Liebe ist wichtig, aber wo kommt sie her?

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Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
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Oft muss ich ein bisschen weinen. Ich hatte gepredigt, dass Vertrauen und Liebe so wichtig wären, auch Ehre und Dankbarkeit. Dann sagen so viele JA! JA! JA! und klagen sofort laut, dass es von all dem so wenig gäbe, vor allem für sie selbst nicht. Ach ja, das meinte ich nicht. Ich wollte nicht feststellen, dass ein Mangel herrscht, sondern aufrufen, ihn zu beheben.

Mit der Liebe zum Beispiel ist es wie mit dem Geld. Geld verdient man, indem man Werte erschafft. Das ist der einst hoch geachtete konstruktive Teil: Werte erschaffen. Dabei fällt dann als Nebeneffekt meist ein Gewinn ab, den man als Geld in der Tasche zurückbehält. Das Erschaffen von Werten ist das Eigentliche, der Profit das Sekundäre. Der Profit ist so etwas wie das Geld, das man zum Lohn für das Erschaffen von Werten ausgeben darf.

In manchen Zeiten wie auch besonders der heutigen verwechselt man diese Seiten des Geldes. Man bewundert denjenigen, der viel ausgeben kann, warum auch immer – ob er Glück im Spiel hatte oder geerbt. Der, der Werte erschuf, ist in den Hintergrund getreten. Das Verbrauchen von Werten hat mehr Aufmerksamkeit als das Erschaffen. Es ist Mode geworden, Werte vor dem Erschaffen zu verbrauchen – auf Kredit. Geld ist nie genug da! Nie!

Liebe auch nicht. Liebe muss erschaffen werden wie andere Werte auch. Jemand muss lieben! Streicheln! Schenken! Geben! Seelisch wärmen! Helfen! Bei dieser Erschaffung fällt als Nebeneffekt meist ein Gewinn ab, der als Dank, Gegenliebe, Verehrung dem Erschaffenden das Herz erfüllend zurückbleibt. Und oft wird in der heutigen Zeit das Lieben mit dem Geliebtwerden verwechselt. Wir bewundern diejenige, die geliebt wird, warum auch immer. Diejenige, die liebt, ist in den Hintergrund getreten. Wir wollen Liebe genießen, nicht so sehr erzeugen. Wir laben uns an Beispielen, wie jemand geliebt wird – nicht wie man lieben sollte. Wir verbrauchen Liebe wie Sozialvampire. Vampire trinken Blut, aber sie helfen nicht, welches zu erzeugen.

Ehre fehlt! Es gibt zu wenige, die sich für das Ganze und die Gemeinschaft einsetzen und Gemeinschaftswerte erschaffen. Für den, der das tut, bleibt meist ein Gewinn zurück, der ihm als Ehre zuteil wird. Aber alle wollen nur die Ehre, nicht das Erschaffen von Werten! Politiker wollen die Stimmen, aber nicht die Arbeit für das Land. Machtvampire, die Macht verbrauchen, aber nicht anwenden.

Wir messen den Manager nicht danach, was er erschuf – sondern nach dem Profit, der übrig blieb. Wir messen nicht das, was geleistet wurde, sondern das, was heraussprang. Wenn der Profit stimmt, schauen wir gar nicht mehr auf das, was geleistet wurde. Und weil darauf niemand mehr schaut, bleibt das an sich Erschaffene oder Geleistete ganz im Dunkeln, während sich der Profit im gleißenden Licht des Vordergrundes präsentiert. Und ich fürchte, das, was im Dunklen bleibt, verkümmert dort heimlich immer mehr.

Das Erschaffen bleibt im Dunkeln

Und das Gewonn’ne steht im Licht

Und man siehet die Gewinner,

Das Erschaffne sieht man nicht …

Licht! Licht! Auf die andere Seite das Licht!

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

12 Kommentare

  1. „Die im Dunkeln sieht man nicht“, heißt es im Brecht-Original
    – dazu fällt mir ein Experiment ein, das die Gestaltpsychologie begründete (Max Wertheimer, Wolfgang Köhler):
    Ein vollständig abgedunkelter Raum: ein leeres Kino, darin aber nur ein Stuhl – ein SingleHeimkino sozusagen. An die Wand gegenüber werden, in geringem Abstand voneinander, im Wechsel die Lichtpunkte zweier Stroboskope projiziert – stets auf dieselben Flecken in voller Schärfe, 20 cm voneinander entfernt.
    Im Experiment verstellt man immer wieder die Frequenz beider Stroboskope, hält sie fest und lässt dann wieder einen Probanden für eine Minute eintreten. Anschließend fragt man ihn was er gesehen hat. Bei allen „normalen“ Frequenzen lautet die Antwort: „zwei Lichtpunkte, die im Wechsel aufleuchten“. Bei bestimmten Frequenzen hingegen sagen die Probanden zuverlässig aus: „EIN Lichtpunkt, der auf der Wand hin und her wandert“.

    Woher kommt das Gespenst des hin- und herwandernden Punktes? Wieso dichtet unsere Wahrnehmung den Weg zwischen den Punkten hinzu? Kant würde wohl antworten, es seien die transzendentalen Bedingungen unserer Wahrnehmung.
    Aber was sagen wir heute?

    Manche vielleicht: „Liebe ist eine bestimmte Frequenz, romantisch betrachtet die Vereinigung zweier Pole zu einem Ganzen“.
    Andere werden sagen: „Es ist die Fähigkeit des Managers, die für ihn richtige Frequenz zu kommunizieren: den Erfolg des rechten Punktes genau auf sich, den linken Punkt, zurückzuverfolgen. Eine eindimensionale kausale Linie zu ziehen, wo keine ist. Und so dem linken Punkt den Erfolg zuzuweisen. Mit einemmal sieht der Punkt links dann größer aus als alle anderen…“
    Sicher fallen Ihnen viele andere Interpretationen ein. Zum SingleHeimkino z.B…

    Die Frage ist aber eigentlich: Wieso entstehen heute so wenige geniale, bahnbrechende Einfälle dieser Qualität? Und wieso geraten so viele vergangene in Vergessenheit? Vielleicht ist die Antwort: Wir leben in der falschen Frequenz. Zu hektisch, zu wenig „slow“. Wir sehen Licht wo keines ist, und das Dunkel nicht. Und so verharren wir im Umwissen über die Bedingungen unserer Globalen Verhältnisse….

  2. ja, sehr schlüssig, dieser artikel … und doch … bin ich unschlüssig … ob man das nicht auch anders sehen könnte.
    skeptischer.

    wiewohl derjenige, der der liebe mit skepsis begegnet, sich fast schon als ketzer fühlen muss.

    dennoch: wenn der a die b liebt wie keine zweite, ihr seine liebe anträgt, ja eventuell gar aufdrängt, sie umsorgt und womöglich gar anbetet – dann schenkt er ihr seine ungeteilte aufmerksamkeit. was bleibt aber all den anderen menschen übrig? er gibt seine ganze liebe für einen einzigen menschen aus!
    selbige frau b ist dann womöglich sehr reich, was liebe angeht. aber hat sie diese liebe überhaupt verdient? raubt sie diese liebe nicht allen anderen?

    ich habe den eindruck, in der heutigen zeit ringen die menschen weit weniger um das, was man früher liebe nannte, sie sehnen sich in erster linie nach aufmerksamkeit (dieses ringen mag auch darauf zurückzuführen sein, dass wir heute überwiegend in makrogesellschaften leben, nicht mehr wie früher in mikrogesellschaften).
    auch deswegen sind sie empfänglich für den eros des geldes: mit geld kann man sich aufmerksamkeit kaufen, wenn man sie anderweitig (aufgrund seines charakters, seiner ausstrahlung u.ä.) nicht erlangen kann.

    wiewohl das bild mit den liebesvampyren ohne zweifel seinen reiz hat: aber wenn man hier die berühmte hase-fuchs-populationskurve zum vergleich heranzieht, müsste sich auch in diesem fall immer wieder ein gleichgewicht einpegeln. gibt es zu viele vampyre, dann töten diese so viele “liebeshasen”, bis keine mehr übrig sind – und die vampyre nun ihrerseits dezimiert werden, bis wieder mehr liebeshasen nachgewachsen sind.

    ja mir kommen an dieser stelle geradezu komödiantische gedanken: in einer welt, die fast nur noch aus vampyren besteht, müssten die liebenden doch geradezu helden sein, superstars – und nicht, wie ich ihrer an sich schönen kolumne entnehme, diejenigen vampyre, die in die gnade gelangen, von einem der wenigen noch liebesfähigen geliebt zu werden? müssten dann nicht die vampyre ihrerseits anfangen, um die gunst des liebesvermögenden zu buhlen …? 😉

    @peter fink,
    ob wir zu schnell leben? gewiss drängt sich dieser eindruck auf. virilio schrieb einmal über den “rasenden stillstand”. und nicht zu knapp wurde in den letzten decaden über das entschleunigen philosophiert …
    dennoch habe ich mitunter den eindruck, dass ich damit nur meiner bequemlichkeit eine entschuldigung liefere – ich will diesen highspeedquatsch nicht mitmachen, weil ich in wahrheit nur zu bequem bin oder aber zu konservativ, weil ich glaube, meinen eigenen rhythmus gefunden zu haben, und alles, was von außen kommt und nicht kongruent ist, wird dann vollautomatisch als störend empfunden, und schlussendlich auch kritisiert.

  3. Um den Bogen zurückzubringen: Ja, Herr Glaukos, die Liebenden müssten in unserer Vampirgesellschaft geradezu Helden sein, wenn nicht ein völlig anderes Prinzip von „Heldentum“ unsere Zeit prägte: Das der Prominenz, der Erfolgreichen, der „Führungskräfte“ einer gewissen Gestalt.
    Schauen wir in die Medien. Hier geht es z.B. (a) um Umfragen, wie viel Prozent den Seitensprung bereits hinter sich haben (und um den Rest auch noch dazu zu bringen, liefert man zeitnah Berichte über biologische Gründe, weshalb Männer im Kern untreu sind;
    (b) sitzen z.B. bei „Wetten, dass…“ regelmäßig die prominenten Familienverlasser auf der Couch – ich möchte das nicht werten, aber was auffällt: nicht nur in dieser Sendung stellt ihr Promi-Status sie in einen Glanz über jeder andersmöglichen Wertung. Wie vertrauenswürdig sie sich doch präsentieren…vorbildliche (!) Unterhaltung. Die Wettclowns dürfen nicht auf die Couch. Dort sitzen die, die mit dem Flieger oder dem Maybach sich herbringen ließen, deren Nannies derweil daheim beim geschiedenen Partner, der gerade in einer anderen Talkshow parliert, die Kanten des Nachwuchses glätten. So werden Werte in die Gesellschaft transportiert.
    Auf der Autobahn sieht man dann Montags alle wieder in ihren Audis möglichst rücksichtslos rasen, auch wenn diese nur geleast sind – nur um mitzuhalten auf der Überholspur unserer Werte. Die Inhalte, die man bei der „Arbeit“ (kaum noch zeitgemäß, dieses Wort) erledigt, dienen dazu, diese Werte zu erhalten, zu mehren. Von A4 auf A5…bitte mit diesen neuen Scheinwerfern, die mich immer an die Boxautobuden auf der Kirmes meiner Kindheit erinnern. Wem bei diesem seltsam flimmernden Zauber nichts an Werten fehlt, der soll bitte mitmachen. Einen anderen Weg gibt es dann wohl nicht.

    Ich erinnere mich an eine interessante Aussage, die ich von einer Studienkollegin Boris Palmers aufschnappte, nachdem dieser zum OB gewählt wurde: „Der Boris hat jetzt ausgesorgt, er hat’s geschafft“. Das klang neidisch. Der Satz bezog sich bei Rückfrage auf die Gehaltsstufe des OB. Ja, ich glaube er hatte es in dieser Gesellschaft „geschafft“, als er OB wurde. Bereits da. Nun lässt Herr Palmer, der mal dagegen war, uns ein neues ineffizientes Braunkohlekraftwerk in Brunsbüttel bauen…

    Ist es nicht schade, dass all dies dazu führt, dass das Vertrauen in die Gemeinschaft verloren geht? Bei einer Silvesterumfrage des Schwäbischen Tagblatts hat sich die Mehrheit auf die Frage, auf was man noch vertraut, nur mehr über das engste private Umfeld positiv geäußert.

  4. “-schaft”

    oja, herr fink,

    ich möchte fast zynisch werden und anmerken, dass man nur einem rundheraus vertrauen kann: dem misstrauen.
    sie skizzieren in meinen augen ein gesellschaftsbild, in dem die gesellschaft sich auflöst, zum irgendetwas verkommt, zur puren, nackten “-schaft” womöglich.

    es wäre aber auch denkbar, dass das vertrauen/misstrauen seinerseits in zyklen abläuft, kurven beschreibt, die dem sinus/cosinus verwandt sind, und in der krisis wird die “-schaft” wieder zurückgezwungen in die “gesellschaft”, das wäre doch denkbar?

    dass die gesellschaft einige wenige prominente mit sonderrechten ausstattet, überrascht mich nur wenig – es ist schon immer so gewesen. parallelen zum ameisenstaat kommen mir in den sinn, auch dort gibt es nur wenige königinnen, und die wenigen, die es gibt, liegen ständig im clinch miteinander. wie wäre auch eine gesellschaft ohne prominente mit sonderrechten denkbar? ich träume mitunter von einer hierarchie, in der nicht “autorität” bzw. autoritäres gehabe dem einzelnen den aufstieg bis ganz nach oben erlaubt, sondern “kompetenz” …

    … aber um solch eine hierarchie zu etablieren, müsste der mensch sich wohl neu erfinden. es ist, nehmen wir beispielsweise ein bewerbungsgespräch, meist erfolgreicher zu sagen: ich bin besser als alle anderen, als zu erklären: ich habe die fähigkeiten, diese aufgabe(n) erfolgreich zu erfüllen.
    zwar mag es nischen geben, wo bescheidenheit und konzentration auf das wesentliche bevorzugt werden, aber diese sind m.e. in der minderzahl …

  5. Gunter Dueck

    Sehr verehrter Herr DUECK,Ihr Artikel ist eine MEDITATION.
    Oft spendet man uneigennützige platonische Liebe;sellten wir sie erwiedert. Doch mit Geduld kommt diese oft verkannte Liebe unerwartet aus ganz anderen Ecken wieder zurück.
    Ein gesegnetes Neues Jahr!
    Olga Potuzhek aus Wien. Meine E-Mail:o.potu@aon.at

  6. Reflexion bitte…

    Lieber Herr Glaukos,

    am besten versuchen wir einmal gemeinsam, die Dinge zu ordnen, um auf eine Basis zu kommen. Ich fange mit einer (meiner) Zusammenfassung an:

    Die Diskussion startete mit Herrn Duecks wohlmeinendem Aufruf, lieber richtig zu messen – nämlich nicht nur wie heute üblich den Profit, sondern auch das, was durch gemeinsame Arbeit – als Gemeinschaftswert – erschaffen wurde.
    Das Anfangsproblem war also, wenn ich es so ausdrücken darf, die heutige Zockerei mit Werten auf Pump, bei der die Schaffung von non-profit-Werten leider im Dunkel bleibt und nur die ausschlachtbare Seite übrig bleibt.
    Herrn Duecks Vorschlag war, die Lampe lieber vermehrt auf das in der gesellschaftlich gewohnten Wahrnehmung vergessene, nämlich den erschaffenen Wert zu richten. Denn es gibt keine Liebe ohne Liebenden…

    Meine Idee war, mit dem (einst) in Psychologen-Kreisen bekannten Stroboskop-Experiment ein Beispiel darzustellen für die Werte, die messbar sind, aber vergessen wurden: nämlich z.B. den Wert, Klarheit über die feinen Bedingungen unserer Wahrnehmung, über die menschliche Gestaltungsmacht zu bekommen. Die Ergebnisse des Experiments finde ich interessant, auch weil sie einen Blick auf unser aller Schwäche werfen, nämlich Vorgänge rein augenscheinlich anders (falsch) miteinander zu verknüpfen, als dies bei Kenntnis der Voraussetzungen geschehen würde. Wir sind auf’s Reflektieren angewiesen, um zu erkennen…Und genau dies sollten wir m.E. mit dem Proftdenken veranstalten: Reflektieren, warum… und ob es künftig ausreicht, gebannt den künftigen Profit an die Leinwand als Ppt-Vortrag projiziert zu sehen. (Wie viele haben eigentlich nicht an die Bilder der Waffen-Tieflader Saddam Husseins geglaubt, als Powell diese dem UN-Sicherheitsrat vorführte)

    Ihre Replik ging dann eher auf Herrn Duecks polemisches Wort der Sozialvampire ein, eine mit statistischem Wissen über die Populationskurven von Tieren angereicherte Antwort.

    Meine Antwort zielte auf die Voraussetzungen, unter denen die Hase-Fuchs-Populationskurve anwendbar ist: nämlich nicht gerade auf Wesen, die leider sehr stark von Medien-Gaukeleien und Heldenbildern beeinflusst werden. (Wie viele haben eigentlich – abgesehen von Frau Merkel – nicht an die Bilder der Waffen-Tieflader Saddam Husseins geglaubt, als Powell diese dem UN-Sicherheitsrat vorführte. Die Konsequenzen des Aufwachens aus solchen Falschinformationen, die uns leider gehäuft begegnen – die Bush-Administration war dabei vorbildhaft – führten zu dem akuten Vertrauensverlust. Liebe Leser, reflektieren, bitte!)

    Mittlerweile sind wir mit Ihrer Antwort bei den Ameisen und dem Sozialdeterminismus (Zyklen) gelandet. Weit ab vom Ziel, wie mir scheint.

    Zyklen begegnen uns täglich, allerdings bedarf es, um sinnvoll über eine zyklisch verlaufende Bewegung (wie komplex auch immer) reden zu können, doch zumindest der Kenntnis eines vollständigen Zyklus, wie sonst wollen Sie die Amplituden und die Frequenz bestimmen?
    Mir ist kein vergangener Zyklus bekannt, der je von „Gesellschaft“ (maximum) über das, was Sie „nackte „-schaft““ nennen (minimum), zurück zur Gesellschaft führte, und uns als Beispiel dienen könnte.
    Können Sie mir einen Zyklus-Prototypen nennen?

    nun können Sie, lieber Herr Glaukos, gerne die Zusammenfassung aus Ihrer Sicht ergänzen, damit wir weiterkommen.

    Viele Grüße

    Peter Fink

  7. Lieber Herr Fink,

    ich wollte Sie von ihrem Ziel nicht weiter entfernen, folglich tut es mir Leid, dass ich offenbar dennoch eine solche zusätzliche Entfernung hervorgerufen habe.

    Allerdings pflege ich bis zum heutigen Tag in Kommentaren auf alle einzelnen Beiträge zugleich zu antworten, und nicht immer einzeln den Adressaten zu @-markieren. Zudem entwickeln die meisten Web-Threads, sofern sie nicht zu dialogischen Wortgefechten zweier (Streit-)Hähne verkommen (was im Web wahrlich keine Seltenheit ist), zu sehr komplexen Sinngebilden. Umso ehrenwerter ihr Versuch, die verwirrten Fäden wieder zu trennen.

    Zu ihrer Nachfrage:
    Wenn ich von Zyklen schrieb, die sinus-bzw.-cosinus-ähnlich auf- und abschwingen, dann war das gewiss nur das einfachste Schema, die Realität bringt in gesellschaftlichen Prozessen gewiss auch Zacken hervor, und scheut die stete Kurve.

    Doch dass innerhalb von beispielsweise Staaten, aber gewiss auch Firmen, Familienunternehmen, Fußballvereinen etc. die Gesamtausrichtung mal latent konservativ, dann latent innovativ geprägt ist, dürfte fast schon ein Gemeinplatz sein. Nicht nur in den USA ‘zykliert’ man spätestens nach drei Regierungs-Amtszeiten zur anderen Seite zurück, und auch in Deutschland schwingt das politische Pendel konsequent von rechts nach links und wieder retour.
    Nun könnte man den Transfer wagen und erklären, ein Super-Faschismus inkarniere sich in der “-schaft”, ein gemäßigtes, auf Ausgleich bedachtes politisches System entspräche der “Gesellschaft”, und die wahrhaft liebevolle, gutmenschenhafte, sozialistische Variante bildete dann die “Gemeinschaft” ab.

    Was das weltweite System anbelangt, kann man folgendes konstatieren: nach einem jahrzehntelangem Ringen zwischen Kapitalismus und Sozialismus hatte ersterer gesiegt, um sich schließlich am eigenen Erfolg zu verschlucken. Mit der Folge, dass das Pendel wieder zur anderen Seite hinüberzuschwingen scheint …

    Entschuldigen Sie, dass ich nur auf diese eine Frage von Ihnen eingehe, nicht auf ihr gesamtes Posting. Das mit der Reflexion … habe ich nämlich noch immer nicht ganz verstanden. Es erinnert mich eigentlich nur daran, dass ab einer gewissen Bilder-pro-Sekunden-Zahl eine Abfolge von Einzelbildern zum Film verschmilzt. Aber welcher Film ist überhaupt wirklich ein Film, könnte man dann doch auch fragen? Man müsste nur genauer hinsehen oder mehr Beobachtungszeit besitzen, eine größere Gehirnkapazität, und schon wären die Bilder wieder Standbilder …

    beste Grüße,
    Tolya

  8. Nun denn, Herr Glaukos,

    Ihre Zyklenbetrachtung hinkt gewaltig:

    dass in den USA “spätestens nach 3 RegierungsAmtzeiten” die andere Partei regiert, ist schlichtweg falsch: Z.B. die Kette Grant – Hayes – Garfield – Arthur…und das ist nicht die einzige, die länger ist!

    Wie finden Sie’s übrigens, dass in Baden-Württemberg und in Bayern seit dem Krieg stets konservativ regiert wird? Ist das nicht auch Deutschland? – Erklärung???

    Die These vom “zyklischen” Wahlverhalten in den USA kenne ich übrigens aus der Literatur nur zu den Ergebnissen der Midterm-Kongresswahlen. Und dafür, dass hier i.d.R. gegen die Präsidentenpartei gestimmt wird, gibt’s viele ganz plausible, rationale Erklärungsmodelle, die mit dem Schwingen eines Pendels von konservativ zu innovativ, von Demokrat zu Republikaner nichts zu tun haben – (“Schaffen einer Gegenmacht im Kongress”, “bedingte Entscheidung”).
    Dieses Beispiel hätte als Argument für mich in unserem Zusammenhang etwa den Wert des Satzes “bei Regen nehme ich den Schirm mit”. Das war demnach sicher nicht die Art Zyklus, nach der Sie suchen.

    Die Bezugnahme auf Fußballvereine, Familienunternehmen finde ich sehr, sehr unpassend. Wo haben Sie hier bitte je einen Zyklus erkannt???

    Und wo, bitte, schwingt das Pendel heute vom Kapitalismus weg?
    Meinen Sie, die Notverstaatlichung von Unternehmen sei bereits der Weg zum Sozialismus??

    -Falls Sie nicht wissen, was Reflektieren heißt: Ich habe gerade Ihre Argumente reflektiert…und das hatte nichts mit einem streaming-Video zu tun.

    Viele Grüße

    Peter Fink

  9. dreifragezeichen

    mein lieber HErr FInk,

    es tut mir leid, Sie wiederholt zu drei fragezeichen gezwungen zu haben, das war nun wirklich nicht intendiert, ich wollte sie gewiss nicht zu derlei emotionalen offenbarungen provozieren.

    Sie habe gewiss in allen punkten recht und ich unrecht.

    ich danke Ihnen für die intensive auseinandersetzung, und das beflissene vorbringen von gegenbeispielen.

    in einem punkt aber werden Sie mich hoffentlich nicht wiederlegen: dass ich selbst, als person, eben solche zyklen beschreibe. unwillentlich. dieses argument werden Sie mir nun hoffentlich nicht auch noch nehmen wollen 😉

    achja, der fussball: wiewohl ich dazu keine statistik vorliegen habe, meine ich z. b. doch mutmaßen zu dürfen, dass sehr oft nach einem alten hasen ein jungspund in das amt des trainers berufen wird … aber sicherlich gibt es auch ein schickes gegenbeispiel dazu … mir fehlt leider die zeit zur statistischen prüfung …

    ich schließe mit einem dreifach herzlichen ‘bleiben Sie fröhlich’ 😉

  10. eine wenigstens, nur für Sie, herr FInk

    eigens subsummiert:
    die us-präsidentschaften in legislaturen seit 1804 – wie viele legilaturen hatten demokraten oder republikaner hintereinander? man erhält folgendes ergebnis:

    1 leg: 6
    2 leg: 5
    3 leg: 2
    4 leg: 4
    5 leg: 2

    macht insgesamt 48 legislaturen.
    wären die wahlen nun münzwürfe oder roulette-rot-schwarz-entscheidungen, sollte idealerweise etwa das herauskommen:

    1 leg: 24
    2 leg: 12
    3 leg: 6
    4 leg: 3
    5 leg: 1.5

    (oder?)

    allerdings ist das seeeehr sehr dünn von der datenmenge. es darf aber doch gemutmaßt werden, dass “solitär-legislaturen” eher die seltenheit sind.
    (was in der BRD seine entsprechung hat und, wenn ich mich nicht irre, auch in den letzten jahrzehnten in großbritannien.)

  11. Geld oder Liebe oder was?

    Was bedeutet eigentlich der Satz: ‘Geld oder Liebe?’ Das heißt wohl im Klartext:
    Je weniger Geld man hat, desto mehr Beziehungen muß man haben.

    Der Gemeinschaftssinn kommt m.E. hautzutage zu kurz, weil die Großfamilien und Nachbarschaften zerfallen. Dahinter stecken inzwischen wohl Verteilungskämpfe, Sozialneid, Überlastung des Einzelnen und der Kleinfamilien und die immer schwierig werdende wirtschaftliche Lage.

    Das Gute an Notzeiten ist, dass die Menschen dann wieder zusammenwachsen. Mal schaun, ob’s funktioniert.

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