Mesakommunikation und Metakommunikation

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Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
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Metakommunikation! Ja, wenn alle Menschen untereinander Metakommunikation üben und betreiben würden! Ach, ich träume schon wieder von idealen Zuständen. Metakommunikation ist das Kommunizieren miteinander über die gegenseitige Kommunikation. Das klingt etwas abstrakt. Vielleicht ist es besser erklärt mit den Begriffen der Probleme erster und zweiter Art nach Paul Watzlawick? Viele Ehepaare (wir hier auch) haben zum Beispiel das Problem mit der Zahnpasta. Darf man die Tube unästhetisch in der Mitte ausquetschen? Da schreien sich Ehepaare tausend Mal an, was sich zu einer Ehekrise auswachsen kann. Das umstrittene Quetschen ist ein lokales Problem erster Art. Es lässt sich aber auch grundsätzlich auf einer höheren Ebene lösen: Die beiden Kontrahenten beschließen zum Beispiel, sich gegenseitig immer weniger knurrend zu akzeptieren, wie sie sind, oder sie verwenden Zahnpasta aus Plastiktuben, wo das Problem nicht auftritt. Einfach Elmex und Aronal und fertig.

Der Jammer ist, dass sehr viele Menschen ihre immer wieder auftretenden Probleme immer wieder auf der Ebene zu lösen versuchen, auf der das Problem tatsächlich auftritt. „Wie oft soll ich dir sagen, dass…!“ – „Ich bin schon wieder nicht informiert worden und komme mir jetzt wie ein Depp vor!“ – „Dieser Programmcode entspricht nicht unseren Richtlinien. Wieder. Wie oft soll ich das monieren?“ Das sind Klagen, die auf ein übergeordnetes Problem zweiter Ordnung hindeuten, aber dann wird das Problem wieder einmal, zum tausendsten Male, auf der unteren Ebene gelöst: „Entschuldigung, ich hätte dich gestern noch anrufen können, es kommt nicht wieder vor.“ – „Entschuldigung, ich berichtige den Fehler gleich.“ Der eine Partner merkt schon, dass ein immer wiederkehrendes Problem vorliegt, der andere aber sieht nur das genau jetzt vorliegende Problem und verhandelt bzw. streitet nur im jetzigen lokalen Kontext. Solche Situationen haben wir fast täglich. Schüler auf der ersten Ebene: „Ich habe heute ausnahmsweise die Hausaufgaben vergessen.“ Lehrer auf der zweiten Ebene: „Merkst du, dass du seit einiger Zeit abrutschst?“ F.D.P.: „Wir hatten den falschen Wahlslogan, wie dumm.“ Wähler: „Ihr habt keine Identität mehr.“

Diese Blindheit für das Vorliegen eines Problems auf höherer Ordnung verhindert jede Metakommunikation, weil Metakommunikation ja nur beginnen kann, wenn es etwas auf der Metaebene zu besprechen gibt. Diese Meta-Blinden treiben die Meta-Willigen zur Verzweiflung!

Es müsste ein anständiges Wort für eine Kommunikation geben, die sich konsequent jedem Meta-Ansatz verschließt und ausschließlich lokal und eng argumentiert. Gibt es ein „Gegenteil“ von Metakommunikation? Meta ist griechisch und bedeutet „über“ oder „darüber hinaus“. Gibt es etwas für „drunter“ oder „nicht darüber hinaus“? Ich fand den richtig wertvollen Artikel What is the opposite of meta? von Joe Cheal (downloaden Sie ihn unter http://www.gwiztraining.com/Whats the opposite of meta.pdf), in dem der Autor das griechische Wort mesa wie deutsch „drinnen“ vorschlägt. Der Autor zeigt sich genauso erfreut-erleichtert wie ich, dass „mesa“ sprachlautlich so gut zu „meta“ passt. Mesa und Meta, das passt sensationell gut!

Ich schlage einen neuen Begriff vor: Mesakommunikation. Er umfasst das beschriebene Verhalten, ein Problem auf der engen unteren Ebene auszustreiten und nur in diesem Rahmen zu kommunizieren. Meist ist es Unfähigkeit oder ein Mangel an Abstraktionsvermögen, Probleme auf höherer Ebene zu diskutieren. Man kann aber auch taktische Mesakommunikation betreiben. Wenn zum Beispiel bekannt wird, dass sich ein Priester sexuell verging, dann spricht die Kirche von einem bedauerlichen Einzelfall, den man regeln werde. Das ist konsequente taktische Mesakommunikation, die jeden Versuch der Gläubigen auf der Metaebene abwehrt. Die Frage „Wie verhält sich die Kirche in der Gesamtheit der Fälle?“ wird nicht berührt. Es ist ein Einzelfall, schwarzes Schaf, mesa. Natürlich ist auch Snowden und ein bisschen NSA ein Einzelfall, mesa. Und wenn Sie alle meine Einwürfe hier lesen, dann haben Sie auch meinen Aufruf gegen Ethnozentrismus mitbekommen – Ethnozentrismus ist mesa! Der Fall Mollath (darüber schrieb ich auch) wird skandalös mesa behandelt.

Genauso gibt es auch taktische Metakommunikation. Jedes Mal, wenn die Regierung oder ein Management einen Fehler macht, versuchen die Gegner aus jeder beliebigen Mücke einen Elefanten zu machen. Sie erheben ein Problem von der konkreten unteren Ebene zu einem prinzipiellen Problem auf der zweiten Ebene. Sie versuchen, Lösungen auf der zweiten Ebene vorzuschlagen, die solche Fehler nie wieder auftreten lassen, zum Beispiel: „Wir fordern den Rücktritt der gesamten Regierung.“ Bei Ihnen daheim klingt es wie: „Ich lasse mich scheiden!“

Wir reden also auf viele Arten: meta-meta, mesa-mesa, meta-mesa und mesa-meta! Und wir bringen sie leider zu oft durcheinander oder wir wollen alles durcheinander bringen. Deshalb schlage ich vor, das Wort mesa in unsere Sprache zu übernehmen, um die Fälle besser logisch trennen zu können.

***

Nachtrag und Werbespot: Ich habe gerade ein eShort-Book über diese Problematiken geschrieben, dass wir auf vielen, vielen Ebenen miteinander reden oder vorbeireden. Nicht nur meta-mesa-mesa-meta, auch von oben nach unten, von Geisteswissenschaftler zu Naturwissenschaftler, von Techie zu Jurist etc. etc. Interessiert? Das kurze Buch hat ca. 70 Seiten, ist nur als eBook zu haben und kostet eben auch nur ein paar Euro. hier ein Link:
Verständigung im Turm zu Babel
Sie können mir ja einmal Feedback geben, wie Ihnen dies Format gefällt. Ist das angenehmer, Short-Books zu lesen? Oder lieber alles ausführlicher behandelt?

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www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

3 Kommentare

  1. Guter Vorschlag um kleinkariertes Gezänke zu beenden. Und doch: Nur Metakommunikation kann Gefühle ausklammern kann die Beziehung gefährden. Wie im Witzchen: Fremdsprachige Geliebte zum Freund: “Ich liebe du so innig”. Er: “Du beherrschst die Sprache immer noch nicht.”

  2. Die Sacharbeit wäre dann ‘mesa’ und das grundsätzliche Nachdenken über Sacharbeit ‘meta’.
    Wobei sich die Notwendigkeit einer Kennzeichnung als ‘mesa’ nicht direkt jedem Leser aufdrängt.

    MFG
    Dr. W

  3. Also, für mich gilt die Abgrenzung: partikulär – universell. Was soll überhaupt Ihre meta-mesa-dingsda?????

    Und nun? Es ist so einfach eine Diskussion in ein Kampf zu modulieren, nicht wahr?

    Ich lebe dafür, versinke aber in dem archaischen Streit um Dummheiten. Ich bin so machtlos. man braucht unbedingt ein Zeichen und man kriegt dieses von oben, wie einen Hammer in die Brust.

    Die Zeichen der archaischen Epoche. Die Brandmale.
    Ich verbrenne

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