Der Wohlstand und das dritte Lotka-Volterra-Gesetz

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Wahrheiten als Querdenkerisches verkleidet, von Gunter Dueck
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Es gibt ein Gesetz aus der Biologie, das eine Aussage über die Zeit nach Katastrophen macht. Oder auch eine für Finanzkrisen? Wenn alles daniederliegt, scheinen sich die Guten schneller wieder zu erholen als die Bösen? Könnte das so sein?

Deshalb ist manchmal auch Frieden in der Welt. Nach dem Krieg! Das ist sehr tiefsinnig – und es folgt für mich aus dem dritten Gesetz von Lotka-Volterra über Räuber-Beute-Beziehungen. Sie können auch mit gesundem Menschenverstand von selbst darauf kommen, aber der zählt nichts in diesem speziellen Zusammenhang.

Ich zitiere aus Wikipedia:
Die Dritte Lotka-Volterra-Regel trifft eine Aussage über die Auswirkungen einer Störung in einer Räuber-Beute-Beziehung. Werden Räuber- und Beutepopulation gleichzeitig für einen begrenzten Zeitraum dezimiert, so erholt sich die Beutepopulation stets schneller als die Räuberpopulation. Anders als bei periodischen Schwankungen fällt die Verminderung der Räuberpopulation zeitlich mit der Dezimierung der Beutepopulation zusammen. Nicht selten führt der Nahrungsmangel in dieser Situation zu einem Zusammenbruch der Räuberpopulation. Ohne Fressfeind findet die verbleibende Beutepopulation anschließend optimale Bedingungen und wächst schneller als sonst. Bis sich anschließend auch die Räuberpopulation wieder erholt, dauert es dagegen wegen der geringen Individuenzahl länger als üblich. In den meisten Räuber-Beute-Beziehungen kommt verstärkend hinzu, dass die Generationszeit von Räubern aufgrund ihrer Körpergröße länger ist als die ihrer Beutetiere.

Sehen Sie? Deshalb sind die Phasen der Bestandsschwankungen bei Räubern und Beutetieren verschoben, die Phasen der Räuber hinken nach.

 


Aus Wikipedia: Räuber-Beute-Beziehung

Die Finanzkrise von 2008 ist doch so eine Katastrophe. Sie dezimiert alle gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen. Die Vermögen verschwinden im Orkus. Es ist wie am Ende eines allgemeinen Krieges. Die kleinen Strukturen bauen schnell wieder Gemüse im Garten an und reparieren das Haus nach dem Tsunami. Die Gemeinschaft der guten Bürger setzt das Allgemeingut wieder instand und errichtet die Fabriken neu. Das Gierige aber hat jetzt keine Konjunktur. Es muss warten, bis wieder genug zu rauben vorhanden ist. Es hat jetzt im Neubeginn viel zu wenig zu fressen – es braucht ja sehr viel Beute, das Gierige! Es wächst erst nach der Wiederherstellung aller Grundversorgung wieder zu einer alles bedrohenden Größe heran.
Deshalb herrscht nach einer Katastrophe eine relative Friedlichkeit. In dieser Zeit ist Gelegenheit, frühere kulturelle Werte wieder aufleben zu lassen, die im Kriege vergessen wurden. Vertrauen keimt wieder in der verbrannten Erde.

Es wird jetzt eine schöne Zeit.
Bis es uns wieder zu gut geht.

 

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www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

3 Kommentare

  1. Nicht richtig

    Die Aussage stimmt unter den bestimmten Annahmen; sie beschreibt ein Modell. Es gibt nun aber auch Gegenbeispiele, in denen die “Bösen” aus Katastrophen gestärkt hervorgehen und sogar aus Notsituationen anderer Profit schlagen können (z.B. Nazis in Zeiten eines desolaten Dtlds.; Landbesitzer/Kreditgeber in armen Ländern, die Zahlungsunfähigkeiten nutzen; Rohstoff-Unternehmen in Kriegsökonomien).

    Damit wird die Aussage ziemlich relativ und hat kaum noch Aussagekraft.

    Dazu kommt, dass man auch schon an den Annahmen nörgeln könnte: wieso kommt das Gierige erst nach der Grundversorgung? Kann ich nicht schon jemandem auf die Rübe hauen, um meine Existenz zu sichern? Und wenn alle “schwach” sind, welche Ordnungsmacht hindert mich?

    Diese Modell beschreibt die Tier-Realität nur zum Teil, es auf andere Felder zu übertragen gefällt mir nicht.

  2. Nachtrag

    Vielleicht muss ich aber auch noch eine Portion Ironie oder gar Zynismus lernen, bevor ich Dinge zu kritisch-lehrerhaft beäuge.

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