Lieber mit Dach über der Rüsselscheibe

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

Vor einiger Zeit schrieb ich über Fraser und seine Auseinandersetzung mit Tierwohl. Eine seiner Kernpunkte zum Verständnis dieses großen Themas ist die Festlegung, was wir jeweils für Tierwohl halten. Darüberhinaus wird es immer eine Art trade off geben zwischen dem, was wir gemeinhin als tiergerecht ansehen und dem, was Landwirte im Rahmen von Gesetzen, Auflagen und Ökonomie umsetzen können. Ich werde meinen Artikel am Ende verlinken.

Brad Greenway ist Landwirt in South Dakota und mästet als solcher Schweine. In einem Artikel beschreibt er, weshalb er sich vor Jahren dazu entschieden hat seine Tiere nicht mehr draußen, sondern in einem klimatisch gleichmäßig geregelten Stall zu halten (Übersetzung folgt unten):

My family raises pigs on our South Dakota farm, and seasonal weather extremes significantly impact how we care for them. Nine years ago, we moved our pigs from outdoor shelters to a new, technologically advanced barn. Simply put, this improved the living conditions for our animals by providing better comfort and increasing bio security by preventing contact with wild animals and birds, which can carry diseases. Keeping our pigs comfortable, as well as utilizing vaccines and having a strong relationship with our veterinarian, has helped us reduce the need for antibiotics.

(…)

Whether it’s below zero and snowing in the winter, or pushing 100 degrees in the summer, we’re now able to maintain a comfortable room temperature for our pigs. We use a computerized system of fans to constantly circulate air, lower window curtains when it’s heating up outside, run misters to cool down the space at 15-minute intervals and control ventilation to bring in fresh air 24/7, 365 days a year. The entire barn has slatted floors, which keeps the pigs clean. There is a septic system under the barn that stores the manure until it is time to apply as fertilizer to our crop land.

Believe me – if the herd is uncomfortable, we notice. No matter the weather outside, it is a pleasure to walk through the barn and keep a watchful eye on the comfort of the pigs. If they’re exhibiting behavior to indicate discomfort, we can quickly make a change. Any time during the day or night, we will be immediately alerted on our cell phones by an alarm system if the drinking water isn’t distributing properly, feed is low, or the barn temperature changes too rapidly. Technology is so important in today’s world and that is no different in farming. I’m proud to use technology to help improve the comfort and well-being of my pigs.

Another benefit of keeping my pigs comfortable year-round is they require less feed and water, which reduces environmental impact. We seek a path of continuous improvement in all aspects of our pig farm to drive toward a truly sustainable process.

(Hervorhebungen von mir)

Kurze Zusammenfassung auf Deutsch:

Die Familie hat sich für eine ganzjährige Stallhaltung ihrer Schweine entschieden, um diese vor den teils strengen Wetterbedingungen, die von sehr kalt bis sehr heiß reichen, zu schützen. Der Stall ist konstant klimatisiert und alles von der Klima- bis zur Tränke- und Futteranlage wird elektronisch überwacht, damit keine Fehler passieren. Zudem sind die Tiere vor Krankheiten durch Kontakt mit Wildtieren geschützt. Aus dem gleichen Grund ist übrigens das Wiesenhof’sche Privathof-Geflügel “nur” in einem Wintergarten und nicht ganz draußen.

Einen Punkt möchte ich hier etwas hevorheben, weil bei aller Diskussion um Tierwohl, Tierschutz etc. gerne vergessen wird, dass es auch noch um andere Dinge geht, Stichwort Antibiotika bzw. deren Reduktion. In Zusammenarbeit mit dem Tierarzt ist es Brad in der kontrollierten Umgebung des Stalles gelungen, die Antibiotika-Gaben zu reduzieren.

Gut, das klingt jetzt immer etwas abstrakt, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich Tierwohl zu erst am Tier orientieren sollte. Aber letztlich ist es auch dem Tier nicht egal, ob es krank oder gesund ist. Dafür muss es dann eben auf Wühlen im Boden verzichten. Dafür ist es dann eben sauber, was Schweinen schließlich auch wichtig ist. Außerdem bin ich mir sicher, dass auch die Tiere im Ganzjahresstall Spielzeuge zur Beschäftigung haben.


Quellen

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Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

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