Digital Natives schützen Eltern vor Digitaler Demenz – „Parent Monitoring & Care“

BLOG: WILD DUECK BLOG

Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
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„Hilfe, unsere Eltern sind jetzt auch im Internet. Papa hat sich wohl ein unbeabsichtigtes Abo eingehandelt, er versucht, eine Webseite anzurufen. Er wälzt das Telefonbuch und weiß nicht, wo er suchen soll. Mutti bekommt immer mehr Pakete, die beiden werden sich verschulden. Das Internet ist für Erwachsene zu gefährlich, weil sie eine Digitale Demenz davon bekommen. Wir müssen auf unsere Eltern achtgeben, es droht Gefahr.“

„Mein kleiner Bruder und ich wussten erst nicht, wie wir unsere Eltern unter Kontrolle bringen können. Das Internet macht sie hemmungslos. Wir haben uns an ihre Geräte geschlichen und wenigstens Virenscanner und Firewalls eingerichtet. Wir selber dürfen eigentlich nicht ins Internet, weil wir zu klein sind, aber wir sind schon Experten. Es gibt ja überall Internet, unsere Eltern haben keine Ahnung. Schlimm. Sie wollen mit uns nicht darüber reden. Sie sagen, sie würden sich erst einmal selbst mit dem Internet vertraut machen und uns dann nach und nach einführen. Es ist ein Witz!

Wir machten uns Sorgen. Wir fanden dann in der New York Times einen Artikel, den haben wir maschinell übersetzen lassen können, aber eigentlich reichte unser Englisch schon ganz gut. Ihr könnt den noch im Internet finden, wenn es ihn noch gibt. Er ist total gut für Kinder. Er heißt:

‚Big Brother‘? No, it’s Parents!

Auf dem Bild sind so eine Art Standardeltern, der Mann hat eine etwas rote Nase. Solche haben wir auch. Sie machen sich dauernd Sorgen, aber nicht um sich selbst. Diese Sorgen haben nun wir. In dem Artikel haben wir eine Menge Hinweise gefunden, wie Eltern ihre Kinder mit Apps ausspionieren können, zum Beispiel, wie sie merken, dass große Kids beim Autofahren telefonieren, was ja streng verboten ist. Hallo? Ist doch klar, dass machen unsere Eltern auch – sie telefonieren und rauchen dabei! Da sind wir auf die Idee gekommen, uns alle diese Apps zu installieren – überall, auf allen Geräten unserer Eltern. „Papa, darf ich einmal kurz Eva eine SMS schicken?“, haben wir gefragt und so die Smartphones kurz kassiert. Inzwischen haben wir alle Accounts unserer Eltern gehackt und können alles auswerten.

Mama surft nach lauter Krempel, ganz ungeschickt. Sie weiß nicht, wonach sie surfen soll. Sie hat sich bei Diätgruppen angemeldet und irgendwelche Abos auf Minusperlen, vor denen biochemisch und finanziell gewarnt wird. Papa schaut sich kostenpflichtig Bilder an, die es in der Schule absolut umsonst bei allen Notgeilos gibt. Wir haben ihm anonym entsprechende Links geschickt, darauf ist er eingegangen, jetzt wirft er wenigstens kein Geld mehr aus dem Fenster.

Wir haben ihnen von Fake-Accounts aus gesimst, wenn sie am Steuer telefoniert haben. „Lassen Sie das, demnächst kostet es!“ Das hat sie erschreckt! Sie haben zuerst das Navi nicht mehr benutzt, weil sie dachten, es käme vom GPS. Haha, sie suchen noch immer!

Wenn man ihre Chats und Posts scannt, lernt man die eigenen Eltern erst einmal so richtig kennen. Papa scheint gut gebaute Frauen zu mögen und fürchtet sich wahrscheinlich vor den ganzen Diäten von Mama. Da ist ein furchtbares Missverständnis, oder? Wir überlegen, wie wir die beiden wieder besser zusammenbringen.

Papa sucht außerdem neue Arbeitsstellen. Das passt uns nicht, wir wollen absolut nicht umziehen. Er schaut oft nach Stellen in Bundesländern, die wir Kinder ablehnen. Wir wollen hierbleiben, auch wenn es angeblich bessere Länder gibt. Wir versuchen jetzt, ihm Werbung für leichtverständliche Weiterbildungen für seine Karriere zu schicken. Wenn er drauf anspringt, dauert es, bis wir groß sind. Wir klicken in seinem Browser heimlich lauter solche Links an. Ganz viele! Das merkt die Google Suchmaschine natürlich. Jetzt bekommt er automatisch von Google alles das als endlose Werbewiederholung eingestreut, was wir ihm vorgeklickt haben. Google hilft uns in dieser Weise genial, ihn zu manipulieren.

Mama ist einfach nur beschränkt, digital gesehen, und tappt in alles rein. Sie ist sonst ganz okay, im wirklichen Leben. Aber im Internet verliert sie irgendwie den Kopf. Sie hockt auch schon viel zu oft vor dem Tablet, man merkt das schon länger am Essen. Sie kocht nur noch schnelle Sachen, Tiefkühlpommes und Mikrowellen-Currywurst. Das mögen wir total viel lieber als das liebevoll fettige Fleisch sonst, aber es zeigt doch, dass sie dement zu werden droht.

Wir wissen nicht genau, ob wir mit ihnen drüber reden sollen. Wir könnten ihnen doch sagen, dass wir uns Sorgen machen. Leider steht im Internet, dass Eltern sagenhaft beleidigt reagieren, wenn sie merken, dass man sie beschützt. Sie sind absolut nicht dankbar, sondern sie poltern herum, dass man dann angeblich ihr Vertrauen missbraucht hat, obwohl es klar ist, dass man sie nur aus dem Dreck zieht. Wir haben gelesen, dass es den digital Dementen an einer Krankheitseinsicht fehlt. Es muss so wie bei einem aus unserer Klasse sein, dem wir schon oft gesagt haben, dass er doof ist, aber er glaubt uns das nicht. Er ist beleidigt! Wenn er es uns glauben würde, müssten wir es doch nicht noch einmal sagen, so zwingt er uns dazu. Wahr-scheinlich läuft es bei unseren Eltern genauso.

Dabei wollen wir nur ihr Bestes.

Vieles von den Tools ist echt nur für Eltern, schade. Man kann die Facebookverweilzeit messen, okay, aber wir können unseren Eltern doch ihr Dauergesülze dort nicht verbieten – und dann die saublöden Fakenamen! Mama ist Schneeeeelfe in einem Flirtportal! Da fällt uns nur Schnelllllhilfe ein. Man müsste bei den App-Produzenten mehr an die Interessen von Kindern denken, die ihre Eltern überwachen. So müssen wir alles selbst programmieren, zum Beispiel schreiben wir mit amtlichen Mailadressen, dass das Internet findet, sie surfen, kaufen und glotzen zu viel. Wir schicken ihnen dann auch, wie lange sie im Netz waren, das haben sie ernst geprüft, für richtig und angsteinflößend befunden! Für eine Zeit lang hilft es, aber dann verlieren sie sich wieder, wenn keine Strafe folgt.

Eltern vom Internet abhalten ist wie Flöhe hüten, weil sie sich wie Kinder benehmen. Kinder müssten frühzeitig mehr Macht über die Eltern haben. Diese Macht bekommen sie viel später natürlich auch, aber dann ist es ja schon passiert, dann sind sie digital dement, und auch so.“

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www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

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