Keine Lust mehr

Ich habe einfach keinen Bock mehr. Ich will doch nur Landwirtschaft erklären. Vor mittlerweile einigen Jahren schrieb ich meinen ersten Artikel über Temple Grandin aus einer Faszination heraus. “Mind blown” beschreibt ganz gut meinen Zustand als ich ihre ersten Vorlesungen auf YouTube fand. Das war alles so dermaßen auf den Punkt. In meinem Gehirn feuerte alles durcheinander. Wahnsinn. Nach drei kurzen Videos hatte ich schon mehr verstanden als in den Jahren davor. Daraus ist dann Motivation entstanden. Ich wollte herausfinden, um was es wirklich geht, wenn wir über Entwicklungen und ganz besonders Probleme der landwirtschaftlichen Tierhaltung diskutieren.

Das will ich immer noch. Allerdings war diese Motivation in den letzten Wochen und Monaten immer öfter einer schlechten Laune gewichen. Ich schimpfte und zeterte auf Twitter, ärgerte mich über Artikel, die mir Menschen über Twitter mit einem Fragezeichen und der Bitte um Einordnung schickten. Im Februar platzte mir dann auch hier der Kragen. Der Grund war eine Plakat-Kampagne des Bundesumweltministeriums. Wirklich zufrieden macht das Gemotze aber auch nicht. Und überhaupt: seien es nun Kampagnen, dusselige Statements von Politikern oder am Punkt vorbei recherchierte Artikel – letztlich geht es um Aufmerksamkeit für eben diesen ganzen Kram. Das gilt natürlich auch, wenn ich mich drüber aufrege. Aber warum sollte ich mir vorschreiben lassen, wann ich in welchem Ton und auf welche Art über ein Thema zu schreiben habe? Das ist doch Unfug!

Bio vs. konventionell, industrielle Landwirtschaft vs. irgend eine Idylle, die es nie gab, große Ställe vs. kleine Ställe – alles Quatsch. Komplett! Darum geht es überhaupt nicht. Es geht um das Management, die tägliche Routine, die Beobachtung der Tiere. Beispiel: Wenn ein Landwirt – aus welchen Gründen auch immer – mit der Versorgung seiner Milchkühe überfordert ist, kommt es für die Tiere aufs Gleiche heraus, ob sie nun zu 10 oder zu 100en hungrig in der Scheiße stehen. Das gilt natürlich auch für die positiven Aspekte: wenn es einer Kuh gut geht, die Liegeflächen super sind und sie Zeit mit ihren Freundinnen verbringen kann, ist es ihr relativ egal, ob im Stall nebenan nochmal so viele Kühe rumwuseln. Es muss eben passen.

Kleine Rede, noch kleinerer Sinn: ich habe nach einiger Zeit der Pause doch wieder Bock auf den ganzen Kram hier – und die Belege dazu natürlich auch. Entspannt, locker und souverän – so wie zu Beginn 2009, als ich einfach nur mal schauen wollte wie das so läuft in der Landwirtschaft. Es kann weitergehen!

Veröffentlicht von

Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

67 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bleib motiviert!

    Soweit ich mich erinnere, hatten deine Artikel auf mich mehrheitlich eine erhellende Wirkung. Sicherlich geht es anderen ähnlich.

    • Ich war ja lange motiviert. Da lässt sich so ein kleiner Hänger nicht vermeiden. Man ja nicht immer…also…den unseriösen Vergleich lasse ich mal weg 😉

      Danke Dir für Deinen Kommentar. Das motiviert in der Tat.

  2. Bei Tickende Zeitbombe : Massentierhaltung bringt superresistente Keime hervor – die auf den Menschen überspringen können. aus dem aktuellen Spektrum der Wissenschaft dachte ich an sie und wusste nicht recht, ob der Artikel im Heft recht hat oder ob die Antibiotikaresistenzbildung – eher gemäss ihren Beiträgen – wenig mit der Massentierhaltung zu tun hat.
    Auch ich bin hin und wieder verunsichert – und das eben nicht nur durch Artikel in der Massenpresse, sondern durch Artikel, die sich an Wissenschaftsinteressierte richten.

    • Ach du lieber Himmel. Ich habe jetzt nur den ersten Teil, der kostenlos sichtbar ist, gelesen und kann daher nicht sagen, was da später noch an Einordnung fehlt. Ich versuche trotzdem mal das eine oder andere zu erläutern: es stimmt, dass das Futter in den USA Antibiotika enthält. Bei uns gab es diese Praxis auch. 2006 wurde die Gabe von Antibiotika als Leistungsförderer dann aber EU-weit verboten.

      In den USA ist diese Praxis auch schon seit einiger Zeit Bestandteil kontroverser Diskussionen. Was die Herkunft von Resistenzen angeht, verläuft man sich schnell in wilden Schuldzuweisungen – wahlweise, weil das eine coole Story gibt oder weil man sich verteidigen muss. Grundsätzlich existiert das Problem antibiotischer Resistenzen natürlich immer, wenn AB verabreicht werden. Ob im Stall oder im Krankenhaus, spielt keine Rolle.

      Was mich noch stört: die Erwähnung, dass es stinkt und die Tiere in der eigenen Scheiße stehen. Das ist kein gutes Management. Grundsätzlich sind aber auch die Amis nicht so bescheuert, dass sie ihre Tiere verkommen lassen.

      • Im zweiten Teil des Artikels zu den Antibiotika-behandelten Nutztieren in Massentierhaltung werden Tierhaltungen ohne Antibiotikagabe angesprochen, wozu dann auch mehr Freigang und weniger Massenhaltung der Tiere nötig sei. Heute abend kann ich nachschauen und daraus zitieren. Aktuell hab ich das Heft nicht dabei.

    • Der Spektrum-der-Wissenschaft-Artikel Tierhaltung: Tickende Zeit (Link auf Einleitung) enthält folgende Kernaussagen:
      – Nutztiere werden häufig mit Antibiotika (sogar mit Humanantibiotika) behandelt, bei Massenhaltung sogar sehr häufig. Mengenmässig werden 3 Mal soviel Antibiotika an Tiere verabreicht wie an Menschen.
      – Antibiotikaresistente Keime sind sehr häufig bei mit Antibiotika behandelten Tieren zu finden (z.B. MRSA), aber auch bei nichtbehandelten Tieren, die in Kontakt mit den behandelten stehen sowie beim Personal, welches die Tiere hält/betreut. Folge (Zitat)“Die Tiere werden zu Brutstätten tödlicher Mikroorganismen, etwa des methazillinresistenten Batkerriums Staphylococcus aureus (MRSA).” und “Das Team [US-Forscher bei US-Farmen] fand die multiresistenten Keime bei zwei Drittel der Angestellten einer grossen Tierfarm”
      Sogar die Gülle aus Viehställen ist verseucht mit diesen antibiotikaresisten Keimen und es gibt nachgewiesene Fälle einer Übertragung von antibiotikaresistenten Keimen von gegüllten Feldern/Pflanzen auf Konsumenten (Zitat Titel:“Todesfälle durch E.coli-verseuchten Spinat”) In den Niederlanden konnten sogar 200 Meter von einer Schweinefarm in Windrichtung entfernt MRSA-Stämme nachgewiesen werden und einmal fanden sich MRSA-Stämme gar schon im Futtermittel.
      – Antibiotikaresistenzen verbreiten sich nachgewiesenermassen von Tierfarmen, in denen Antibiotika verabreicht werden auf andere nicht antibotikabehandelte Tiere und auf das Personal. Zitat: “36 Prozent derer [Farmangestellte] Darmbakterien waren gegen das Mittel [Tetrazyklin ] resistent” Nicht nur die Bakterien der antibiotikabehandelten Schweine waren also tetrazyklinresistent, sondern auch die Darmbakterien der Angestellten der Tierfarm. Ferner übertragen resistente Batkerien einer bestimmten Spezies (z.B. E.coli) ihre Resistenzgene auch auf Bakterien anderer Arten. Eine MRSA-Genvergleich bei E.coli-Bakterien des Personal ergab einen eindeutigen Nachweis der Übertragung Tier->Mensch.
      – Die Vertreter und Experten der Agrarindustrie bestreiten die Übertragung von Tier auf den Mensch obwohl diese nachgewiesen wurde. Zitat:“Die These, dass Antibiotika in Tieren ein direktes Gesundheitsrisiko für den Menschen darstellen, halten wir für masslos überzogen,” meinte Richard Carnevale, Vizepräsident für regulatorische, wissenschaftliche, wissenschaftlichen und internationale Angelegenheiten am Animal Health Institute.
      – Beim Verzehr/Verbrauch von Schweinefleisch, Hühnerfleisch, Rind, etc. können Menschen sich mit antibiotikaresistenten Bakterien infizieren, denn Bakterien gelangen beim Schlachten vom Darm auf das Fleisch. Zuwenig erhitztes Fleisch kann deshalb eine Lebensmittelvergiftung auslösen, es genügt aber auch der Kontakt mit dem Fleisch vor/während der Zubereitung. Zitat:“Zwischen 1999 und 2000 häuften sich im Umfeld der University of California, Berkley, Harnwegsinfektionen bei Frauen, die von identischen E.-cloi Stämmen verursacht wordern waren. Grund war vermutlich, dass die Frauen das gleiche kontaminierte Essen zu sich genommen hatten.”
      – Viele US-Farmer lassen keine Journalisten oder Agrarforscher in ihre Farmen, weil sie vertraglich davon abgehalten werden (95% der US Geflügel- und 48% der Schweinezüchter arbeiten unter Vertrag). Zitat:“Price [der Mikrobiologie Lance Price] wiederum berichtet, er habe verschiedene Viehhalter überreden können, ihm Zugang zu ihren Betrieben zu gewähren – worauf ihnen die Verträge gekündigt worden seien.”
      – Freilandhaltung mit viel Platz, Sonne und Wälzen im Schlamm (Untertitel) komme ohne Antibiotika aus, auch weil Sonne und Schlammsuhlen antibakteriell wirkten. Antibiotika werden hier nur im Krankheitsfall verabreicht.

      Wirkung des Artikels auf den (gebildeten/informierten) Leser
      Folgende Schlüsse liegen nahe:
      1) eine wichtige Quelle von Antbiotikaresistenzen ist die Viehhaltung – vorzüglich die Massenhaltung
      2) Der Konsument kann sich mit antibiotikaresistenten Keimen in seinen Lebensmitteln infizieren, vorwiegend durch Fleischprodukte selbst aber sogar über gegüllten Spinat oder anderes Gemüse.
      3) Wenn schon Fleisch, dann aus Betrieben die kein Antibiotika einsetzen

      • Guten Abend Herr Holzherr,

        vielen Dank für die ausführliche Zusammenstellung der Inhalte des Artikels. Sehe ich das richtig, dass es sich dabei um einen US-Artikel handelt, der lediglich übersetzt wurde? Eine Einordnung für deutsche Leserinnen und Leser scheint zu fehlen.

        • “Eine Einordnung für deutsche Leserinnen und Leser scheint zu fehlen.”

          Dabei gibt es die Problematik der resistenten Bakterien auch bei uns. Besonders fatal finde ich, dass selbst Reserve-Antibiotika in der Tierzucht eingesetzt werden. “Ärzte und Umweltorganisationen haben aufgerufen, Reserve-Antibiotika in der Massentierhaltung zu verbieten: Ihr Einsatz sorgt für gefährliche Resistenzen. Reserve-Antibiotika sind Medikamente, die für die Behandlung beim Menschen gegen resistente Keime zurückgehalten werden. Die Abgabe von “für den Menschen besonders relevanten Antibiotika” an Tierärzte stieg laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit in den Jahren 2011 bis 2015 deutlich, wie es in dem Brief heißt. Die Menge an Fluorchinolonen etwa nahm in dem Zeitraum um 82 Prozent zu, die Menge an Cephalosporinen der dritten und vierten Generation um 52 Prozent – diese Wirkstoffe stehen auf der Liste für unverzichtbare Antibiotika der Weltgesundheitsorganisation.”
          http://www.3sat.de/page/?source=/nano/medizin/184977/index.html

          • Ja, die Probleme sind universal. Trotzdem ist es äußerst wichtig Unterschiede herauszuarbeiten. Ich kann von fachlichen Laien nicht erwarten, dass sie sich mit Antibiotika im Tierfutter und deren Sinn und Zweck auskennen und gleichzeitig wissen, dass es diese Praxis in der EU nicht mehr gibt.

        • Im Prinzip Ja, es gibt aber einen Kasten Antibiotika in der Tierhaltung: Der Blick auf Deutschland von einem Redakteur des Spektrum der Wissenschaft, mit folgenden Aussagen:
          – 2015 wurden 805 Tonnen Antibiotika an Tierärzte geliefert (dagegen 600-700 Tonnen an Humanmediziner), deutlich weniger als 2011 oder 2014.
          – Penizilline und Tetrazykline dominieren, aber auch Reserveantibiotika wie Cephalosporine, Fluorochinole und Makrolide werden verwendet.
          – In D gibt es keine beladtbare Datensätze, die den Weg Tier->Mensch bei der Verbreitung resistenter Keime zeigen
          – Infektionen durch bakteriell verseuchte Lebensmittel sind aber häufig. Es sind meist Salmonellen, Kolibakterien oder Listerien, plus MRSA.
          -Roh verzehrtes Schweinefleisch (etwa Mett) ist oft für Salmonellen- und Listerieninfektionen verantwortlich, Frisches Hähnchenfleisch für Campylobakter und Listerieninfektionen, frischer Fisch kann ebenfalls Listerienreich sein, MRSA findet man vor allem bei frischem Geflügelfleisch
          – in D sind Tierantibiotika verschreibungspflichtig, der Einsatz für die Leistungsförderung ist nicht erlaubt. Tatsächlich sind in D die MRSA-Infektionen rückläufig, dafür sind die E.coli Infektionen angestiegen.
          – in D wächst die durchschnittliche Grösse der Viehzuchtbetriebe, aber auch die Zahl der meist kleineren ökologisch betriebenen Betriebe stieg von 12’000 2010 auf 17’000 2016

  3. Sören Schewe,
    …..Idylle, die es nie gab,
    finanziell gesehen gab es die nie. Vom Tagesablauf und vom fehlenden Stress her, schon.
    Ich habe da einen ganz bestimmten Bauernhof im Gedächtnis mit fünf Kindern und der Bruder des Bauern war der Knecht. Jeder hatte seine Aufgabe. Beim gemeinsamen Mittagessen liefen die Hühner unter dem Tisch. Die Schweine hatten ihre Suhle, die Gänse und Enten hatten ihren Teich, und die wenigen Kühe gaben die notwendige Milch. Wenn eine Kuh krank wurde, dann kurierte man sie selbst, denn Geld für den Tierarzt war zu Schade.
    Am Sonntag ging man in die Kirche, Modekleidung und Fernsehen gab es nicht. Die Leute sind nicht an Krankheiten gestorben, sondern an Altersschwäche. Ein vorzeitiges Ableben gab es meistens nur durch Unfälle.
    Der Knecht wurde z.B. von seinem Bullen erdrückt, weil er einmal vergessen hatte, wie gefährlich Zuchtbullen werden können.

    • Grüß ich Bote17,

      danke Dir für den Kommentar. Ich will gar nicht abstreiten, dass Landwirtschaft früher durchaus auch ihre positiven Seiten hatte. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die Strukturen haben sich geändert. Und wenn Landwirte Melkroboter einsetzen, weil sie anders leben wollen als ihre Eltern, die eine Menge Zeit im Melkstand verbracht haben, sollten wir darüber reden und das ernstnehmen – und eben nicht die Industrialisierung der Landwirtschaft oder die Höhe der Tierzahlen beklagen.

  4. Willkommen im Club. Da ist so ziemlich jeder mal durch, auch mal mehrfach. Meistens wenns gerade wieder übermächtig dicke doof kommt, zur grünen Woche, oder vor Wahlen …

    Du bist ein ganz wichtiges “Rädchen”, halte Dich tapfer :-*

    • Das ist ja genau das Ding. Ich werde gewisse mediale Spitzen wie bspw. bei der Grünen Woche nicht verhindern können, das kann niemand. Will ich auch gar nicht.

      Ich kann aber beeinflussen wie ich über Landwirtschaft schreibe und diese erkläre. Und naja…wenn ich weiß, dass Debatten wie “Bio vs. konventionell” und vice versa totaler Unfug sind, muss ich den Kram wohl oder übel ignorieren. Sonst trage ich dieses Denk-Schema nur weiter.

      Danke Dir für die lieben Worte. Wie gesagt, ich bin wieder im Rennen 🙂

  5. Ich habe neue Beiträge von Ihnen schon vermisst.

    Ja die schöne alte Zeit. Über 100 Jahre waren die Männer in meiner mütterlichen Famile Arbeiter auf einem westf. Gut. Zusätzlich zu einem kleinen Arbeitslohn durften sie einen Kotten mit etwas Land pachten, dass ihre Ehefrauen (und sie nach Feierabend) beackerten. Daher bin ich in einer Kammer gleich neben Kühen und Schweinen geboren. Ende der 50er wurden wir rausgeschmissen, weil meine beiden Onkel irgendwo zwischen Stalingrad und der Normandie europäische Äcker düngen und nicht als Arbeiter zur Verfügung standen. Meine Mutter und ihre Schwester wurden ungelernte Hilfsarbeiter (Produktionshelfer auf neudeutsch) und haben der Zeit auf dem gepachteten Hof keine Träne nachgeweint.

    • Ich brauchte einfach etwas Abstand zu dem ganzen PR- und Polit-Gezeter, das sich bei guter Vernetzung teilweise kübelweise über einen ergießt.

      Eine interessante Familien-Geschichte hast Du da, wobei ich lediglich nach der Lektüre schon ganz froh bin, das nicht erlebt zu haben.

  6. Sören Schewe,
    …..Industrialisierung der Landwirtschaft,
    die hat eine Eigendynamik, und die verlangt nach mehr, mehr, mehr,

    Verwandte von uns , die hatten Viehzucht mit einigen hundert Rindern.
    Die hatten den kühnen Entschluss gefasst, die geamte Viehzucht aufzugeben
    und den Bauernhof als Ausflugsziel für Busreisen umzugestalten.
    Jetzt machen Sie mehr Gewinn bei weniger Arbeit und mehr Spaß dabei.

    • Das freut mich für Deine Verwandten, dass ihre Idee aufgegangen ist.

      Was die Industrialisierung der Landwirtschaft angeht, stimmt es natürlich, dass Wachstum wichtig ist. Wenn jemand nur 30 Kühe hat, lohnt sich einfach kein Melkroboter. Selbst kleinere Annehmlichkeiten wie Putzroboter für die Gänge im Stall gehen schnell ins Geld. Das ist sicherlich problematisch. Aus dem gleichen Grund dürfen sehr kleine Betriebe in Bayern ihre Kühe noch anbinden, während sonst der Freilaufstall Pflicht ist. Ohne die Ausnahme, dass Betriebe mit max. etwas über 20 Tieren nicht umbauen müssen, wäre das Ende der Betriebe besiegelt.

      Da könnte man jetzt drüber diskutieren, ob hier möglicherweise Betriebs- über Tierwohl gestellt wird…

  7. Sören Schewe,
    ….Tierwohl,
    eine andere Möglichkeit wäre, “winterharte Tiere ” zu halten. In Irland z.B. sind die Kühe mit ihrem Bullen das ganze Jahr auf der Weide. Die haben nur kleine Schutzecken mit Bäumen, wenn das Wetter zu schlimm ist.
    Bei uns könnte man wieder Hochlandrinder züchten und die vielen Ställe sparen.
    Viele sind auch schon auf Lamas umgestiegen.

    • Hi Bote17,

      das ist jetzt alles etwas kurz gesprungen. Gehen wir das mal durch: grundsätzlich haben bspw. Hochleistungskühe schon ihre Daseinsberechtigung. Dadurch haben wir global eine Menge Kühe eingespart. Heute produzieren weniger Kühe viel mehr Milch. Und weniger Kühe brauchen natürlich auch weniger Resourcen wie Futter oder Wasser und stoßen natürlich auch weniger Treibhausgase aus.
      Ich hatte das schon mal hier erklärt: https://agrarblogger.de/2015/09/28/milchkuhhaltung-frueher-und-heute/
      Solche Hochleistungskühe zu halten, geht natürlich mit einem gewissen “trade off” einher: die Tiere brauchen Ställe und kontrollierte Umgebungen.

      Jetzt kommen wir zu Deinen winterharten Tieren. Dazu zähle ich jetzt auch einfach mal hitze-tolerante Rassen, das Prinzip ist das gleiche. All jene Rassen, die in rauen Umgebungen leben können, sind gleichzeitig weitaus weniger leistungsfähig. Sie geben weniger Milch, Fleisch und Eier – sind also weniger effizient. Deshalb hat sich das mittlerweile so eingespielt, dass Hochleistungsrassen dort gehalten werden, wo moderne Ställe und eine gute Betreuung möglich ist, während traditionellere Rassen in Entwicklungsländern leben oder auch in Gegenden, wo man sie einfach alleine weiden lässt.

      • Siehst du, und genau das liebe ich an dir so! Eine Frage, oder Unklarheiten und sofort kommt eine Antwort, unterlegt mit Links und Anregungen.
        😀
        So muss das. Du bist sicherlich nicht der einzige, warst aber der erste, der bei mir das Interesse an der Landwirtschaft wieder geweckt hat. Ist doch wichtig zu wissen, wo das Essen herkommt und wie es seinen Erzeugern geht.
        Ich freu mich, dass die Motivation wieder da ist!
        Liebe Grüße Theres

        • Ich wusste es! Immer, wenn ich Deinen Namen auf Twitter las, dachte ich an die gleichnamige Kommentatorin. Jetzt weiß ich, dass Du das (auch) bist. Es freut mich, wenn ich helfen kann. Das macht den Spaß ja aus 🙂

      • @Sören Schewe

        Du schreibst: “All jene Rassen, die in rauen Umgebungen leben können, sind gleichzeitig weitaus weniger leistungsfähig. Sie geben weniger Milch, Fleisch und Eier – sind also weniger effizient. Deshalb hat sich das mittlerweile so eingespielt, dass Hochleistungsrassen dort gehalten werden, wo moderne Ställe und eine gute Betreuung möglich ist, während traditionellere Rassen in Entwicklungsländern leben oder auch in Gegenden, wo man sie einfach alleine weiden lässt.”

        Weniger leistungsfähige Tiere sind in der Regel auch genügsamer. In Irland setzt man auf Vollweidehaltung um Futter zu sparen. Man kann die Kühe allerdings nicht gänzlich alleine weiden lassen, weil die Weideflächen portioniert werden, was einen hohen Anspruch an das Weidemanagement voraussetzt.
        Näheres dazu hier:
        https://www.agrarheute.com/wissen/milchwirtschaft-irland-vollweide-statt-stallhaltung

        Ansonsten finde ich es toll, dass Du weitermachen willst. Die Landwirtschaft ist ein interessantes Thema, das uns sicher noch einige Zeit beschäftigen wird. Aus meiner Sicht sind die immer wieder aufgedeckten Missstände jedoch nicht allein dem Management geschuldet, das ja gewissen Sachzwängen unterliegt. Wie in den meisten Branchen versucht man auch in der Landwirtschaft ökonomisch zu arbeiten, um mit möglichst geringem Mitteleinsatz maximale Gewinne zu erzielen. Bei der Arbeit mit Tieren genügt es jedoch nicht, wenn die Besitzer bzw. das “Management” möglichst viele Tiere auf kleinsten Raum halten und dazu noch ungelernte Billiglöhner für sich arbeiten lassen, die von Tierpflege keine Ahnung haben. Wer Tiere betreut sollte außer Sachkenntnis auch eine gewisse Empathie mitbringen. Letztere bleibt bei der industriellen Tierhaltung meistens auf der Strecke, weil man keinen Bezug mehr zu den Tieren hat. Gute Haltungsbedingungen findet man hingegen oft in der Pferdehaltung, vielleicht solltest Du mal darüber schreiben.

        • Schön Dich wieder hier in den Kommentaren zu lesen, Mona 🙂

          Du hast schon recht: Rassen, die weniger auf Leistung gezüchtet werden, können es auch mal ohne größere Schäden verkraften, wenn das Futter-Angebot nicht optimal ist. Das System einer in Kompartimente eingeteilten Weide nennt sich “rotational grazing”. Die Tiere verbringen auf einem kleinen Teil der Weide nur eine kurze Zeit, bevor sie zum nächsten Kompartiment geführt werden. Derweil haben die zuvor abgegrasten K. Zeit zur Regeneration.

          Zum zweiten Teil Deines Kommentars: beim Thema Management kommt man leicht in ein Dilemma der Definition. Was gehört noch dazu und was nicht? Die tägliche Routine gehört ganz sicher dazu, aber eben auch Aspekte wie die Mensch-Tier-Beziehung. Womit wir dann ja wieder am Anfang meiner Blogger-Zeit wären. Temple Grandin ist sicher nicht die einzige, ganz bestimmt aber die populärste Stimme aus dem Chor jener Fachleute, die immer wieder erklären, dass GERADE ein guter Umgang mit Tieren besonders wirtschaftlich ist. Wenn ich Milchkühe nicht nur gut versorge, sondern auch so mit ihnen umgehe, dass sie entspannt sind, geben sie mehr Milch bei gleicher Futtermenge und werden seltener krank durch weniger Stress. Von Effizienz zu sprechen, gruselt mich immer etwas, aber letztlich ist es so: es ist aus Sicht des Tierwohls, der Ökonomie und der Effizienz absolut geboten, die Tiere anständig zu behandeln.

          Die Gründe, weshalb das nicht immer so klappt, sind vielschichtig. Da gibt es sicher auch Probleme im Umgang oder auch mal auf der Ebene der Empathie – gerade, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz für die Arbeit ausbleibt, während der Druck aus allen Richtungen immer weiter zunimmt.

      • Ja, Hochleistungslandwirtschaft spart Ressourcen. Die Hälfte der Kühe von 1950 erzeugen gleich viel Milch. Ähnliches beim Getreideanbau: In den USA ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche seit 1930 konstant geblieben trotz einer Verdoppelung der Bevölkerung.
        Andererseits bedeutet die Intensivierung der Landwirtschaft, dass auf den bebauten Flächen praktisch nichts anderes mehr wächst und es dort auch kaum noch Wildtiere gibt, wie der Artikel Food Production and Wildlife on Farmland aufzeigt.
        Die Folgerung daraus: Um die Biodiversität trotz Landwirtschaft hochzuhalten gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze:
        1) Intensive Landwirtschaft kompensiert mit Freiflächen für Wildtiere und Wildpflanzen
        2) Ökolandwirtschaft, in der der Bauer Wildpflanzen und Tieren Raum lässt.

        In Deutschland wird neuerdings Ansatz 2) gefördert wie der Spektrum.de-Artikel Artenvielfalt entschleunigt den Bauern aufzeigt. Bei 2) ist die Idee, den Bauern für die aktive Arterhaltung zu entschädigen, wofür der Bauer aber innerhalb seiner Landfläche Frei- oder wenig genutzte Flächen unterhalten muss. Im Prinzip liesse sich 2) über die Direktzahlungen an EU-Landwirte finanzieren.
        Wenig hört man über den Ansatz 1), also die Ausscheidung von Flächen für “Naturparks”. Doch dieser Ansatz, der zum Ausgleich der Intensivnutztung eigentliche “Naturparks” schafft, scheint mir mindestens so sinnvoll wie die, den Ökobauern für das Schonen von Wildpflanzen und Wildtieren zu bezahlen.

        • Gerade die USA sind diesbezüglich hochinteressant. Es stimmt schon, dass die intensive Landwirtschaft nicht immer jene ist, die auch am besten zusammen der restlichen Natur funktioniert. Aber gerade die vielen Ranches in den USA, auf deren Weiden Rinder leben, die später zu Burgern werden, sind ein hervorragendes Beispiel, dass sich effiziente Nahrungsmittel-Produktion und Naturschutz nicht ausschließen müssen. Wobei das weniger Naturschutz und mehr ein “Mit-der-Natur-arbeiten” ist. Ich habe zu dieser Idee schon interessante Literatur gefunden, die ich aber noch nicht geschafft habe zu lesen.

  8. Sören Schewe,
    …..Hochleistungsrinder,
    von dieser Denkungsart müssen wir weg kommen. Die sind so empfindlich, dass sie Antibiotika brauchen.
    Der Trend geht Richtung Bio. Bio Fleisch schmeckt besser, wahrnehmbar besser.
    Das Konzept “Zurück zu natürlichen Verhältnissen” beinhaltet, dass die verbraucher 1. wieder auf die Qualität in Form von Geschmack achten und 2. dass sie weniger Fleisch essen. Sonst können sie die erheblich höreren Preise nicht bezahlen.
    Ich bin jetzt kein Landwirt, nur Verbraucher. Wenn du nach Frankreich gehst, zahlst du mehr für Fleisch, aber es schmeckt besser. In Irland ist das das gleiche.
    Wenn du mal wieder eine Wildforelle isst, im Vergleich zu einer Zuchtforelle, dann verstehst du , was Bio bedeutet.

    • Naja, wir können den Tieren die Krankheiten nicht verbieten. Auch Bio-Tiere werden krank, allerdings landet deren Fleisch – sollten Behandlungen mit Antibiotika notwendig geworden sein – nicht mehr im Bioregal, sondern wird als konventionelles Produkt verkauft.

      Außerdem heißt “Bio” ja nicht automatisch Wildlachs, sondern ist erstmal nur eine etwas andere Form der Landwirtschaft mit ihren ganz eigenen Vor- und Nachteilen. Was besser ist, ist immer eine Frage der Wertung. Ich empfehle Dir dazu meinen Artikel Tierwohl verstehen: https://scilogs.spektrum.de/vom-hai-gebissen/tierwohl-verstehen/

    • Die Leute wollen erstmal Satt werden. Gourmet-Identitäts-Geheische kann jeder machen, aber das als Maßstab für eine verarmende Gesellschaft zu machen ist dermaßen dümmlich und asozial. Genauso kann man verlangen das nur noch die KFZ einer bestimmten Marke gefahren werden dürfen.
      Voila, Bio ist ein Image, ist ein Marketing ist eine Marke! Sonst gar nichts.

      Das langsamer gezüchtetes Fleisch besser schmecken kann, steht ausser Frage. Das langsamer gezüchtete Tiere aber mehr Platz, mehr Futter, mehr REssourcen und damit Umweltschädlicher sein müssen, ist Ihnen natürlich nicht in den Sinn gekommen.

      Stört ja teile der Bio-Fraktion auch nicht sonderlich, mit dem SUV beim Bioladen vorzufahren um für 150 Euro für 2 Tage für 2 Personen einzukaufen.

      mindestens 30 Millionen Menschen in Deutschland können und wollen sich diese Verschwendung nicht leisten.

      Darum geht es. Die Armen sollen satt werden. Auch wenn das Biojünger nicht interessiert.

      Solange Biojünger ein Auto fahren und gelegentlich in den Urlaub fliegen / fahren haben alle Armen der Welt die das gar nicht erst können das Recht soviel Fleisch zu essen wie sie wollen. Und zwar so billig wie sie können weil sie keine Mittel zum vergeuden haben. Denn die Mehrheit der recht wohlhabenden Bioapostel verpesten mit ihrem Co2 Konsum-Abdruck die Welt weitaus mehr.

      Würde sich jeder Moralist einfach darum kümmern das er spart, wäre das alles auch kein Problem. Das Leute immer anderen Vorschriften machen wollen – vorzugsweise den Armen etwas wegnehmen – stinkt mir gewaltig.

      DAS sind die wirklichen Probleme der globalen Landwirtschaft und Politik: 800 Millionen Hungernde MEnschen, noch viel mehr ohne Krankenkasse und Rentenversprechen. Vertriebene, Flüchtlinge vor Gefahren. Aber Euresgleichen kümmert primär das Wohl irgendwelcher Weideviecher.

      Meine Güte! Niemand soll Tiere unnötig leiden lassen. Gut ist. Das wird durchgesetzt. Schöner wäre es aber wenn dasselbe für Menschen gälte. Für Menschen setzen sich die ganzen Tierschützer/-rechtler eher nicht ein, die sind ihnen offensichtlich weniger wichtig als Tiere. Wie man auch schon daran ablesen kann, das das Essen der Armen – billige Industriemassenwaren – diesen Leuten zuwieder ist.
      Und das obwohl der Mensch das empfindungsvollste aller Tiere ist, das am meisten unter schlechten Lebensbedingungen leidet vor allem weil er eine Vorstellung von vergangenem und zukünftigem Leiden und Leben hat.

      Und mich stoßen solche Leute ab.

      Sorry Herr Schewe das ich nicht diplomatischer schreiben kann. Priorität und Sinn der Vieh- und Landwirtschaft muss einfach die Versorgung der Menschen sein. Wem das egal ist, der greift auf irgendeinen Blödsinn identitärer Aneignung zurück. Gourmettum, Biolabel, Markenware alles Etikettenfresserei. Hauptsache man kann sich selbst Eigenschaften zuschreiben durch den Konsum von in Labelbilder gegossener Selbstdefinition und Distinktion.
      Kapitalismusopfer aus dem Bürgertum, die heute den ethisch gerechten Konsum zur Lösung der Weltprobleme proklamieren. Dekadente Albernheiten!

      Schön das Sie wieder Lust drauf haben, ich hoffe mein Rant bewirkt für Sie nichts gegenteililges Herr Schewe ;>

  9. Sören Schewe,

    …..Mit der Beschwörung eines Bauernhofidylls ist niemandem geholfen.
    Ganz konkret stimmt das natürlich und meine Forderungen gingen genau in diese Richtung.
    Im Supermarkt kaufen aber dann die Leute doch wieder das Kg Schweinefleisch für 4,99 €.
    Wenn also ein Umdenken in der Landwirtschaft stattfinden soll und sich das auch auszahlt, dann muss beim Verbraucher ein Umdenken stattfinden.
    Das geschieht im Augenblick gerade. Vegetarisch und Vegan ist hipp. Die Läden richten extra Verkaufsflächen für diese Produkte ein, weil die Gewinnspannen höher sind.
    Da wird auf den Apfelsaft das Logo für “Vegan” gedruckt und heimlich gleich ein wenig teurer verkauft.
    Aber insgesamt ist diese Entwicklung positiv, denn alles was den Fleischverzehr verringert ist positiv (meine Meinung).

  10. Liest sich gut, auch die im dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Artikel vorgenommene (rhetorische) Klammerung kam hier gut an, Sie leisten Aufklärungsarbeit.
    MFG + schönes WE,
    Wb

  11. Zu der von dieser dankenswerterweise bereit gestellten WebLog-Einheit wiederum dankenswerterweise bereit gestellten und zentralen Definition des sogenannten Tierwohls noch kurz, vgl. :

    Definition Tierwohl

    Die World Organization of Animal Health definiert Tierwohl so:
    Tierwohl richtet sich nach den Fähigkeiten eines Tieres mit den Bedingungen seines Lebensraumes klar zu kommen. Aus Sicht des Tierwohls ist ein Tier in einem guten Zustand, wenn es gesund ist und gut gefüttert wird sowie keine Angst, Schmerzen oder sonstigen Stress erfährt. Zudem sollte es in der Lage sein natürliche Verhaltensweisen. Aus Sicht des Tierhalters umfasst Tierwohl ein gutes Management, ein gutes Handling (Umgang mit den Tieren, siehe Stockmanship), Vorbeugung von Krankheiten und – da man den Tieren den Schnupfen nicht verbieten kann² – auch tiermedizinische Behandlungen. [Quelle : bei Herrn Sören Schewe irgendwo (anderswo)]


    Dies ist natürlich eine Art Maximal-Definition. Selbst der freundliche Schreiber dieser Zeilen, der Katzen außerhalb des Hauses hält, die auch mal “rein” dürfen, kann ihr nicht genügen.

    Alternative zur vorgeschlagenen Definition :
    Der Mensch hält Tiere, auch sogenannte Nutztiere, wie er es für richtig hält, hat sich diesbezüglich dem möglichst breiten öffentlichen Diskurs zu stellen und insofern bleibt das sogenannte Tierwohl ein Gegenstand fortlaufender allgemeiner gesellschaftlicher Erörterung.

    Im humanistischen Sinne darf das gute Tier auch getötet, um verzehrt zu werden, und es bleibt als Gegenstand zu betrachten, dem gewisses Wohlwollen entgegen gebracht wird, wie es sich gehört oder geziemt, eben in Abhängigkeit des genannten Diskurses.

    Insofern bleibt die definitorisch geforderte Angst-Freiheit beispielsweise -der Mensch lebt ja auch nicht “ganz” angstfrei und beständig gesundheitlich bestversorgt, und es könnte genügen das Tier in seinem Fortkommen zu unterstützen, abär nicht so, wie oben definitorisch beigebracht- dezent formuliert : zweifelhaft …

    … und insofern ist der Mensch nur sozusagen beauftragt dem frei lebenden Tier nicht zu schaden und das Nutztier nicht schlechter zu pflegen als dies in der freien Natur geschähe.

    MFG
    Dr. Webbaer (der es in diesem Sinne nicht für notwendig hält sich in das gute Tier hineinzudenken, wie Temple Grandin dies vermochte, und es für schädlich hält das gute Tier anti-humanistisch herauf zu stufen, wie dies Pete Singer gelingt)

    • @Dr.Webbaer: Die Tierwohl-Definition gemäss Sören Schewe und Animal Health umfasst eben auch die Abwesenheit von Krankheiten und bei einigen Ökohaltungen ist z.B. der Parasitenbefall häufig (wie in einem Beitrag von Sören Schewe erwähnt), womit dann die “Massentierhaltung” diesbezüglich besser abschneiden würde.

      Die Ökolandwirte behaupten dafür, ihre Tiere könnten den natürlichen Vorlieben besser nachgehen. Doch das stimmt nicht in jedem Fall und wenn behauptet wird, “Ökotiere” befänden sich in einer natürlicheren Umgebung, muss man fragen, was “natürlichere Umgebung” genau bedeutet und welcher Stellenwert sie hat.

      • Hmpf. Danke Ihnen Herr Holzherr. Ich habe erst Dr. Weebaer geantwortet und dann Ihren Kommentar gelesen…völlig korrekt.

      • @ Herr Holzherr :

        Die ‘natürliche Umgebung’ einer Katze meint in etwa eine Lebenserwartung von vier Jahren, während sie als Hauskatze, gerne auch kastriert, mit einer diesbezüglichen Erwartung von vielleicht zehn Jahren rechnen kann, sofern sie rechnen kann.

        Dr. W bestätigt hier gerne bis ungerne, auch weil er seit Jahrzehnten Katzen außerhalb des Hauses pflegt bis verköstigt, gerade auch : in Notlagen und (erst einmal) fremde Katzen meinend.

        ‘Ökolandwirte’, auch Katzenhalter wie oben beschrieben sind diese in gewisser Hinsicht, reden insofern bevorzugt über sich selbst, wenn sie die Tierhaltung meinen.
        Die Tierhaltung an sich ist erst einmal in diesem Sinne reziprok oder rekursiv.

        Bei Nutztieren sieht es anders auch, abär auch hier würde der Schreiber dieser Zeilen nicht hervor kommen wollen, um außerhalb der üblichen Sittlichkeit anklägerisch zu werden.
        Gelegentlich darf bis muss das gute Tier auch vermampft werden.

        Wobei Dr. Webbaer hier nur das Natürliche zitiert und i.p. besonderer Tier-Ethik deutlich absteift, gerne aber das Tierwohl bearbeitet sieht, so wie weiter oben beschrieben.

        MFG
        Dr. Webbaer (der nun abär wirklich zu gehen hat, “Fressie” wartet)

    • Damit hast Du möglicherweise unfreiwillig einen zentralen Kritik-Punkt innerhalb der Fachwelt am Thema Tierwohl berührt. Die von Dir zitierte und von mir übersetzte Definition stammt vom OIE – der Weltorganisation für Tiergesundheit. Es stimmt aber, dass es nicht die EINE Definition dazu gibt. Aus genau diesem Grund erwähne ich immer wieder gerne David Fraser, der Tierwohl als Werte-Debatte sieht und erklärt. In die gleiche Richtung gehen die Erläuterungen von Paul Hemsworth und Coleman, die zwar die Wichtigkeit einer informierten Gesellschaft betonen, gleichzeitig aber auch erwähnen, dass es für “normale” Menschen gar nicht so leicht ist sich sachlich zu informieren.

      Grundsätzlich hängt die Art, wie ich Tierwohl definiere, sehr stark davon ab, wo ich gerade bin. Stehe ich in einem Stall, ist natürlich ein praktischer Ansatz naheliegend. Es sollte dann also um die Tierbeobachtung und den Umgang mit den Tieren gehen. Manchmal kann auch der Umgang der Tiere untereinander Probleme machen. Das heißt, hier würde ich mich an Grandin, Bud Williams und Kollegen orientieren.

      Geht es um die Evaluierung eines Haltungssystems und die Frage des Tierwohls, ist die Situation viel distanzierter. Hier könnte dann erstmal Fraser helfen, indem ich mich frage, wo ich als Tierhalter den Schwerpunkt legen möchte. Bewerte ich den Aspekt der Tiergesundheit in einer kontrollierten Umgebung höher oder gestehe ich den Tieren auch mal Sauereien im Schlamm zu – bspw. mit dem Risiko des Parasitenbefalls.

      • @ Herr Schewe :

        Damit nicht herumgequatscht wird, gilt es alternativ definitorisch zu werden, wobei der geschilderte Ansatz einer (nie enden währenden diesbezüglichen) Werte-Debatte hier nicht schlecht klingt, vergleiche Sie zitierend :

        Aus genau diesem Grund erwähne ich immer wieder gerne David Fraser, der Tierwohl als Werte-Debatte sieht und erklärt. In die gleiche Richtung gehen die Erläuterungen von Paul Hemsworth und Coleman, die zwar die Wichtigkeit einer informierten Gesellschaft betonen, gleichzeitig aber auch erwähnen, dass es für „normale“ Menschen gar nicht so leicht ist sich sachlich zu informieren.

        Grundsätzlich hängt die Art, wie ich Tierwohl definiere, sehr stark davon ab, wo ich gerade bin.


        Wobei die Unterscheidung zwischen wohl und weniger wohl informierten Personen hier nicht so-o gut ankommt.
        Was halten Sie vom Vergleich?
        Darf bspw. I.E. ein Tier als besser gepflegt als in der nackten Natur betrachtet werden, wenn es länger lebt und bspw. als Milch-Tier dient?
        Darf bspw. ein Schwein anders betrachtet werden, wenn es zeitnah und in Adoleszenz der Schlachtung zugeführt wird?
        Inwieweit sind hier I.E. ‘normale Menschen’ sittlich zu schulen und inwieweit macht es Sinn bestimmte Vorgänge, die die Verwertung meinen, von jeweiligem Standpunkt anhängig zu machen?


        Und, wenn Sie bestimmte Standards wünschen, wie machen Sie diese genau fest?
        Außer eben sich an der gesellschaftlichen Nutzung der sogenannten Nutztiere fest zu machen?

        Wenn Sie ehrlich sind, sieht es hier mau aus, muss es mau aussehen, denn das (auch : gute) Tier ist halt nur ein Tier oder eine Sache.
        Es macht juristisch Sinn, außerhalb der Quälerei, die bereits zu antiken Zeiten ungerne gesehen worden ist, hier weitgehend frei zu bleiben.
        Außer eben sich dem gesellschaftlichen diesbezüglichen Diskurs anzupassen und hier im humanen Sinne, also für den Menschen, angepasst zu fordern.

        Wenn der Mensch etwas für das Tier tut, tut er dies für sich.

        MFG
        Dr. Webbaer (der, als Bär, natürlich auch hier Anstand promoviert)

        • Nabend Webbaer,

          ich halte es keineswegs für verwerflich oder beleidigend von schlecht informierten Menschen zu sprechen bzw. anzunehmen, dass Menschen außerhalb des Fachwelt erstmal Probleme bei der Suche nach sachlichen Infos haben. Schließlich bin ich ja auch nicht mit dem Wissen, das ich jetzt habe, auf die Welt gekommen, sondern habe es mir erarbeitet. Dafür weiß ich jetzt zwar mehr über Tierwohl als viele andere, bin aber selbst in allen anderen Belangen ein totaler Nasenbär.

          Das bringt mich zum zweiten Gedanken: ich halte sehr wenig von der Idee die Gesellschaft über die Tierhaltung entscheiden zu lassen – zu den Gründen siehe oben. Zudem gibt es ja innerhalb der Gesellschaft einige Akteure, die mit gezielten Kampagnen bestimmte Bilder und Meinungen formen möchten. Trifft natürlich ebenso auf alle anderen Bereiche der Gesellschaft ebenso zu.

          Was die Festlegung von Standards angeht, greift das, was ich in den Kommentaren zuvor schon schrieb: die von Grandin eingeführten Audits und Schulungen in Stockmanship haben das Animal Handling in den USA massiv verbessert. Es gibt weniger Verletzungen bei Mensch und Tier, weniger Stress etc. Plane ich einen komplett neuen Betrieb, muss ich vorher definieren wie ich wirtschaften möchte und welche Schwerpunkte ich setze. Daraus resultieren dann ebenfalls Standards – die andere natürlich wieder anders setzen können.

          • Howdy, Herr Sören Schewe,
            hierzu :

            Das bringt mich zum zweiten Gedanken: ich halte sehr wenig von der Idee die Gesellschaft über die Tierhaltung entscheiden zu lassen – zu den Gründen siehe oben.

            Sie sind halt ein “lockerer Typ”, der eine ganze Menge zu sagen hat, vom Fach ist und wohl disponiert.

            Andererseits ist das sogenannte Tierwohl eine losgelöste, abstrakte Größe, die -wie der Webbar findet- einer kontinuierlichen Bearbeitung bedarf, als soziales und zu pflegendes Konstrukt.

            Klar, Opi W hat sich ein wenig aufgeblasen und will den hiesigen Laden auch nicht aufhalten. Vielleicht sind Sie so ein wenig aufgeheitert und angeleitet worden Ihre gute Arbeit fortzuführen?!

            MFG + schönes WE noch,
            Wb

  12. Dr. Webbaer,
    ……Definition Tierwohl,
    ein brauchbarer Indikator für ein Tierwohl wäre z.B. die höhere Lebenserwartung in der Obhut des Menschen . Wenn das zutrifft, dann kann man von Tierwohl sprechen.

    • @Bote17: Bei Schlachtvieh ist die Lebenserwartung naturgemäss begrenzt und bei Milchvieh ebenfalls, weil Milchkühe bei abfallender Leistung geschlachtet werden.

      Das Ziel einer hohen Lebenserwartung erträgt sich schwer mit der Nutzung von Tieren. Wenn sie das wollen, dann haben sie recht, dann sollten sie auf Fleisch- und eventuell sogar auf Milch verzichten.

      • Das hier gemeinte Tierwohl darf bis muss gelegentlich im Magen des hier gemeinten Primaten enden, ob Bär oder Mensch, soll an dieser Stelle un-erläutert bleiben.
        Definitionen sind Mengenangaben und sie unterscheiden sich diskriminierend, in etwa so wie das Fundamt grundsätzlich die Basis meint, insofern bleiben sogenannte Nutztiere zu verwerten, tautologisch bereits.
        In diesem Bezug darf fallweise auch vermampft werden, der hier gemeinte Primat ist Omnivor; er findet sein Wohlkommen in der Sittlichkeit oder in dem, was sich, auch den Tiergebrauch meinend, geziemt (und weiter oben in seiner Bearbeitung skizzenhaft erläutert worden ist).
        Und selbstverständlich gibt es auch unter den guten Tieren Omnivoren, gar Karnivoren mit einem gewissen Appetit, auch mit über diesen hinaus gehenden Jagdverhalten, also womöglich mit aus Sicht einiger : unsittlichem.
        Auch hier gilt es aufzumerken, Leutz wie bspw. Pete Singer entgegenzutreten und Religiösität (“besondere Rückgebundenheit”) anderswo zu suchen.

        Das sogenannte Tierwohl meint Veranstaltung, also zwingend gesellschaftliche, Dr. Webbaer sieht das diesbezügliche Bemühen u.a. bei Herrn Sören Schewe in guten Händen.

        MFG
        Dr. Webbaer (der gerne im Abgang noch angibt i.p. Fleischverzehr sparsam zu sein, Brot ist ihm ebenfalls OK)

  13. Martin Holzherr,
    ……Nutztiere,
    Als Beispiel eine Legehenne. Die hat man solange als Legehenne genutzt, dann hat man sie als Suppenhuhn gegessen. Das schmeckte nicht so gut wie ein junges Huhn ist aber moralisch und ökologisch gesehen besser.
    Ich bin auch gegen Kalbfleisch und jede Art von Jungtieren im Suppentopf. Das muss nicht sein.
    Anmerkung: Man muss nicht von einem Extrem ins andere verfallen.

    Dr. Webbaer,
    Katzen können sehr gut 20 Jahre alt werden ohne krank geworden zu sein.
    Wobei ich der Meinung bin, dass ein Kater unkastriert bleiben sollte, auch wenn jetzt alle Frauen aufschreien.

  14. Martin Holzherr,
    …..Zurück zur Natur,
    Immer mehr kleine Biohöfe können existieren, weil der Kunde bereit ist , für Qualität mehr zu bezahlen. Das muss der Trend werden.
    Äpfel aus Chile, Erdbeeren aus Israel, Wein aus Californien. Das ist eine Perversion des Denkens. Die Transporte samt Abgasen belasten unser Klima. Futtermittel aus USA?
    Dabei haben wir alles vor der Haustür. Die EU sollte nicht so sehr auf Welthandel setzen, sondern eher auf strengere Qualitätsrichtlinien.

    • Der Lebensmitteltransport über den ganzen Globus hat aber auch die Nahrungsmittelsicherheit erhöht und macht es möglich an den besten Standorten zu produzieren und die Population eines Landes unabhängig von der eigenen Nahrungsmittelproduktion zu machen. Ein gutes Beispiel ist Afrika, das schon heute mehr importiert als exportiert und im Jahre 2050 bei einer Verdoppelung der Bevölkerung noch weit mehr Nahrungsmittel importieren wird. Dazu kommen Vorlieben, die die eigene Landwirtschaft nur teilweise erfüllen kann. In Westafrika beispielsweise ist Reis ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Der “gute” Reis wird dabei vorwiegend aus Asien importiert.
      Der Klimawandel würde sich zudem in Afrika ohne Nahrungsmittelimporte katastrophal auswirken, denn die Erträge sinken mit steigenden Temperaturen.

      • @ Martin Holzherr

        Mit dem Klimawandel tun sich Gefahren für die Menschen auf, die direkt mit der Tierzucht zusammenhängen. Die Massentierhaltung ist einer der Haupterzeuger von Treibhausgasen, weil durch die Blähungen von Kühen und Rindern, die ihr Futter im Magen verdauen müssen, Methan entsteht und freigesetzt wird. Aber auch der Anbau von Futterpflanzen und die damit einhergehende Abholzung von Regenwald zur Anlegung von Sojafeldern schädigt das Klima. Ein großer Teil der Treibhausgasemissionen entsteht jedoch nicht nur durch die Viehzucht selbst oder durch stickstoffhaltigen Kunstdünger zur Aufzucht von Futterpflanzen, sondern durch den Handel mit Fleisch in Länder, die selbst kaum Tierzucht betreiben, sondern Fleisch importieren. Wer das Klima schonen will, sollte (wie bereits von @Bote 17 erwähnt) auf regionale Produkte zurückgreifen, die nicht erst durch die halbe Welt transportiert werden müssen.
        http://www.wiwo.de/technologie/green/living/erderwaermung-wie-der-handel-mit-fleisch-das-klima-schaedigt/13550690.html

        • @Mona: auch das Rind vor der Haustür rülpst Methan in die Luft. 20-30kg Fleischkonsum/Mensch/Jahr finde ich deshalb ein sinnvolles Ziel.Und ja, Regenholzwald oder überhaupt Wald zu roden für Futterpflanzen oder Ölpalmen, ist ein schlechter Tausch, ein schlechter Handel.
          Doch der Transport von Getreide und vielen andern Nahrungsmitteln ist heute sehr effizient: der Grossteil der dazu nötigen Energie wir auf den letzten Kilometern zwischen Ankunftshafen und dem Verkaufsladen verbraucht.

        • @Mona: Ein Problem: Ich selbst bin schon längst bei weniger als 20 kg Fleischkonsum pro Jahr angekommen. Nur: Überzeugen sie einen US-Bürger mit seinen 100 kg Fleischkonsum pro Jahr davon – oder einen Argentinier wo trotz weniger Wohlstand sehr viel Fleisch konsumiert wird.
          Zudem: Ihr verlinkter Bericht und auch was @Bote17 vorgebracht hat, bezieht sich auf das Leben hier, wo es tatsächlich einen Überkonsum gibt. Wenn es um den Klimawandel und die Zukunft der Menschheit geht muss man aber global denken und miteinbeziehen, dass die meisten Menschen immer noch sehr arm sind und deshalb heute praktisch kein Fleisch essen und überhaupt nur wenig der von ihnen kritisierten Produkte konsumieren. Nur: All diese Armen wollen ein besseres Leben mit mehr Fleischkonsum, einem besseren Haus, mit Autos etc. Das Weltwirtschaftswachstum von etwa 3% pro Jahr, das vor allem durch das Wachstum in den Schwellenländern und anderen aufstrebenden Ländern angetrieben wird, wird deshalb zurecht weiterbestehen und viele in den Mittelstand aufsteigende Menschen werden ein Leben ähnlich dem in Deutschland anstreben. Ziele wie die Senkung des globalen Fleischkonsums um 70% bis 2050 (wie im verlinkten Artikel von ihnen) sind deshalb völlig unrealistisch, denn das Potsdam-Institut (das den Vorschlag gemacht hat), ist ein deutsches Institut. Nicht einmal in Deutschland hat es direkte politische Macht, ganz zu schwiegen von den USA oder der übrigen Welt.
          Die Konsequenz daraus sollte sein, dass man solche unrealistischen Vorschläge gar nicht erst macht, sondern dort den Hebel ansetzt wo es am meisten Einflussmöglichkeiten gibt. Ein ganz wichtiger Hebel kann die Urbanisierung werden, denn schon im Jahr 2050 werden 70% aller Menschen in Städten leben. Städte aber tauschen sich untereinandern aus, sie beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Städte selbst nachhaltiger, ressourcenschonender und klimafreundlicher werden, dann hat das somit globale Auswirkungen, denn was Stadt A kann, will bald auch Stadt B und schliesslich sind alle Städte auf dem Weg in eine bessere Zukunft.
          Völlig falsch aber wäre es zu versuchen, den Urbanisierungstrend umzukehren – denn er lässt sich nicht umkehren.
          In Bezug auf den Nahrungsmittelkonsum, sind Städter stark von Trends beeinflusst. Die meisten Vegegtarier leben wahrscheinlich in Städten und Städter dürften auch die ersten sein, die sich ein Leben ohne Auto vorstellen können.

        • immer noch nicht informiert?

          Das ist mehr ein Nullsummenspiel. Die Rinder fressen und produzieren das Co2 und Methan, das vorher in den Pflanzen / Gras gebunden wurde.

          Quelle: Suchen Sie sich eine wenn Sie etwas wissen wollen oder glauben Sie weiter der Propaganda von irgendwelchen NGOs, die vom schlechtreden der Landwirtschaft leben und oft Tierrechtler und Veganer in ihren Reihen haben, denen JEDE Tierhaltung als Feindbild dient, die bekämpft werden muss.

          Darum gibts soviel Nonsenspopaganda in der Materie: Die verschiedenen Interessen, das Kriegsbeil der Tierrechtler und Veganerfraktion (die behaupten den ganzen Tag lang nur gequirlten Mist), Kommerzielle Inteessen von Alternativ oder Biolandwirtschaftsbetrieben, Finanzielle Interessen der NGOs und politisch-soziale Erziehungsprogramme derselben hin zu einer ethisch korrekten Ernährungsweise. Gleichzeitig sind auch Staat und Gesundheitssystem dabei, die fleissig mit Angstapellen Lügenmärchen aufgreifen oder ethische Propaganda verbreiten damit in der Gesellschaft weniger Fleisch konsumiert wird weil es aus medizinischen Gründen geboten scheint. Mitlerweile darf im SWR vom Geld der Bürger sich jeder Bürger vom Qualitätsfernsehen als Mörder bezeichnen lassen wenn in der Sendung Sprüche wie “Fleisch ist Mord” ohne jeden Widerspruch eine Plattform geboten werden. Von der Verunglimpufng einer ganzen Industrie und allen Landwirten ob bio oder konvi nicht zu reden.

          Deshalb muss jeder Interessierte aufhören Blödsinn zu glauben und mit Fachleuten reden.

  15. Martin Holzherr,
    ….Effezienz,
    das sollte nicht das einzige Kriterium bleiben. Wir müssen wenigstens zur Hälfte autark bleiben, damit wir nicht bei jeder Störung des Welthandels in Panik verfallen. Sicherheit hat ihren Preis. Qualität auch. Das muss die Richtung sein. Ich erinnere an die Panik bei der Geflügelpest vor einigen Jahren.

    • @Bote17: Autark bleiben/werden, wenn die EU aktuell zu viel Lebensmittel produziert, ist doch gar nicht nötig. Sie meinen aber wohl etwas anderes, nämlich den Verzicht auf Nahrungsmitel- und Futtermittelimporte. Handel ist aber wichtig für andere Länder – Länder, die zurecht sagen, wenn Deutschland Autos und hochwertige Güter exportiert, dann muss es auch etwas von uns importieren – beispielsweise Nahrungs- und Futtermittel.
      Echt importabhängig bezüglich Nahrungsmittel ist sowieso nicht Europa, sondern Afrika. Und bei stark steigender Bevölkerung wird es immer mehr Nahrungsmittel importieren müssen – ausser es steigert die eigenen Erträge und den eigenen Anbau enorm.

  16. Martin Holzherr,
    ……Importland Afrika,
    das ist natürlich gut für die Überschüsse der EU, aber schlecht für Afrika.
    Wie soll denn dort eine Infrastruktur bezüglich Warenerzeugung und Warenvertrieb entstehen, wenn wir das machen?
    Wir schicken den Müll nach Afrika, unsere alten Autos, unsere getragene Kleidung, wir verhindern damit, dass dort eigene Strukturen entstehen können.

  17. @Mona, @Bote17: auf Avocado, Bananen, Sojabohnen und Cashewnüsse zu verzichten, weil nicht regionalen Ursprungs oder weil ihr Konsum nicht mit einer autarken Lebensweise vereinbar ist, bedeutet auch auf Vielfalt, Handel, Lebenslust und gar Gesundheit zu verzichten. Irland beispielsweise ernährte sich um 1850 fast völlig autark und rein regional, denn etwas anderes als die heimischen Kartoffeln gab es nicht. Wegen der Kartoffelpest verhungerten dann zwischen 1845 und 1852 1 Million Irländer (von damals 8 Millionen Irländern). So “gesund” kann eine voll-autarke, rein regionale Ernährung also sein.

    Völlig auf Fleisch zu verzichten ist ebenfalls nicht empfehlenswert, denn gerade wenn nicht nur das Fleisch, sondern auch der abwechslungsreiche, mit Exotika angereicherte Speiseplan fehlt, entwickeln sich bei den “Fleischlosen” Mangelkrankheiten bis hin zu Fehlbildungen bei Neugeborenen etwa wegen Folsäuremangel.

    Die grösste Fehlentwicklung in der Landwirtschaft sind für mich dagegen Energiepflanzen und “Biotreibstoffe” – also eine Erfindung von Ökofritzen -, und die Meinung, wenig fruchtbares Land könne doch für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden, teile ich überhaupt nicht, denn die gesamte Erdoberfläche einer Nutzung zuführen lässt der Natur kaum noch Raum.

    Es gibt für mich viel weniger Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft als immer wieder behauptet. Bestimmte Tatsachen, wie die, dass langfristig die Zahl der Bauern unter 2% der Bevölkerung fällt, muss man einfach akzeptieren. Wohlstand bedeutet ja gerade, dass man sich anderen Dingen widmen kann als nur der Ernährung.

    Die von Mona zitierte Klimabelastung durch Fleisch und vor allem importiertes Fleisch (Griechen essen französisches Fleisch, alle essen argentinisches Fleisch), eine doppelte oder dreifache Klimabelastung weil einerseits Rinder Treibhausgase aussstossen, der Futterpflanzenanbau Lachgas freisetzt und der Transport des Fleisches über den halben Globus Benzin und Diesel verbraucht, sollte schon angegangen werden, doch eben nicht in erster Linie mit Maximalforderungen wie der des Potsdam-Instituts, den weltweiten Fleischkonsum bis 2050 um 70% zu reduzieren, denn solche Forderungen gehen an den Realitäten völlig vorbei. Die Realität ist eben, dass die meisten Menschen (und das sind Nicht-Deutsche, Nicht-Europäer) zuwenig und nicht zuviel Fleisch konsumieren.
    Insgesamt gilt für die Treibhausgasentwicklung durch Nutztiere und den Transport von Fleisch folgendes
    1) Methan und Lachgas, welche von Rindermägen oder gedüngten Erdoberflächen ausgestossen werden, haben eine sehr begrenzte Lebensdauer (Methans Halbwertzeit ist 12 Jahre, die von Lachgas 120), Methan und Lachgas werden nur dann zu einem Problem, wenn es einen ständigen Nachschub von Methan, Lachgas gibt. Die Hauptquelle von Methan sind heute Lecks in Erdgasleitungen. Doch Erdgas wird irgendwann nicht mehr gefördert werden. Bleiben noch die Methan-Rülpser/Furzer der Rinder. Diese könnten irgendwann stark reduziert werden durch andere Rinder.
    2) CO2-Emissionen durch den Transport von Fleisch über grosse Distanzen kann ebenfalls nur ein vorübergehendes Problem sein, denn irgendwann wird der Transport CO2 frei sein, weil Benziner und Dieselfahrzeuge völlig verschwinden. Schon heute ist der Transport von französischem Fleisch nach Griechenland nur deshalb so billig, weil es keine CO2-Steuer gibt, weil die Emission von CO2 gratis ist. Es ist verlogen Fleisch den Transport anzulasten, aber alle anderen Formen von Transport gar nicht zu erwähnen. Auch Fliegen stösst CO2 aus und kein Flug, kein Fluggast muss dafür zahlen, dass er CO2 ausstösst.

    • Irlands Hungerkrise führte zur Massenauswanderung (von 8 Mio Iren 1850 zu 5 Mio heute) und Afrika würde das gleiche durchleiden, wenn wir immer noch die Landwirtschaft, Armut und den fehlenden Nahrungsmittelhandel von 1850 hätten. Seien wir doch der Wissenschaft und der modernen Landwirtschaft dankbar, dass wir heute so etwas vermeiden können.

    • @Martin Holzherr

      Wir leben im Hier und Jetzt und müssen zeitnahe Lösungen für die angesprochenen Probleme finden. Zudem kann man als Einzelperson nicht alle Probleme dieser Welt lösen, sondern sollte zuerst bei sich selbst anfangen. Dazu gehört, dass man möglichst viele regionale Produkte kauft, die nicht erst um die halbe Welt transportiert werden müssen wie das bei Fleisch der Fall ist.

      Wobei eine völlig fleischlose Ernährung möglich ist, dazu muss aber peinlichst genau auf die Inhaltsstoffe der Nahrung geachtet werden, damit es nicht zu Mangelerscheinungen kommt. Die von Ihnen erwähnte Folsäure kommt beispielweise auch in grünem Blattgemüse, Bohnen, Nüssen usw. vor. Vegetarier sind mit manchen Nährstoffen sogar besser versorgt als Fleischesser, allerdings gibt es auch Defizite. Für Kinder wird eine streng vegane Lebensweise deshalb nicht empfohlen:
      https://www.dred.com/de/vegetarier-mangelerscheinung-bei-fleischloser-ernaehrung.html

      • Prinzipiell stimme ich zu. Trotzdem finde ich Nahrungsmittel wie Avocados oder Cashewnüsse oder Quinoa eine Bereicherung – auch wenn sie von weit herkommen. Vom zuhehörigen Handel profitieren beide Seiten.

        • Ich denke es würde schon viel bringen, wenn man einheimische Lebensmittel regional einkauft und den Rest importiert.

  18. Hey Sören,

    ich freu mich wirklich, dass du nun “doch wieder Bock” auf den ganzen Kram hier hast.
    Auch wenn ich immer nur stummer Leser bin, habe ich deine Beiträge und vor allem die interessanten Diskussionen hinterher stets gerne gelesen und viele für mich neue Ideen und Denkanstöße mitgenommen. Jobtechnisch komme ich ja quasi aus dem “Gegenlager Naturschutz”. Zumindest ist es diese Einstellung, die man sowohl von unzähligen der „eigenen” Leute aber auch dem „Generalfeind Landwirt“ (oder Forstwirt, Jäger, Energiekonzern, Behörde… es gibt da zugegebener Maßen eine große Bandbreite, je nachdem welches Thema den aufgebrachten Naturschützer gerade pressiert) entnervend oft zu hören bekommt. Und nur wenige Dinge machen eine umsetzbare und vor allem zielführende Naturschutzarbeit so anstrengend und in manchen Extremfällen leider sogar nahezu unmöglich, wie dieses blöde „vs.“ Schubladen- und Feindbilddenken.

    Deine dir typische Ablehnung von einfachen Schwarz/Weiß-Argumenten und die gerne auch mal sarkastischen oder schnippischen Darstellungen in deinem Blog haben mir immer gut gefallen. Umso befremdlicher waren für mich einige der letzten Beiträge wie z.B. der oben erwähnte über die Bauernspruchkampagne (die ich nebenbei bemerkt zwar optisch durchaus ganz lustig gemacht aber inhaltlich für ebenso dämlich und vor allem eben der eigentlich Sache absolut nicht dienlich fand. Sie ist auch bei uns intern viel diskutiert worden). Das Rumgemotze wie du es nennst ist zwar durchaus verständlich und sei natürlich jedem Blogger auch mal zugestanden, aber es hat mich irgendwie auch ein wenig enttäuscht. Das hatte für mich mehr mit „aufgebrachter Leserbrief“ als mit (wissenschaftlichen) bloggen zu tun. Und es passte eben auch irgendwie so gar nicht zu dem Sören, den ich kenne.

    Umso mehr freue ich mich deshalb, dass du wieder zu deiner ursprünglichen Idee und Einstellung zu diesem Blog zurück gefunden hast. Und natürlich hoffentlich auch zu der gleichen Begeisterung, die du damals hattest, als wir zusammen im Garten gesessen, Limo geschlürft und du mir von diesem aktuellen Angebot für einen Wissenschaftsblog erzählt hast… 🙂

    Liebe Grüße und immer weiter so!
    Kristin

  19. Habe den Blog gerade erst entdeckt und würde mich sehr über viele weitere Artikel freuen. Tierwohl ist ein so unglaublich ideologiebehaftetes Thema, dass man so gut wie keine seriösen Quellen dazu findet.

    Ich (der sich momentan vorwiegend nach dem Prinzip “Je billiger, desto besser” ernährt) bin gerade dabei zu reflektieren, wie ich durch mein Kaufverhalten für z.B. ein höheres Tierwohl sorgen kann.

    Andererseits kommt mir das “Bio”-Label eher wie eine Gelddruckmaschine vor. Mich würden daher konkrete Tipps interessieren, worauf man beim Einkaufen achten könnte/sollte, um zumindest einen Schritt in die richtige Richtung zu machen (Ich weiß, dass das ziemlich viel verlangt ist, aber mir fehlt zurzeit jeglicher Anhaltspunkt).

    • Hallo Cero,

      freut mich, dass Du hier gelandet bist. Du solltest dieses Blog zur Vorsicht mal abonnieren. Ich muss zugeben, dass ich mich mit dem Thema Tierwohl seit einiger Zeit nur sehr grundsätzlich gewidmet habe und weniger mit Fokus auf die Fleischtheke. Ist aber eine gute Anregung. Leider habe, was Label und Initiativen zum Thema Tierwohl angeht, selbst etwas den Faden verloren. Aber ich bleibe dran.

      Ich habe seit 2011 immer mal wieder das Privathof-Geflügel begleitet – das ist ein Segment der Marke Wiesenhof. Das Konzept unterscheidet sich zur normalen Geflügelmast durch mehr Platz für die Tiere. Gleichzeitig kommt eine langsamer wachsende Rasse zum Einsatz, das heißt, das Auftreten gesundheitlicher Probleme durch zu schnelles Wachstum und zu schnelle Gewichtszunahme wird minimiert. Dazu haben die Tiere noch Sitzstangen und Beschäftigungsmaterial – und einen Wintergarten. Ich muss tatsächlich mal wieder nachfragen, wie es um die Marke und das Konzept steht. Der Tierschutzbund hat da maßgeblich mitgewirkt und gleichzeitig das Tierschutzlabel gegründet. Das wäre also für dich als Verbraucher ein Ansatzpunkt.

      Und – wie gesagt – was es mit den aktuellen Entwicklungen auf sich hat, muss ich mir erst noch in Ruhe ansehen.

    • Leider sieht man es dem Fleisch oder der Wurst an der Fleischtheke nicht an, wie die Tiere gehalten wurden. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Labels, die darüber Aufschluss geben sollen. Wegen der Vielzahl der Labels verlieren die Verbraucher allerdings leicht den Überblick und ein zusätzliches staatliches “Tierwohl-Label” wird wohl kaum zu mehr Transparenz beitragen.

      http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tierschutz-taeuschung-mit-staatlichem-guetesiegel-1.3450431
      (Am Ende des Artikels: “Die einzelnen Gütesiegel im Tierwohl-Check”)

  20. Wenn ich das richtig verstanden habe, dass Sie doch weitermachen, bin ich hocherfreut. Ich habe selten so viel als Laie in diesem Blog gelernt, er hat wichtige Argumentaionshilfen geliefert, aber auch Dinge einzuordnen.
    Ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie nervig es ist, vor allrm gegen die emotianalisierten Statements anzukommen, und immer wieder Sachargumente zu wiederholen, wenn eben von diesen klischeehaften Bilderbuchlandwirtschaft, die heute aber in Kinderbüchern immer noch so dargestellt wird, ausgegangen wird.
    Dahinter liegt wohl auch eine verzerrte Vorstellung von Natur, Natürlichkeit im Gegensatz zu “Chemie”, dem menschlichen Einwirken, dem grundsätzlich misstraut wird, und das dann mündet in Begriffen wie industrialisierten Landwirtschaft. Dabei hat die hiesige Landwirtschaft sicher wenig gemein z.B. riesigen Weizenfelder in USA, Canada, Russland u.a.,um die man aber auch nicht drum herum kommt, will die Menschheit ernährt werden, während allem, bei dem Bio drauf steht blind vertraut wird. Da sind noch ne Menge dicke Bretter zu bohren.

  21. Sehr schön, dass du weitermachst. Als Laie bleibt mir nur, dass ich verschiedenen Quellen konsultiere und versuche mir ein komplettes Bild zu machen. Hier bei dir hatte ich immer das gute Gefühl gut und sachlich informiert zu werden. Das Gefühl hat sich dann auch immer mehr gefestigt.
    Weiter so!

Schreibe einen Kommentar




Bitte ausrechnen und die Zahl (Ziffern) eingeben