Mit der Königin intim

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

Jobbschreibung: die mächtigste Frau im Staate umsorgen, ihren Harem fit halten, ihre Gesundheit gewährleisten und ihr auch in den intimsten Momenten immer eine helfende Hand reichen. Klingt verlockend? Gut, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Königin sechs Beine hat…Ich habe hier im Blog ja schon öfter über tierzüchterische Themen berichtet. Wer sich dafür interessiert, aber statt den Genitalien eines Hengstes oder jenen eines Bullen lieber filigranere Größenordnungen bevorzugt, der sollte sich mal die Bienenzucht anschauen.

Auch hier ist es schon gängige Praxis, bestimmte Eigenschaften der Tiere durch menschliches Selektieren zu fördern. Genauso wie es bei den anderen Nutztieren wie Rindern oder Schweinen gewisse Zuchtziele gibt, die sich nach der jeweiligen Nutzung richten – Rind: Fleisch und Milch, Schwein: Fleisch – existieren auch für Bienen sogenannte Parameter in der Zuchtwertschätzung, die bei der Züchtung der nächsten Generation besondere Schwerpunkte bilden. Bei der Biene sind das: Winterfestigkeit, gute Volksstärke, schwacher Schwarmtrieb, Sanftmut, Widerstandskraft gegen Krankheiten und – natürlich – eine gute Honigleistung.

Natürlich lassen sich diese Parameter viel schneller und gezielter durch eine künstliche Befruchtung fördern. Auf natürlichem Wege kommen die Königinnen nach vier bis fünf Tagen in die Brunst (Ich würde mal gerne wissen, wie man das bei einer Biene feststellt. "Gängige" Symtome bei Rindern, Pferden und Schweinen sind Unruhe, vaginaler Ausfluss und Duldung bei Bespringen. Uns wurde mal in einem Video gezeigt, wie ein Landwirt genau das bei einer Sau getestet hat…). Aber zurück zur brünstigen Biene, die sich dann in ca. 10 Metern Höhe mit den Drohnen paart. Zeit für eine Zigarette danach haben die glücklichen Drohnen allerdings nicht. Sie sterben.

Im Labor werden für die Befruchtung 7 bis 12 Drohnen benötigt, wobei das Ejakulat-Volumen einer einzelnen Drohne 1,7 µl beträgt. Dieses wird dann mit einer Pipette aufgesogen und in die fixierte – und mit Gas narkotisierte – Königin bugsiert. Und damit Ihr Euch das nicht nur vorstellen müsst, gibt es hier zwei Videos, die das ganz praktisch zeigen.

Erst wird das Sperma gewonnen…

…dann folgt die Befruchtung der Königin:

Weitere spannende Informationen über Bienen gibt es hier (PDF)

Veröffentlicht von

Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

9 Kommentare

  1. Bewerbung

    Bevor sich jemand vordrängt, hier schon mal meine Bewerbung. Ich denke, eine Frau kann gar nicht genügend Beine haben.

  2. Nimm meine Bewerbung zurück

    Wenn nach dem Sex keine Zeit für “die Zigarette danach” ist, nehme ich meine Bewerbung doch lieber wieder zurück.

  3. Die Zeit zwischen den Akten…

    Irgendwie habe ich ja solche Kommentare erwartet…Wie ich über Twitter erfuhr, ist mein angepeilter guter Ruf aber eh schon hinfort, weshalb ich das jetzt konsequent durchziehen werde^^

    Ja, es ist doch immer wieder erstaunlich, wie populär die Kombination aus Sex und Tod ist. Gut, jeder, der Sex hat, wird auch irgendwann sterben. Doch entscheidend ist dabei die Zeit, die einem zwischen dem ersten und letzten Akt bleibt…deshalb kann ich Deine Entscheidung gegen das Jobangebot gut verstehen, Edgar^^

  4. “Gängige” Symtome bei Rindern, Pferden und Schweinen sind Unruhe, vaginaler Ausfluss und Duldung bei Bespringen

    Ach, das ist ja wie bei …

    Ich habe aber auch noch eine ernsthafte Frage. Sterben die Drohnen nach der Begattung an Erschöpfung oder werden sie auch gefressen. Wenn ihnen künstlich das Sperma entnommen wurde, sterben sie danach wahrscheinlich auch, oder?

  5. Großes Drohnen-Gemetzel

    Hallo Martin,

    nein, gefressen werden die Drohnen nicht, aber am Ende der Paarungszeit getötet. Das muss wohl ziemlich heftig zugehen, da diese Zeit im Juli/August gerne als Schlacht bezeichnet wird. Ich habe dazu auch ein Buch, das aber gerade unerreichbar ist…

    Ob die Bienen aufgrund der Paarung sterben, habe ich ehrlich gesagt nicht rausfinden können.

    Besonders alt werden sie aber so oder so nicht.

  6. Lieber Michael,

    ich habe mich ja schon unter Deinem Artikel bedankt und freue mich, dass der Artikel eine Verwendung gefunden hat. Gelesen habe ich ihn schon, diskutieren werde ich erst ab morgen…

    Grüße
    Sören

  7. Drohnen sterben

    Hi Martin,
    Die Drohnen sterben nicht an Erschöpfung.
    Nach der Begattung bleibt das liebe etwas stecken und beim Abflug von der Königin reißt alles raus…

    Der Imker nennt das dann Begattungszeichen.

    Die sterben also genau so wie die Arbeiterin nach einem Stich

Schreibe einen Kommentar