Götzendämmerung: Wolfgang Benz’ willige Helfer

BLOG: un/zugehörig

Wien. Heidelberg. Berlin: ein israelischer Blick auf Deutschland
un/zugehörig

Der langjährige capo di tutti capi im Bereich der Antisemitismusforschung hört nicht auf zu überraschen.

Bevor er sich endgültig von seiner Leitungsposition am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin verabschiedet, stillt Benz unsere Neugier und lässt nun alle, die seit seiner Islamkritik-Judenhass-Gleichsetzung noch verwirrt waren, wissen, wohin der Wind weht. Wer mit (wohl vermeintlichen?) Antisemitismuskenntnissen jahrzehntelang seinen Lebensunterhalt bestritt, erkürt sich zur Krönung eines Lebenswerks keine besseren Interviewer als die, die eigentlich im Mittelpunkt seiner Forschung als Objekte figurieren sollten: die Gebrüder Yavuz und Gürhan Özoguz, die Betreiber des berüchtigten Muslim-Markts.

Seine Stellung zu einer wichtigen Frage der Zeit formuliert Benz dort kurz und bündig:

MM: […] Wie kann man Antisemitismus und Antizionismus wissenschaftlich-historisch voneinander unterscheiden?

Prof. Benz: Das ist ziemlich schwierig, aber durchaus machbar. Das betreibe ich in Büchern, Artikeln, Aufsätzen seit langer Zeit. […] 

…und der deutsche Arbeiter darf sich ruhig fragen, was mit seinem Steuergeld geschieht, wenn ein Professor an einer öffentlich-rechtlichen Universität an dieselben Floskeln glaubt wie der Pöbel in der Eckkneipe: Gegen den Zionismus zu sein, gegen die jüdische Nationalbewegung, gegen den jüdischen Staat und gegen das jüdische Selbstbestimmungsrecht – das ist das eine; aber gegen Juden zu sein? Das wäre doch was ganz anderes!

Nun also, was lässt sich zu diesem Fall noch sagen?

Aus seiner offiziellen Stellung heraus trägt der Antisemitismus-Professor nicht wenig dazu bei, den neuen Antisemitismus salonfähig zu machen, ja erst recht zu etablieren und zu institutionalisieren, auch wenn er sich selbst von solcher Hetze weit entfernt fühlt. Doch wie mir scheint, passt der Professor unterm Strich wie angegossen diesem Land, das seine Leistungen bezahlt: Ist es nicht gerade das heutige Deutschland, das vorgibt, aus seiner eigenen Judenverfolgung etwas gelernt zu haben, während es im gleichen Atemzug so viel Geschäfte mit dem Iran macht wie kaum ein anderer Partner?

So weit, so gut: für deutsche Verhältnisse sind Benz und seine Pseudowissenschaft von einem nichtantisemitischen Antizionismus wohl ganz normal.

 

 

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www.berlinjewish.com/

Mancherorts auch als der Rebbe von Krechzn* bekannt, heißt der Autor von "un/zugehörig" eigentlich Yoav Sapir. Er ist 5740 (auf Christlich: 1979) in Haifa, Israel, geboren und hat später lange in Jerusalem gelebt, dessen numinose Stimmung ihn anscheinend tief geprägt hat. Nebenbei hat er dort sein M.A.-Studium abgeschlossen, während dessen er sich v. a. mit dem Bild des Juden im Spielfilm der DDR befasst hat. Seit Sommer 2006 weilt er an akademischen Einrichtungen im deutschsprachigen Mitteleuropa: anfangs in Wien, später in Berlin und dann in Heidelberg. Nach einer Hospitanz im Bundestag arbeitet er jetzt selbstständig in Berlin als Autor, Referent und Übersetzer aus dem Hebräischen und ins Hebräische. Nebenbei bietet er auch Tours of Jewish Berlin. * krechzn (Jiddisch): stöhnen; leidenschaftlich jammern.

12 Kommentare

  1. Wolfgang Benz

    Vor einigen Jahren hörte ich einen Vortrag zum Thema Antisemitismus von W. Benz in Münster. Da fiel mir auf, dass er – im zwinkernden Einvernehmen mit dem Leiter der örtlichen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit – jeden Hinweis auf das christliche Fundament des Antisemitismus und jede Kritik an der Kirche vermied. Damit hat sich W. Benz für mich als Experte für sein Thema diskreditiert.

  2. Differenzierung tut not

    Man kann gegen die Kirche sein und trotzdem religiös. Man kann gegen die israelische Siedlungspolitik sein und trotzdem nicht gleich zum Antisemit mutieren.

    Als Deutscher darf man das wohl nicht.

    Schade eigentlich, das mit so dogmatischen Einstellungen auf beiden Seiten ein Dialog immer wieder erfolgreich verhindert wird.

    Ah ja, apropos deutscher Arbeiter, der kann das in der Regel differenzieren – allein die intellektuelle Elite hat auf beiden Seiten ein Problem damit. Da gibt es halt immer wieder nur ein entweder-oder. Aber warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht.

    Liebe Grüsse

  3. @ Michael

    Wovon sprichst du denn? Auf Muslim-Markt und beim Antizionismus geht es nicht um ein paar Siedlungen, sondern ums jüdische Gemeinwesen überhaupt.

    Also nein, da kann man nicht Antizionist sein, ohne sich davor mit dem Antisemitismus befreundet zu haben. Antisemitismus ist Voraussetzung für solch dezidiert antijüdische Einstellungen wie beim Antizionismus.

    Wer diesen einfachen Zusammenhang »in Büchern, Artikeln, Aufsätzen« oder sonstwie zu umgehen sucht, möchte offenbar eine Meinung salonfähig machen, die keine ist, sondern ein Verbrechen.

  4. @Yoav

    Wikipedia sagt z.B.: Antizionismus bezeichnet eine Ablehnung des Zionismus und des Staates Israel. Er ist verschieden motiviert und begründet und nicht an bestimmte Parteien und Ideologien gebunden.

    Viele Antizionisten betonen den Unterschied ihrer Überzeugung zum Antisemitismus, während viele ihrer Gegner Gemeinsamkeiten beider Ideologien betonen.

    Aus deiner Argumentation schliesse ich dass das jüdische Gemeinwesen = Israel = Zionismus ist. Diese Auffassung teile ich in dieser Form nicht. M.E. wäre nach Kriegsende konsequent gewesen, den Staat Israel auf deutschem Gebiet zu errichten, anstatt, wie geschehen, in Palästina. Sicherlich eine “elegante Form” von divide et impera, aber leider auch ein dauernder Quell von Krieg, Not und Konflikten. Und das jüdische Gemeinwesen erschöpft sich nicht im Staate Israel. Es exisitiert weltweit und unabhängig vom Staat Israel.

    Und nein, ich schliesse mich auch nicht deiner Argumentation an, das alles in Kategorien zu verpacken und gleich als Verbrechen darzustellen ist. Für mich ist der Muslim-Markt und seine Tätigkeit ein Bereich und diesem Kontext ist deine Argumentation stimmig. Wenn aber dieser Bereich gleichgesetzt wird mit Antizionismus im Allgemeinen und dies gleich Antisemitismus generell, dann wird jede legitime Diskussion über angewandte Methoden und Verfahren des Staates Israel mit den Palästinensern im Keim erstickt und als Verbrechen stigmatisiert. Das ist der Punkt, in dem ich Differenzierung fordere.

    Denn was ich immer wieder in solchen Diskussionen oder Beiträgen sehe ist der Umstand das das Verhalten von Israel sakrosankt ist und jede auch nur andeutungsweise vorhandene Kritik das Etikett Antizionismus und/oder Anitsemitismus bekommt. Und da dies ja, gemäss deinem Beitrag, ein Verbrechen ist, hat man einen höchst effektiven Maulkorb geschaffen. Was eigentlich schade ist.

  5. @ Michael

    Ich habe seit langem keine so prägnante Anhäufung von – mit Verlaub – sinnlosen Unkenntnissen gelesen wie jetzt. Aber deinen Ansatz, auf deutschem Boden einen neuen Staat zu errichten, klingt zugegebenermaßen ganz richtig:

    Zurzeit versucht man ja erstmals in der Geschichte einen palästinensischen Staat zu errichten. Da die meisten Palästinenser sowieso außerhalb von Cisjordanien leben und es in Deutschland nicht genügend Nachwuchs gibt, liegt es nahe, diesen noch zu erfindenden Staat nicht im ohnehin überbevölkerten Cisjordanien, sondern auf den entleerten Weiden Thüringens zu errichten.

    Danke dir für diese Idee.

  6. @Michael: Judenstaat in Deutschland

    Michael, deine Idee (Zitat)den Staat Israel auf deutschem Gebiet zu errichten, anstatt, wie geschehen, in Palästina ist mit ziemlicher Sicherheit nicht auf deinem Mist gewachsen und die meisten Leser hier wissen sehr wohl wer diese Idee an die Öffentlichkeit gebracht hat (Zitat siehe http://en.wikipedia.org/…_Ahmadinejad_and_Israel ): Ahmadinejad said that if Germany and Austria feel responsible for the massacre of Jews during World War II, they should host a state of Israel on their own soil.

    Leider lässt das deine Idee in einem völlig anderen Licht erscheinen. Bei Ahmadinejad wird auch klar was mit Antizionismus gemeint ist: Auslöschung des Staates Israel. Hier ein Zitat aus einer Rede Ahmadinejads: Our dear Imam (referring to Ayatollah Khomeini) said that the occupying regime must be wiped off the map for great justice and this was a very wise statement. We cannot compromise over the issue of Palestine. Is it possible to create a new front in the heart of an old front. This would be a defeat and whoever accepts the legitimacy of this regime has in fact, signed the defeat of the Islamic world.

    Es wäre natürlich etwas völlig anderes, wenn man die Idee des Judenstaates in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg aufs Tapet gebracht hätte. Jetzt aber ist diese Idee nichts anderes als eine Kriegserklärung an den Staat Israel.

    Dein übriger Aufruf zur Differenzierung(Zitat)Für mich ist der Muslim-Markt und seine Tätigkeit ein Bereich und diesem Kontext ist deine Argumentation stimmig. Wenn aber dieser Bereich gleichgesetzt wird mit Antizionismus im Allgemeinen und dies gleich Antisemitismus generell, dann wird jede legitime Diskussion über angewandte Methoden und Verfahren des Staates Israel mit den Palästinensern im Keim erstickt und als Verbrechen stigmatisiert. Das ist der Punkt, in dem ich Differenzierung fordere.
    wäre ohne weiteres diskutierbar. Doch das bekommt gleich einen ganz anderen Geschmack, wenn das mit Ideen von Ahmadinejad zusammenfällt.

  7. @Yoav Bitte um Aufklärung

    Du schreibst von sinnloser Unkenntnis. Okay. Mein Ansatz war lediglich deduktive Logik auf deine Argumentation und den Gedanken dann bis zu Ende in seiner Konsequenz gedacht. Aber ich lasse mich gern aufklären, was aus deiner Sicht die sinnlose Unkenntnis darstellt.

  8. @ Michael

    Dass es ein jüdisches Gemeinwesen außerhalb des jüdischen Landes gäbe;

    Dass es möglich gewesen wäre, Israel mit seiner dreitausendjährigen jüdischen Geschichte und einer halben Million Juden nach dem Krieg einfach so nach Deutschland zu “verlagern”, Jerusalem quasi herauszugraben und in Mitteleuropa neu zu errichten;

    Dass das jüdische Volk überhaupt seinen Staat außerhalb des eigenen Landes hätte neu errichten wollen (eine Idee, die von den Juden selbst schon lange vorm Ersten Weltkrieg abgelehnt wurde);

    Dass die Juden insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg – ihr Gemeinwesen im damaligen Israel, geschweige denn die Überlebenden in Europa – sich hätten gefallen lassen, neben Deutschen zu leben;

    Dass der jüdische Nationalstaat in Israel aus etwas anderem entstanden ist als der jüdischen Nationalbewegung, dem Zionismus, oder dass die jüdische Nationalbewegung eine Nachkriegserscheinung, sozusagen ein Nebenergebnis des Zweiten Weltkrieges wäre;

    Dass man heutzutage zwischen dem jüdischen Nationalstaat und dem Zionismus so differenzieren könnte, dass es möglich wäre, gegen den Zionismus zu sein, aber nicht gegen seinen Inhalt, den jüdischen Nationalstaat im jüdischen Lande;

    Dass sind alles Vorstellungen, die bei dir entweder explizit oder implizit auftauchen, nichts mit der Realität zu tun haben und über die es sich nicht lohnt, weiter zu diskutieren.

  9. @Martin Holzherr

    Leider daneben, das habe ich vor 20 Jahren in Diskussionen schon zum besten gegeben. Wusste gar nicht das der das auch gesagt hat. Schaue kaum Fernsehen und bin nicht immer auf dem aktuellen Stand, da mich die manipulative Art der Medien abstösst.

  10. @Yoav – Danke für die Info

    und interessant, wie du das so siehst. Ich kenne einige jüdische Gemeinschaften ausserhalb Israels, die ihre Traditionen pflegen und durchaus ein eigenständiges Gemeinwesen innerhalb der Städte (z.B. Zürich heute, Prag vor dem Einfall der Nazis …) haben. Aber wenn du sagst, dass es das nur in Israel gibt, okay. Dann ist das halt etwas anderes und wird anders benannt. Da habe ich mich dann getäuscht.

    Bezüglich des Rechtsanspruchs auf ein Land (wo auch immer) ist das ja auch so eine Sache. Volksgruppen können ein Land eine zeitlang benutzen, sogar soweit gehen, dass sie dies ihr eigen nennen, allerdings weist uns die langfristige Geschichte darauf hin, dass sich sehr oft Volksgruppen in der Benutzung eines Gebietes abwechseln und der Besitzanspruch maximal temporär ist. Zur Zeit der Gründung des Staates Israel gab es diesen Besitzanspruch auf jüdischer Seite de facto nicht (obwohl dieser religiös und mit Hinweis auf die Geschichte gerechtfertigt wurde). Und die jüdische Geschichte geht, wenn wir bis Moses zurückgehen, doch von ägyptischem Boden aus. Falls ich mich hier richtig erinnere. Kaum denkbar, das Palästina damals einfach ein leeres Land war, das auf die emigrierenden Juden gewartet hat. Das es religiöse Statements gab, die versucht habe, diese Landnahme zu rechtfertigen und zu manifestieren, steht für mich auf einem anderen Blatt. Prinzipiell gehe ich davon aus, dass wir Gast auf diesem Planeten sind und es von Hybris zeugt, wenn wir Besitzansprüche vermelden.

    Ich kann gut nachvollziehen, dass man nach den Kriegserlebnissen nicht neben Deutschen leben wollte – allerdings, genau betrachtet, welcher Staat wäre den in Frage gekommen, neben dem es für einen Juden angenehm gewesen wäre. War es nicht so, dass alle Staaten sich geweigert haben, jüdische Flüchtlinge vor 45 aufzunehmen, zu einem Zeitpunkt als sie es am dringendsten gebraucht hätten? Und die historische Feindschaft zwischen Palästina und Israel ist jetzt auch nicht gerade eine so viel bessere Option, wenn man länger darüber nachdenkt. Was ja auch dann ziemlich schnell zu Konflikten und zum 6-Tage Krieg geführt hat.

    Nun, auch Juden, wie ein Herr Avnery scheinen das etwas anders zu sehen, auch bezüglich der Differenzierung und der Nationalbewegung, wenn ich das, was ich bis dato gelesen habe, richtig verstanden habe. So propagierte ja Uri Avnery ein “Israel ohne Zionismus”.

    Das hier die Meinungen extrem auseinander gehen ist ein Fakt. Aber es sind im wesentlichen Meinungen die auseinandergehen. Diese Meinungen als Fakten hinzustellen halte ich für gewagt.

  11. @ Michael

    Hat die jüdische Gemeinde in Zürich eine souveräne Regierung? ein Militär? eine Polizei? ein Finanzministerium? eine Zoll- und Steuerpolitik? ihre eigene Gesetzgebung? eine unabhängige Judikative? Wenn nicht, dann ist es kein jüdisches Gemeinwesen, sondern höchstens eine jüdische Gemeinde. Es gibt im Ausland auch deutsche Gemeinden, z. B. in Siebenbürgen. Das macht sie noch nicht zu einem ordentlichen Gemeinwesen, wird ihr Leben da doch maßgeblich vom letztendlich rumänischen Staat bestimmt.

    Ansonsten möchte ich nur anmerken: Ja, Gebietsansprüche sind temporär und sind irgendwann zu Ende. Da stimme ich dir vollends zu. Die Gebietsansprüche von sog. »Palästinensern«, die es 1948 in dieser Konstellation noch gar nicht gab, sind zu Ende. Also: ran an die Arbeit – den Pali-Staat bauen wir in Deutschland auf. Schließlich wollen sie doch auch nur in Frieden leben, gell?

  12. @ Michael

    Oder noch besser:

    In den Alpen!

    Die Schweiz ist ja bekanntermaßen so freundlich, jedenfalls viel freundlicher als Israel gegenüber den armen Palästinensern. Soll ich dir helfen, die Bürgerinitiative zum Volksentscheid »Kanton Palästina« zu organisieren?

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