Manageneering!

Schon wieder muss ein neues Wort oder ein Neologismus her, hier eine Mischung aus Management und Engineering. Das Management führt, plant, überwacht und treibt an. Das Engineering führt aus. Die einen regieren, die anderen arbeiten.
Manageneering: Diese Welten müssen wohl besser zu halbwegs einer zusammengeführt werden. Es liegt an den Möglichkeiten der IT und des Internet of Everything und an den aufkommenden Strukturen der Industrie 4.0. Alles wird vernetzt sein!

Heute aber gibt es IT für das Management (Rechnungswesen, Personal, Planung, Einkauf, Logistik), IT zur Kommunikation (Kollaboration, Mail, Kalender) und die Welt der programmierbaren Maschinen und Roboter in der Produktion. Die werden wohl zusammenwachsen?! Schauen Sie vielleicht einmal in den Wikipedia-Eintrag zu „SAP ERP“, dann sehen Sie, dass sich die SAP-Seite eher mit allem befasst, was irgendwie mit „Verbuchen rund um Ressourcen“ zu tun hat, also mit der kaufmännisch-logistischen Seite des Unternehmens. Die Software der Roboter und der Anlagen bildet eine eigene Welt. Dort wird bald die Künstliche Intelligenz einziehen, das Cognitive Computing, die Selbstoptimierung der Prozesse.
Wie werden die Welten zusammenwirken? Was passiert, wenn die Produktionssoftware die optimalen Reihenfolgen oder Termine selbstständig festlegt und wenn dann ein Top-Manager Sparmaßnahmen ins SAP diktiert oder einem Kunden einen Vorzugstermin verspricht? Da greift dann nicht nur die optimierende Mathematik in die Produktion ein, sondern auch politisch von oben Gewolltes und Kundenkritisches sowieso. Da protestieren die knurrenden Ingenieure und tun fluchend wie geheißen
(„das bringt alles durcheinander, so ein A….“). Lässt sich Produktionssoftware Politik gefallen? „Diese befohlene Änderung kostet zwei Millionen Schaden, bitte unterschreiben Sie hier mit Ihrem Blut und Ihrem Fingerabdruck für die Anordnung von technischem Unsinn, wir können auch schon einen Kostenvoranschlag für Ihre Bonuszahlungen schicken.“

So viele Managemententscheidungen lassen uns ja bekanntlich den Kopf schütteln. Es ist „unten“ oft von Totsparen, Ausbeuten, Auspressen die Rede. Was sagen die Algorithmen?
Ich habe in den 90er Jahren Abläufe in Firmen optimiert. Manche unserer Kunden lachten, wenn wir ihnen die optimale mathematische Lösung präsentierten; denn ihre jetzige Lösung war einige Prozent besser als das Optimum! Wir gingen diesem Widerspruch nach und fanden jedes Mal heraus, dass irgendwo „getrickst“ wurde, vom Management oder von den Ingenieuren. Das geht in der neuen Zeit nicht mehr so wirklich, oder höchstens vielleicht bei Abgasen, wenn sich alle einig sind. Man überlud Lastwagen beim Losfahren, löste manches Problem durch unbezahlte Überstunden, fuhr mit Tankwagen in der Sonne herum, damit sich das Benzin ausdehnte. Die Disponenten verteilten Aufträge heimlich an nettere Menschen. Etc. Heute erzeugt alles eine Datenspur, alles wird transparent! Alles wird Teil einer riesigen IT 4.0, die ein Unternehmen steuert.

Die muss jetzt langsam entstehen. Aber wie? Die IT-Abteilungen sind für Mails und SAP zuständig und sollen Kosten sparen. Die Ingenieure hassen die IT, weil die öfter ausfällt, was bei der Produktion graue Haare erzeugt – schon der Gedanke an Informatiker unter Ingenieuren lässt schaudern. Was, wenn die Roboter gehackt werden? Welche Aufgaben haben nun IT, Produktion und Management in dem Geflecht 4.0? Optimieren Algorithmen die unternehmerischen Entscheidungen? Verliert das Management an Macht? Wie sieht ein Unternehmen demnächst aus?

Der modulare Aufbau jeder ERP-Software entspricht heute der in vielen Unternehmen üblichen Organisationsstruktur. Klar! Wenn sich aber alles ineinander neu integriert – lässt sich das SAP denn so umdesignen, dass man es nicht neu schreiben muss? Oh, das alles sieht nach ziemlich vielen Geburtswehen 4.0 aus. Die müssen nicht schlimm sein, aber es wäre wenigstens schön, wenn man sich heute gedanklich auf eine Geburt und danach auf ein neues Kind gefasst machen würde.

„Das neue Kind 4.0 muss gewickelt werden und schläft nicht durch? Oh, dann lieber nicht.“

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www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Es muss unterschieden bleiben zwischen Kaufmännern, auch sogenannte Manager meinend, hier, bei – ‘schon der Gedanke an Informatiker unter Ingenieuren lässt schaudern’ -, musste Dr. W ein wenig schmunzeln, der Ingenieur bleibt allerdings subordiniert und Verfügungsmasse, dies ist sein Wesen.

    Die Trennung von Schichten bleibt wichtig.

  2. Lösungen vom Grünen Tisch,
    aus meiner eigenen Erfahrung als Lehrer kann ich sagen, dass von der Schulverwaltung aus, auch Optimierungsmaßnahmen getroffen werden.
    Das beginnt bei den Zeitvorgaben, in denen bestimmte Lernziele erreicht sein müssen, das geht über die Organistion eines Stundenplanes und endet in einem genauen Prozedere, wie Prüfungen zu organisieren und abzuhalten sind.

    Wer sich sklavisch an diese Anweisungen hält, erreicht das Pensionsalter nicht.
    Im Umgang mit Menschen lässt sich nicht alles von vornherein regeln, sondern man muss sich jeweils neu an die Gegebenheiten anpassen, die man vorfindet. Die Erfahrung lehrt, dass der Mensch, der vorort handelt, die optimalere Lösung hat.
    Jede Einmischung von außen verschlechtert das Gesamtergebnis.

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