Ein toter Eisbär in der Zoo-Debatte

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

Ende letzter Woche füllte die Nachricht über den Tod des Eisbären Knut meine Twitter-Timeline. Und natürlich dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Leser-Kommentare in Online-Medien das Ende jeglicher Tierhaltung in Zoos forderten, schließlich sei das nichts anderes als eine Gefangenschaft. Außerdem ginge es ja eh nur ums Geld. Was ich von derartigen Argumenten halte, habe ich mal in einem Artikel für den Humanistischen Pressedienst dargelegt.

Ein Plädoyer für Zoos

Hier im Blog hatte ich schon mal vor einiger Zeit über die Aufbruchstimmung in den heutigen Zoos berichtet und dabei auch den Faktor Geld erwähnt: Baustelle Tierpark:

Allerdings ist das alles ein sehr langwieriger Prozess, da ein Tierpark keinesfalls eine finanzielle Goldgrube ist, selbst wenn die Besucher massenweise hereinstürmen. Vor einigen Jahren hatte ich mal den Direktor des Dortmunder Tierparks, Dr. Brandstätter, gefragt, wie sich denn Kosten und Einnahmen verteilen. Die Antwort: gerade mal 15% der anfallenden Kosten werden über Besuchereinnahmen gedeckt. Der "Rest" wird über Tierpatenschaften, Spenden und andere Zuschüsse finanziert.

Avatar-Foto

Veröffentlicht von

Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

11 Kommentare

  1. Aufwertung des Zoos

    Zoo’s waren schon immer vor allem für den Menschen. Früher waren die Tiere oft wirklich auf knappstem Raum eingesperrt und dienten wie im Variete vor allem der Sensationslust. Doch die Einstellung des Zoobesuchers zum Tier hat sich geändert. Er empfindet Empathie für die “vorgeführten” Tiere – wie dies auch im Artikel Ein Plädoyer für Zoos zum Ausdruck kommt, wo der Autor bei den Tigern Unterforderung diagnostiziert.

    Denkbar wäre eine noch stärkere Aufwertung der Zoos mit Integration ins Stadtleben. Man könnte sich Freilaufgehege oder -zonen für Tiere vorstellen fast so gross wie der Central Park mit scheinbar fast frei lebenden Tieren, wo die menschlichen Besucher hinter Gittern gehalten werden und nicht die – jetzt nicht mehr ausgestellten – Tiere.

  2. Lieber Herr Holzherr,

    vielen Dank für Ihren Kommentar. Dem ersten Teil stimme ich ziemlich uneingeschränkt zu, obwohl Tiger-Haltung nicht gleich Tiger-Haltung ist, da gibt es durchaus auch schon Experimente, die Tiere in Jagden einzubinden (natürlich keine richtigen…)

    Zum zweiten Teil:
    Tatsächlich haben heutige Zoos in den Städten das Problem, dass sie nicht einfach uneingeschränkt expandieren können. Welche Konzepte dort zum Tragen kommen wird noch spannend in der Zukunft. Offene Safari-Parks, die sich mit dem Auto durchqueren lassen, gibt es ja schon (ich glaube in Hodenhagen). In Salem am Bodensee gibt es einen Park mit freilebenden Affen, die man als Besucher ganz ohne Gitter mit Popcorn füttern kann…

  3. Trotzdem falsch

    Ich sehe jetzt keine Argumente für Zoos. Man kann mir nicht erzählen, ein Eisbär könnte in Deutschland artgerecht gehalten werden. Es gibt keine artgerechte Haltung im Zoo, genausowenig wie es eine humane Schlachtung gibt. Man kann es besser machen, man kann es schlechter machen, aber große Raubtiere und pflanzenfresser können nicht anständig in einem Zoo gehalten werden. Bei Schildkörten und Schlangen mag das anders sein.

  4. Hallo Manfred,

    und jetzt? Dass ein Gehege nie die natürliche Heimat der verschiedenen Tiere ersetzen kann, ist kein Geheimnis und es ist auch gar nicht das Ziel eines Zoos. Trotzdem werden aber täglich Lebensräume vernichtet und Tiere aus Profitgier gejagt. Was schlägst Du also vor? Einfach mal abwarten bis keine mehr da sind? Oder sollten wir nicht doch mal versuchen, Zuchtprogramme aufzubauen und die Tiere zu erhalten?

  5. Wieso eigentlich immer Nashorn Tiger&Co

    Wenn man Arguemente pro Zoos liest werden immer die gleiche verdächtigen aufgeführt welche ja ohne die Zoos nicht mehr existieren würden, dabei sterben im gleichen Zeitraum tausende Arten aus welche nicht so “publikumswirksam” ausgestellt werden können.
    Würden sich Zoos wirklich ihrem Auftrag zuwenden also den Erhalt von Spezies zu wahren und dann auch mal ein paar Gehege/Reservarte für vermeindlich langweilige oder “hässliche” Tiere herstellen könnte man diese Behauptung sogar noch als glaubwürdig betrachten…
    Aber so muss man sich nur mal kurz auf den Seiten der deutschen Zoos umsehen und man sieht das dass Interesse zur Erhaltung der Arten sich lediglich auf die Besetzungscrew des Junglebuch und aus sämtlichen Pixxarfilmen beschränkt.
    Und damit verlieren halt die Zoos in meinen Augen Ihre Glaubwürdigkeit.

  6. Hallo Klugscheisser,

    stimmt nicht. Nehmen wir mal das Reservat, das seit 2009 das neue Zuhause der nördlichen Breitmaulnashörner darstellt. Dort leben auch noch südliche B, Hyänen, Raubkatzen…eigentlich alles, was man in Kenia so erwartet. Dass man sich dabei publikumswirksam präsentiert, liegt schlicht an der Tatsache, dass auch irgendwoher Geld kommen muss. Bezogen auf die hiesigen Zoos bedeutet das, dass Besucher eher für einen Bären in den Zoo gehen und Eintritt zahlen – vielleicht darüber hinaus noch spenden – als für eine Würgeschlange beispielsweise. Die gibt es aber trotzdem…

  7. Schönes Playdoxer. Man darf auch nicht vergessen, dass Zoos andere Menschen für die ierwelt begeistern und interessieren – und ja man muss noch viel lernen.

    Gerade bei Eisbren ist noch viel Handlungsbedarf. Aber gerade stand in der Bierologie hier, dass die Tiere wohl in den nächsten 100 Jahren aussterben. Ist ja auch viel besser als im zoo gehalten werden…

    Und zumindeste in den Zoos, in denen ich bereits war, gibt es mehr Tiere als Nashörner und Gorillas… Alleine an Vögel- und Insekten…
    Aber Mikroorganismen sieht man da tatsächlich, nicht, da muss ich Klugscheißer recht geben.

  8. Zoos helfen auch dabei die Menschen für die Probleme zu sensibilisieren und ihnen so womöglich auch den Einsatz für die Umwelt näher zu bringen. Natürlich muss man sich dafür auch präsentieren und dazu gehört auch, dass gerade Publikumslieblinge aus den Pixxarstudios ausgestellt werden. Schließlich will man, dass die Menschen sich mit den Tieren identifizieren.
    Auf diese Weise fördert man dann auch den Schutz weniger bekannter Arten, da man Fürsprecher für deren Lebensraum gewinnt.
    Was die Zuchtprogramme angeht, diese existieren zwar, aber es gibt viel zu wenige Plätze, auch und gerade für größere Tiere. Kleinere Tier lassen sich in diesem Zusammenhang durchaus noch nachzüchten, auch wenn es keine Publikumslieblinge sind. Bei größeren Tieren sieht die Sache leider anders aus. Aufgrund der wenigen Plätze muss kontrolliert nachgezüchtet werden. Daher nutzte man Methoden wie beim Menschen um Fortpflanzung zu verhindern, wie zum Beispiel die Pille. Leider gab es in diesem Zusammenhang große Probleme, da beispielsweise bei Großkatzen Nebenwirkungen in Form von Wucherungen auftraten, die zu dauerhafter Unfruchtbarkeit führten.
    Diese unfruchtbaren Tiere sind nun nutzlos für die Nachzucht, verbrauchen aber weiterhin Platz in den Zoos.
    Das könnte also dazu führen, dass gerade einige der Publikumslieblinge auf kurz oder lang aus den Zoos verschwinden…

  9. @Peer und Knox

    Danke Euch beiden für Eure Kommentare!

    In gewisser Weise muss ich ein ganz kleines Stück zurückrudern bezüglich der Bildung. Die Fülle der Eindrücke, die dort auf Menschen – besonders Kinder – einströmen sind schon gewaltig. Wenn dann noch die Informationen dazukommen, wird es richtig hart und irgendwann schalten die nur noch ab. Tatsächlich müsste man unter Bildungsaspekten mit den Kindern deutlich öfter in den Zoo als einmal mit der Schule vor den Sommer-Ferien und vielleicht noch zweimal mit den Eltern pro Jahr…Wer direkt neben dem Zoo wohnt, hat es natürlich komfortabler…

    Ansonsten stimme ich Dir, Knox, zu, dass es gerade beim Populations-Management einige Hürden zu meistern gilt, die Du freundlicherweise aufgezählt hast^^

Schreibe einen Kommentar