Technikkommunikation – Ein Kurzessay

Von Menschen und Mäusen

Heute habe ich meine Zusage für die Lernwerkstatt Technikkommunikation bekommen. Veranstalter sind Wissenschaft im Dialog und acatech. Ich freue mich sehr darauf und bin gespannt wie das Ganze organisiert sein und wer alles dabei sein wird. Teil der Bewerbung war ein Kurzessay zum Thema „Fracking, Grüne Gentechnik, Hochspannungsleitungen und Co. – Was kann Technikkommunikation zu kontroversen Themen leisten?“. Ich hatte vorher noch nie ein Essay geschrieben (und muss mich ständig zusammen reißen nicht das mir geläufigere Assay zu schreiben). Aber jetzt ist es ja nun eimal da. Und da ich gerade kränkelnd unleidlich bin, und keine Muße für einen neuen Artikel habe, kann ich das Essay ja auch gleich noch hier einstellen. Ich hoffe es gefällt euch.

 

Fracking, Grüne Gentechnik, Hochspannungsleitungen und Co. –

Was kann Technikkommunikation zu kontroversen Themen leisten?

ein Kurzessay von Claudia Davenport

 

Der Meinungsaustausch gehört zum modernen Menschen, denn der Mensch ist ein kommunikatives Wesen. Meinungsaustausch gab es schon in früher Vorzeit. Sei es ein philosophischer Diskurs im alten Griechenland, eine öffentliche Versammlung oder eine Talkshow.

Die Kommunikation mit Mitmenschen beherbergt neben der offensichtlichen sozialen Komponente auch die Kraft, Dinge zu bewegen und zu verändern. Das Höhlengleichnis fordert ein kritisches Hinterfragen des Wahrnehmbaren und beschrieb schon damals das Wesen aller Forschung. Öffentliche Versammlungen sind ein wirksames Mittel um – bei entsprechender Größe – politischen Druck zu erzeugen und Themen mitten in die Bevölkerung zu tragen. Aktuell werden auf diese Weise Fragen des Umweltschutzes, der Gleichberechtigung und der Asylpolitik öffentlichkeitswirksam behandelt. In Talkshows wird wiederum Politikern die Möglichkeit gegeben, ihre Position zu relevanten Themen zu erläutern.

Dabei hat sich die Art und Weise des Meinungsaustauschs gerade in den letzten Jahren rapide gewandelt. Durch die breite Nutzung des Internets aus Informations- und Diskussionsplattform ist es jederzeit möglich sich zu allen denkbaren Themen zu informieren und seine Meinung zu verbreiten. Es nicht mehr nötig, auf der Straße für seine Interessen einzutreten. Warum auch, wenn man das auch bequem vom Sofa aus machen kann? Die neuen Medien haben dabei geholfen, dass wir selbstbewusster geworden sind. Wir sind nicht mehr darauf angewiesen allein auf Expertenmeinungen zu vertrauen.

Diese Veränderung kommt nicht ohne Probleme. Denn der Mensch ist außerdem auch ein emotionales Wesen. Dadurch erfährt die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen schnell eine starke Emotionalisierung. Neben politischen Themen, sind besonders auch wissenschaftlich kontroverse Neuerungen in ihrer Diskussion emotional aufgeladen. Egal ob es um Fracking, Grüne Gentechnik oder Hochspannungsleitungen geht. Eine unemotionale Auseinandersetzung fällt dem eben emotionalen Wesen Mensch schwer.

Den neuen Medien fällt dabei eine entscheidende Rolle zu. Da wir uns ohne weiteres selbst informieren können, entsteht schnell das Gefühl selbst zum Experten zu mutieren. Man muss ja nur ausreichend viele Online-Artikel zum Thema gelesen haben. Dadurch steigt die Gefahr, sich durch sein eigenes fundiertes Halbwissen blenden zu lassen. Denn kaum jemand lässt sich freiwillig, von einer initial getroffenen Meinung abbringen. Es fällt dabei leicht, Artikel zu finden, die die eigene Meinung stützen. Häufig sind diese Artikel aber in ihrer Darstellung nicht ausgewogen oder frei von Emotionen. Eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema kann so nur schwer stattfinden.

An dieser Stelle kann Technik- und Wissenschaftskommunikation einen wertvollen Beitrag zur weiteren Aufklärung leisten. Auch wenn jeder Mensch zu kontrovers diskutierten Themen eine persönliche emotionale Meinung mitbringt, hat der Wissenschaftsjournalist hinter dem Menschen die Verantwortung entsprechende Themen unemotional und ausgewogen zu präsentieren. Im Idealfall erhält er seine Informationen direkt aus dem Forschungsumfeld, vielleicht bringt er sogar eine entsprechende wissenschaftliche Vorbildung mit, um die verschiedenen Argumente richtig durchdenken und anschließend präsentieren zu können. Technikkommunikation hat die Aufgabe beim Prozess der Auseinandersetzung mit kontroversen Themen begleitend zu unterstützen. Die Darstellung des jeweiligen Themas sollte nicht nur oberflächlich, lediglich gestützt durch Sekundärquellen, erfolgen. Technikkommunikation hat die einmalige Chance aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik direkt und ungefärbt weiterzugeben. Gleichzeitig darf sie aber nicht zu trocken und übermäßig gespickt mit Fachtermini daherkommen, nur um die eigene Kompetenz zu untermauern. Die größte Hürde, die hier genommen werden muss, ist die Gratwanderung, die erfolgt, wenn man komplizierte technische Themen möglichst allgemein verständlich machen möchte. Genau das kann gute Technikkommunikation leisten: Wissenschaft einfach zu erklären.

Claudia Davenport

Claudia Davenport hat in Potsdam und Hannover Biochemie studiert und promoviert mittlerweile über Insulin-produziernende Surrogatzellen aus embryonalen Stammzellen zur Behandlung des Diabetes Typ 1. Wenn sie gerade mal nicht im Labor am Durchbruch arbeitet, der die Welt verändern wird, ist sie gerne im Grünen, radelt durch die Gegend oder geht Kaffee trinken.

8 Kommentare

  1. Nice1!
    So ein Assay, pardon, Essay ist gar nicht so schwer, gell, nett auch das Zitieren des Höhlengleichnisses, ansonsten gilt es im gemeint Kommunikativen Kenntnisstände zu berichten, dies möglichst sachnah, Emotion (die Wurzel ’emot-‘ kam im WebLog-Artikel, pardon, Essay siebenmal vor) muss hier gar nicht so-o schlimm sein.

    Nett natürlich auch, dass die Neuen Medien, gemeint immer: das Web, breit Information bereit stellen, die zur Kenntnis genommen werden könnte, insofern schaut’s auch bei der Rezipienz oder für diese ganz gut aus, potentiell.

    MFG
    Dr. W

  2. Technikkommunikation per Blog lebt von der richtigen Kombination von Sachorientierung und persönlicher Involviertheit. Wer selber an grüner Gentechnik forscht kennt die Sache und ist auch persönlich involviert. Die Stimme einer solche Frau oder eines solchen Mannes zählt deshalb mehr als die eines Medienkonsumenten. Um etwas richtig einschätzen zu können ist es zudem meist nötig eine Sache in der richtigen Relation zu anderen Dingen zu sehen. Grüne Gentechnik beispielsweise in Relation zu roter oder weisser Gentechnik und grüne Gentechnik in Relation zu konventionellen Zuchtverfahren. Wer seine Sicht effizient einbringen möchte, muss zugleich die Sichten der Anderen kennen, denn jedes öffentliche Denken ist ein Denken in Fragen und Antworten. Wer die Fragen der Anderen nicht kennt, wer keine Theory of Mind eines Diskussionspartners hat, der kann auch keine adäquaten Antworten geben.

    • Welche Wissenschaftskommentatoren gibt es für Claudia Davenport?
      1) Zitat. hat der Wissenschaftsjournalist hinter dem Menschen die Verantwortung entsprechende Themen unemotional und ausgewogen zu präsentieren.”
      Eindruck: Wissenschaftskommentatoren schlüpfen in die Rolle des Wissenschaftsjournalisten, auch wenn sie die entsprechende Ausbildung nicht haben.
      2) Zitat:“Die Darstellung des jeweiligen Themas sollte nicht nur oberflächlich, lediglich gestützt durch Sekundärquellen, erfolgen. Technikkommunikation hat die einmalige Chance aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik direkt und ungefärbt weiterzugeben.

      komplizierte technische Themen möglichst allgemein verständlich machen möchte.”

      Eindruck: Claudia Davenport erwartet vom Berichterstatter sowohl Fachkompetenz als auch die Fähigkeit in der Sprache des Publikums zu sprechen.

      Was für ein Publikum sieht Claudia Davenport für die Wissenschaftskommunikation?
      1) Zitat: ” Da wir uns ohne weiteres selbst informieren können, entsteht schnell das Gefühl selbst zum Experten zu mutieren. Man muss ja nur ausreichend viele Online-Artikel zum Thema gelesen haben. Dadurch steigt die Gefahr, sich durch sein eigenes fundiertes Halbwissen blenden zu lassen. Denn kaum jemand lässt sich freiwillig, von einer initial getroffenen Meinung abbringen. “
      Eindruck: Das Publikum sind für Claudia Davenport eingebildete Experten mit, die sich ihre Meinung durch die richtige Auswahl von Onlline-Wissenschaftsreporten bestätigen lassen.

      Beurteilung:
      a) Zur Rolle des Berichters: Es ist richtig, dass ein Wissenschaftskommunikator in eine Rolle schlüpft, wenn auch nicht unbedingt in die Rolle eines Wissenschaftsjouralisten.
      b) Zum Publikum (den Lesern): Leser als eingebildete zu betrachten ist nicht unbedingt produktiv. Bei Themen wie Grüner Gentechnik ist es oft produktiver, bekannte Positionen, wie sie beispielsweise von Greenpeace oder den Grünen vertreten werden, mit dem zu konfrontieren, was sich aus Wissenschaft und eigener Erfahrung ergibt.

      • Wie eigentlich alle Zitate, die ja zwangsläufig aus dem Zusammenhang genommen werden, fehlt auch hier der Text, der um den Gedanken herum passiert und verwischt so die eigentliche Aussage.
        Ich finde es eben nicht produktiv (was auch immer das im Zusammenhang mit Kommunikation bedeuten soll), der Gegenseite aufzuzeigen wie furchtbar unrecht sie haben, das schürt einfach nur weitere Ressentiments und Unwillen sich mit diesen Argumenten auseinanderzusetzen (so kann man das erwähnte Zitat übrigens auch bewerten). Eine neutrale und ausgewogene Berichterstattung kann hingegen beide “Lager” erreichen und dabei gleichzeitig die Argumente der Gegenseite vermitteln.

  3. Einverstanden: Die Positionen der gegnerischen Lager (beispielsweise bei der grünen Gentechnik) sollen möglichst klar dargestellt werden. Die Autorin muss dabei zwangsläufig auch Position beziehen und darstellen warum aus ihrer Sicht die gegnerischen Argumente nicht valide sind. Die gegnerischen Positionen als unwissenschaftlich zu bezeichnen ist in vielen Fällen kontraproduktiv oder sogar falsch.

    Ich möchte dazu ein Beispiel geben: Der scilogs-Artikel Die Zukunft der Landwirtschaft ist geprägt von einer Anti-GM-Haltung und Anti-Agro-Industrie-Haltung, die so weit geht, dass die Autorin sogar den “Goldenen Reis” ablehnt, wozu sie schreibt:

    Tatsächlich gibt es Alternativen: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt gegen Vitamin-A-Mangel preiswerte Vitaminpräparate als Sofortmaßnahme, außerdem sollen möglichst viele Familien ermutigt werden, Gemüsegärten anzulegen, um auch einem Mangel an anderen Vitaminen vorzubeugen. Es gibt hier also verschiedene Lösungen. Aktivisten brankmarken den Goldenen Reis sogar als „Trojanisches Pferd“, das den Zweck habe, genetisch verändertes Saatgut in Ländern anzubauen, die dieser Technik eher skeptisch gegenüberstehen.

    In die Zukunft der Landwirtschaft empfiehlt die Autorin nicht nur auf Gentechnik zu verzichten, sondern auf die “industrialiserte Landwirtschaft” an und für sich.

    Der Abschlussbericht des Weltagrarrats von 2008 war ein Paukenschlag: Als „Wege aus der Hungerkrise“ wurde nicht auf die Agroindustrie und ihre gentechnisch veränderten Saatgutsorten gesetzt, sondern auf Kleinbauern, ökologische und nachhaltige Anbaumethoden und Umweltschutz, sowie auf die Versorgung und Ausbildung vor Ort. Als Konsequenz verließen die Großunternehmen der Branche den Rat, der von der Weltbank und den UNO fünf Jahre zuvor eingesetzt worden war.

    Hier haben wir also zwei Wertehaltungen, die eine steht für die Ökolandwirtschaft, die andere für die industrialisierte Landwirtschaft. Es ist äusserst problematisch, hier Position für eine Seite zu beziehen. denn bei der Positionierung Öko-Agrikultur versus Agri-Industrie geht es ja eben nur am Rande um Wissenschaft. Die Anhänger der Öko-Agrikultur werfen der Agri-Industrie typischerweise eine nicht-nachhaltige Form der Bodenbearbeitung mit stetiger Bodenverschlechterung vor, während die Agro-Industrievertreter die Meinung äussern ohne Düngung und andere moderne Methoden der Landwirtschaft könnten nicht genügend Lebensmittel für die wachsende Menschheit produziert werden.

    Hier als Wissenschaftsautor Position zu beziehen und gleichzeitig möglichst wissenschaftsnah zu bleiben ist nicht einfach.

    • Es muss im Bereich der Wissen(schaft)skommunikation erst einmal den Kommunizierenden klar werden, wann sie berichten und wann Meinung im Spiel ist, Berichte und Meinungsbeiträge müssen nicht streng getrennt werden, aber bewusst kommuniziert werden.
      Emotion oder Polemik und so vielleicht gar nicht so-o schlecht,
      MFG
      Dr. W

      • Das würde ich auch so sagen. In traditionellen (Print)Medien steht ja auch meistens ‘Kommentar’ o.ä. vor einem Meinungsbeitrag. Hier auf Blogebene ist der Unterschied nicht ganz so deutlich, aber das sollte eigentlich allen Konsumenten dieses Literaturformats auch bewusst sein.
        Können Sie mir ein Beispiel nennen, wann es nicht so-o schlecht wäre ins polemische abzurutschen?

        • Können Sie mir ein Beispiel nennen, wann es nicht so-o schlecht wäre ins polemische abzurutschen?

          Bspw. wenn die Science soft ist, ein sozusagen grundsätzlicher Meinungsverdacht besteht und der Vortragende erkennbar in der Lage ist Meinung als Meinung verständlich zu machen.
          (Was jetzt nicht heißen soll, dass das ‘Abrutschen ins Polemische’ anderswo schlecht sein muss.) [1]

          MFG
          Dr. W

          [1]
          Die Polemik verdankt ihre Berechtigung grundsätzlich der Erkenntnis, der Über-Erkenntnis sozusagen, dass sich erkennende Subjekte um Sachen und Sachverhalte der Welt bemühen, wobei sie als Weltteilnehmer (vs. Weltbetreiber) nie in der Lage sein werden ‘wissenschaftliche Wahrheit’ festzustellen, insofern hat ein Gerühre vorzuliegen, es wird ja aus gutem Grund nicht mehr verifiziert, sondern es sind Theorien zu falsifizieren.

          Die Erkenntnis (vs. Wissen) wird sozusagen in “n:m-Beziehungen” zwischen erkennenden Subjekten und Sachen und Sachverhalten verständlich und verwaltbar.
          Bei der Erkenntnis oder besser: Suche nach ihr, handelt es sich um Veranstaltung, die heutzutage im Wissenschaftlichen, insbesondere im Naturwissenschaftlichen, wohl reglementiert stattfindet, aber Emotion, Polemik und so beinhaltet. *

          *
          Der (auch: naturwissenschaftlich) die Erkenntnis Suchende erfasst zudem ausschnittsartig, näherungsweise und an Interessen gebunden und er theoretisiert in der Folge auch ausschnittsartig, näherungsweise und an Interessen gebunden.

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