie das Ankommen des “Internets” falsch einschätzen. Meiner Meinung nach ist es längst angekommen. Sogar die älteren und die sogenannten bildungsfernen Schichten wissen, dass man schließlich im Internet das Ticket für die Bayreuther Festspiele für 320 € bzw. einen Flug von Düsseldorf nach Barcelona für 40 € buchen kann. Nein, da hat keiner Angst.

    Vielmehr geht es doch darum, die neuen Technolgien im ökonomischen Wettbewerb in Deutschland und zur Lösung der Menschheitsprobleme zu nutzen. Und da wäre es doch viel sinnvoller, den Reichen und Etablierten klarzumachen, dass es nicht reicht, wohlwollend auf das “Internet” zu schauen. Es wäre viel besser, wenn sie Initiativen zum technologischen, Wissens- oder sozialen Fortschritt in die Hände nehmen und mitfinanzieren, Risikokapital zur Verfügung stellen.

    Wenn ich mir zum Beispiel vornehme, eine Firma zu gründen, um für oder im Namen von diversen, etablierten “internetfernen” Firmen die Website, Twitter, die Facebook-Site oder einen Blog zu betreuen, 24h natürlich, dann brauche ich Kapital. Oder wenn ich der heutigen Jugend Mathematik und Informatik beibringen will, fernab vom Matheunterricht der Schule, nicht diese ewigen mechanischen Methoden, linearen Gleichungssysteme, Newton-Algorithmus, Minimax-Aufgaben, sondern so ein paar coole Sachen aus dem Mathestudium oder aus der Welt der Wissenschaft, mit witzigen funktionierenden Anwendungen und Blogs, dann brauche ich ebenfalls Kapital. Ja, und dann kriege ich einen IHK-Crashkurs zur Firmengründung sowie zum Steuerzahlen, und dann sitze ich endlich einem Menschen gegenüber, der mir Geld leihen will. Aber ich sehe es ihm an seiner Nasenspitze und seinem breiten Grinsen an, er will mir gar nicht so richtig das Geld borgen. Ich soll darlegen, wie ich plane, in den kommenden Jahren Monat für Monat das Geld zurückzuzahlen, und er rechnet schon aus, wann ich pleite bin, und erzählt händeringend meine Story auf dem nächsten IHK-Crashkurs.

    Wie weit komme ich wohl mit meinem Aufbrechen und Machen?

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