Kernkompetenz Propathie

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Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
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Wenn wir die Gefühle von Menschen verstehen können und mit ihnen positiv umzugehen verstehen, dann billigt man uns die Fähigkeit der Empathie zu. Empathische Menschen wirken nett und sind oft beliebt – sie kränken und brüskieren uns nicht. Es gibt eine andere Fähigkeit, nämlich die Geschäftsprozesse des Unternehmens einfühlend zu behandeln. Sie heißt Prozess-Empathie oder kurz Propathie. Die sollten Sie haben!

Empathische Menschen spüren die Gefühle anderer, sie verstehen deren Absichten, wissen, was diese antreibt, aus welchen Prinzipien oder Impulsen heraus sie denken – kurz, sie können sich in andere Personen oder Persönlichkeitsstrukturen einfühlen. Dadurch kommen sie mit anderen Menschen viel besser klar! Empathische Menschen sind zu einem Perspektivwechsel fähig, sie können sich in den anderen hineinversetzen und die Welt aus seiner Perspektive heraus empfinden, fühlen und mitdenken.

Die Fähigkeit der Propathie bezieht sich nun analog auf Unternehmen und Institutionen oder allgemein auf Systeme. Propathische Menschen besitzen eine feine Kenntnis der Geschäftsprozesse sowie der unausgesprochenen Gesetze und kulturellen Regeln. Propathen können aus der Perspektive der Firma heraus sehen und agieren. Sie verstehen, wie „die Firma tickt“. Wie tickt sie? Einmal ist die Firma steif und fast handlungsunfähig, dann wieder wird sie wild impulsiv und risikosüchtig. Die Firma ist immer öfter launisch und in diesen Zeiten nicht mehr so lieb zu allen Mitarbeitern wie früher. Propathische Menschen haben dafür einen feinen Sinn. Sie verstehen so sehr viel von den inneren Prozessen der Firma und ihren diversen Unpässlichkeiten und verborgenen Problemen, dass sie fast mühelos auf der Klaviatur der Prozesse und Methoden ihre Arbeitserfolge erringen, auf jeden Fall aber eigene Beförderungen erreichen.

Denn die Systeme lieben ihre Propathen, so wie die Menschen ihr empathisches Gegenüber.

Empathie ist eine Fähigkeit des Menschen. Fähigkeiten erlauben es, Ziele besser zu erreichen. Wenn das zum Beispiel böse Ziele sind, helfen die Fähigkeiten natürlich auch. Empathie kann zu Manipulation der Gefühle missbraucht werden, auch zum Aufpeitschen von Neid, Hoffnung, Reichtumsphantasien, Lust, Angst oder Hass (schauen Sie einfach ins TV-Programm). Genauso ist das bei der Propathie auch. Manager, die die Prozesse gut verstehen, befolgen sie nicht einfach, sondern kämpfen durch sie gegen Unkundige oder Naive, „die sich brav an die Prozesse halten“. Der absichtliche Missbrauch der Prozesse durch manipulative Propathie heißt Psychopropathie.

Kennen Sie Psychopropathen? Zahlenfalschausleger, Informationsverschleierer, Dringendmacher, Schlechtwetterankündiger, Schönwettervisionisten, Brautschmücker, Begeisterungsauspeitscher?

Es gibt so viele erfolgreiche Psychopropathen! Die werden von normalen Mitarbeitern mit verzweifelt hilflosen Gesten vor allem vor den Kaffeeautomaten durchgehechelt (deshalb sind Kaffeeautomaten den Psychopropathen ein Gräuel). „Es kann doch nicht sein, dass wir das Projekt einstellen müssen, weil wir …“ – „Das darf doch nicht wahr sein, da fehlt jede Logik…“ – „Die da oben sind irre, erst so, dann wieder ganz anders…“ – „Ich frage mich jeden Morgen, warum wir so hohe Gewinne machen. Irgendwann kommt es heraus, was, weiß ich nicht.“

Die meisten von uns reden jeden Tag für einen Kaffee lang so etwas. Wissen Sie, woran das liegt? Wir haben fast alle von Propathie keine Ahnung! Fast alle von uns sind Dyspropathen. Wir scheitern an den täglichen Prozessattacken auf uns, die uns zermürben. Wir kommen mit der launischen Firma nicht klar, die von sich selbst behauptet, sie sei streng prozessorientiert oder prozessgetrieben – und sonst nichts!

Was können wir tun? Wir müssen alle Propathen werden. Dann kommen wir mit unseren Systemen besser klar und wir können Psychopropathen besser abseits pfeifen. So wie es bei Empathie auch ist! Empathische kommen auch klar! Wenn Empathische die Gefühle anderer mitempfinden können, werden sie sich auch langsam zu solchen Mitmenschen gesellen, bei denen das Gefühlmitempfinden eher befriedigend ist und nicht nur notwendig, weil wieder grässliche Probleme im Raum stehen. Gute Propathen können das auch! Einfach dort arbeiten, wo Propathie ein Quell der Freude ist. Und vielleicht, wenn wir immer mehr Propathen unter uns haben, erfinden Management-Gurus endlich das selbstpropathische Unternehmen, das so tickt, wie es aus Sicht eines normal grundverständigen Menschen ticken sollte. Dann verstehen wir unser selbstpropathisches Unternehmen! Das selbstpropathische Unternehmen ist bei uns beliebt! Herrlich! Das Arbeiten wird so einfach sein und so glücklich machen wie das Führen unserer eigenen Ehe.

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

5 Kommentare

  1. @MB

    Ich mache mich wohl selbstständig und gebe Kurse! Verwaltungsliebe ist schwer zu erlernen, das kostet dann hohe Gebühren – und ich übernehme keine Erfolgsverantwortung.

  2. haben sie schon einmal…

    in einem unternehmen gearbeitet? für längere zeit?

    sry, aber ich verstehe ihren text nicht.

    es ist also meine aufgabe, die für mich idiotisch erscheinenden entscheidungen des managmentens irgendwie zu -pathisch zu verinnerlichen?

    und ich muss mich nur dem system anpassen, dann wird alles gut? statt dass system an mich (bzw. die menschen) anzupassen?

  3. Ich bezweifele mal, dass eine Firma an sich tickt, sie tickt eher nach den Tickern der Leute, die sie antreiben. Die Prozesse und Regeln sind eher eine Umgebungsbedingung ein Mittel zum Zweck, die die Antreiber nutzen, wenn sie ihnen nützlich erscheinen.

  4. metaTransfer & Rekursion

    … gell, Sie selbst sind leider nicht wirklich ‘propathisch’, Herr Dueck?! denn wären Sie es, dann wären Sie tatsächlich in harmonie mit dem systemganzen (und hier übergehen wir einmal, dass das systemganze in sich selbst stets völlig widersprüchlich & inkonsistent ist, wie ja auch unsere individuelle laune stetig wechselt), dann müssten Sie es auch nicht ihrerseits mit innovativen vorschlägen zu verändern suchen, wie Sie es ja tun mit sprüchen wie “wir müssen …”
    wir müssen?
    auch hier hake ich nach:
    ein propathiker muss?

    jede wette, würde ein emphatiker seine emphatie leben mit einem innerlichen “ich muss empathisch sein”, dann wäre seine empathie höchstens noch die hälfte wert.

    ich subsummiere: Ihrer meinung nach ‘müssen wir uns anpassen’ an das systemganze. klingt zum einen nach einem befehl zum kollektiven spießertum, zum anderen nach darwinismus.

    das du(e)ckmäusertum in ehren, aber einer nur in die mitte der gleichheit strebende spezies gingen viele potentiale verloren, die gerade durch reibung, anderssein, widerstand etc. erst entstehen können.

    und doch, amüsierte grüße! denn ernst gemeint ist diese kolumne ja sicherlich nicht 😉

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