Erste Eindrücke

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Wien. Heidelberg. Berlin: ein israelischer Blick auf Deutschland
un/zugehörig

Seit einigen Tagen bin ich nun wieder in Berlin. Was hat es inzwischen im Programm gegeben?

Zuallererst haben wir unsere "Dienstwohnungen" bezogen, die sich in einer ARWOBAU-Wohnanlage hinter dem Bethanien- bzw. Engeldamm befinden, dem damaligen Todesstreifen, der die Adalbertstraße, wie die dank Buch und Film berühmt gewordene Sonnenallee, entzweit (und auch in der Adalbertstraße war das kürzere Ende auf der weniger glücklichen Seite). Somit sind wir jetzt in unmittelbarer Nähe zu Berlins bestem Falafel (Maroush, ebenfalls in der Adalbertstraße, aber drüben) und dennoch in einer Gegend, die nach wie vor einen ganz anderen Charakter hat als das benachbarte Kreuzberg 36. Übrigens habe ich in 2008 während der Leo-Baeck-Sommeruniversität schon mal in dieser Wohnanlage gewohnt.

Darauf sind an den ersten Tagen allerlei Formalitäten erfolgt (An- bzw. Ummeldung etc.). Im Anhörungssaal der Marie-Elisabeth-Lüders-Haus hat dann die offizielle Programmeinführung stattgefunden mit schätzungsweise 140 Teilnehmern: Bis auf die USA, Frankreich und das eben aufgenommene Israel kommen alle anderen Stipendiaten aus den neuen Republiken östlich des deutschen Raums, bis nach Zentralasien hinein (anscheinend flächendeckend). Man verliert so ziemlich schnell den Überblick. Bei dieser Gelegenheit haben wir eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben.

Am nächsten Tag haben wir eine IT-Schulung gehabt, bei der wir ansatzweise das umfassende System kennen gelernt haben, das im Bundestag verwendet und teilweise eigenhändig entwickelt wird. Ich glaube, es wird noch dauern, bis man es gut beherrscht (wenn das überhaupt im Rahmen des Programms zu schaffen ist).

Und dann ist einer der wohl aufregendsten Momente gekommen, nämlich der erste Besuch im Büro jenes grünen Abgeordneten, dem ich zugeordenet worden bin. Die Leute da wirken sehr nett und ich freue mich auf die Arbeit mit ihnen. Etwas schwer ist mir allerdings die Orientierung im sechsteiligen Jakob-Kaiser-Haus (laut Wikipedia 1.745 Büros) gefallen. Das braucht ja auch seine Zeit.

 

 

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www.berlinjewish.com/

Mancherorts auch als der Rebbe von Krechzn* bekannt, heißt der Autor von "un/zugehörig" eigentlich Yoav Sapir. Er ist 5740 (auf Christlich: 1979) in Haifa, Israel, geboren und hat später lange in Jerusalem gelebt, dessen numinose Stimmung ihn anscheinend tief geprägt hat. Nebenbei hat er dort sein M.A.-Studium abgeschlossen, während dessen er sich v. a. mit dem Bild des Juden im Spielfilm der DDR befasst hat. Seit Sommer 2006 weilt er an akademischen Einrichtungen im deutschsprachigen Mitteleuropa: anfangs in Wien, später in Berlin und dann in Heidelberg. Nach einer Hospitanz im Bundestag arbeitet er jetzt selbstständig in Berlin als Autor, Referent und Übersetzer aus dem Hebräischen und ins Hebräische. Nebenbei bietet er auch Tours of Jewish Berlin. * krechzn (Jiddisch): stöhnen; leidenschaftlich jammern.

2 Kommentare

  1. Verschwiegenheitserklärung

    Uh, da kannst Du wohl nicht so viel davon berichten, was Du so machst. Darfst Du noch nichtmal preisgeben bei welchem Abgeordneten Du bist? Aber es wird sicher noch genügend zu berichten geben, was nicht verschwiegen werden muß.

    Wie ist eigentlich die Zuteilung zu den Abgeordneten vollzogen worden? Haben sich die Abgeordneten die Leute selbst heraus gesucht oder wurden sie zugeteilt?

  2. @ Martin

    Die Erklärung, die ich mir nicht fotokopiert habe, war ziemlich allgemein formuliert. Also muss ich mir bei jedem Satz überlegen, was darunter fallen könnte, und gehe da erst mal auf Nummer Sicher.

    Wir haben unsere Wünsche bzgl. der fünf Fraktionen äußern dürfen, und soweit ich weiß, konnten die teilnehmenden Abgeordneten einen Wunschprofil zusammenstellen, etwa im Hinblick auf die absolvierten Studienfächer, das Herkunftsland etc. Die meisten Stipendiaten haben aber m. W. nicht das bekommen, worum sie gebeten haben. Aber nicht so, wie man denkt: Eine wollte einem “PDS”ler zugeordnet werden und hat es trotz wohl relativ geringer Nachfrage der “Linken” nicht bekommen.

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