Das systemische Versagen in der ersten Millisekunde

Ganzheitlich nachhaltig systemisches Handeln! Das ist mal ein neuer Gedanke! Das soll sehr erfolgreich sein, so hatte man auf Tagungen gehört. Es geht darum, langfristig zu denken, geduldig und entschlossen die Zukunft zu erschließen und trotz aller Widrigkeiten turbo-agil immer neue Paradise zu erreichen, am besten resilient und antifragil.

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Wie erreicht man das? Darauf gibt es Antworten: Das Systemische muss im Ganzen in dem ständig lernenden Unternehmen Fuß fassen und leben. Das Top-Management muss sich als die Seele des Systemischen begreifen und selbst empowern und das auch charismatisch ausstrahlen. Es ist sonnenklar: Es muss ein „grundlegendes und bleibendes Umdenken“ im Unternehmen stattfinden. Ja, okay, aber wie setzt man das um?

Es stellt sich auch die bohrende und entscheidende Frage: Ist es wirklich klar, dass ein Umdenken das Quartalsergebnis verbessert und den Aktienkurs steigen lässt? Diese Frage ist seltsam falsch gestellt und deutet auf Defizite im systemischen Denken hin.

Wir müssen also bei der Umsetzung richtig ansetzen und ganz von oben einsteigen. Es ist doch wichtiger, dass zum Beispiel ein Trainer Fußballverstand hat, erst danach kommen die Spieler (das ist der berühmte Guardiola-Ansatz).

Ich will kurz skizzieren, welche Schritte nun in einem Unternehmen folgen:

  1. Berater erklären dem C-Level, was systemisches Denken ist
  2. Das Top-Management fragt nach einem Umsetzungsplan und erntet ungläubige Blicke
  3. Sie beschließen, das systemische Denken allen Mitarbeitern erklären zu lassen
  4. Man fordert die Mitarbeiter auf, Früchte der Kurse nachzuweisen
  5. Es werden in allen Bereichen Mitarbeiterarbeitskreise gegründet
  6. Man wartet gespannt auf die Ergebnisse.
  7. Berater werden beschimpft, die empfehlen die Ernennung eines CSO
  8. Der redet sich fusselig – ohne Wirkung
  9. Mitten in der Kette wird ein neuer CEO ernannt…Endlosschleife.
  10. Die Gurus jammern: „Es geht um eine neue Haltung!“

 

Woran scheitert das systemische Denken? Es scheitert in der ersten Millisekunde, weil das Management in dieser Frage fast grundsätzlich schwarmdumm ist. Es ringt nämlich als Gemeinschaft nicht um das Ziel an sich, sondern es fragt nach Methoden zur Umsetzung und will vor allem sofortige Erfolge sehen. Das ist eine falsche und vollkommen nicht-systemische Haltung. Die Nicht-Haltung muss abgelegt werden. Von wem? Vom Top-Management. Das gelingt regelmäßig nicht, wenn der CEO, also der Chef, nicht mitzieht. Der könnte sich, wenn er nicht mitzieht, den ganzen Rest sparen und würde es auch gerne tun, weil ihm die Krittelei der Systemiker lästig ist. Der CEO kann aber das Ganze nicht gut von der Agenda nehmen, weil ihn die Medien oft fragen, ob er etwas zur Nachhaltigkeit oder Antifragilität in seinem Unternehmen erklären und ob er Ergebnisse vorzeigen kann. Also MUSS er etwas tun.

Die schnelle Variante ist die Ernennung eines CSO, eines Chief Systemic Officers. Der kann als Einzelmensch nichts im Ganzen verändern, aber die Aufgabe steht ihm gut und die Presse hat jetzt jemanden, mit dem sie zufrieden Zeilenhonorare einheimsen kann. Die gründliche Variante besteht darin, alle Mitarbeiter im systemischen Denken ausbilden zu lassen, weil die ja letztlich das systemische Denken umsetzen müssen. Wenn das nicht gelingt, setzt man einen CSO ein. Im Grunde wird also in jedem Fall jede obige Stufe durchlaufen, wenn der CEO nicht so schlau ist, es konsequent bei einem machtlosen pressetauglichen CSO zu belassen.

Das systemische Denken kann also nicht methodisch nach Abhakmethode eingeführt werden, aber man versucht es unentwegt so. Das ist nach einer Millisekunde klar. Deshalb ist es eine Goldgrube für Berater, die systemische Beratung als Methode anbieten. Zusätzlich kann „Charisma in 14 Tagen“ dazugebucht werden, was mit dem Kauf eines besonders teuren Spiegels beginnt, den Trump auch benutzt. Die Berater stellen im Top-Management-Meeting „Ganzheitlichkeit“ vor, von dem sie meistens in einem schwelgerischen vagen Ton schwärmen, wobei sie verzückt mit den Augen rollen. Helmut Schmidt und auch alle anderen Erfolgsmenschen finden, solche Vortragende müssten wohl zum Arzt. Damit die nun selbst augenrollenden Manager dem naiven Weltverbesserer nicht zu brutal begegnen wollen, fragen sie ihn nach einem bewährten konkreten methodischen Vorgehen und dessen garantierten Erfolgsversprechen, am besten gar nicht in Einzelheiten erklärt, sondern in Euro.

In diesem Moment versteht der begeisterte Berater, dass hier nicht zu machen ist. Daher empfiehlt er ein Ausrollen des systemischen Denkens auf alle Mitarbeiter. Die Manager sollen zwei Tagen geschult werden, die Mitarbeiter aber nur einen, um Reisekosten zu sparen. Schließlich einigt man sich auf 30 Minuten für Manager („wir haben ja alles verstanden und müssen es nur noch eine halbe Stunde vertiefen) und auf zwei Stunden für Mitarbeiter, verteilt auf zwei Mittagspausen („jeder muss einen Beitrag leisten, schließlich lernt der Mitarbeiter das systemische Denken ja auch für sein Privatleben“).

Zeitbedarf: Zwei Jahre, bis alles erfolglos durchgeführt ist. Dann kommt ein neuer Vorstand, der neue Berater präferiert, die sich einer anderen Methode mit einem moderneren Namen verschrieben haben. Je kürzer die vom Management gekauften Workshops sind, umso weniger müssen die Berater wissen. Insbesondere brauchen sie selbst kein systemisches Wissen mehr. Sie müssen es nur beschreiben können und Erfolgsquoten fantasieren.

In der öffentlichen Verwaltung und in Unternehmen, die sich an die Methodik und Denkweise großer Behörden anlehnen, wird bedächtiger und gründlicher gehandelt. Man etabliert Arbeitskreise, die Beschlussvorlagen erarbeiten sollen, wie man abgestimmt über alle Menschen, Länder und Firmenbereiche vorgehen könnte. Es geht ja um Systemik, um das Ganze, – das braucht Sorgfalt! Leider ist das Reale föderal. Da müssen und dürfen alle mitreden, und die Meetings sind paritätisch besetzt – das heißt: Jede Intelligenzstufe kommt im Meeting so häufig vor, wie sie prozentual in der Gesamtheit vorkommt. In den Social Media erfolgt die Zusammensetzung aber nicht nach Intelligenzstufe, sondern nach Abgabefreudigkeit von Gedankenfetzen. Ist auch nicht besser. Ich will sagen: Auch überall hier ist nach einer Millisekunde klar, was herauskommt, aber mit Meetings dauert es länger.

Da kam einmal eine Anfrage: „Unsere Institution soll sich mit Innovationsförderung befassen. Wir haben schon eine Sitzung gehabt. Wir haben das Ganze in Frauenförderung, Mittelstandsförderung, Start-ups in zu beschließenden Branchen, Sozialinnovation, Innovationsteilhabe für Arme, Familienförderung für noch nicht innovative sozial Schwache eingeteilt, dazu gibt es Ausschüsse zum Anbaggern der EU, damit wir in diese Initiative nichts investieren müssen. Lieber Herr Dueck, zu welchem Ausschuss möchten Sie gehören?“ Ich winkte ab, weil die Teile in Summe nicht das Ganze ergäben. „Aber doch, es gibt sogar ärgerliche Überlappungen, wenn zum Beispiel eine Frau ein mittelständisches Start-up gründet. Es kann auch sein, dass sie eine Internetplattform gründet, die im Internet von anderen Bundesländern angeklickt werden kann – dann ist es nicht klar, welches Bundesland zuständig ist. Noch schlimmer wäre, wenn sie keinen EU-Partner hat.“ – „Ist ein anderes Bundesland nicht EU?“ – „Nein, da gibt es kein Geld.“ – „Wenn es aber ein Start-up zum Beispiel im deutschen Steuerwesen wäre?“ – „Das geht dann nicht, weil die internationale Komponente fehlt, außerdem kann man das Steuersystem gar nicht digital begreifen, weil es logisch nicht widerspruchsfrei ist und daher nicht programmiert werden kann.“

Egal: Ich finde, dass Systemisches Denken und Ganzheitlichkeit richtig gute Konzepte sind. Wenn ich nur wüsste, was man praktisch damit anfangen kann – außer Geld verdienen, meine ich.

 

 

 

 

Gunter Dueck

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

24 Kommentare

  1. “Ganzheitlich nachhaltig systemisches Handeln! Das ist mal ein neuer Gedanke!”

    Nö, ein neuer Gedanke ist das nicht, aber Halleluja, ich wüsste schon wie und was das nachhaltig den konfusionierten Druck vom Kessel nehmen würde, für neue / wirklich-wahrhaftige Paradiese.😎

  2. Langfristig gesehen ist der systemische Ansatz der Richtige.
    Wenn etwas lange dauert, dann dauert es auch lange, wenn Fehler gemacht werden.
    Der amerikanische Grundsatz “hit and run”, funktioniert auf Dauer nicht. Bei GM hat es zum Ruin geführt, 2008 ist fast die gesamte Weltwirtschaft von den Lehman Brothers in den Strudel des schnellen Gewinnes geraten.

    Herr Dueck, diesmal Zustimmung.

  3. Hier – ‘Woran scheitert das systemische Denken? Es scheitert in der ersten Millisekunde, weil das Management in dieser Frage fast grundsätzlich schwarmdumm ist. ‘ – musste Dr. Webbaer ein wenig schmunzeln.
    Anzunehmenderweise ist ‘Systemisches’ modischer Art und entspricht internem Marketing sozusagen, Dr. W rät an im Unternehmerischen Altvorderen zu folgen und vor allem einen möglichst fairen Interessenabgleich mit der Belegschaft zu suchen, zu finden, dabei nicht außer Acht lassend, dass da welche um Geld zu verdienen angestellt sind, die nicht gesondert beschwätzt werden müssen, sondern selbst denken können.
    MFG
    Wb

  4. @ Kommentatorenfreund ‘lioninoil’

    Unternehmen der Wirtschaft, die “Kneipe” ist mitgemeint, funktionieren amoralisch, vs. unmoralisch, es gilt, möglichst fähige, äh, Subjekte zusammenzufassen und dann zu schauen, was daraus wird, den sog. Ertrag meinend.

    Dr. Webbaer verweist an dieser Stelle auch gerne auf diese aktuelle Bemühung eines sog. Shortsellers :

    -> https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/nach-betrugsvorwuerfen-bafin-zieht-bilanzpruefung-von-leasingfirma-grenke-an-sich-/26232292.html?ticket=ST-414772-QqmoKvgPMKp6NEjHgX23-ap5

    Dr. W sich hier ein wenig auskennen tun.

    Möglichst freies Handeln, auch wirtschaftliches, die Ökonomie meinend, die wiederum den Wirtsbetrieb meint, auch den Ausschank, ist sozusagen zentral für gesellschaftliches Fortkommen, nicht nur in Liberalen Demokratien, es belibt allerdings amoralisch.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer

  5. Kommentatorfreund Dr. Webbaer,
    Es geht hier um langfristige Ziele versus kurzfristige Erfolge. Das ist wie beim Schachspiel.
    Zum Bilanzgewinn gehört auch das Vertrauen der Kundschaft. Großunternehmen dürfen ihr Vertrauen nicht aufs Spiel setzen. Pikanterweise steigern VW und Daimler gerade ihre Umsätze, obwohl oder trotz der Skandale.
    Also , wenn der Konzern nicht unmoralischer ist wie die Bevölkerung, dann besteht keine Gefahr. Einige US-Unternehmen haben dabei in der Vergangenheit übertrieben.
    Was jetzt das Versicherungswesen anbetrifft, da scheinen Sie einen größeren Einblick zu haben. Die A. ist erfolgreich trotz der Negativpresse. Wer dieses System durchschaut, der ist sicher auch erfolgreich.

    • Es geht hier um langfristige Ziele versus kurzfristige Erfolge. [Kommentatorenfreund ‘lioninoil’

      Es geht um Wertsteigerung, es wird im Wirtschaftlichen nicht selten als Grenze des Erkenntnishorizonts, in Quartalen gedacht und befördert, auch das Berichtswesen meinend.
      ‘Vertrauen’, Sie haben diese Größe genannt, ist wichtich, mittelniederdeutsch, die Wirtschaft lebt davon, sie lebt aber auch von der Darstellung und Lüge. dies ist ihr Wesen.
      Sie meint es nicht bös, sie schuldet dem Markt.
      Wie Homer Simpson in einem seiner (vielen) hellen Momente anzumerken wusste. lebt die Lüge davon, dass einer lügt und der andere belogen werden wollend erscheinen, die Lüge ist sozusagen unter uns.

  6. Eine Firma muss ein Unternehmensziel haben. Ein allfälliger systemischer Ansatz muss sich ins Unternehmensziel einfügen.
    Was hier Gunter Dueck über Unternehmen, Institutionen und die Themen mit denen sie sich intern beschäftigen, schreibt, passt überhaupt nicht zu einem kleineren oder mittleren Unternehmen mit einem klaren Unternehmensziel, sondern wohl eher zu einem Moloch von Unternehmen, das sich als Repräsentant der gesamten Gesellschaft sieht. Solche Grosskonzerne überleben vielleicht gar nicht mehr primär wegen dem was sie eigentlich machen, sondern wegen ihrer schieren Grösse, der Verbandelung mit der Politik und der Integration in die Gesellschaft. Die Pflege von systemischem Denken ist dann nichts anderes als die Pflege der Beziehungen zum grossen Ganzen und es dient wohl weniger einem Unternehmensziel als vielmehr dem eigenen Ansehen und der eigenen Wahrnehmung.

    Das zahlt sich dann bei grösseren Unfällen wieder aus. Wären es kleinere oder mittlere Unternehmen gewesen, die den Dieselskandal zu verantworten gehabt hätten, gäbe es sie heute nicht mehr. Da es aber Unternehmen mit systemischer Bedeutung waren, konnten die das Unsägliche/Undenkbare relativ gut überstehen.

    Systemisches Denken als Denken an das System und Danksagung an das System , dem man seine Existenz verdankt, lohnt sich also hin und wieder.

    • ‘Systemisch’ und ‘strukturell’ Meinendes ist nicht selten nacktes Gesülze.

      Sog. ‘Untenehmenziele’ gibt es nicht mit einem irgendwie gearteten intrinsischen Anspruch, Herr Dr. D weiß, was er schreibt.

      Statt ‘systemisch’ ginge vielleicht besser : ‘verständig’, denn ‘systemisch’ ist alles, denn Alles gehört mit Allem irgendwie zusammen, es kann auch i.p. Relevanz versucht werden, vgl. auch mit ‘systemrelevant’.

  7. Dr. Webbaer,
    “Lüge” , der Begriff ist ein moralischer Begriff und ist eng verwandt mit der Täuschung. Man sollte im Wirtschaftsgeschehen eher von Täuschung sprechen, und von Gegentäuschung, das ganze ähnelt einem Spiel dessen Spielregeln bekannt sind und wer es am besten spielt , der ist erfolgreich und angesehen.

    VW hat die Spielregeln verletzt und muss jetzt dafür zahlen.
    Die Werbebranche ist notwendig, denn es wird nicht das beste Produkt verkauft, sondern das, welches am besten umworben wird. Und es ist kein Zufall, dass die großen in der Werbebrache alle aus den USA kommen. Die Moral ist in den USA aus der Wirtschaft geflüchtet in die Gefilde der Religion.

    Dass Herr Dueck gern medienwirksam wird, das spricht für ihn. Millisekunden, wer kommt denn auf sowas.

    • Die Lüge meint das bewusste Verbreiten von Unwahrheit und ist insofern möglicherweise zu psychologisieren.
      Dr. W schlägt zudem hierzu ‘und trotz aller Widrigkeiten turbo-agil immer neue Paradise zu erreichen’ die Verwendung von ‘Paradiesen’ vor, und hier, die Verwendung von ‘dass’ : ‘Egal: Ich finde, das Systemisches Denken und Ganzheitlichkeit richtig gute Konzepte sind. ‘

      Insgesamt war alles OK, wie hier befunden wird.
      ‘Systemisch’ ist das Arbeiten am Markt schon, gesondert geschwätzt werden muss hier nicht.

      Dr. Webbbaer sülzt statt von ‘Millisekunden’ gerne auch von lichtgeschwindigkeitsschnellem Handeln.

      MFG
      Wb

      • Ansonsten, lieber Kommentatorenfreund ‘lioninoil’ liegen Sie so ganz richtig : ‘das [G]anze ähnelt einem Spiel dessen Spielregeln bekannt sind und wer es am besten spielt , der ist erfolgreich und angesehen’ – ob Sie diese Sache um VW richtig verstanden haben, will Dr. W an dieser Stelle nicht einordnen.

        Wichtich (“mittelniederdeutsch”) st aus seiner Sicht zu verstehen, dass in der Wirtschaft sozusagen alles amoralisch ist, sie hat ja auch kein herrschaftliches Mandat politisch und besonders sittlich zu werden.

  8. Dr. Webbaer,
    Das Handwerk ist moralisch und handelt moralisch. Anders könnte es in einer Kleinstadt nicht überleben, wo jeder jeden kennt.
    Bei den mittelständischen Unternehmen hat der Unternehmer oft noch Visionen, man denke an den Herrn Würth, dem man in Berlin das Bundesverdienstkreuz überreicht hat und just am gleichen Tag hat die Steuerbehörde des Landes seine Wohnung durchsucht wegen einer steuerlichen Bagatelle. Da hat sich der Staat ungeschickt verhalten und das richtet mehr Schaden an bezüglich Vertrauen in den Staat, als man lichtgeschwindigkeitsschnell überschauen kann.
    Aber, aber , die Unmoral in der Wirtschaft , die gibt es, besonders in den Bereichen wo der Verdrängungswettbewerb herrscht, gemeint ist der Aufkauf von deutschen Betrieben durch die finanzstarke ausländische Konkurrenz. Ein Staat ist da besonders erfolgreich. Da hat sich in den letzten 10 Jahren ein US Konzern in Deutschland breit gemacht, der eine Schlüsselindustrie beherrscht, ohne dass das die deutsche Öffentlichkeit mitbekommen hat.
    Dessen Methoden , die kann man unsittlich nennen, denn die leitenden Mitarbeiter werden einem derartigen Leistungsdruck ausgesetzt, dass man mit 50 ein Recht auf den Herzinfarkt erwirbt. Die Bezahlung ist allerdings fürstlich, da verdrängt man schon gesundheitliche Bedenken.

    • Reinhold Würth ist Gründer, Dr. W kennt drei derartige Leutz, die sozusagen aus dem Nichts Wert geschaffen haben, für Arbeitsplätze und allgemeinen Wohlstand mit-gesorgt haben, fett und reich geworden sind.
      Der so gemeinte Handwerker handelte wirtschaftlich abär stets amoralisch, denn sein Fachgebiet liegt nicht im Moralischen und er hat ja auch kein politisches Mandat, er steht so nicht anders bzw. besser da als unsereins.
      Vermögenden Personen im Monetären, im schnöden Monetären, rät Dr. Webbaer auch idR ab politisch zu werden.
      Globale Unternehmen der Güteklasse Amazon und so, auch Dienstleister der sog. Social Media sind gemeint, sollen nach diesseitiger Auffassung keine Political Player werden.


      Bonus-Anekdote, Dr. Webbaer ist ja sehr international, zum Fall Michail Borissowitsch Chodorkowski kann Dr. Webbaer wie folgt kolportieren :

      MBC hat einen bereits von Boris Nikolajewitsch Jelzin veranlassten Deal mit den sog. Oligarchen verletzt, der darin besteht, dass die sog. Oligarchen sozusagen reich und fett werden dürfen, sie aber nie in die Politik hineinreden sollen.

      MFG
      Wb

      • PS:

        Die Gemeinten sind nicht selten, abär nicht immer, ganz feine, verständige und nette Personen, die allerdings amoralisch (vs. unmoralisch) handeln, wenn es um das liebe Geld geht.
        Ja?!, dies ist verstanden worden? – sicherlich ist Dr. Webbaer moralisch handelnd, er sieht abär halt (angemessenes) amoralisches Handeln anderswo, anderswie und generell soz. auf dem Spielplatz der Wirtschaft.

      • MBC hat einen bereits von Boris Nikolajewitsch Jelzin veranlassten Deal mit den sog. Oligarchen verletzt, der darin besteht, dass die sog. Oligarchen sozusagen reich und fett werden dürfen, sie aber nie in die Politik hineinreden sollen.

        … so übrigens eine in Russland verbreitete Sicht, in der BRD ist medial-politisch kolportiert dann alles ganz anders, vielleicht ist allgemein nicht klar, dass die sog. Standard-. die Qualitäts- oder Leitmedien nunmehr teils komplett falsch berichten, denkbarerweise ist Gazprom-Gerd, eine womöglich generell sittlich stehende Kreatur. hier günstig eingekauft worden, Dr. W ist ebenfalls monetär sozusagen gebunden, und abär ehrlich, rät generell an in Betracht zu ziehen, dass Mandatsträger auch gekauft sein könnten.

        MFG
        Wb (der schon lange im Geschäft ist)

    • Hier – ‘Da hat sich in den letzten 10 Jahren ein US Konzern in Deutschland breit gemacht, der eine Schlüsselindustrie beherrscht, ohne dass das die deutsche Öffentlichkeit mitbekommen hat.’ – vielleicht ein wenig klarer sprechen, Dr. W interessiert sein.

  9. Zitat Gunter Dueck:

    Ganzheitlich nachhaltig systemisches Handeln! Das ist mal ein neuer Gedanke! Das soll sehr erfolgreich sein, so hatte man auf Tagungen gehört. Es geht darum, langfristig zu denken, geduldig und entschlossen die Zukunft zu erschließen und trotz aller Widrigkeiten turbo-agil immer neue Paradise zu erreichen, am besten resilient und antifragil.

    Ja, glücklich der Unternehmer, der mit Sustainability werben kann und dessen Produkte uns turbo-agil ins nächste Paradies befördern. Wie das ein Tesla Model 3, X oder Y doch tut – oder nicht?

    Sind Teslas Autos alternativlos?
    Zitat aus The Footprint Blog:

    [Elon Musks] führende globale Lösung ist eine, die Elon als “offensichtlich” (Merkel würde alternativlos sagen) bezeichnet hat, und konzentriert sich auf die Abschaffung von Subventionen und die Einführung einer Steuer auf Unternehmen, die Treibhausgase wie C02 in die Atmosphäre speien. [4]

    “Der wirklich richtige Weg, [die Subvention] zu korrigieren, wäre die Einführung einer Kohlenstoffsteuer”, erklärte Elon. “Wenn Sie irgendeinen Wirtschaftswissenschaftler fragen, wird er Ihnen sagen, dass es das Naheliegendste ist, den richtigen Preis auf Kohlenstoff zu setzen, weil wir derzeit einen Fehler in der Wirtschaft haben, der Kohlenstoff fälschlicherweise mit Null oder etwas näher an Null bewertet. Das ist ein grundlegender wirtschaftlicher Fehler.” [5]

    Elon Musk: Ökologische Nachhaltigkeit

    Es gibt viele Möglichkeiten, wie Elon mit strategischen Investitionen und Beiträgen zur Welt der Elektrofahrzeuge und Sonnenkollektoren dazu beiträgt, die Welt in eine nachhaltigere Zukunft zu führen. Tatsächlich war eine nachhaltige Zukunft etwas, wovon er schon geträumt hatte, lange bevor er für seine populären Elektroautos bekannt wurde.

    “…mein ursprüngliches Interesse an Elektroautos und Solarenergie, das bis in meine Studienzeit zurückreicht, basierte nicht auf Umweltbelangen, sondern auf Nachhaltigkeit im Sinne der Sicherstellung, dass die Zivilisation weiter voranschreiten kann“, so Elon über seine Bemühungen. [6]

    Fazit: Kauf dir einen Tesla um (Zitat Dueck) turbo-agil ins Paradies zu fahren

    • Was muss VW tun um nachhaltig/systemisch rüberzukommen
      Zitat (übersetzt aus dem Englischen von DeepL) aus dem Volkswagen-Blog (?)Sustainability Council

      Gruppe Nachhaltigkeitsrat
      Zur Unterstützung bei strategischen Themen der Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Verantwortung hat der Volkswagen Konzern im September 2016 einen internationalen Nachhaltigkeitsrat berufen. Die renommierten Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft beraten das Unternehmen zu den Themen nachhaltige Mobilität und Umweltschutz, gesellschaftliche Verantwortung und Integrität sowie Zukunft der Arbeit und Digitalisierung. Sie handeln unabhängig, sind nicht weisungsgebunden und verfügen über umfassende Informations-, Beratungs- und Initiativrechte. Der Rat trifft sich regelmäßig mit dem Konzernvorstand sowie den Arbeitnehmervertretern und tauscht sich auch mit dem Monitor-Team aus. Der Rat berät das Unternehmen und gibt Empfehlungen ab, welche Schritte er für notwendig erachtet, um ein weltweit führender Anbieter von nachhaltiger Mobilität zu werden.

      Im Jahr 2017 standen die globalen CO2-Regulierungen in der Automobilindustrie sowie der Transformationsprozess des Unternehmens im Mittelpunkt. Der Nachhaltigkeitsrat initiierte und moderierte einen offenen Austausch zwischen Volkswagen-Vertretern und NGOs durch zwei Treffen in Form eines Stakeholder-Rundtisches zu globalen Emissionsstandards im Pkw- und Lkw-Sektor. Darüber hinaus wurden drei Projekte lanciert: eine Dialogplattform zu Innovation und kulturellem Wandel im Bereich der nachhaltigen Mobilität, ein internationales Programm zur Milderung der Auswirkungen des Klimawandels durch prognosegestützte Finanzierung der Katastrophenvorsorge sowie eine wissenschaftliche Studie über zukünftige verkehrspolitische Rahmenbedingungen im Einklang mit den internationalen Klimazielen.

      Im Jahr 2018 lag der Schwerpunkt auf den Themen Zukunftspakt, Integrität und kultureller Wandel sowie E-Mobilität. In diesem Zusammenhang nahm der Rat Einblick in die Roadmap E und die I.D.-Modelle und nahm mit dem Konzernvorstand an den Volkswagen Future Mobility Days teil. Darüber hinaus setzte der Nachhaltigkeitsrat die drei im Jahr 2017 beschlossenen Projekte um und startete drei weitere Initiativen: ein Projekt zu einer nachhaltigen Batterieversorgungskette, eine Gastprofessur zu Open Labs und Kulturwandel sowie die Entwicklung einer umfassenden Nachhaltigkeitserzählung.

      Auf seiner sechsten Sitzung im Februar 2019 begrüßte der Nachhaltigkeitsrat das klare Bekenntnis von Volkswagen zum Pariser Klimaabkommen und zur CO2-Neutralität im Jahr 2050 sowie die ehrgeizigen Zwischenziele für 2025. Der Nachhaltigkeitsrat riet Volkswagen, intern und extern umfassend über die Dekarbonisierungsbemühungen zu kommunizieren und sich weiter in die öffentliche Debatte einzubringen. Weitere Schwerpunktthemen waren: das Engagement von Stakeholdern zur Unterstützung fortschrittlicher ordnungspolitischer Rahmenbedingungen, die Stärkung sozialer Aspekte in der Transformation und neue Bemühungen um Mobilitätsdienstleistungen.

  10. Wirtschaft bedingt meistens auch den Wettbewerb und den Verdrängungswettbewerb. Wenn wir diesen Bereich als amoralisch bezeichnen, dann sind wir bei Karl Marx. Also, wir müssen uns entscheiden, freier Welthandel, der bislang immer die Industrieländer begünstigt hat, oder wir sind für Protektionismus, so wie ihn die sozialistischen Länder gehandhabt haben.

    Am Horizont zeigt sich auch die Industriespionage, aber warum soll man spionieren, wenn man gleich die ganze Firma kaufen kann.
    Der genannte Konzern hat ganz wirtschaftsgerecht gehandelt, er hat die Konkurrenz ausgebootet. Für Namen zu nennen ist es zu spät.
    Nur soviel, es handelt sich um Hochtechnologie ohne die ganze Wirtschaftszweige nicht auskommen.
    Das systemische Versagen wird so offenkundig. Es ist so, als ob man Badewannen verkaufen will, das Patent für den Stöpsel haben aber die anderen.
    Sorry, für Enthüllungsjournalismus bin ich nicht zuständig.

    • Zitat lioninoil:

      freier Welthandel, der bislang immer die Industrieländer begünstigt hat, oder wir sind für Protektionismus, so wie ihn die sozialistischen Länder gehandhabt haben.

      Antwort:
      1) Freier Welthandel hat China gross gemacht
      2) Protektionismus gab es vor, während und nach der Industrialisierung und Adam Smith war einer der ersten Ökonomen, die im Protektionismus ein Übel sah. Die sozialistischen Länder waren geradezu unbedeutend in der Geschichte des Protektionismus.
      3) Trumps Amerika First und die Zölle, die er neu erhebt, sind ein Rückfall in den Protektionismus

      Fazit: Mit der richtigen Strategie können Entwicklungsländer enorm vom Freihandel profitieren – so enorm, dass gewisse Industrieländer Angst vor dem Freihandel bekommen.

  11. Martin Holzherr,
    Ganz so einfach ist es mit dem freien Welthandel nicht. Er hat auch dazu geführt, dass die Schuhproduktion zu 90% nach Asien verlagert wurde. Der Beruf des Schuhmachers ist praktisch verschwunden. Er hat dazu geführt, das die Consumerelektronik zu 90% nach Asien verlagert wurde, und selbst Weltkonzerne wie Siemens können keinen konkurrenzfähigen Computer mehr herstellen.
    Der freie Welthandel macht uns abhängig. Wenn dann noch der Export einbricht, dann geht die Entwicklung in Richtung abwärts.
    Schlüsseltechnologien müssen protegiert werden, auch wenn es unwirtschaftlich ist.

    • Zitat: „ [Freihandel] hat auch dazu geführt, dass die Schuhproduktion zu 90% nach Asien verlagert wurde. Der Beruf des Schuhmachers ist praktisch verschwunden. Er hat dazu geführt, das die Consumerelektronik zu 90% nach Asien verlagert wurde, und selbst “
      Genau so ist es. Doch den Asiaten, die jetzt Schuhe und Elektronik herstellen, denen geht es besser.
      Wenn sie sagen (Zitat)“ Schlüsseltechnologien müssen protegiert werden„, dann bedeutet das, dass sie den Asiaten misstrauen.
      Letztlich läuft ihre Haltung darauf heraus, dass sie den Armen in andern Ländern nur Almosen geben wollen, nur das was von unseren Tischen herunterfällt sollen sie bekommen. Sie akzeptieren nicht, dass das vollwertige Menschen sind und wollen nicht, dass Europäer und Asiaten in gegenseitiger Abhängigkeit leben.

  12. Martin Holzherr,
    Die Menschheit lebt seit 500 000 Jahren in gegenseitiger Abhängigkeit. Das hat sie nicht davon abgehalten sich gegenseitig zu bekriegen.
    Das Wort Abhängigkeit ist der Schlüssel zum Thema “systemisches Verhalten”.

    Wenn sie wollen, dass Europa zur chinesischen Einflusssphäre wird, dann müssen sie auch inkauf nehmen, dass China in Bezug auf die Menschenrechte ganz andere Wertmaßstäbe anlegt.

    Was jetzt die Vollwertigkeit einer Kultur und deren Menschen betrifft, da liegen sie ganz falsch. Ich kenne Chinesen persönlich und die sind uns in Bezug auf Fleiß, Lernfähigkeit und Zielstrebigkeit überlegen. Eine chinesische Mutter, mit 6 Kindern, die jetzt in Europa lebt, deren Mann ist gestorben, warf mir vor, ich hätte es nur auf ihr Geld abgesehen, weil ich freundlich zu ihr war.

    Was jetzt die Dritte Welt betrifft, die haben mehr als Almosen verdient, das ist ja das Drama des freien Welthandels, er begünstigt die Wohlhabenden, weil die die Preise “diktieren” können.

    Übrigens, es ist nicht fair, jemandem niedrige Motive zu unterstellen, wenn man eine andere Meinung vertritt, als man selbst hat.

    • @lioninoil: Zugegeben: Gewisse Abhängigkeiten sind problematisch.

      Handelsaustausch aber gab und gibt es auch zwischen verfeindeten Staaten und Waffen verkauft Deutschland beispielsweise auch an Saudi-Arabien und tatsächlich kann man das durchaus rechtfertigen: mit dem Argument nämlich, dass Warentausch und Kaufen und Verkaufen von Dingen im gegenseitigen Interesse liegt und der Verkäufer nicht direkt dafür verantwortlich ist, was mit den verkauften Waren passiert.

      Noch zu folgender Aussage von Ihnen (zitat):

      Was jetzt die Dritte Welt betrifft, die haben mehr als Almosen verdient, das ist ja das Drama des freien Welthandels, er begünstigt die Wohlhabenden, weil die die Preise “diktieren” können.

      Nein, die Käufer, auch wenn es Wohlhabende sind, können nicht unbedingt die Preise diktieren, denn der Preis hängt von sehr vielen Faktoren ab, auch beispielsweise von der Nachfrage. Wenn die Anbieter einer Ware strategisch zusammenspannen und sich nicht auseinander dividieren lassen, haben sie einen deutlichen Einfluss auf die Preise. Beispiel: Die OPEC hat früher oft den Ölpreis mit Förderquoten erhöht.

      Letztlich gilt sogar: Japan, China und andere asiatische Länder haben sich wegen Warenexporten in den Westen so schnell hochgearbeitet. Export ist tatsächlich der stärkste und schnellste Entwicklungsmotor und nicht selten basiert Export auf Lohndifferenzen. Doch die Niedriglohnländer müssen das nicht für immer bleiben. Japan war früher auch einmal ein Niedriglohnland. Heute gehört es zu den führenden Industrieländern.

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