Roboter vs. Bauern

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

Kühe gehen, sollte es ihnen auf der Weide zu warm werden, in den Stall. Ist es sehr heiß, bleiben sie den Tag im Stall und schlafen nachts auf der Weide. Freiwillig. Ich habe in diesem Sommer 38 Grad erlebt. Obwohl ich jetzt keine Hochleistungskuh bin, fand ich diese Temperatur schon ziemlich anstrengend. Offensichtlich war ich da der einzige, denn während ich Ausschau nach kühleren Plätzen hielt, wurde mein Spaziergang vom Keuchen vieler Fitness-Fanatiker begleitet, die mit Smartphone und Smartwatch ausgestattet ihr Pensum schaffen mussten, weil es die App eben so wollte.

Das war natürlich total bekloppt, erinnerte mich aber an etwas anderes: Das Tracking von Schritten und Bewegungen gibt es für Kühe schon seit 20 Jahren. Heute arbeiten schon ganze Roboter weitgehend selbstständig im Stall, melken Kühe, reinigen die Gänge im Stall oder geben Kraftfutter aus. Stellt sich die Frage: werden Tierhalter bald obsolet?

Ein paar Gedanken dazu habe ich mal drüben bei der DLG e.V aufgeschrieben.

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Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

7 Kommentare

  1. Die “Kuh”-roboter wie Melkmaschinen, automatische Futterausgabe, die schon lange in Kuhställen verwendet werden, haben wohl wenig Intelligenz. Eine Fehlfunktion können sie nicht erkennen. Nur schon deshalb braucht es Menschen. Aber Bauern werden vielleicht mehr und mehr zu Aufsehern, Planern und Einkäufern und haben manuell nur noch wenig zu tun.

    • Richtig, das ist die technische Seite. Da gibt es aber schon jetzt von vielen Unternehmen entsprechende Fachleute, schätze, die werden ihr Netzwerk dann weiter ausbauen und ihren Einfluss da verstärken. Aber wie gesagt: Ohne Tier-Kontakt durch den Landwirt geht es eben nicht, auch Routinen sind da wichtig für die Tiere. Alles außerhalb dessen sorgt für Alarm, was dann zu Verletzungen von Mensch und Tier führen kann oder zu derart hohen Adrenalin-Schüben in den Tieren, dass Probleme nicht mehr erkannt oder als weniger schlimm/behandlungswürdig abgetan werden.

      • Ihr Kommentar bringt mich auf die Frage: “Gibt es Komplettausrüster für Bauern?” Mit andern Worten. Können Bauern auch einen schlüsselfertigen Bauernhof kaufen wie pratikizierende Ärtze eine schlüsselfertige Praxis?
        Es würde mich nicht überraschen. Wenn es das noch nicht gibt, dann ist es eine Marktlücke.

        • Ist eine gute Frage. Spontan fällt mir DeLaval ein, die sich als Milchvieh-Ausrüster spezialisiert haben. Wie weit das geht, kann ich gerade nicht sagen, Traktoren bauen die aber nicht.

  2. Roboter vs Bauern hat ja die Botschaft: Roboter und Bauern. Die Roboter (Maschinen, Technik) haben die Aufgabe für die optimalen physischen Bedingungen beispielsweise im Kuhstall zu sorgen: es braucht die richtige Stallinnenraumtemperatur, das richtige Futter zur richtigen Zeit und auch das Melken muss richtig (hygienisch, ohne Verletzungsrisiko für die Kuh) und zur richtigen Zeit geschehen. Doch die Technik ersetzt den Menschen nixht, sie assistiert ihm nur. Die Kuh braucht auch Zuwendung und richtiges Handling.
    Mit dem Thema Roboter vs. Bauern bezugsweise Roboter und Bauern sind wir automatisch auch bei der Gegenvision, dem Bauern ohne Roboter, also mit wenig Technologie, bei dem, was vielleicht unter dem Label Biolandwirtschaft läuft. Es könnte dem Tierwohl ja auch abkömmlich sein, wenn die Technologie fehlt, die für das physische Wohlergehen sorgt. In diesem Blog wurde ja schon einmal auf Parasitenbefall bei Tieren hingewiesen, etwas was bei Low-Tech Tierhaltung häufiger sei. Auch zu hohe Temperaturen im Stall können wohl mit Zuwendung (Streicheln) kaum ausgeglichen werden.

    • Alles richtig Herr Holzherr. Oder sagen wir: nicht falsch.

      Es gibt genau zwei Gründe, weshalb grundlegende Gedanken dazu wichtig sind. Zum einen ist da die Betriebsentwicklung. Der Strukturwandel kennt seit Jahrzehnten nur eine Richtung und es spricht wenig dafür, dass sich das bald ändern wird. Das bringt Herausforderungen mit sich, zum Beispiel die Notwendigkeit weiterer Helferlein, die aber sauteuer sind, um das Tierschutz-Niveau hoch zu halten. Nicht jeder Landwirt will und kann ständig mit zig Krediten jonglieren.

      Natürlich kann eine falsche Temperatur nicht durch Streicheln korrigiert werden. Das ist auch gar nicht der Punkt. Aber was ist, wenn das Tier, welches womöglich weitgehend autark lebt ohne Menschen zu benötigen, mal von einem Tierarzt behandelt werden muss? Wenn all das dann aufgrund der neuen Situation so viel Stress erzeugt, dass das Tier krank wird oder es sich sogar panisch verletzt, ist niemandem geholfen. Dann lieber wieder technisch abrüsten. Oder doch nicht? Schwierig.

  3. Es soll Kutschenfahrer geben, die sich noch immer über die Automobile Robotik ärgert, die mit Gestank und Krach ohne Pferd auskommt 😉

    Millionen Arbeiter und Angestellte sind dem Strukturwandel schon zum Opfer gefallen. Arbeitsplätze wurden umdesigned zu Computerarbeitsplätzen. Alles strotzt nur so von Effizienz und Auslastungshektik.

    Wieso sollte der Bauer es besser haben als der Rest der Menschheit? So ist das halt. Wer zu langsam ist wird gefressen. Übertragen heißt das: Wer die Anforderungen nicht erfüllt als Arbeitnehmer kriegt keine Arbeit oder als Landwirt kann er sich halt keinen Maschinenpark und Betriebsvergrößerung leisten.
    Aber man kanns ja wie die Biolandwirte machen und ein Image statt einem Produkt verkaufen. Markenprodukte haben einen leichteren Stand und erzielen am Markt erheblich bessere Preise. Hochstapler verkaufen sich auch besser bei der Arbeitssuche 😉

    Beste Grüße und Danke für Ihren Blog nochmal!

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