Bedingungsloses Taxi for Everything – Wollen wir in Klixbüll starten?

Jetzt reden alle über selbstfahrende Autos, mit Ausnahme der Autohersteller vielleicht. Ich schlage ja immer wieder vor, sich vor Augen zu halten, dass fast alle Autos zu jeder Zeit eigentlich nur parken. Wer so 20.000 km im Jahr fährt, benutzt sein Auto rechnerisch etwa 5 Prozent am Tag (oder 2,5 Prozent, wenn man Tag und Nacht = 24 Stunden zählt). Das ist so, als wenn alle Häuser im Jahr nur 18 Tage bewohnt würden, aber immer Miete gezahlt werden muss. Der helle Wahnsinn!
Mein Vorschlag also immer: Privatautos verbieten – wir fahren alle ausschließlich Selbstfahrtaxis, dann nutzen wir die Taxis bestimmt zu vielleicht 35 Prozent am Tag, und so brauchen wir nach Adam Riese nur ein Siebtel der Autos von heute, also ca. 15 Prozent. Natürlich kann die Automobilindustrie dann so ziemlich einklappen und schafft es deshalb kaum noch, die Dieselstrafen abzuzahlen. Aber wir haben endlich denselben unschätzbaren Luxus der Multi-Milliardäre und der Politiker: Wir haben einen Chauffeur.

Wir könnten noch viel mehr Geld sparen und Leben gewinnen, wenn es auch kleine selbstfahrende Spezialtaxis für lokale Zwecke geben könnte. Ein Selbst-Fahr-Pizza-Elektroofen wäre toll. Wir bestellen Pizza online, zahlen sofort vorab mit Paypal und sofort kommt ein Pizza-Rob zu uns und klingelt an der Haustür (per WhatsApp). Er könnte als Elektro-Konstrukt die Pizza sogar noch auf dem Weg zu uns fertigbacken – die ist dann absolut frisch! Andere Kleinfahrzeuge bringen Arzneimittel von Doc Morris (ach, Herr Gröhe, Sie denken immer nur an Naturschutz von Apotheken!), sie holen Bekleidung und meine Krawatten zur Reinigung ab und bringen sie wieder heim. Ich kann mir Blumenerde oder Pflanzen schicken lassen, Spielsand und Schmuckkiesel. Mit fällt so vieles ein. Man müsste seinen Kopf zum Friseur bringen können lassen oder zur Uni, oder der Roboter fährt mein Smartphone spazieren, damit die Eier für meinen Account bei Pokémon Go ausgebrütet werden, oh, und er kann meiner Apple Watch vielleicht durch das Fahren auf Heidelberger Schlaglochstraßen auch das Joggen vorfaken, sodass meine Krankenversicherung billiger wird. Auf den Nordsee-Inseln braucht man doch nicht so wirklich Autos? Da würden doch so smarte Postautos reichen?

Ich habe in Reden unermüdlich vorgeschlagen, uns zum Beispiel Bad Füssing an der österreichischen Grenze (die ganz durch den Inn gebildet wird) als Test-Ort auszusuchen. Wir zäunen den Ort großräumig ein und verbieten alle Autos drinnen. Die stehen draußen am Zaun auf großen Parkplätzen. Innerhalb gibt es nur „Taxis for Everything“. Bad Füssing lebt ja von Menschen, die die Thermen besuchen oder als Touristen kommen. Die könnten zwischen Thermen und Hotels hin und hergefahren werden. Ich schlage vor, ein Autokonzern baut das für alle in dieser Enklave kostenlos auf und betreut alles ein paar Jahre umsonstund . Dann kommen immer mehr Touristen, die Grundstückspreise steigen und immer mehr Orte und Städte wollen mitmachen. Der Vorteil eines lokalen Versuches wäre, dass man lernen kann, was gut funktioniert und was nicht, welche Gesetze geändert werden müssen und wie viel Internet man braucht, um alles zu steuern. Die Pizza-Robs müssen ja klingeln können, und Bargeld-Roboter müssen sich gegen das Einfangen wehren… da fällt mir ein, dass in unserem Waldhilsbach gerade die Sparkasse und die Volksbank (Kartell? Verbotene Absprache?) gleichzeitig schließen. Alte Menschen ohne Auto kommen nun nicht mal mehr an Bargeld, wenn sie auf einem Dorf wohnen. Zurück: Alle diese Punkte würden in Bad Füssing geklärt. Nach einer internen Firmenrede darüber („Hey, Leute, nehmt eine Milliarde in die Hand und macht los!“) sagte einmal ein sehr hoher Manager, es habe ihn gejuckt, gleich anzufangen. Wenn einer seiner Bereichsleiter gefragt hätte, hätte er ihm das Budget gegeben. Och nee, warum fängt er nicht selbst an? Es ist ein Projekt mit Potential zum Unsterblichmachen! Immerhin, die Idee zieht doch irgendwie? Vielleicht schaut sich einmal der Richtige die Videos meiner Argumente an?

Doch! Ich habe den wunderbar aktiven Manfred Paulsen kennengelernt, der in der Gegend von Husum wohnt und sich alles gut für die Nordseeinseln und die Küstenorte vorstellen kann. Wäre das schön, wenn man zwischen Strandkorb und Apartment hin und her gefahren würde! Zwischendurch zum Essen nach Klixbüll oder Hattstedt, die Pommesbuden und Heringsstände müssten ja gar nicht direkt im Sand stehen. Alles könnte neu und viel schöner organisiert sein. Manfred Paulsen hat also Husum sensibilisiert und mit anderen Gemeinden drum herum gesprochen. Und, na klar, sofort hat eine kleine und immer sehr fortschrittliche Gemeinde, nämlich Klixbüll, ganz amtlich durch den Bürgermeister im Netz verlauten lassen, dass sie „statt Bad Füssing“ mitmachen würde. Vielleicht schließ sich bald auch die Gemeinde Hattstedt an? Radio Schleswig-Holstein, Delta Radio und Radio Nora berichteten, und Udo Rahn legt in den Husumer Nachrichten vor, hier:

http://www.shz.de/lokales/husumer-nachrichten/wenn-das-auto-zum-chauffeur-wird-id15240981.html

Schauen Sie kurz, was der Bürgermeister von Klixbüll sagt:

https://daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seitengenerator/autonomes_fahren_klixbuell.pdf

Und ich frage: Könnten wir nicht ein paar zehn Orte aktivieren, auch so ein Statement ins Netz zu stellen? Ein Portal gründen, dass sich mit den Einzelfragen im Detail befasst? Wir brauchen Dampf! Unser Leben soll schöner werden. Bedingungsloses Taxi for Everything. Gehen Sie in Ihre Gemeinde, los. Lachen Sie über den Minister Dobrindt, der laut dem eben verlinkten Artikel glatte 80 Millionen „bis 2020“ für einen vollständigen Umbau unseres Landes ins Auge fasst. Für 80 Millionen bekommt man ein paar Studien mit der Ausarbeitung von Handlungsoptionen, die im breiten Diskurs mit der Öffentlichkeit ein Gefühl dafür geben können, was die jeweils bevorstehenden Wahlen gewinnt und Seehofer nicht böse auf Dobrindt macht.

Raus! Raus!

Veröffentlicht von

www.omnisophie.com

Bei IBM nannten sie mich "Wild Duck", also Querdenker. Ich war dort Chief Technology Officer, so etwas wie "Teil des technologischen Gewissens". Ich habe mich viel um "artgerechte Arbeitsumgebungen" (besonders für Techies) gekümmert und über Innovation und Unternehmenskulturen nachgedacht. Besonders jetzt, nach meiner Versetzung in den Unruhestand, äußere ich mich oft zum täglichen Wahnsinn in Arbeitsumgebungen und bei Bildung und Erziehung ein bisschen polarisierend-satirisch, wo echt predigende Leidenschaft auf Stirnrunzeln träfe. Es geht mir immer um "artgerechte Haltung von Menschen"! Heute bin ich als freier Schriftsteller, Referent und Business-Angel selbstständig und würde gerne etwas zum Anschieben neuer Bildungssysteme beitragen. Ich schreibe also rund um Kinder, Menschen, Manager und Berater - und bitte um Verzeihung, wenn ich das Tägliche auch öfter einmal in Beziehung zu Platon & Co. bringe. Die Beiträge hier stehen auch auf meiner Homepage www.omnisophie.com als pdf-download bereit. Wer sie ordentlich zitiert, mag sie irgendwo hin kopieren. Gunter Dueck

31 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Alles richtig, zwei Anmerkungen:
    1.) Es sollten LKWs auf autonomes Fahren umgestellt werden.
    2.) Bei PKWs ist die Umstellung nicht ganz klar, denn einerseits fahren autonome PKW langsamer, weil vorsichtiger und andererseits haben Fahrer nichts mehr zu tun, die Zeit vergeht langsamer; die Lebensqualität sinkt sozusagen doppelt.

    MFG
    Dr. Webbaer (der auf ethische Fragen an dieser Stelle nicht eingehen wird, Unfälle mit Personenschäden betreffend – weil: ein weites Feld)

  2. Die dominierenden Strassenfahrzeuge der nahen Zukunft werden autonome Kleinbusse/Gruppentaxis von Taxiunternehmen sein. Der Gütertransport über die Strasse – ebenfalls autonom – wird in Randstunden (vormittags, nachts) verlagert werden. Staus wird es trotz Mehrverkehr eher weniger als heute geben. Mehrverkehr wird es geben, weil es deutlich billiger werden wird von A nach B zu reisen, denn der Preis für die Fahrt im autonomen Kleibnbus/Gruppentaxi wird sogar deutlich kleiner sein, als er heute bei Flixbus ist. Für einige wird das pausenlose herumreisen mit immer wieder anderen Leuten sogar zur Hauptfreizeitbeschäftigung werden.

    • @ Herr Holzherr :

      Staus wird es trotz Mehrverkehr eher weniger als heute geben. Mehrverkehr wird es geben, weil es deutlich billiger werden wird von A nach B zu reisen, denn der Preis für die Fahrt im autonomen Kleibnbus/Gruppentaxi wird sogar deutlich kleiner sein, als er heute bei Flixbus ist.

      ‘Mehrverkehr’ [1] könnte schon mehr ‘Stau’ bedeuten.
      Es ist ja nicht so, dass bestimmte Algorithmen “Stau-Probleme” lösen könnten, vgl. bspw. hiermit :
      -> https://de.wikipedia.org/wiki/Problem_des_Handlungsreisenden

      Insofern müsste, bei umfänglich per “autonomer” Fahrweise unterwegs Seienden, zentral abgeglichen werden, wer wohin will, auch Prioritäten setzend.
      Es ist ja nicht jeder gleich.

      Ansonsten entstünde so u.a. auch ein sinnhaftiges Instrument die Entwicklung und Pflege von Maßnahmen, die die Infrastruktur meinen, betreffend, korrekt.

      MFG
      Dr. Webbaer

      [1]
      Das Problem im Taxi ist oft der Fahrer, korrekt.

      • Der Verkehr der Zukunft zu Land, zu Schiene und in der Luft wird digital gesteuert sein und eine Art intelligentes Schwarmverhalten zeigen. Deshalb ist ihre Aussage

        Insofern müsste, bei umfänglich per „autonomer“ Fahrweise unterwegs Seienden, zentral abgeglichen werden, wer wohin will, auch Prioritäten setzend.

        nicht ganz korrekt. Vielmehr kann jeder dorthin wo er will und sobald er sein Ziel in der Verkehrs-App eingegeben hat, werden ihm Fahrzeuge und Routen vorgeschlagen, die direkt oder indirekt (evtl. umsteigen) zum Ziel führen. Die Verkehrs-App kennt jedes verfügbare, gerade rollende oder stehende Fahrzeug samt seinem momentanem Aufenthalt und seiner momentan geplanten Route. Will ein Kunde nun von A nach B, wird nach Bestätigung durch den Kunden ein Gruppentaxi, das gerade in seiner Nähe ist, einen kleinen Abstecher machen um ihn zu holen und weiterzutransportieren. Weil der Verkehr vor allem in Fahrzeugen mit 6 bis 10 Plätzen stattfindet, wird es auch bei Mehrverkehr weniger Stau geben.

        • @Martin Holzherr;
          Das “intelligente Schwarmverhalten” endet gelegentlich in der Katastrophe, z.B. wenn Wale an der Küste anlanden. So einfach ist das nicht, wie Verkäufer pseudowissenschaftlicher Literatur sich das vorstellen. Reisende möchten ein bestimmtes Ziel erreichen, in kürzestmöglicher Zeit, unabhängig von anderen Reisenden. Wohlklingende Schlagworte und rudimentäre Experimente sind noch keine Lösungen. Das Navi im Auto ist ein bewundernswertes Instrument, Grundlage aller autonomen Fahrzeuge oder Verkehrsteilnehmer, aber man sollte sich nicht blind darauf verlassen.

          Es besteht kein Zweifel, dass die Technik noch vieles möglich machen wird. Aber manche science-fiction bleibt science-fiction, weil auch der schnellste Computer und der größte Datenspeicher nicht ausreichen. Manche Alltagsprobleme sind so komplex, dass sie in endlicher Zeit nicht berechenbar sind. Es bleibt die Frage, wieviel Risiko und Unsicherheit akzeptiert werden kann, im Verhältnis zum Nutzen. Auch 4000 Verkehrstote pro Jahr halten keinen Autofahrer von der nächsten Fahrt ab. Die andere Frage ist, wieviel die Freiheit und Bequemlichkeit der individuellen Mobilität wert ist.

          • Nein, die Voraussetzungen für ein Verkehrs-App, welche mir jederzeit sagen kann mit welchen Fahrzeugen (Taxis) ich von meinem Standpunkt zum Standpunkt B kommen kann, sind bereits vorhanden. Schon heute weiss eine Taxizentrale jederzeit welche Taxis sich wo befinden und mit welchen Fahrgästen sie nach welchem Zielort unterwegs sind.
            In den USA wird gegenwärtig sogar der nächste Schritt implementiert: Die Car2Car-Communication (ein Fahrzeug informiert das andere über Gefahren etc.) und Audi hat in den USA implementiert gar ein vehicle2infrastructure-System wie (unter anderem) der Artikel Audi’s Traffic light information tells when you’ll get the green berichtet.:

            The Traffic light information system lets the car talk to the road. As your car nears a traffic light, it will receive real-time data about the signals at that location. Because the data can be complex, Audi says the car’s computer will decide whether it has enough information to know when the traffic light you’re sitting at will turn green. If so, it’ll display a countdown clock on the instrument cluster.

            Die Technologie ist also schon viel weiter fortgeschritten als die meisten zu träumen wagen. Eine Verkehrs-App, die mir jederzeit ein Reiseangebot von A nach B macht wobei Verkehrsmittel wie Taxi, Bus und Bahn integriert sind ist heute schon realisierbar und wird morgen zum Alltag gehören.

        • @ Herr Holzherr :

          Weil der Verkehr vor allem in Fahrzeugen mit 6 bis 10 Plätzen stattfindet, wird es auch bei Mehrverkehr weniger Stau geben.

          Wie viele Personen per “autonomes Fahren” beizeiten bewirtet werden, wird der Markt zeigen.

          Es ist nicht intuitiv, dass wenn eine Person von A nach B will, er in ein Mehrpersonen-Fahrgerät einsteigen wird, denn die Fahrziele der derart anfordernden Personen konkurrieren.

          Auch dass der Fahrer als Kostenfaktor eingespart werden kann, deutet qua Markt sozusagen auf ‘Mehrverkehr’ hin.

          Reguliert werden könnte hier durch Besteuerung, die dann aber leider leider wieder die Lebensqualität (s.o.) mindern würde.

          MFG
          Dr. Webbaer (der langfristig natürlich den Personenverkehr und der Stoßrichtung des hiesigen dankenwerterweise bereit gestellten WebLog-Artikels folgend auf Flug-Drohnen zu setzen hat >:-> [1])

          [1]
          Immerhin cooler als der Versand per “Rohrpost”, wie er im Bereich der SciFi seit langer Zeit angedacht wird.

          • Zitat:

            Es ist nicht intuitiv, dass wenn eine Person von A nach B will, er in ein Mehrpersonen-Fahrgerät einsteigen wird,

            Richtig. Aber beim Verkehr geht es auch immer um ein Optimierungsproblem. Sie möchten möglichst viel Verkehr mit möglichst wenig Infrastruktur abwickeln. Wenn sie die Knappheit der Ressourcen nicht beachten, enden sie im Stau. Ein Stau im menschlichen Verkehr vernichtet nur Arbeitszeit, ein Stau im Verkehr von Blut (Thrombus genannt) kann sogar tödlich sein.
            Heute kann man den Personen- und Güterverkehr der menschlichen Gesellschaft durchaus mit der Blutzirkulation im menschlichen Körper vergleichen. Genau wie der Blutfluss im menschlichen Körper ist der Personen- und Güterverkehr keine Option mehr sondern eine Notwendigkeit. Als Notwendigkeit muss der Verkehr auch Effizienzkriterien erfüllen.

          • Lieber Herr Holzherr,

            Ihr Kommentatorenfreund arbeitet sich fortlaufend noch ein wenig an dieser Ihrigen These ab:

            Staus wird es trotz Mehrverkehr eher weniger als heute geben.

            Wird hier nicht direkt beispringend, im Sinne von “Muss ich haben, jetzt und hier!”, denn grundsätzlich bedeutet höhere Mobilität der Menge mehr Straßenverkehr und mehr Abnutzung und mehr ‘Stau’.
            Insofern wäre die hier gemeinte Infrastruktur womöglich nur auszubauen.

            Macht den Braten aber nicht fett.

            Dies hier geht womöglich nicht:

            Heute kann man den Personen- und Güterverkehr der menschlichen Gesellschaft durchaus mit der Blutzirkulation im menschlichen Körper vergleichen.

            U.a. deswegen nicht, weil das zitierte Ausgleichssystem nicht wirtschaftlicher und politischer Art ist.

            KA, wie heißt hier das Fachwort? Unpassende Allegorie?

            MFG + schöne Weihnachtstage,
            Dr. Weihnachtswebbaer

  3. Mobilität im ländlichen Raum wird der entscheidende Faktor für die Attraktivität des Ländlichen Raumes in Zukunft sein. Autonomes Fahren kompensiert zumindest teilweise den Kaufmann vor Ort, ebenso den Arzt usw. Somit schafft das autonom fahrende Vehikel eine Art Lebenszeitverlängerung für den gefährdeten ländlichen Raum. Aus diesem Grunde unterstützt unsere Gemeinde Klixbüll einen Autonomen Testbetrieb im Ort.

    • @Schweizer Werner;
      Zerlegen wir zuerst das Problem des ländlichen Raumes in zwei Teile: die Güterversorgung und den Personenverkehr. Die Güterversorgung ist teilweise bereits gelöst durch Online-shopping mit Paketzustellung. Der nächste Schritt wird die automatisierte Paketzustellung sein, an der bereits gearbeitet wird. Das bedeutendere und schwierigere Problem ist der Personenverkehr. Zum Arzt, zum Friseur, zu Behörden, zu Besuchen muss oder will man persönlich hin. Das ist besonders für die Senioren oftmals ein großes Problem, sei es, dass man kein Auto oder keine Fahrerlaubnis mehr hat. Der öffentliche Verkehr ist meist äußerst dünn auf dem Land und man wohnt selten direkt an der Haltestelle. Hier würden autonome, jederzeit und überall verfügbare Fahrzeuge existenzielle Vorteile und Möglichkeiten bieten. Eines der Hauptprobleme bleibt die Sicherheit der Insassen.

      Es war in der Geschichte immer so, dass Siedlungen an Verkehrsknotenpunkten und entlang Verkehrslinien entstanden sind. Man sieht es an der Wucherung der Großstädte in das Umland entlang der S-Bahnen. Das autonome Fahren, wenn es vollständig gelingt, könnte die Siedlungsstrukturen in der weiteren Zukunft völlig verändern und könnte den öffentlichen Personenverkehr teilweise überflüssig machen. Selbstverständlich müssen auch die Kosten untersucht werden.

      • Ergänzend ist hier der Personenverkehr zu öffentlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen zu nennen, ein bedeutender Aspekt zur Lebensqualität auf dem Land. Nicht zuletzt wäre damit das Problem des Alkoholkonsums zu verringern. Dagegen wäre der Personenverkehr zwischen Ferienapartment und Strandkorb eher zu hinterfragen, schon wegen der Fahrbahnverhältnisse, es sei denn, eine andere Verkehrsart mit lenkradfreien Händen wäre damit gemeint!

  4. Zu den Herstellern von Automobilen: Der Absatz von Fahrzeugen ist im D0ueckschen Modell (in seiner Idealform) gesichert, da ändert sich erstmal überhaupt nichts an den Verkaufszahlen, denn es wird ja nicht weniger gefahren, sondern es wird mit weniger Fahrzeugen gefahren. Dabei legen die eingesetzten Fahrzeuge wesentlich mehr Strecke zurück pro Jahr, sodass sie schneller ausgetauscht werden müssen – Folge: Die Zahl der produzierten Fahrzeuge bleibt gleich, die Flotte verjüngt sich erheblich (das einzelne Fahrzeug wird nicht mehr über ein Jahrzehnt die meiste Zeit am Straßenrand abgestellt, sondern ist im Dauereinsatz, was übrigens dem Motor sehr zuträglich ist – fragen Sie mal Taxifahrer, die ihre Personenbeförderungswerkzeuge auch aus diesem Grund am liebsten 24/7 auf der Straße sehen) und trägt so dazu bei, neue Technologien schneller auf die Straße zu bringen.

    Was den Umweltschutz dieses auf PKW basierenden ÖPNV angeht, höre/lese ich zahlreiche eher skeptische Stimmen, denen zuzustimmen ich geneigt bin, denn: Wenn die bisher viele Personen in ein großes Fahrzeug bündelnde Strategie aufgegeben wird bzw. aufgegeben werden muss (die Stadtwerke gehen pleite, weil alle lieber mit dem bequemeren PKW als mit dem überfüllten Bus oder Zug fahren), dann ersetzen sehr viele kleine Fahrzeuge die wenigen großen, mir der Folge, dass der Verkehrskollaps fatal wird.

    Ich bitte um Nachsicht, dass vor allem mein letzter Absatz, der ja ein wenig den Todesstoss für den Dueckschen Traum vom PKW-gestützten ÖPNV bedeuten könnte, ohne Quellen bleibt – allein, ich bin gerade mobil unterwegs und daher ein wenig in der Recherche eingeschränkt. Die einschlägigen Suchmaschinen helfen sicher weiter.

    • Nein, autonom verkehrende Kleinbusse und Sammeltaxis werden die Strasse entlasten auch wenn sie teilweise grössere Busse und den Eisenbahnverkehr konkurrenzieren. Einfach darum, weil in Zukunft, das was heute der Normalfall ist, nämlich das Auto mit dem Fahrer als alleinigen Fahrgast, verdrängen werden. Aus Sicht des Mobilitätskonsumenten geht es letztlich immer darum von A nach B zu kommen. Wenn man mit der Bahn oder dem Bus direkt von A, wo man gerade ist, zum gewünschten B kommt, dann ist die Bahn oder der Bus das ideale und wohl auch billigste Verkehrsmittel, wenn A oder B aber nicht einen Bahn- oder Busanschluss hat, dann ist es eben ein kleineres Verkehrsmittel, ein Sammeltaxi oder ein Kleinbus.

      • Ich vermute, da verschätzen Sie sich wohl, leider, möchte ich hinzufügen – Beleg: Die Haupt-, also die investionsstarken und volumenfixierten Akteure bei der Entwicklung in Sachen Ridesharing sind zur Zeit ausschließlich auf den PKW fixiert, namentlich _alle_ PKW-Hersteller weltweit und hervorragend finanzierte, on Geld geradezu schwimmende digitale Anbieter wie Uber, Lyft etc.

        Die klassischen Anbieter von ÖPNV, namentlich Taxen (sind in Deutschland regulatorisch Teil des ÖPNV) und “Stadtwerke”, traben der Dynamik, dem Markt, dem Angebot und vor allem auch dem Nachfrager, also dem Kunden, gefühlt meilenweit hinterher, obschon sie, durch ihre Geschichte und durch ihre Rolle, der Sache eigentlich meilenweit voraus sind – der Kunde will es nur anders: Nicht Großraum und auch nicht Kleinraum, sondern extrem individuell und kleinzellig ist der Wunsch, siehe die weiterhin überbordende Nutzung von PKW, Ihr eigenes Argument.

        Meine Vermutung, nicht nur in Sachen ÖPNV: Es scheitert mal wieder an der Bequemlichkeit. Nobel geht die Welt zugrunde.

        • Ich bin denke, dass langfristig der Individualverkehr durch autonomes Fahren zurückgeht. Einfach darum, weil in Zukunft kaum noch jemand ein eigenes Auto besitzen wird und Gruppentaxis ein billigeres Fahren ermöglichen werden.
          Sogar, wenn in autonomen Taxis nur ein Fahrgast unterwegs ist, ermöglicht autonomes Fahren ein dichteres Aufschliessen
          Im SPON-Artikel “Selbstfahrende Autos sind eine Chance für die Stadt” liest man dazu:

          Durch das automatisierte Fahren werden sich die Abstände zwischen den Fahrzeugen verkürzen, sodass die gleiche Anzahl von Autos mit weniger Grünzeit an den Ampeln abgewickelt werden kann. …. Die Kapazitätssteigerungen, die durch das automatisierte Fahren in der Stadt entstehen werden, sind noch nicht untersucht. Studien des US-Militärs gehen davon aus, dass auf den Highways bis zu viermal mehr autonome Autos fahren könnten als konventionelle Fahrzeuge.

          Noch dichters und vor allem auch billigeres Fahren wird durch Sammeltaxis und autonome Kleinbusse möglich. Autonome Kleinbusse werden es auch Schülern, Rentnern und allgemein einkommensschwächeren Gruppen erlauben, mobiler zu werden. Zudem werden Städte autonome Kleinbusse begünstigen um Staus zu reduzieren.

          • Aus dem Bereich der Luftfahrt kann ich ihnen bestätigen, dass Abstandsreduzierungen durch Automatisierung schon seit ca. 10 praktiziert werden. Durch die transponderbasierten ADSB Systeme (Automatic dependent Surveillance Broadcast) regeln die LFZ , Abstand und Geschwindigkeit zum vorausfliegenden LFZ vollautomatisch. Durch Anwendung dieser Verfahren konnte bei Versuchen vor über 10 Jahren die Anzahl der Landungen gegenüber konventionellen Verfahren verdoppelt werden.

        • Der Economist-Artikel The driverless, car-sharing road ahead prognostiziert, dass durch autonome Fahrzeuge, Car-Sharing enorm zunehmen wird mit einem Anteil von 15% am Verkehr durch shared cars bereits 2030. Man liest dort:

          Barclays, another bank, forecasts that the fully driverless vehicle will result in the average American household cutting its car ownership from 2.1 vehicles now to 1.2 by 2040. A self-piloting car may drop off a family’s breadwinner at work, then scuttle back to pick up the kids and take them to school. The 11m or so annual sales of mass-market cars for personal ownership in America may be replaced by 3.8m sales of self-driving cars, either personally owned or part of taxi fleets, Barclays thinks.

          Auf die gemeinsame Benutzung des gleichen Taxis geht der Artikel How shared self-driving cars could change city traffic ein. Dort liest man:

          shared self-driving fleets can deliver the same mobility as today with significantly fewer cars. In a city serviced by ride-sharing TaxiBots and a good underground system, 90% of cars could be removed from the city. Even in the scenario that least reduces the number of cars (AutoVots without underground), nearly half of all cars could be removed without impacting the level of service. Note: TaxiBots replace more cars than AutoVots since the latter require more vehicles and much more re-positioning travel to deliver the same level of service. Even at peak hours, only about one third (35%) of today’s cars would be on the roads (TaxiBots with underground), without reducing overall mobility.

          Die Studien bezüglich vermehrtem Einsatz von autonomen Autos mit Sammeltaxis (TaxiBots) und autonomen Einzeltaxis (AutoVots) kommen zum Schluss, dass selbst mit AutoVots (autonomen Einzeltaxis) die Strassenbeanspruchung und damit der Stau zurückgeht und dass mit mehrheitlich Sammeltaxis die Strassenbelastung bei gleicher Transportkapazität um 90% zurückgehen könnte. Die Städte werden sich diese Effizienzsteigerung nicht nehmen lassen. Sie werden TaxiBots fördern um ihr Strassennetz zu entlasten.

          • Das sind alles nette Theorien, die aber nicht viel wert sind, solange die Kosten und auch die Art der Abrechnung nicht berücksichtigt werden. Die Mobilität hat selbstverständlich auch einen ideellen Wert. Man möchte selber bestimmen können, wann und wohin man fährt, solange man es sich leisten kann. Daneben gibt es die Routinefahrten zur Arbeit, zum regelmäßigen Einkaufen oder zu öffentlichen Veranstaltungen, für die man heute vorwiegend die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt.

            Die Frage, was kostet die Fahrt, wird sich genauso bei autonomen Fahrzeugen stellen. Individual- oder Einzeltaxis gibt es bekanntlich schon heute, mit großen Unterschieden allerdings bezüglich der Verfügbarkeit zwischen Stadt und Land, und mit relativ hohen Kosten pro Einzelfahrt. Solange man selber fahren kann, macht es jedenfalls keinen Sinn, ein autonomes Fahrzeug für sich selber zu kaufen und in die Garage zu stellen. Letztlich entscheiden die Kosten über die Akzeptanz und die Nutzung.

          • Mich überzeugen diese Prognosen nicht, ich bin nicht optimistisch, was die gemeinsame Nutzung von Transportmitteln angeht… Die schon jetzt zu beobachtende Tendenz zur fast feindseligen Abschottung (siehe SUV als persönliche Panzer, tatsächlich wohl der “unique selling ponit” dieser Fahrzeugklasse für den größten Teil der Käuferschaft) könnte durch einen finanziell ausgeübten “Zwang” zur Kollektivierung eher zunehmen – Zwang, gefühlt oder echt, hat quasi immer solche Folgen, und die sich durch “AutoVOTS” etc. erweiternden Möglichkeiten zur Vereinzelung tun dann, vermute ich, das Übrige.
            Noch zu dem anderen Punkt: Eine absolut reduzierte Anzahl von Fahrzeugen bedeutet nicht automatisch weniger Staus, wenn eine relativ höhere Anzahl von Fahrzeugen (im Zweifel “alle”) zu den Hauptverkehrszeiten unterwegs ist – es reduziert sich ja, ich weise immer wieder darauf hin, nicht die gesamte Fahrleistung (sondern in diesen Szenarien lediglich der Parkplatzbedarf); auf den kontraproduktiven Effekt von Leerfahrten autonomer Fahrzeuge (eine ökologische Bankrotterklärung, wenn man drüber nachdenkt) wurde schon hingewiesen.

            Ich lasse mich allerdings auch gerne überraschen, wünsche mir mehr Ridesharing aus Einsicht und bin gespannt, welche Effekte wir in Zukunft dann wirklich beobachten, denn: Grau ist alle Theorie.

      • @ Herr Holzherr :

        Einfach darum [1], weil in Zukunft, das was heute der Normalfall ist, nämlich das Auto mit dem Fahrer als alleinigen Fahrgast, verdrängen werden.

        Ist überhaupt nicht klar.

        Wer von “A nach B” will, wird eben nicht gesammelt von “A nach B” befördert werden, weil schlicht nicht viele Fahrgäste genau den selben Abfahrts- und Zielort teilen.

        Zudem wird es:
        A) verstärkt Leerfahrten geben mit exakt null Fahrgästen und eben null Fahrer (hier leuchtet die grundsätzlich problematische Wirtschaftlichkeit des im WebLog-Artikel Beworbenen direkt ein)
        B) Umlenkungen von den öffentlichen Verkehrsmitteln auf (durch Fahrerverlust monetär günstig) sog. autonomes Fahren geben

        Alternativ und ein wenig provokativ formuliert dürfen sich auf den öffentlichen Straßen en masse “herumwieselnde” autonome Fahrgeräte vorgestellt werden, die Ihr naive Vorstellungen karikieren.


        Insofern wird “der Staat” hier mit Steuern kommen (müssen), wegen der sich ansonsten anbahnenden “Wieselei” auf den öffentlichen Straßen.

        So ausbalanciert, und darauf wollen Sie womöglich hinaus, Herr Holzherr, wäre dann aber ein Zustand geschaffen, der dem jetzigen vorzuziehen ist.
        (Oft auch generell unqualifiziertes Fahrpersonal geht dann halt in die Sozialsysteme, aber die “kosten ja nichts, zahlt der Staat” (François Hollande hier ein wenig böse zitiert).)

        MFG + schöne Weihnachtstage,
        Dr. Weihnachtswebbaer

        [1]
        Bezug:
        ‘Nein, autonom verkehrende Kleinbusse und Sammeltaxis werden die Strasse entlasten auch wenn sie teilweise grössere Busse und den Eisenbahnverkehr konkurrenzieren.’

  5. Kurz zwei Anmerkungen: Die gefahrenen KM sind u U im neuen Modell dieselben, aber die Autos fahren dann ALLE ihre 300.000 km oder so, es ist auch leichter Elektromotoren auszutauschen. Heute gibt es 55 Mio PKW bei 42 Mio Erwerbstätigen, da stehen viele Autos nur in der Garage!

    Dann: Wir sehen, dass der ganze Handel in Turbulenzen kommt, wenn nur Amazon 10 % Marktanteil bekommt und weiter wächst, weil der stationäre Handel dann jedes Jahr stagnierende Umsätze hat, aber höhere Löhne zahlen muss. Daran geht er schleichend zu Grunde (man lese demnächst, wie sie unter den Amazon-Last-Minute-Bestellungen HEUTE (23.12.) leiden, wo wir früher alle noch schnell in die Parkhäuser hechteten).
    Bei den Autos ist das auch so: Wenn der Trend kippt, sinkt einfach der Neuwagenbedarf, dann müssen die Hersteller langsam ins Grauen fahren.
    Es ist wie bei den Banken, die jetzt Zweigstellen schließen.
    Ich will sagen: Sie diskutieren hier meist 2016 gegenüber 2030, das ist nicht der Punkt. Die Agonie beginnt jetzt schon…wie im Handel Amazon/Handel und bei Internet/Banken schon seit 15 Jahren… der Todeskampf wurde damals nicht einmal ERKANNT, erst jetzt bei den Leichenflecken. Und so ist das mit den Autos auch. Man erkennt es nicht, wenn man nicht lange nachdenkt. Das zeigt die Diskussion hier, die könnte bei einem Produzenten genauso sein. Sorry… man kann doch aus den Todesverläufen der anderen Branchen lernen?!

    • Lieber Herr Dueck,

      in Ihrem Posting liegt der Fokus auf Personenbeförderung und nicht auf Elektrofahrzeuge, und da sehe ich zwei, wenn nicht drei Paar Schuhe, schließlich werfen sie “Disruption” auch noch (und richtigerweise) in die Debatte. Ich löse mal (aus meiner zugegeben debattenfreudigen Sicht, für die ich um Nachsicht bitte) ein wenig auf.

      Personenbeförderung: Ich bleibe bei meiner Behauptung, dass sich das Volumen der Beförderung, also die in Summe zurückgelegte Strecke (“Personenkilometer”), erstmal nicht wesentlich (einschließlich der absehbaren, ohnehin aus gesellschaftlichen Gründen anfallenden Steigerungsraten) ändern wird. Wenn dann aus Stehzeugen (15.000 km/Jahr) mit 12 Jahren Nutzungszeit Fahrzeuge (180.000 km/Jahr) mit 1 Jahr Nutzungszeit werden, bleibt die Nachfrage nach Fahrzeugen an sich (im großen Rahmen betrachtet) erstmal gleich. Wenn man diese Prämissen akzeptieren mag, ist diese Frage ein schlichter Dreisatz – oder übersehe ich da (innerhalb dieser Prämissen) etwas?

      Elektrofahrzeuge; Die deutschen PKW-Hersteller planen (bzw. drohen im Falle von VW – mal sehen, ob Niedersachsen oder Bonn sich zuerst zum “Zur-Seite-springen”, sprich zur mehr oder weniger verdeckten Subvention genötigt fühlen) jetzt schon mit Stellenabbau, und das weniger wegen der überraschenden Robustheit der eigenen Produkte (auch bei elektrisch angetriebenen Fahrzeugen hat der Hersteller die Möglichkeit der planbaren Obsolenz, erklärbar immer ganz legitim und gut nachvollziehbar mit dem Kundenwunsch nach dem besten Preis) als wegen des schlichten Konkurrenzdrucks – will sagen: Aus Deutschland kommen keine attraktven Fahrzeuge, die zukunftsfähige, gesellschaftlich konsensfähige und angstfrei nutzbare Technologien, sprich Elektroantrieb günstig und reichweitenstark, anbieten. Wenn nicht wieder direkt oder indirekt subventioniert wird, haut es die deutschen Ackergäule sicher bald aus dem Rennen.

      Disruption: Spannender Punkt. Ich sehe hier zum einen die Trägheit vor allem der deutschen Autobauer (nicht des PKW-Markts insgesamt, wohlgemerkt) als die eine Sollbruchstelle und zum anderen (da beziehe ich mich nochmal auf meinen ersten Post) die klassischen Anbieter von “human transport” (die ich immer ein wenig despektierlich “Stadtwerke” nenne), die das eigene Geschäft nicht attraktiv zu gestalten wissen, oft genug, weil die lokale oder nationale Politik sie aus Inkompetenz oder Desinteresse nicht läßt, und auch, weil attraktive öffentliche ÖPNV-Infrastruktur schlichtweg atemberaubend teuer ist (U-Bahnbau zum Beispiel ist in europäischen Metropolen die via dolorosa der Planer, der Ingenieure und der Kämmerer). Hier springen die jungen Pferde (Uber etc.) den alten Gäulen, die viel Gepäck herumschleppen müssen, einfach davon, und der Kunde läßt sich gerne verführen.

      Nochmal mein Fazit, und darin erneut der Bogen zur Verkehrspolitik: Am Ende wird es in Ihrer Vision ein altes Problem in neuen Schläuchen geben, nämlich Stau ohne Ende, nur bequemer und elektrischer – das wäre unschön.
      Schöner wäre, wenn wir die gesellschaftlich und gleichzeitig individuell notwendige Disruption, nämlich ein auf Nachhaltigkeit basierendes Verständnis von Stadt/Kommune und von Verkehr als Gemeinschaftsaufgabe und Gemeinschaftserlebnis (Ridesharing und ÖPNV, nicht Carsharing in irgendeiner Form), wieder auf die Agenda bekämen – will sagen: Wir sollten alle wieder mehr miteinander anstatt nebeneinander fahren, also mehr Bus und Bahn fahren und PKW-Fahrten _immer_ teilen. In dem Szenario wären alle Diskussionen rund um Antriebstechnologien die leckeren Kirschen auf der Torte 😉

    • Stehzeuge: Ja, das meine ich wirklich so, da besetze ich den Begriff ganz pragmatisch so – für mich (Disclaimer: Ich nutze Car- und Ridesharing intensiv) sind tatsächlich alle PKW, die weniger als 50%* ihrer “Lebens”dauer für den eigentlichen Zweck genutzt werden, “Stehzeuge” und nicht Fahrzeuge. Es ist ökologischer und sozialer (u.a. Platzverbrauch in Städten) und sowieso ökonomischer Unfug bzw. “Wahn” (siehe unten), eine Ressource so zu unternutzen… Die knapp 15.000 Kilometer pro Jahr (Mittelwert _aller_ PKW in Deutschland laut KBA) laufen ja am Ende auf kaum zwei, eher eine Stunde Nutzung pro PKW pro Tag heraus.

      *Willkürlicher Wert, ein höherer Wert wäre noch besser, allerdings gibt es natürlich auch immer Tagesrandzeiten, Wartungszeiten etc. zu berücksichtigen.

      Sie vergleichen ja selber die nur an einigen Tagen im Jahr genutzte Mietwohnung mit dieser Situation – Ihre Einschätzung “Wahnsinn!” in dieser Hinsicht teile ich, im echten Leben wäre diese Wohnung wohl besser eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer, die bei eigener Abwesenheit auch andere nutzen, und da sind wir wieder bei des Pudels Kern: Es wird zuviel individualisiert und zuwenig geteilt.

      Wie ich schon schrieb: Wir müssen mehr miteinander und nicht neben- oder hintereinander fahren, erst dann entlasten wir die Systeme wirklich. Das geht übrigens auch ohne Automatisierung und ohne Elektrifizierung und in jedem Ort, nicht nur in Klixbüll – das ginge quasi sofort.

      Es macht halt nur niemand, leider.

  6. Neben gemeinsam bentutzten Selbstfahrtaxis könnte es bald auch schon gemeinsam benutzte selbstfahrende Flugtaxis bzw. Flugbuse geben. In Future of
    urban mobility
    verspricht uns Airbus diese Zukunft ab 2030. Wenn Fliegen im Flugtaxi/Flugbus zur Normalität wird braucht es keine neue Brücken und Autobahnen mehr und neue Siedlungen können dann überall um eine Grossstadt herum entstehen. Man könnten von einer von Peter Thiels Sea-Steadying – Inseln vor San Franzisko zu seinem Arbeitsort im Silicon Valley (wo denn sonst) fliegen oder jeden Tag über den Bodensee zur Arbeit und zurück fliegen.

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