Willkommen kleines Sumatra-Nashorn

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

Während die nördlichen Breitmaulnashörner Suni und Najin kräftig an der Zeugung eines Nachwuchses arbeiten, sind Andalas und Ratu schon einen Schritt weiter. Dabei handelt es sich um zwei Sumatra-Nashörner, von denen es insgesamt nur noch etwa 200 Tiere gibt. Die Gründe für diesen arg dezimierten Bestand sind zum einen Wilderei, ein Problem, welches sie mit den Nashörnern des afrikanischen Kontinents gemein haben, zum anderen macht den Tieren die Zerstörung ihres Lebensraumes zu schaffen, die teilweise das Finden von Partnern zur Paarung erschwert.

Die Fortpflanzungsgeschichte in Gefangenschaft lebender Nashörner war nie eine einfache, daran hat sich bis heute nichts geändert. Nicht, dass es keinen putzigen Rhino-Nachwuchs im Zoo gäbe, das sollte aber nicht über die vorhandenen Probleme hinwegtäuschen ohne die ich hier über deutlich mehr Geburten berichten könnte. Von allen Nashörnern dieser Welt, haben es die asiatischen Arten den Zoos am schwersten gemacht. Gerade deshalb ist es erfreulich, dass Ratu, welche das Weibchen ist, und Andalas die Sicherheit der Gefangenschaft im Reservat zur Paarung genutzt haben. Gestern war es dann soweit: ein männliches Sumatra-Nashorn hat das Licht der Welt erblickt. Großartig! Dabei war die Anspannung bis zur Geburt durchaus vorhanden, hatte Ratu doch schon zwei Fehlgeburten erlitten. Ratu selbst war übrigens ein “wildes” Nashorn, das in der Gegend herumirrte und schließlich im Reservat Unterschlupf fand, während Andalas 2001 im Cincinnati Zoo geboren wurde und damit der erste Nachwuchs im Zoo seit über 100 Jahren war.

Ich hatte mich letztes Jahr schon mal mit dem monetären Wert des Sumatra-Nashorns und der Frage beschäftigt, wieviel die Rettung kosten könnte:

Rimba ist eine Gemeinschaft von forschenden Biologen, die sich mit dem Erhalt verschiedener Tiere in Malaysia beschäftigt. Dabei kamen die Forscher zu folgendem Ergebnis: aus oben genanntem Grund der “Umstrukturierung” und des Lebensraumes und auch aufgrund der Wilderei sollten die noch verbliebenen Tiere eingefangen und in sorgfältig ausgewählte Wälder gebracht werden. Moment: da werden Tiere eingefangen mit der Begründung, dass das alles nur zu ihrem Besten sei? Kann nicht sein, Herr Goldner übernehmen Sie! Ernsthaft: tatsächlich erwartet die Tiere dabei eine strenge Überwachung, die sie vor Wilderern schützt. Das wird den Tieren vielleicht nicht direkt auffallen, die Tatsache, dass sie sich in ihrem neuen Lebensraum aber wieder frei bewegen können und sich auch wieder zur Paarung “treffen” können, sollte ihnen gefallen. Und wat is´ nu mit de Kohlen? Nun, um eine finanzielle Basis für die Überwachung und Betreuung der Tiere zu schaffen, braucht es erstmal 1,2 Millionen US Dollar. Peanuts! Eigentlich.

Natürlich fällt das Geld nicht vom Himmel, aber ich vermute mal, dass die Geburt mögliche Geldgeber für das Projekt jetzt leichter motiviert – zu wünschen wäre es allemal.

Herzlich Willkommen und alles Gute kleines Nashorn!


Endangered Sumatran rhino born in captivity, Endangered Sumatran Rhino gives Birth in Indonesia und der monetäre Wert des Sumatra-Nashorns

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Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

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