Hundemarken für Wissenschaftler?

Die Digitalisierung verlangt eine Identifikation, das denke ich schon immer. Nun ist mir wieder einmal ORCID „über den Weg gelaufen“, weil sich gerade Institutionen und Bibliothekare streiten, ob nun alle Forscher oder gar Menschen eine ORCID haben sollten oder nicht. Meine Frau ist ja Bibliothekarin und hat eine verächtliche Bemerkung aufgeschnappt. Jemand schnaubte: „Sollten Wissenschaftler eine Hundemarke tragen wollen?“ Deshalb wärme ich das Thema einmal auf.
Die Open Researcher & Contributor ID soll helfen, einen Forscher eindeutig zu identifizieren. Bei mir geht das Identifizieren ganz gut, weil mir bis heute kein anderer Gunter Dueck begegnet ist. Ich finde meine Publikationen im Netz ohne Probleme. Bei Google Scholar werden gefühlt gut 500 Einträge von mir aufgeführt, die alle von mir zu sein scheinen. Hoffentlich stimmt das alles so, es gab nämlich besonders früher und auch noch bis heute die Unsitte, den Vornamen auf wissenschaftlichen Aufsätzen abzukürzen. Da bin ich nur G. Dueck. Ja, Pech – davon gibt es dann doch wieder so einige (Dueck ist eine deutsche Form vom holländischen Dyck, wie „vom Deich“, in Holland ein Name wie Müller oder Schmidt). Wer hat sich das Abkürzen bloß ausgedacht? Es müssen Biochemiker oder Astronomen gewesen sein, weil dort das ganze Labor oder die Galaxie Mitautor sein kann und dann die Titelseite zu lang wird. Bei Mathe ist es schon schwach verdächtig, wenn es zwei Autoren sind – da kann doch wohl nur einer von beiden den echten Einfall gehabt haben?
Egal. Schon die Suche nach den Werken meiner Tochter Anne stellt sich als schwierig heraus. Wir kannten bei der Wahl dieses schönsten Vornamens die Problematik noch nicht. Anne Dueck gibt es öfter auf der Welt… Stellen Sie sich nun vor, sie heiratet und nimmt einen anderen Namen an (nur mal vorgestellt!), dann findet man nichts mehr richtig, ohne ihre Biografie zu kennen.
Und das sind nur Miniprobleme. Leiden Sie doch einmal mit, wenn jemand Peter Müller oder Maria Schneider heißt. Haben Sie verstanden? Nein, immer noch nicht. Es gibt wohl je (!) einige zehn Millionen Menschen, die Lee, Zhang oder Wang heißen, Singh kommt auch so oft vor oder Nguyen… Schon allein im Institut meiner Frau gibt es „Doppelte“ und sie muss stets nachfragen, was nun von wem ist, wenn der Institutsjahresbericht korrekt werden soll.

Wäre das nicht fein, wenn wir alle eine ORCID neben unserem Autorennamen angäben? Auch „nichtwissenschaftlich“? Für Journalisten, Blogger, alle? Ich für mich denke, dass es noch so um die 100 kleine Artikel im Internet gibt, die ich hier und da gepostet habe. Die sind für meine Werksammlung „verloren“ oder ich muss Buch führen. Ich habe einige Zeit die „Belegexemplare“ als Print im Keller gesammelt, die blättere ich aber doch nie mehr durch. Die sind für die Biographie „weg“. Sollten wir nicht auch alle Blog-Beiträge mit der ORCID kennzeichnen? Unsere Fotos auf Flickr und Instagram? Na, Hetzbemerkungen am besten auch…

Und da schimpfen Leute, wie gesagt: „Ich will keine Hundemarke tragen! Dann kann ja jeder sofort surfen, was mit mir zu tun hat! Soll ich den Spionen in die Hände spielen?“ Ich weiß, Leute, aber trotzdem: ORCID.

Ihr Gunter Dueck,
http://orcid.org/0000-0003-1800-9700
oder mit Google-ID:
https://scholar.google.de/citations?user=w-ItbssAAAAJ&hl=de

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

13 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. In einer dezentralisierten Welt, in der Finanzdienstleister (aber auch Uber u. AirBnb) durch Blockchain gesicherte Verträge zwischen Einzelpersonen ersetzt werden, ist eindeutige Personenidentifizierung zentral um Betrug zu verhindern. Mit andern Worten, eine ORCID-artige Identifizierung braucht es nicht nur für Wissenschaftler, sondern für alle, die Geschäfte mit Partnern eingehen, die sie vielleicht nur übers Internet kennen. Wenn nicht mehr Airbnb den Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten überprüft, weil Airbnb durch Person-to-Person (das neue Buisness to Buisness) Beziehungen und Verträge abgelöst wurde, dann muss ich Vertrauen darin haben, dass die andere Person wirklich existiert und sie mit ihrem Namen haftet. Die Frage ist nur ob dazu eine Kennummer genügt oder ob man sich dafür letzlich chippen muss, also ob man eine Hundemarke durch einen Hundechip ersetzen muss.
    In China dient die Sozialnummer der Personenidentifikation. Diese wird auch für das geplante Social Credit System verwendet. In Shanghai läuft unter dem Titel “Ehrliches Shanghai” gerade ein Testlauf zum Social Credit System, welches alle Chinesen aufgrund ihres Verhaltens ein Rating zuordnet, welches mit AAA (Superkerl) beginnt und bis zu C (Oberpfeife) oder noch tiefer hinuntergeht. Auch bei diesem “Social Credit System” ist die Identifikation entscheidend, denn ein mit “C” qualifizierter kann weder ein Flugzeug noch einen Schnellzug betreten und umgekehrt erhält ein AAA-Typ sehr viele Gratisdienstleistungen. Nichts würde gegen die Idee des “Social Credit” mehr verstossen als eine Identitätstäuschung. Eine eindeutige Identifizierung von Personen wird also immer wichtiger, gerade wenn sich Systeme wie “Social Credit” weltweit verbreiten.

  2. Zur Klarstellung v.a. im wissenschaftlichen Bereich: Als Researcher muss man sichtbar und eindeutig identifizierbar sein, sonst wird’s schwierig mit der wissenschaftlichen Karriere. Dabei unterstützen verschiedene Systeme. Die ORCiD ID ist das System mit der weitesten Verbreitung, unabhängig von einem Verlag/Medienhaus und offen. Damit ist es das aussichtsreichste System. Die DFG fördert das Projekt ORCiD-DE http://www.orcid-de.org/

    Über andere “Contributor”en kann ich nicht sprechen.

  3. Wäre das nicht fein, wenn wir alle eine ORCID neben unserem Autorennamen angäben? Auch „nichtwissenschaftlich“? Für Journalisten, Blogger, alle?

    Sofern dies freiwillig geschieht, schon.
    Ansonsten nicht.

    Witzigerweise ist es ja in der Diskussion pseudonyme und anonyme Nachricht im Web nicht mehr zuzulassen. Was allerdings ein Schlag ins Kontor der Webkultur wäre. – Und sich insofern so nur von Noobies ausgedacht werden konnte.

    Ansonsten, rein fachlich, sind IDs natürlich eine feine Sache. Nicht ganz unproblematisch sind natürlich die Identifizierungsverfahren, die Identität sicher stellen müssen, um dann authentifiziert, letztlich autorisiert beitragen zu können.
    Kostet auch ein wenig.

    Randbemerkung :
    IDs sollen keine Information tragen außer eben den ID-Code.

    MFG
    Dr. Webbaer

  4. Dr. webbaer,
    …….weltoffen nur mit ID,
    Im Mittelalter reichte es, wenn man die Leute mit dem Vornamen kannte. Dann führte man den Nachnamen ein. wenn Sie heute in ein Krankenhaus gehen und Müller heißen, dann kann es vorkommen, dass Ihnen hinterher der Blinddarm fehlt, obwohl sie doch die Polypen entfernt haben wollten.
    Ich denke, wir müssen langsam umdenken und uns mit der ID anfreunden. (zumal die biometrischen Daten ja sowieso auf Vorrat gespeichert werden)
    Schluss mit der Geheimnistuerei, wenn unser KFZ ein Nummernschild trägt, dann möchte ich auch eines.

    • Bei Ihrem Output, Kommentatorenfreund ‘Bote17’, wollen Sie womöglich keine Identitätskennzeichnung, jedenfalls keine eindeutige.
      >:->

      Dr. W natürlich auch nicht.

      Die Namensgebung ist ein interessanter Punkt, einerseits dient sie der Identifikation, andererseits auch der Nachricht, Personennamen werden traditionell nicht ohne Grund vergeben, Eltern wissen dies, Kinder könnten dies wissen. – Namen tragen Bedeutung.
      Die Namensgebung Personennamen meinend ist dann sozusagen evolutioniert, der Nachname kam hinzu, am Rande notiert: in Island gibt es ihn bis heute nicht, hier wird schlicht der Name des Vaters, wenn das Kind männlich ist, vergeben und andernfalls der Name der Mutter, mit den Suffices ‘-son’ und ‘-dottir’ versehen.
      Der Nachname sollte die Identifikation erleichtern, zusammen mit dem Geburtsdatum ist er vglw. eindeutig, wenn nicht gerade ‘Bernd Schneider’ geheißen wird.
      Ihren Höhepunkt erreicht diese Entwicklung heutzutage, wenn IDs vergeben werden, wiederum Personen meinend.
      IDs zu vergeben ist eine Kunst für sich, jedenfalls wenn sie eindeutig sein sollen, insofern liegt hier ein Produkt der IT vor.

      Im Mittelalter gab es natürlich keine Nachnamen.

      MFG + schöne Woche noch,
      Dr. Webbaer

    • Verwechslungen bei chirurgischen Eingriffen kommen auch immer wieder vor – allerdings ist das nicht nur auf Personenverwechslungen sondern auch auf Seitenverwechslungen zurückzuführen.
      Eine radikale Lösung äre die Implanation eines Chips in jeden Patienten wobei der Chip nicht nur die Identität, sondern auch Befunde, Diagnosen etc speichert oder mindestens verlinkt.

      • @ Herr Holzherr :

        Eine radikale Lösung [w]äre die Implan[t]ation eines Chips in jeden Patienten wobei der Chip nicht nur die Identität, sondern auch Befunde, Diagnosen etc speichert oder mindestens verlinkt.

        Würde allerdings eine chirurgische Handlung benötigen, die nicht jeder Patient mag.
        Es genügt die Erfassung geeigneter biometrischer Merkmale in wiederum geeigneten Datenbasen, die öffentlich bereit gestellt werden könnten, geeignet implementierte Sicherheit vorausgesetzt.
        Im Sonderfall kann nur der Patient selbst auf diese öffentlich gehosteten und verschlüsselten Datenbasen zugreifen, was seine eigenen Daten betrifft.
        Wobei natürlich (Rechte-)Abstufungen und die Anonymisierung der Daten für statistische Zwecke möglich bleibt.

        Diese “Chip-Geschichte” klingt (einigen) zwar stringent, ist aber nebenlösig und suboptimal.

        MFG + schöne Woche noch,
        Dr. Webbaer (meine Fresse!, Webbaeren dürfen so etwas schreiben, ist es in der BRD heute auch so warm?)

        • Nun, reiskorngrosse RFID-Chips werden zur Markierung von Hunden verwendet. Das erlaubt die eindeutige Identifiziuerung jedes gefundenen Hundes, der so markiert ist.

  5. Martin Holzherr,
    ………Ohrmarke,
    für Frauen gibt es die in Modefarbe mit oder Ohne Diamant, für Männer einfarbig grau, nur die Größe ist frei wählbar.

    Dr. Webbaer,
    ……..Ende der Individualität,
    wenn es nicht so ernst wäre, könnte man darüber lachen. Die digitale Erfassung des Menschen ist so umgreifend, dass nur noch wenig Raum für Individualität bleibt. Gerade habe ich das Buch gelesen: Tales of the Country Eccentrics. Da werden englische Originale beschrieben und deren Lebenslauf. Vor einem Monat war ich selbst in Südengland und geniese immer wieder die Lebensart der Engländer. Obwohl man sich in London immer mehr an George Orwell erinnert, in den englischen Kleinstädten findet man noch die originäre Denkweise dieser Menschen.

    • Die Individualität ist durch eindeutige Identifzierung nicht direkt gefährdet (echte Exzentriker brauchen keine Anonymität). Indirekt gefährdet die Identifizierbarkeit aber die Individualität doch, nämlich über all die Daten, die mit einer Personenidentität verbunden sind und die in unserer Welt nicht nur für besser passende Werbung sondern auch für versteckte Belohnungen und Bestrafungen benutzt werden. Die totale Transparenz aufgrund von endlos detaillierten Daten ist eine Gefahr für jeden Einzelnen. Es bedeutet, dass jeder mit dem Zugriff auf diese Daten (fast) alles wissen kann was es überhaupt über eine Person zu wissen gibt. Und das spielt eine eminente Rolle bei jeder Bewerbung, jedem Versicherungswechsel, jeder neu aufgebauten Beziehung. Ein Vergessen gibt es nicht mehr und einen Neuanfang nur für die Person, die es sich vorgenommen hat, nicht aber für alle anderen, die Zugriff auf die ganze Historie einer Person haben.

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  7. Martin Holzherr,
    …….Individualität,
    Privatsphäre hätte vielleicht besser gepasst. Ich bleibe optimistisch.
    Bald wird es Aps geben, die genau die Daten löschen können.
    wenn die Anzeigen bei Bahnhöfen gestört werden können, dann dürfte es bei entsprechender Bezahlung auch möglich sein, Personendaten zu löschen. die Privatsphäre der Unterwelt wäre damit schon einmal geschützt. Eine verkehrte Welt ! (Ist das noch Ironie?)

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