Die platzende Agenda der WHO

BLOG: Vom Hai gebissen

Notizen aus dem Haifischbecken
Vom Hai gebissen

Eigentlich wollte ich mich ja aus diesem ganzen Getöse um die WHO und die Wurst heraushalten. Mensch-Tier-Beziehungen, Tierwohl und Stockmanship funktionieren bei einer Wurst schließlich nur so mittel. Allerdings las ich dann gleich an mehreren Stellen den Gedanken, dass die WHO möglicherweise eine Agenda verfolge – im Zusammenhang mit einer steigenden Weltbevölkerung und eines eben solchen Fleischkonsums ein durchaus verlockender Gedanke, schließlich ist dann am Ende des Tages egal wie groß das Risiko durch eine “wurst-induzierte” Krebs-Erkrankung tatsächlich ist. Die Botschaft, dass verarbeitetes Fleisch Krebs verursache, ist draußen – und damit auch das Potenzial für eine Reduktion des Konsums. Ich halte das alles für ziemlich bekloppt.

Ein zukünftiger Anstieg des globalen Konsums tierischer Produkte ist ziemlich unstrittig – egal, in welchen Report man schaut. Dabei geht es hier gar nicht so sehr um uns, sondern um aktuelle Schwellenländer, deren steigender Wohlstand die Nachfrage fördert. Das wiederum ist aber nur ein Aspekt. Lars hatte in seinem Artikel zum “Wurstgate” auf eine Einschätzung von Joachim Müller-Jung in der FAZ verwiesen.

Früher hatten die Empfehlungen und Warnungen der Weltgesundheitsorganisation eher abstrakten und formalen Charakter. Heute kann es ihr nicht konkret genug sein. Die wissenschaftliche Medizin hat sie dafür auf ihrer Seite. Und nicht nur sie. In der Debatte um den Klimawandel steht der weltweit rapide steigende Fleischkonsum heute am selben Pranger wie Regenwaldabholzung und Kohleförderung. Immerhin verursacht die Rinderproduktion schätzungsweise ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen.

Das mag ja sein. Andererseits haben Rinder den extrem großen Vorteil einer Verwertung von Nahrung, die für uns Menschen nicht nutzbar ist, was diese Futtermittel extrem günstig macht. Zudem sind Wiesen und Weiden oft Flächen, die sich aufgrund der Lage (Aplenregionen) oder der Bodenbeschaffenheit nicht zum Ackerbau eignen. Rinder sind hier sozusagen die einzige Option zur Nutzung und Lebensmittelproduktion. Die in der EU verfügbare Milch stammt praktisch komplett von Tieren, deren Ernährung aus Gras, Heu und Silage besteht, während Kraftfutter nur einen kleinen Teil ausmacht. Ähnlich sieht das auch in Australien oder Neuseeland aus. Ja, ich weiß, China importiert gerade eine Menge Alfalfa aus den USA, weil es in China selbst noch an hochwertigem Grundfutter für Hochleistungskühe mangelt, aber auch da wird es sicher bald eine regionale Lösung geben. Ebenfalls aufgrund der günstigen Verfügbarkeit faserreicher Futtermittel sind Ziegen auf den Philippinen sehr beliebt und leisten mit Fleisch und Milch einen Beitrag zur Ernährung.

Crop and livestock farming complement each other (2). Half the world’s food comes from farms that raise both. Animals pull ploughs and carts, and their manure fertilizes crops, which supply post-harvest residues to livestock. But efforts to maximize yields of milk and meat can disrupt finely balanced systems. The quest for ‘intensification’ in livestock farming has thundered ahead with little regard for sustainability and overall efficiency (the net amount of food produced in terms of inputs such as land and water). With animal protein set to remain part of the food supply, we must pursue sustainable intensification and figure out how to keep livestock in ways that work best for individuals, communities and the planet. **Herrero, M. et al. Science 327, 822–825 (2010)**

Während hierzulande die Massentierhaltung gerne ausgiebig kritisiert wird, gibt es im asiatischen Raum Kuhhotels. Dort können Landwirte, die jeweils nur 5 Kühe haben, zusammenarbeiten, sich gemeinsam einen großen modernen Stall und alle nötigen Geräte leisten und damit letztlich auch ihre Tiere besser betreuen.

„Weniger Fleisch heißt weniger Hitze.“ Solche Parolen, die auf ein Umdenken zugunsten „klimaneutraler“ Verzehrgewohnheiten zielen, stammen nicht etwa von Veganer-Aktivisten, sondern werden als griffige Formel vom Wissenschaftsbetrieb selbst produziert. Es ist weit mehr als ein pädagogisches Moment, das bei solchen Schlagzeilen greift. Verhaltensänderung ist das Ziel. Die Weltgesundheitsorganisation hat erkannt, dass sie mit der digitalen Vernetzung fast des gesamten Globus einen Zugriff auf die Köpfe hat, wie man sich ihn für eine supranationale Institution mit dem Auftrag zur Weltverbesserung nur wünschen kann. Dass sich dann in diesen politisch korrekten Datenfluss gelegentlich auch halbverdaute oder schwerverdauliche Gesundheitsinformationen mischen, müssen wir wohl oder übel in Kauf nehmen.

Uffz. Ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass die WHO versammelt genug ist, um zu wissen, dass es global neben der Klimafrage immer auch um die Welternährung geht, die absehbar nicht um Tiere herumkommt. Das heißt aber natürlich nicht, dass der Klimawandel egal ist und erst recht nicht, dass sich diese beiden Dinge ausschließen. Lebensmittelsicherheit bezüglich einer zuverlässigen Produktion und gesundheitlicher Unbedenklichkeit der Lebensmittel haben aber Priorität – weshalb ich die philippinischen Ziegen erwähnte. Die leben praktisch alle in Privathaushalten, dort fehlt allerdings partiell das Bewusstsein für die Belange einer Ziege. Sicher, sie sind genügsam, aber ein feuchter und zugiger Stall ist Mist. Volle Sonne auch. Allein durch das Vermitteln recht grundlegender Kenntnisse zur Tierhaltung konnte die Lebenssituation vieler Ziegen verbessert werden. Trockene und gut durchlüftete Ställe sowie ein entspannter Umgang mit den Tieren verbesserten ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensdauer deutlich. Das ist super, denn so liefern die Tiere auch mehr Milch oder Fleisch ohne die Zahl der Ziegen bei steigender Nachfrage erhöhen zu müssen – ein wichtiger Aspekt.

Kommen wir nochmal zu den pfurzenden Kühen. Climate-Smart Agriculture ist in diesem Zusammenhang ein interessanter Terminus. Auf der Seite des World Economic Forum fand ich dazu einen Artikel über vier Wege zur Bekämpfung des Hungers. Darunter ist auch ein kenianischer Milchvieh-Landwirt, der über Jahrzehnte hinweg ein paar Kühe hatte – bis er die Zahl von 18 auf 5 reduzierte. Durch eine optimale Fütterung sind diese 5 Kühe aber doppelt so produktiv wie die 18 Kühe zuvor. Solche standort-angepassten Maßnahmen sind extrem wichtig. Ein 100er-Milchvieh-Stall mit Holsteinkühen ist hier ziemlich effizient, bspw. in den Tropen aber großer Unsinn, weil es den Tieren ständig zu warm ist und die Kleinbauern völlig überfordert sind.

Fazit

Die WHO hat sich mit dieser Studie oder besser ihrer Kommunikation keinen Gefallen getan. Ebenso merkwürdig erscheint aber auch der Gedanke einer Agenda, wenn wir kurz festhalten, dass das größte Wachstumspotenzial für tierische Produkte in den Entwicklungsändern liegt, deren mehrheitlich kleinbäuerlich wirtschaftende Menschen und all jene, die sich plötzlich Fleisch leisten können, sich davon sicher wenig beeindrucken lassen. Das muss bei richtiger Umsetzung kein Problem sein. Um hier größere Probleme zu vermeiden, braucht es Wissen und Unterstützung, vor allem in Form eines Bewusstseins für regionale Besonderheiten.
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Wissenschafts- und Agrarblogger seit 2009 – eher zufällig, denn als „Stadtkind“ habe ich zur Landwirtschaft keine direkten Berührungspunkte. Erste Artikel über Temple Grandin und ihre Forschungen zum Thema Tierwohl wurden im Blog dann allerdings meiner überwiegend ebenfalls nicht landwirtschaftlichen Leserschaft derart positiv aufgenommen, dass der Entschluss zu einer stärkeren Beschäftigung mit der Landwirtschaft gefallen war. Auch spätere Besuche bei Wiesenhof und darauf folgende Artikel konnten die Stimmung nicht trüben. Seit 2015 schreibe ich auch gelegentlich für das DLG-Blog agrarblogger.de, teile meine Erfahrung in der Kommunikation als Referent und trage nebenbei fleißig weitere Literatur zum Thema Tierwohl zusammen. Auf Twitter bin ich unter twitter.com/roterhai unterwegs.

35 Kommentare

  1. Die WHO-“Wurst”-Studie vermittelt nur, was Konsens ist und wird am Fleischkonsum wenig ändern. Gefühlmässig gilt für mich schon, dass man zuviel Fleisch essen kann. Die 120 kg Fleisch pro US-Bürger pro Jahr, die finde ich sogar fast unglaublich, denn es bedeutet, dass jeder US-Amerikaner, vom Baby bis zum Greis im Durchschnitt pro Tag 300 Gramm Fleisch ist. 300 Gramm Rindfleisch, das sind 800 Kilokalorien, also 1/3 der pro Tag benötigten Kalorien. Die Japaner kommen da nur auf 50 Kilogramm Fleisch pro Jahr dafür auf umso mehr Fisch. Und sie – die Japaner – haben eine deutlich höhere Lebenserwartung als die US-Amerikaner.

    Extreme sind gerade bei der Ernährung nicht zu empfehlen. Überhaupt kein Fleisch essen könnte ich niemandem empfehlen. 120 Kilogramm Fleisch pro Jahr kann ich aber auch niemandem empfehlen.

  2. Gerne mal eine passende Statistik beibringen, die aufklärt, wie der Kalorienbedarf Einzelner heutzutage gedeckt wird, auch den sich anschließenden CO2-Ausstoß betreffend, auch das Gesamtwohl Einzelner meinend,
    MFG
    Dr. W (der hier auf die Schnelle selbst ein wenig geforscht hat, ansonsten natürlich beibringen könnte, aber jeder Fachkraft, wie so oft, zu unterliegen hätte – insofern sparsam bleibt)

  3. @webbaer: Kalorienbedarf? Wenn es nur darum ginge, ernährte sich der Indische Reisbauer mit seinen täglichen Reismahlzeiten – morgens, mittags, abends – vermutlich vorbildlich, von den !Ethan Emissionen seiner Reisfelder mal abgesehen. Darum geht es aber nicht, sondern um ausgewogene Ernährung und dabei sind Mischköstler Vegetariern eindeutig überlegen – auch bezogen auf Emissionen:http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2924839/ .Helena Semedo, FAO Deputy Director-General, brachte das Spannungsfeld zwischen steigender Nachfrage nach tierischen Produkten durch eine steigende Weltbevölkerung auf den Punkt:
    “Die Nachfrage nach tierischen Erzeugnissen wird bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent steigen” und “Die Viehwirtschaft verbessert die Lebensgrundlagen und schafft Wirtschaftswachstum und Einkommen in der ländlichen Wirtschaft”. Deshalb muss die Produktionsintensität nachhaltig gesteigert werden.

  4. Die Warnung vor Wurstverzehr wird vor allem die krebsgeängstigen Westler treffen, kaum den indischen oder subsaharischen Bauern.
    Der Fleischkonsum wird parallel zum Wohlstand zunehmen, denn das ist einer der Megatrends, die sich kaum je umkehren werden. Andere Megatrends sind die Urbanisierung, oder die Tendenz zu mehr Industrie und Dienstleistungen und weniger Beschäftigung in der Landwirtschaft mit zunehmender Entwicklung der Gesellschaft. Solche Megatrends wirken schon viele Dezennien, ja sogar schon Jahrhunderte.

    Wo der Fleischkonsum sehr niedrig ist, steckt dahinter entweder pure Armut oder aber ein religiöser/idelogischer Vorbehalt gegen Fleischkonsum. Ein Beispiel dafür ist Indien, dass seit der Wahl Morendra Modis eine ReHinduisierung durchgemacht hat mit der Wirkung, dass nun Hindus aus der Regierung verlangen, dass ind Schulen keine tierischen Produkte, nicht einmal Eier, abgegeben werden. Dabei wurden in der Vorgängerregierung Eier als gutes Mittel gegen die Mangel- und Fehlernährung vieler Schulkinder ausgemacht. Doch die religiösen Eiferer wollen nun die hinduistischen Speisevorschriften gegen die Interessen der Kinder durchsetzen.

    • Zu Megatrends:
      Megatrends muss man nicht „voraussagen”, denn sie sind schon da und markieren Veränderungen, die uns schon lange prägen und auch noch lange prägen werden. Megatrends sind Tiefenströmungen des Wandels. Als Entwicklungskonstanten der globalen Gesellschaft umfassen sie mehrere Jahrzehnte. Ein Megatrend wirkt in jedem einzelnen Menschen und umfasst alle Ebenen der Gesellschaft: Wirtschaft und Politik, sowie Wissenschaft, Technik und Kultur. Megatrends verändern die Welt – zwar langsam, dafür aber grundlegend und langfristig.

      Die wichtigsten Megatrends der Neuzeit sind: Urbanisierung, Globalisierung, Individualisierung mehr Mobilität und mehr Konnektivität.
      Es gibt aber auch Megatrends, die schon mehrere Jahrhunderte wirksam sind. Dazu gehört für mich die Orientierung nach Oben. Was die bessergestellten Mitglieder der eigenen und der globalen Gesellschaft an Gütern und Freizeitbeschäftigungen haben, das wirkt als Attraktor für den grossen Rest der Gesellschaft. Die Bessergestellten des 19. und 20. Jahrhunderts und der ärmeren Länder essen unter anderem mehr Fleisch. Nur schon das führt zur Nachahmung. Hier im Westen ist dieser Trend inzwischen gebrochen. Die bessergestellten Westler essen nihct mehr mehr unbedingt Fleisch. Im wohlstandsverwöhnten Westen nimmt deshalb unter anderem der Fleischkonsum ab.

      • Wohlstand ist das Stichwort: wo ich durch den Gang in den nächsten Supermarkt meine ausgewogene Ernährung sicherstelle, braucht es nicht unbedingt Convenience-Produkte mit einer einmalig günstigen biologischen Wertigkeit, sprich: tierische Produkte. Diesen Luxus haben aber mehr als 80 % der Weltbevölkerung derzeit (noch) nicht.

    • Was Sie so wissen, was kein anderer Mensch auf der Welt weiß…… sie sind ja irgendwie….. nö, nicht schlau….. eher das Gegenteil…..

  5. Also ich verstehe ja diese Diskussion über eine angebliche “geheime agenda” der WHO überhaupt nicht. Überall lese ich immer, dass die Warnung vor Wurst total übertrieben sei, und meist werden dabei ganz rational die in der Studie aufgeführten Zahlen angeführt: 50g Fleisch pro Tag erhöhen das persönliche Darmkrebsrisiko um 18%. Also meiner Ansicht nach sind 50g Wurst pro Tag für deutsche Verhältnisse (oder zumindest in meinem Umfeld) recht wenig, und ein 18% höheres Darmkrebsrisiko nicht vernachlässigbar. Sicherlich ist Rauchen bei weitem schlimmer, aber für einen Nichtraucher ist das doch eine relevante Information?
    Auf einem Nachbarblog wurde vorgerechnet, dass wohl ein Fünftel der Darmkrebsfälle in D auf übermäßigen Wurst-Konsum zurückführbar sind. Das kann man doch nicht mit “aber Lungenkrebs ist zu 90% auf Tabakrauch zurückführbar” beiseitewischen?

    • Hallo Matthias,

      ich vermute mal, dass Du bereits den Artikel von Anna gelesen hast, richtig? Die Aufregung entstand unter anderem aus der Tatsache der Einordnung heraus. Verarbeitetes Fleisch irgendwo neben Asbest und radioaktiver Strahlung zu positionieren mutet schon kurios an für Menschen, die nicht in das System der IARC eingeweiht sind. Wenn ich zwischen diesen drei Dingen die Wahl habe, nehme ich die Wurst, klarer Fall. Die Zahlen dahinter hat Anna gut erläutert:

      Das Ganze ist also relativ komplex. Einzelne Gegebenheiten, die direkt Krebs auslösen gibt es eigentlich bis auf wenige Ausnahmen nicht. Es erhöht sich immer nur die Wahrscheinlichkeit, dass man diese oder jene Krebsart bekommen kann. Wie bereits in meinem Beitrag zu Glyphosat erwähnt beurteilt die WHO aber keine Schwellenwerte sondern nur, ob eine Substanz Krebs erregen kann. Dabei ist es ganz egal, wie viele Krebsfälle sie ausgelöst hat. Das ist nicht unnütz, denn wenn man weiß, dass eine Substanz Krebs erregend oder potentiell Krebs erregend ist kann man Maßnahmen ergreifen um Menschen die der Substanz ausgesetzt sind, zu schützen. Diese Werte werden aber von den einzelnen Staaten festgelegt, nicht von der WHO. Das sorgt dafür, dass manche Länder sehr lasche bis gar keine Arbeitsschutzgesetze für toxische Substanzen (wie zum Beispiel Asbest) haben. Jetzt werden aber verarbeitete Fleischprodukte auf eine Stufe mit Asbest, Rauchen und radioaktiver Strahlung gestellt. Der häufige Verzehr von verarbeitetem Fleisch erhöht das Darmkrebsrisiko aber nur um 18%. Das ist Prozentrechnung und keine Addition. Demnach erhöht sich das Lebenszeit-Risiko von etwa 7% für Männer und 5,7% für Frauen auf 7,4% respektive 6%.

      Link zum Artikel:
      https://scilogs.spektrum.de/lifescience/the-wurst-case/

      • Genau der von Dir fett markierte Abschnitt ist doch genauso fern jeder Realität wie die angebliche 1 Zigarette pro Tag. Viel-Fleisch-Konsumenten kommen locker auf 200-400g Wurst pro Tag – um das festzustellen reicht ein flüchtiger Blick auf die Zahlen zum Fleischkonsum-Artikel in Wikipedia.
        In Wahrheit verdoppelt sich also das Lebenszeitrisiko durch häufigen Verzehr von verarbeitetem Fleisch wenn man unseren Konsum zugrunde legt.

        • Na bei Wikipedia schreiben aber vor allem die NGOs und andere ideologisch ge- und durchtriebenen Möchtegerne-Weltverbesserer.

          Die Wirklichkeit ist, das dort gerne Handelsmenge, Schlachtkörpergewicht, Verkaufsmengen und tatsächliche Verzehrsmengen wild durcheinandergewürfelt werden und daraus dann so ein Blödsinn entsteht.
          Das erklärt auch die wilden Spekulationen um 120 Kilo Fleisch bei den Amis. Die essen mehr Rinder und da wandern öfter auch mehr Knochenanteile über die Ladentheke, die der Endkunde dann nach dem Essen in den Müll schmeißt.

          Die wirklichen Zahlen kann Ihnen Näherungsweise nur die Industrie liefern. Die gelten aber immer als böse Lobbyisten, die nur Lügen und Schönfärben wollen. Im Gegensatz natürlich zu den NGOs, die mit dem Fleischatlas Propaganda betreibend durch die Länder streifen.

          Ich hab die letzten zwei Wochen sehr viel Fleisch gegessen. Es müssen ein paar Kilo gewesen sein. Aber ich esse gar keine Wurstprodukte, quasi kein verarbeitetes Fleisch. Bin ich noch gefährdet oder nicht?

          Zum Artikel / WHO Anti-Wurst-Propaganda: Ist doch letztlich Humbug. Ob jemand jetzt 0,0012xx Darmkrebsrisiko hat oder 0,0014xx Risiko. Auf dem lächerlichen Niveau spielt sich das doch alles ab. Das Problem ist die unterschiedliche Sichtweisen. Einmal Bevölkerungs-Statistik, Durchschnitt und Mittelwerte auf mehr oder weniger tragfähiger Datenlage und mehr oder weniger tragfähigen Konzepten. Und auf der Anderen Seite das Individuum, das damit quasi nichts zu tun hat. Bevölkerungsstatistiken medizinisch aufs Individiuum zu übertragen ist Unsinn. Denn die Rahmenbedingungen bei jedem Individuum sind und bleiben unklar. So ähnlich wie bei der Unschärferelation. Schaut man nur ungenau hin (=Statistik) bekommt man dies oder das Ergebniss. Schaut man genauer hin (Individualmedizin) verschwimmt im Chaos der Möglichkeiten die Ursache und Wirkung. In unserem Fall beim Darmkrebs.

          Ich halte das auch für eine ausgemachte Propaganda-Ente bzw. ein Fachidioten-Vorgehen, das wirklich alles aus Laborsicht untersucht und die surrealen Ergebnisse als Tatsache und Wahrheit in die Welt hinausposaunt. Schließlich muss jeder irgendwas produzieren wenn er seinen Job behalten möchte.

  6. Furzen Bisons eigentlich nicht? Die Reduktion von 25 Mio (Schätzung lt. Wiki für 1600) auf 1000 Stück für das Jahr 1900 müsste doch klimarelevant sein. Wurde es in der Zeit in den USA kälter?

    • Die einseitige Klima-Fokussierung wird Rindern, Bisons etc. nicht gerecht. Ich habe das im Artikel nicht weiter ausgeführt, weil mir dazu fundierte Belege fehlen, allerdings solltest Du bedenken, dass diese Tiere als Grasfresser auch viele Weidelandschaften bestehen lassen, in denen sich eigene Ökosysteme bilden. Zudem nehmen diese Weiden eine Menge CO2 auf und speichern dieses.

      • Das wäre mal ein interessanter Beitrag!

        Wieviel genau an CO2/Methan nehmen Rinder über die Nahrung auf und wieviel geben sie MEHR an die Umwelt ab? Warscheinlich ist das ein Nullsummenspiel.

        Ausserdem wird immer nur auf Rind herumgehackt. Das Schwein produziert nur ein viertel oder weniger C02/Methan und frisst auch ordentlich was weg davon.

        Hühnchen hat afaik die beste Bilanz.

        Vielleicht wäre das mal ein interessanter Beitrag?

        • Hallo Küstennebel,

          siehe meinen aktuellen Rant. Werde das Thema Methan auch noch fundierter aufgreifen, grundsätzlich halte ich die Debatte aber für etwas kurios, siehe oben 😉

        • Ja, stimmt schon. Ist ja auch nicht so das mich das interessiert hätte, wenn es nicht von den Klimahysterikern oder grün-bio Predigern ständig in den Mittelpunkt gerückt würde um über Fleischkonsum herzuziehen und jedem – ausgenommen der eigenen finanziell betuchten Grün-Bio-Etiketten-Käuferschicht – das Fleischessen möglichst madig zu machen.

          Da sag ich schon ganz gern und süffisant: Rind? Methan? Interessiert mich nicht, ich ess nur Schwein und Hühnchen, die haben ne saubere Abgas-Weste :o)

          Der Rant liest sich interessant. Ist ja klar das man unter anderen klimatischen Bedingungen andere Rindviecher zum melken braucht!
          Ausserdem brachte mich der Text auf den Gedanken, obs für unsere Bauern nicht rentabel sein könnte mal Chinesisch / Indisch zu lernen und dort als gut bezahlte internationale Fachleute und Experten zu arbeiten?

          Methanausdünstungen beim Rind durch Futter beeinflussen hat wohl doch eher enge Grenzen. Ich versteh nicht genug davon sondern transportier nur mal die Zahl eines namenslosen Experten von 15%.
          Da ist die Effienzsteigerung der Rinder doch letztlich mehr wert. Desto effizienter desto weniger Rinder, desto weniger Methan.

          Schönes Wochenende

          • Hallo Küstennebel,

            Deinen Vorschlag hat China ja schon umgesetzt. Die importieren die Fachleute aus allen Top-Ländern der Welt: Israel, Holland, Deutschland…die Ställe kommen aus den USA. Sehe da auch einen Markt mit Zukunft als Berater.

            Was den Methanausstoß angeht, kann man diesen grob über drei Wege beeinflussen: über die Zusammensetzung des Futters und über den Zusatz gewisser Stoffe, die die Nährstoff-Aufnahme im Körper erleichtern. Letzteres funktionierte bspw. bisher ganz gut mit gewissen Antibiotika (Ionophore), allerdings wird diese Praxis auch in den USA nach und nach abgeschafft (bei uns schon seit 2006 verboten).
            Grundsätzlich hat natürlich auch die Genetik über die moderne hohe Milchleistung bei uns eine Menge Methan eingespart, weil es einfach weniger Kühe braucht, um Milch zu produzieren.

  7. Natürlich stellt der zu hohe Konsum tierischer Produkte weltweit ein Problem dar, aber im Zusammenhang mit Darmkrebs wird doch seitens der WHO in erster Linie vor verarbeiteten Fleischwaren gewarnt. Im Gegensatz zu schierem Fleisch werden ca. 90% der Wurstwaren gepökelt und enthalten außer anderen Zusatzstoffen Nitritpökelsalz, das darin enthaltene Nitrit kann mit Aminen (Eiweißstoffen) sogenannte Nitrosamine bilden, die als möglicherweise krebserregend eingestuft werden. Außerdem können beim Braten oder Grillen ebenfalls krebserregende Substanzen, wie heterozyklische aromatische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, entstehen.

    Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte ein Zuviel an gepökeltem Fleisch oder Wurstwaren vermeiden. Gepökeltes erkennt man meist an der roten Farbe, da Nitritpökelsalz nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch als Konservierungsmittel und zur “Umrötung” des Fleisches eingesetzt wird. Ungepökelte Sachen wie Bratwürste, Weißwürste oder kalter Braten haben demzufolge eine helle, leicht gräuliche Farbe.

    Ein anderes Problem ist der oft enorm hohe Fettgehalt von Würsten, so besteht beispielsweise Mettstreichwurst fast zu 40% aus Fett. Tierische Fette sind gesättigte Fette und stehen im Verdacht Arterienverkalkung zu begünstigen und zu einem Anstieg des gesundheitsschädlichen LDL-Cholesterins zu führen. Laut den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollten pflanzliche Lebensmittel reichlich, tierische Lebensmittel mäßig und fettreiche Lebensmittel sparsam verzehrt werden.

    Früher hörte man oft von hohen Magenkrebsraten, die nicht zuletzt auf die traditionellen Ernährungsgewohnheiten, nämlich zu viel gesalzenes, gepökeltes Fleisch zu essen, zurückgeführt wurden. Später fand man heraus, dass nicht nur die Ernährung, sondern auch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori eine Rolle bei der Entstehung eines Magenkarzinoms spielen kann. Mit der Veränderung der Konservierungs- und Ernährungsgewohnheiten gingen die Magenkrebsfälle etwas zurück. Mich würde allerdings interessieren, wieso sich nun offensichtlich der Krebs vom Magen in den Darm verlagert hat. Vermutlich spielen da auch noch andere Faktoren eine Rolle.

    • Frage; “Warum sich der Krebs vom Magen in den Darm verlager hat”:
      Antwort: Hat sich nicht verlagert. Aber Magenkrebs ist seltener als Darmkrebs.9’150 Fälle von Magenkrebs in Deutschland im Jahre 2010 im Vergleich zu 33′ 800 Fälle von Darmkrebs. Eine Erhöhung der Darmkrebsrate wirkt (zum Beispiel um 20%) wirkt sich also auf mehr Menschen aus als eine Erhöhung der Magenkrebsrate.

      Darmkrebs ist gleich häufig wie Lungekrebs und die zweithäufigste Krebsart überhaupt. Wenn man die Krebssterblichkeit senken will muss man vor allem bei den häufigen Krebsarten ansetzen und das sind Prostatakrebs, Brustkrebs, Lungenkrebs und Darmkrebs.

      10.620

      9.210

      9.150

      • “Aber Magenkrebs ist seltener als Darmkrebs”

        Ja, bei den Magenkrebserkrankungen sind die Zahlen etwas rückläufig, das hat auch mit den veränderten Ernährungsgewohnheiten zu tun. Aufgrund der besseren Früherkennung ist die Sterberate bei Darmkrebs allerdings ebenfalls rückläufig. Das erklärt jedoch nicht, warum überhaupt so viele Menschen an Krebs erkranken.

        Zum Magenkrebs gibt es eine Arbeit aus Österreich. Die Zahlen dürften so ähnlich auch für Deutschland gelten: https://www.i-med.ac.at/sozialmedizin/documents/abschlussarbeiten/dipl/Magenkrebs_Nazife-Uenuevar.pdf

        • “Warum erkranken so viel an Krebs?” Krebs gibt es bei allen Tieren. Und zwar im Durchschnitt ebenso häufig wie beim Menschen. Einige Tierarten sind aber “gehärtet” gegen Krebs. Das sind typischerweise die langlebigen Tiere, denn mit dem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit für Krebs zu weil mit dem Alter immer mehr genetische Veränderungen von Körperzellen zu erwarten sind. Und gewisse genetische Veränderungen können dann Krebs auslösen.
          Der Grönlandwal, der bis zu 200 Jahre alt werden kann weist Auffälligkeiten in seinen Genen auf. Er hat eine verbesserte DNA-Reparatur und einige weitere Gene, die Krebs besser unter Kontrolle halten.

          With a 1,000 times more cells than a human, the whale should have a much higher probability of cell death and disease. It doesn’t.

          In their findings published in the journal Cell Reports, the team found as many as 80 candidate genes that may help protect the whale from cancer or contribute to it being the longest living mammal on earth. The team found that the whales have genes related to DNA repair, as well as those regulating how cells proliferate, that differ from those found in humans.

          “We know DNA damage and DNA mutation are important for cancer. So when we find genes related to DNA repair and DNA damage responses, we think maybe this could be involved in longevity and disease resistance of the bowhead,” Magalhaes said. “In that sense, you don’t find a fountain of youth in the genome but you find some promising leads.”

          • Wenn lediglich das Alter für Krebs verantwortlich wäre, dann dürfte doch die Krebshäufigkeit in den verschiedenen Ländern gar nicht so unterschiedlich sein. Wie auf diesen Weltkarten zu sehen ist, gibt es bei den verschiedenen Krebsarten jedoch große regionale Unterschiede: http://www.landkartenindex.de/weltatlas/?cat=184

          • Zitat: “Wenn lediglich das Alter für Krebs verantwortlich wäre”
            Nein, alle genetischen Veränderungen von Körperzellen können Krebs auslösen. Chemische Stoffe (was im Rauch von Zigaretten oder in gepökeltem Fleisch ist), Strahlung von der Sonne oder von radioaktiven Stoffen sind wichtige Gründe für solche genetischen Veränderungen.
            DNA verändert sich aber auch so ständig und muss ständig repariert werden. Fehler oder Schwächen in den Reparaturmechanismen können dann wieder Mutationen bewirken und sind damit ein Krebsrisiko. Im Alter sind viele Reparatursysteme schwächer was Krebs begünstigt.

          • @Mona: die Krebshäufigkeit nimmt mit dem Fleisch- und Milchkonsum zu. Der Nobelpreisträger und Virologie Harald zur Hausen glaubt an Viren als Ursache. Viren, die mit Rindfleisch und Milch aufgenommen werden.
            Das ist nicht auszuschliessen, den Viren können tatsächlich das Erbgut verändern. sie können sich sogar in das Genom integrieren.

            Zur Hausen stützt seine Hypothese zudem auf weltweite Vergleiche der länderspezifischen Raten von Brust- und Dickdarmkrebs. Dabei stechen einige Länder wie Indien, die Mongolei und Bolivien heraus, wo im Vergleich deutlich weniger Menschen an Dickdarmkrebs erkranken. In der Mongolei beispielsweise konsumiert die Bevölkerung allerdings viel rotes Fleisch. Die Rinder gehören aber einer anderen Spezies an als die europäischen Milchkühe. Zur Hausen sieht hierin ein Indiz, dass insbesondere das Fleisch von Milchkühen, nicht aber das von anderen Rinderarten mit Krebs zusammenhängt. Ein Hinweis auf ein Virus, das nur Milchkühe befällt?

            Eine weitere interessante Beobachtung ist, dass in Japan und Korea der Konsum von Milchprodukten nach Ende des Zweiten Weltkriegs beziehungsweise des Koreakriegs stark zugenommen hat. Milchkühe wurden importiert, grosse Milchkuhfarmen aufgezogen. Und mit dem Milchkonsum stieg die Brustkrebsrate.

            Doch das sind natürlich nur Vermutungen und Kurzschlüsse sind da schnell möglich. Es stimmt jedoch, dass mit der Übernahme des westlichen Lebensstils auch die Krebsrate steigt. Ob das an Viren in Milch und Rindfleisch liegt oder doch an anderen Elementen, die zum westlichen Lebesnstil gehören, das zu sagen ist wohl noch zu früh.

          • @Martin Holzherr:
            Infektionen mit Viren stehen ja schon länger im Verdacht bei der Entstehung bestimmter Krebsarten eine Rolle zu spielen. So soll das Hepatitis-B-Virus an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt sein und Humane Papillomviren zur Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs beitragen.

            Der Virologie Harald zur Hausen hat aber die von ihm verdächtigten Viren bei Milchkühen noch nicht gefunden. Schwer zu sagen, ob der Milchkonsum nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für einen Anstieg der Brustkrebsraten in Korea und Japan verantwortlich ist. Mit der Übernahme des westlichen Lebensstils änderten sich die Ernährungsgewohnheiten ja allgemein. Eine Zeitlang herrschte auch die Ansicht vor, dass die immer noch niedrigen Brustkrebsraten in diesen Ländern mit dem Verzehr von Soja zusammenhängen könnten. Andere Untersuchungen sprechen hingegen davon, dass fettreicher Fisch, wegen der darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren, einen positiven Einfluss auf das Brustkrebs-Risiko hat. Genetische Faktoren scheinen jedenfalls keine Rolle zu spielen, denn sobald eine Japanerin beispielsweise in die USA auswandert gleicht sich ihr Brustkrebsrisiko den dortigen hohen Werten an.

        • ‘Statistiker’ meint dies hier:
          -> https://de.wikipedia.org/wiki/Simpson-Paradoxon

          KA, was von ihm en dé­tail beabsichtigt war mit seiner kleinen Nachricht, korrekt bleibt, dass Sichten auf Teildatenmengen direkt dazu einladend sein könnten falsche [1] Schlüsse zu ziehen.

          MFG
          Dr. W

          [1]
          Sichten auf Datenlagen, die eben Sichten oder Theorien (=”Sichten”) oder Sichtenbildungen (=”Theoretisierungen” – gemeint sind hier gruppierbare Sichten) folgen sind OK, Sichten auf Teilmengen auch, aber sozusagen problematischer, das Simpson-Paradox meint ungünstige bis falsche Sichten auf Aggregationen, bspw. auf solche.

  8. Verstehe die Diskussion, insbesondere zu den ernährungsbedingten Treibhausgasen überhaupt nicht: wenn 95 % der jährlich. Emissionen natürlichen Ursprungs sind und innerhalb der anthropogen verursachten Treibhausgasemissionen 50 % auf den Mobilitätssektor zurückgeführt wird, bleibt für unsere Ernährung nicht mehr wirklich viel C02 über, oder? http://www.eike-klima-energie.eu/energie-anzeige/renaturierung-von-mooren-eine-fiktion-mit-verheerenden-folgen/111

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