Gefühlsquote und Frauenquote

BLOG: WILD DUECK BLOG

Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
WILD DUECK BLOG

Frauen managen anders als Männer, sie hören besser zu und entscheiden mehr im Einvernehmen. Männer schicken betroffenen Mitarbeitern schon mal Entlassungen per E-Mail. Würden Frauen so handeln? So feige? So roh? Viele Frauen, die eigentlich Vorstandsmitglied sein könnten, wollen sich diesen Gladiatorenzirkus der ständigen Rangeleien nicht antun. Dieses Problem lässt sich eigentlich nur lösen, wenn die Frauenquote eher höher als 50 Prozent liegt. Mein Einwurf dazu!

Ich habe darüber schon oft geschrieben, seit zehn Jahren! Jetzt ist das Thema gerade wieder heiß, jetzt muss ich das Argument wieder vorbringen, es muss sein!

Ich habe jahrelang über die Ergebnisse des MBTI- oder Keirsey-Test nachgedacht. Sie finden einen Link dazu auf meiner Homepage, es gibt auch gute Erklärungen in der Wikipedia. Ganz grob: Einer der Urväter der Psychologie, C. G. Jung, hat in seinem Buch „Psychologische Typen“ uns mit dem Konzept der Intro- und Extrovertiertheit bekannt gemacht. Darin unterscheiden sich die Menschen. Sie unterscheiden sich auch in Linkshirn- und Rechtshirndominanz (also in praktischem oder intuitivem Denken), sie unterscheiden sich in der Dimension „Fühlen versus Denken“, und später führten Myers-Briggs noch die Unterscheidung zwischen „ordentlichen Leuten, die gerne einen Haken dran haben“ und anderen ein, die so etwas mehr nach Lust und Laune sehen. Die erwähnten Tests sind eigentlich vier Tests in einem. Es wird festgestellt, wohin Sie in jeder Dimension tendieren. Die Tendenzstärke misst der Test auch. Ich habe eine ganze Sammlung von Ergebnissen.

Unter anderem kommt heraus: Es gibt prozentual genauso viele introvertierte Frauen wie Männer, genauso viele intuitive Frauen wie Männer, genauso viele Linkshirndominante wie Männer. Aber: Grob gesprochen tendieren zwei Drittel der Frauen zu „Feeling Style“, dagegen aber zwei Drittel der Männer zu „Thinking Style“. Worum handelt es sich dabei genau?

„Thinking“: Objektiv, entschlossen, klar, gerade heraus, analytisch, strukturiert, distanziert von der Sache, entscheidet nach Regeln, Gesetzen, „Policies“.

„Feeling“: Subjektiv, mitfühlend, weichherzig, menschlich, auf Harmonie und Einvernehmen bedacht, hat soziale Werte, ist verständnisvoll, anerkennungsbereit, setzt auf Bereden und Überzeugen statt auf Befehle, berücksichtigt die Umstände und geht nicht rücksichtslos nach Regeln vor, ist in der Sache mit dem Herzen involviert.

Die „meisten“ Männer sind also „Thinking“, die „meisten“ Frauen „Feeling“. Das wissen wir doch aber alle, nicht wahr? Die große unbekannte Wahrheit ist die:

In Politik, Management und in Teilen der Wissenschaft haben wir ein implizites „Feeling-Style“-Verbot. Eine Frauenaversion besteht doch überhaupt nicht! Es gibt nur eine kulturelle Ächtung des „Feeling-Styles“ in allen Führungsetagen. Auch Männer mit „Feeling-Style“ werden nicht respektiert, und zwar weniger als „Feeling-Style“-Frauen. Denn der Feeling-Style gilt als schwach, was Männer sich nun gar nicht leisten dürfen.

Wenn wir also über Frauen in Top-Etagen reden, müssen wir T-Frauen und F-Frauen unterscheiden. T-Frauen sind wie die dortigen T-Männer und passen wunderbar hinein… Sinnigerweise sind die Management-Entwicklungstrainer eher überwiegend F-Type, ob Mann oder Frau. Die Managementtheorie mit ihrem Hochhalten von „Kommunikation, Zuhören, Emotionaler Intelligenz, Teamverhalten und Vertrauensbildung“ ist absolut F-Type, und die T-Manager absolvieren solche F-Workshops von F-Types und gehen am nächsten Morgen vollkommen unbeeindruckt an das gewohnte T-Management.

Wenn wir also über eine Frauenquote nachdenken, dann müssen wir entscheiden oder wenigstens überlegen, ob wir Gerechtigkeit wollen (dann ist die Quote 50 Prozent, ganz klar!) oder ob wir mehr F-Types im Management haben wollen, was die reine Lehre des Managements ja will (mehr EQ statt nur IQ). Wie groß muss diese Quote dann sein? Selbst bei 100 Prozent könnte es sein, dass die Unternehmen dann immer nur T-Frauen da oben haben wollen, oder?

Wir brauchen wahrscheinlich eine F-Quote, denke ich. Ja, die. Das bedeutet aber, dass wir nicht mehr alles durcheinanderbringen und Gerechtigkeit und Kulturverbesserung miteinander vermischen. Wir sollten getrennt voneinander beides wollen.

Heute weigern sich sehr viele F-Frauen, Chef zu sein, weil ihr Stil nur in Managementtheorie-Workshops geduldet wird. Auf der anderen Seite werden die allerbesten und tollsten F-Frauen gar nicht als Kandidaten für eine Führungsrolle in Betracht gezogen, weil sich unter Chef alle einen T-Menschen vorstellen. Deshalb quaken alle Besserwisser unablässig davon, dass es gar nicht genug gute weibliche Führungsnachwuchstalente gibt! Sie sehen die Talente gar nicht! Manchmal lache ich, weil diese T-Leute dann zuhause von einer F-Version mühelos beherrscht werden, aber diesen Stil nicht einmal aus der Sicht des Haussklaven anerkennen können.

Ach ja, wie bei allen wichtigen Problemen, die wir nicht lösen können – wir merken nicht, dass wir einen Knoten im Kopf haben.

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

18 Kommentare

  1. Think better!

    Ehrlich gesagt ist mir auf der Chefebene jemand der thinkt lieber, als jemand der feelt – völlig schnuppe, ob die Reproduktionsorgane innen oder aussen angebracht sind.

  2. Einspruch

    Es geht beim Thema “Frauen in Führungspositionen” nicht primär um die Akzeptanz von Managementstilen, sondern um Karrierebrüche (z.B. durch Erziehungszeiten), die nicht kompensiert werden können. Aber auch um Erziehungsstile, die Mädchen von frühester Kindheit an auf Anpassung statt auf Führung programmieren.
    Karriere erfordert vor allem Stehvermögen – im Job und auch in der Partnerschaft. Aber auch Unterstützung durch Strukturen, in denen “alle” (jene von Ihnen erwähnten “alle”, die sich “unter Chef einen T-Menschen vorstellen”) nicht nur Männer sind. Die Quote würde Unternehmen zwingen, Frauen kontinuierlich besser zu fördern. Die Diskussion über Führungsstile, die ja Männer und Frauen betrifft, kann parallel dazu laufen.

  3. @Dueck: Wenn ich …

    … das richtig verstehe, dann ist

    “Wir brauchen wahrscheinlich eine F-Quote, denke ich.”

    eine Anwendung des alten Grundsatzes:

    “Jeder soll das tun, was er am besten kann.”

    Dagegen ist nichts einzuwenden: ein schöner post. 🙂

  4. Karrierehindernis Familie

    Wie @Kopfsteherin hier schon schrieb, geht es “nicht primär um die Akzeptanz von Managementstilen, sondern um Karrierebrüche (z.B. durch Erziehungszeiten), die nicht kompensiert werden können.” Während verheiratete Männer häufig von einer eigenen Familie profitieren, indem ihnen die Frau den Rücken freihält, ist für berufstätige Frauen die Familie meist eine zusätzliche Belastung, da vieles an ihr hängenbleibt. Ostdeutsche Frauen machen häufiger Kariere als Westdeutsche, das liegt an den besseren Kinderbetreuungsangeboten im Osten, die z.T. noch aus DDR-Zeiten stammen. Eine eigene Familie zu haben ist demnach das größte Karrierehindernis für Frauen, das belegt auch die Statistik, wie man hier auf dem “Statistiker-Blog” nachlesen kann:

    http://www.statistiker-blog.de/…itionen/662.html

  5. dann fordert doch…

    eine “rückenfreihalterquote” in den familien, inkl. heiratszwang und gleichzeitiger gehirnwäsche.

  6. T-Rex?

    Lieber Herr Jennrich, entweder Sie gehören zum (eigentlich ausgestorbenen) Typus T-Rex oder Sie sollten mal intensiv an Ihrem Knoten im Kopf arbeiten… Eine Quote für F-Kommentare wird es hoffentlich nie geben 🙂 Nix für ungut…

  7. F-Thinker und “über-sachlich”?

    Nach einer “Theorie” oder Beobachtung, von der ich in den letzten Jahren häufig gelesen habe, liegen die Gründe für weibliche Probleme im männlichen Führungsumfeld auch oft auf der “anderen Seite”.

    Frauen fallen z.B. in Meetings dadurch auf- und aus-dem-Rahmen, dass sie deutlich sachlicher / sachorientierter kommunizieren – und damit oft konträr zu bzw. direkt vorbei an politisch motiviertem “Platzhirschverhalten” der männlichen Kollegen.
    Mal abgesehen von der Verallgemeinerung, dass Männer sich immer wie Platzhirsche aufführen würden (kenne genug Ausnahmen): diese sachliche Fokussierung habe ich schon häufiger erlebt. Und wird ja mittlerweile gerne in Studien und Managementweisheitsbüchern breitgetreten – die “Sachlichkeits”-Falle, dass Frauen die “unsachlichen” männlichen Hierarchierituale nicht erkennen und scheitern (oder nicht mitspielen wollen und scheitern).

    Ist das nicht ein Widerspruch? Zu diesem “F-Thinker”-Konzept?

    Vielleicht sollte man die Kriterien mal überdenken – oder die Art der Tests?

  8. Frauen erobern die Arbeitswelt

    Sie schreiben “Wenn wir also über eine Frauenquote nachdenken, dann müssen wir entscheiden oder wenigstens überlegen, ob wir Gerechtigkeit wollen”. René Obermann sagte dazu, es gehe um “kein Diktat einer falsch verstandenen Gleichmacherei, sondern handfeste Notwendigkeit”. Ein Jahr später geht die erste Quotenfrau von Bord: http://bit.ly/fAkhDj

  9. Frauen-Quote

    Natürlich brauchen wir die Frauenquote jetzt. Nach jahrhundertelanger Unterdrückung müssen Frauen nun Führungspositionen besetzen. Das wird Wirtschaft und Gesellschaft menschlicher machen, schließlich sind Frauen die deutlich besseren Menschen. Bester Beweis ist unsere Kanzlerin.
    http://www.frauen-quote.de

  10. Warum eigentlich nur bei den Führungspositonen eine Frauenquote? Es gibt doch noch mehr Bereiche, wo Frauen unterrepräsentiert sind. Bei der Müllabfuhr, auf dem Bau, in der Schwerindustrie etc. Das sind nicht so lecker Jobs, gell.

  11. @Michael Khan

    “Das, und vor allem die Webseite, sind wirklich eine gelungene Realsatire.”

    Nein, das ist Satire.

    Aus dieser Seite:
    “Anna-Lene kam nach üblen häuslichen Gewalterfahrungen mit einem Mann zu uns, der nicht nur Komplimente konsequent verweigerte, sondern zuweilen sogar wortlos das Zimmer verließ.”

    “Ginge es nach uns Feministinnen, käme Erdöl nicht aus stinkenden Erdölplattformen, in denen sowieso nur unrasierte Männer hausen, sondern direkt aus der Zapfsäule an der Tankstelle.”

    Wer das nicht als Satire versteht, dem oder der ist kaum noch zu helfen 😉

    Und bei denic.de erfährt man auch, dass der Eigentümer der Domain männlich ist (zumindest dem Namen nach).

  12. Nicht-Empathen mit Problemen

    Hallo Herr Dueck,
    ich hatte gestern Ihren Fortsetzung auf unserem Blog aufgegriffen und da gab es gleich einen engagierten Kontrahenten, der so gar nicht begreigen konnte, welches Konzept dahintersteht.
    http://www.saperionblog.com/…renden-mussen/3761/

  13. Frauenquote = Männerdiskriminierung, da bei gleicher Qualifikation eine Frau bevorzugt wird. Meiner Meinung nach regelt das der “Markt” von selbst.

  14. Zu Hause regiert die F-Version

    Dass Frauen tatsächlich zu Hause oftmals sogar mehrere T-Version-Männer managen kann ich nur bestätigen.

    Allerdings ist scheint diese Kompetenz mit zunehmender Berufstätigkeit der Frauen verloren zu gehen. (Ein Umstand, den ich seit meinem Zuzug aus der Groß- in die Kleinstadt mit Erstaunen beobachte. Nehme an, dass sich Strukturen hier transparenter erfassen und strukturieren lassen).

    Objektiv ist die nahezu Ausschließlichkeit von T-Versionen im Berufsleben eigentlich eine gefährliche Ausrichtung: Das System entwickelt sich nicht, reagiert nicht auf Veränderung von außen und ist damit angreifbar. Ähnlich einer riesigen Monokultur auf einem Acker: Braucht nur ein Schädling die Schwachstelle entdecken, zack ist die Ernte in Gefahr.

    Denke, das erleben wir gerade im Rahmen der Krise.

    Und, seien wir ehrlich: Dass beim Versuch der Bewältigung der Krise global immer wieder Frauen zu beobachten sind hat für mich durchaus etwas Beruhigendes.

  15. Frauen setzen sich langfristig durch. Die einen zu Hause die anderen im Beruf.
    Mehr F in Chefetagen wäre nützlich. Was hat denn T bis heute erreicht?
    Einen verwüsteten Planeten. Hat da jemals einer was gedacht?
    Quote ändert auch nichts an der Misere.

Schreibe einen Kommentar