Fragebogengeometrie und das Template-Problem

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Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
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Immer wieder dieses alltägliche Ärgernis mit den Fragebögen! Ich schlage einen neuen Bachelor-Studiengang in Fragebogengeometrie vor oder das Anlegen einer großen Musterbibliothek an brauchbaren Fragebögen im Internet. „Fragebogen-Gestaltung for Dummies“, ja, das brauchen wir

Ich reise ja viel und in jedem Hotel bekomme ich einen Fragbogen, der gefühlte 100 Felder für alles Mögliche enthält, aber sie wollen aber immer nur „Name, Adresse, Unterschrift“. Die Felder dafür sind nicht etwa oben auf dem Bogen, sondern so verstreuselt, dass man extra das ganze Empfangspersonal braucht, damit sie uns durch Kreuzchen auf dem Fragebogen den Weg weisen.

Ich weiß ja nicht, ob die Felder für die 100 Einträge gut designt sind, die Namensfelder sind es meist nicht. Da muss es doch möglich sein, so etwas wie Annemarie-Florence Leuthäuser-Schnarrenberger einzugeben? Passt aber nicht hin.

Die DHL hat in der letzten Zeit mal wieder die Paket-/Päckchen-Aufkleber geändert, da sind also wieder Felder für Name, Adresse, PLZ + Ort. Leider sind Postleitzahl und Ort auf einer Zeile, so dass für den Ort nur wenig Platz ist. Ich wohne in Neckargemünd-Waldhilsbach. Und nun?

Wenn Sie in die USA fliegen, müssen Sie ein grünes Formular ausfüllen. Touristen dürfen nicht einfach die Adresse eintragen, sondern sie müssen auch das Hotel nennen, in dem sie untergebracht sind. Das heißt dann „Intercontinental-South-Westchester“ und hat eine ebenso lange Adresse, die nie und nimmer in die Raster passt. Es gibt genaue Vorschriften, wo man die ganze Adresse dazwischenklemmen muss, damit es ordnungsgemäß daneben steht.

Bitte – das sind nicht irgendwelche Fragebögen, sondern die meistgebrauchten in der Welt. Wer verzapft die denn? Ist es unklar, wie lang ein Geburtsname oder ein Wohnort ist? Das schrecklichste Desaster erlebte ich bei meiner Hausbank, die im Internet das Feld für die immer achtstellige Bankleitzahl auf nur sechs Stellen auslegte, so dass beim Eintippen der siebten und achten Ziffer die erste und zweite hinter der Eingabemaske verschwanden. Ich erwähnte das bei Vorträgen vor dem höheren Management dieser Bank, aber dieser Designfehler blieb noch über ein Jahr im Netz.

Haben auch Sie so genannte „Templates“ oder Mustervorlagen für Ihre professionellen Präsentationen? Die Gleichheit der Präsentationen auf ermüdend langen Tagungen gibt das Gefühl eines einheitlichen Designs. Es ist wichtig, dass alle professionellen Vorträge gleich aussehen, damit sie lebendig rübergebracht werden können. Jeder Veranstalter denkt sich deshalb ein so sehr strotzendes Template aus, dass die Präsentation auch schon ohne Inhalt tiptop ausschaut. Ich stöhne immer, weil ich schöne Fotos auf Folien habe, die dann in ein befohlendes Grundorange oder Giftgrün eingefügt werden müssen. Aus ästhetischen Gründen muss ich wohl jede Präsentation in allen Farben erstellen?Noch schlimmer sind Excel-Vorlagen, in denen die Zahlen in jedem Meeting anders dargestellt werden sollen… Überall rennen Menschen durch die Gänge, weil jetzt für jeden Bankkunden auch die aktuelle Nagellackfarbe erfasst werden muss, die nach neuen Beratererkenntnissen mit dem Rohgewinn korreliert…

Wollen wir uns nicht einmal über die Grundzwecke klar werden? Oder gesunden Menschenverstand einklagbar machen? Auf Erfahrung und Kontinuität setzen? Oder wollen wir weiterhin das Design unseres Lebens von erstkreativen Anfängerwerkstudenten und topehrgeizigen Präsentationsdesignfirmen diktieren lassen?

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www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

1 Kommentar

  1. In der Schule haben wir sehr oft Fragebögen von Studenten auszufüllen und es vergeht jedem Schüler definitiv die Lust, wenn die Geometrie furchtbar ist. Manchmal sind es 100 Fragen, die mehrere Antwortmöglichkeiten haben. Dafür nutzt man häufig Ankreuzkästchen, die aber immer nebeneinander sind. Das bedeutet, wir haben mehrere Seiten Papier und 100 Fragen, zu denen es je 5 Antworten gibt. Insgesamt soll man also 500 Kästchen irgendwie beachten, das ist doch nicht gut. Ich finde Umfragen besser, bei denen man Statements gegeben hat und in einem Kreis selber zuordnen soll.

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