Ein Jahr Vom Hai gebissen – Ein Live-Versuch

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

"Da will ich hin. Unbedingt!" Dieser Gedanke liegt jetzt ungefähr ein Jahr zurück. Ausgelöst wurde er durch meine Entdeckung der Scilogs. Wow. Nur wie kommt man dahin? Über Twitter. Der Kontakt zu Lars war schnell hergestellt, schließlich hat man bei 140 Zeichen keinen Platz für ein Vorspiel. Und tatsächlich bekam ich eine Woche später eine Mail, die meiner realistischen Selbsteinschätzung eher unzuträglich war. Kid Rock formulierte es in einem seiner Songs so: "6 Foot 1, I walked around like I was 10 feet tall" (1,90m groß und ich lief herum als wäre ich 3m groß). Ich durfte nun also auch die Scilogs vollschreiben. Allerdings musste erst noch mein Spielplatz eingerichtet werden. Als ich dann endlich loslegen konnte, war mein Selbstvertrauen wohl gerade auswärts. Schließlich bin ich weder Wissenschaftler noch Journalist, sondern Student. Was wollte ich also hier? Fragen konnte ich auch niemanden. Also habe ich einfach losgelegt in der Erwartung, dass mich gleich mal jemand zurechtstutzt. Und dieser Jemand kam tatsächlich in Form von Helmut Wicht, der mich gleich unter meinem dritten hier veröffentlichten Artikel auf seine unnachahmliche Art in eine wilde Diskussion verwickelte. Gut, ich könnte jetzt schreiben, dass ich da wohl irgendwann den Faden verloren habe. Aber das stimmt nicht, impliziert es doch, dass ich ihn während der Diskussion jemals besessen hätte.

Wie man erkennt, habe ich mir keine großen Gedanken gemacht, was ich hier eigentlich genau machen wollte. Bloggen eben. Über Themen, die mich interessieren oder die mir im Studium begegnen. Und meine Meinung zu bestimmten Themen darstellen. Und diskutieren. Womit wir bei einer weiteren Geschichte wären, bei der ich mich jetzt frage, was denn da los war. Da glaubte ich doch allen Ernstes, ich könnte es in einer Diskussion über Journalismus mal eben mit jemandem wie Carsten Könneker aufnehmen. Urgs. Irgendwie sind wir dabei auf die Idee des Gonzo-Journalismus gekommen. Als er mich dann fragte, was das denn genau sein könnte, steckte die Karre im Dreck. Woher sollte ich das denn wissen? Ich hatte ja nicht mal ein Konzept für mein Blog. Mittlerweile hat sich der Nebel aber durchaus gelichtet und ich glaube die Antwort auf diese Frage gefunden zu haben: das hier. Das beginnt schon damit, dass ein gewisser Knall im Oberstübchen nicht schaden kann. Oder? Warum sollte man das sonst tun? Zumal ich ja nicht mal Wissenschaftler bin…Ganz einfach: Weil es so unglaublich spannend ist, mit anderen zu diskutieren. Ich habe teilweise aus den Kommentaren zu meinen Artikeln mehr gelernt als durch das Schreiben des Artikels. Einen nicht ganz unwesentlichen Anteil daran hat Edgar Dahl (siehe hier) Und weil das so ist, sind die behandelten Themen auch nie abgeschlossen, die werden also immer wieder ergänzt, verbessert und wieder neu diskutiert – sofern Bedarf besteht. Zugegeben, auch diese Idee steckt noch ein Stück weit in der Versuchsphase. Wirklich geglückt ist mir das nicht immer (siehe hier und hier).

Das mag jetzt vielleicht kindisch klingen, aber ich finde es tatsächlich ziemlich aufregend, wenn ich über Twitter oder Facebook Themenvorschläge bekomme. Da stoßen also Leser dieses Blogs irgendwo im Internet auf interessante Geschichten und denken an mich. Das finde ich wirklich rührend. Auch das zähle ich zu dem Versuch. Schließlich hätte ich zu Beginn nie gedacht, dass sowas wirklich passiert bzw. funktioniert. Für mich persönlich hat sich Bloggen zu einem beständigen Geben und Nehmen entwickelt, wobei letzteres fast noch überwiegt – kurioserweise. Und auch das hat etwas Gonzo-Artiges, etwas Sprunghaftes, wenn man sich mal wieder ein Thema überlegt hat und dann plötzlich ein Vorschlag reinkommt, der alles umwirft. Und das ist aufregend. Bloggen heißt: ich weiß nie, was kommt.

Ich war in der Schule nie ein Viel-Schreiber. Hatten die anderen schon sieben oder acht Seiten gefüllt, vollendete ich gerade meine zweite, war zwischendurch schon mal auf Toilette, habe einen Müsliriegel gefuttert und Traubenzucker ausgepackt. Vielleicht liebe ich auch deswegen dieses Blogformat. Hier ist tatsächlich weniger mehr.

Zum Schluss möchte noch ich den Trailer zum Film über HST einfügen. Viel Spaß! 

 

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Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

6 Kommentare

  1. Alles Gute fürs zweite Jahr!

    Na dann mal mit Volldampf ins zweite Jahr! Ich bin ja auch noch Student und kann deine Geschichte gut nachvollziehen. Es gibt aber immer jemanden der mehr weiß, davon sollte man sich nicht einschüchtern lassen (hast du ja auch nicht), sondern es sorgt dafür, dass man für seinen Artikel noch gründlicher recherchiert, so dass am Ende etwas Ordentliches rauskommt.

    Interessant zu beobachten wird auch sein, wie sich deine und meine Artikel (wenn wir dann mal mit dem Studium fertig sind und den Doc/Post-Doc machen) verändern werden, wenn die wissenschaftliche Karriere in die nächste Ebene startet. Schliesslich häuft man ja immer mehr wissen an und wer weiß, vielleicht spiegelt sich das dann in den Blogs wieder.

  2. Abwechselung

    Ich finde die Abwechselung auf den SciLogs sehr schön, die Vielfalt der Autoren. Von daher gehörst Du hier auf jeden Fall hin. 🙂

  3. Zweites Jahr: bin dabei!

    Ah, Dr. Glukose, grüß Dich,

    gut, dass jemand mehr weiß als ich oder etwas genauer erklären kann, wird mir wohl auch passieren, wenn ich einen Prof. Dr. angestrebt haben sollte. Die Bedenken, die mich da kurzzeitig beschlichen, bezogen sich tatsächlich darauf, dass ich hier als Student auf einem Portal für Wissenschaftler und Journalisten bloggen konnte.

    Und was den zweiten Teil Deines Kommentars angeht: ich bin allgemein gespannt, wie sich das entwickelt. Wieviele Studenten machen es uns nach und bloggen über ihr Gebiet? Wie wirkt sich das allgemein auf die Karriere aus? Ist ja alles noch Neuland und wir schwimmen ziemlich weit vorne rum (im Sinne von: wir können uns an niemandem orientieren). Bin ja immerhin schon froh, dass nach mir noch Bierologie gekommen ist mit zwei Bio-Studenten. Und bei den Scienceblogs gibts ja seit kurzem auch einen Geo-Studenten.

    Ich freue mich auf jeden Fall auf das zweite Jahr!

  4. @ Martin: Lob zurück

    Dann muss ich an dieser Stelle aber auch noch mal ein Lob an Dich und Lars loswerden. So habe ich praktisch einen 24/7-Service, wenn mal was nicht funktioniert. Das ist der absolute Knaller. Danke dafür!

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