Warum Ostern einer babylonischen Kalenderregel folgt

Der Ostertermin ist – wie Sie wissen – beweglich, also nicht immer am gleichen Datum wie Weihnachten. Die Regel zur Festlegung des Ostertermins ist – wie landläufig bekannt – dass Ostersonntag am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling stattfindet. 

Ich habe bereits früher in diesem Blog darauf hingewiesen, dass 

  • die Ostkirche mitunter (selten) einen anderen Termin feiert als die Westkirche (siehe wikipedia
  • und auch der Termin der Westkirche nicht exakt den astronomischen Gegebenheiten folgt.

Erstens kann der astronomische Frühlingsanfang auf den 20, 21. oder 22. März fallen, während die Kirche sich bereits im 4. Jahrhundert entschieden hat, immer den 21. März zu nehmen und auf den wahren Termin keinen Wert zu legen. Zweitens kann es kritisch werden, wenn der Vollmond mit diesem Termin zusammenfällt und man müsste dann eine Zeitzone definieren, für die man die Regel definiert. Man hat also auch hier per nicht-astronomischer Definition einfach festgelegt, dass ein Vollmond am 21. März nicht zählen würde (Oster-Termin 2019). 

Doch woher kommt dieses zelebrieren des Frühlings?

Die Spur führt auf alte Kalender: Was wir Frühlingsbeginn oder Ostern nennen, war eigentlich mal der Jahresbeginn. Und zwar bis ins Alte Rom.

Exkurs: Warum wurde der Jahresbeginn später auf Januar verlegt? Im Alten Rom – das war ja schon eine recht späte Epoche für die Antike – hatte man den Kalender bereits von der astronomischen Beobachtung gelöst. Bekanntlich hatte Gaius Iulius Caesar eine Kalenderreform durchgesetzt, den nach ihm benannten julianischen Kalender, nachdem ein Jahr strikt 365 Tage hat und alle vier Jahre ein 366ster Tag eingefügt wurde. Der Jahresbeginn war damals ebenfalls per politischem Beschluss festgelegt und nicht mehr mit der astronomischen Beobachtung: Es war einfach immer der 1. März. Wie alle Fans von Asterix wissen, war bereits im Alten Rom ein gigantischer Verwaltungsapparat nötig, um den multikulturellen Staat am Laufen zu halten. Man hatte in Rom Stadt eine Regierung, die aus gewählten Senatoren bestand. Damit diese ihr Amt auch pünktlich antraten, wurden sie nicht erst am Jahresbeginn (am 1. März) ins Amt eingeführt, sondern schon zwei Monate vorher, damit sie zu Beginn ihrer Amtszeit auch wirklich arbeitsfähig waren. Die zweimonatige Einarbeitung begann also am 1. Januar. Caesar hat bekanntlich die Alleinherrschaft angestrebt, was die Senatoren-Macht dezimiert, was seine Nachfolger ausbauten und zur römischen Kaiserzeit führte. Irgendwann (spätrömisch) hat man daher beschlossen, den Jahresanfang auf die Amtseinführung der Senatoren zu legen und nicht mehr hinterherhinken zu lassen. Damit war der Kalender von der Astronomie endgültig entkoppelt.

Vorher aber, in früheren Epochen und Kulturen, nutzte man astronomische Beobachtungen zum Kalendermachen (Jahreszeitenbestimmung im Kulturkalender). Man könnte Sterne beobachten und kommt damit auf eine Genauigkeit von 3 bis 5 Tagen. Man kann aber auch den Mond zusammen mit den Sternen beobachten und kommt damit auf eine Genauigkeit von nur einem Tag.

Der Mond zeigt ja bekanntlich wechselnde Phasengestalten. Dabei ist er je länger am Nachthimmel zu sehen, desto dicker er ist: Die schmale Mondsichel ist nur kurz in der Dämmerung zu sehen (zunehmend am Abend, abnehmend am Morgen) und nicht in der Nacht. Der Halbmond ist nicht nur halb beleuchtet, sondern auch die Hälfte der Nacht zu sehen (zunehmend am Abend, abnehmend am Morgen). Der Vollmond ist die volle Nacht am Himmel. 

Kennt man also die Sternbilder im Pfad des Mondes (und die sind bereits im babylonischen MUL.APIN aus dem ausgehenden -2. Jahrtausend sehr genau aufgeschrieben), bilden sie eine kreisförmige Monduhr: Wir können darin die Mondposition am Himmel eintragen.  Man könnte auch statt täglich die Mondposition einzutragen, lieber monatlich die Vollmondposition eintragen und hätte damit einen Jahreskalender am Himmel. So wurde das auch gemacht. Doch da zwölf Vollmonde rd. 354 Sonnenaufgängen entsprechen und nicht rd. 365, wandern die Daten dieses Mondkalenders durch alle (unsere) Monate des Sonnenkalender: Das sieht man heute noch am jüdischen und arabischen Kalender, bei dem Feste wie das islamische Fastenbrechen nach Ramadan oder das jüdische Neujahrsfest Jom Kippur durchs bürgerliche Jahr wandern und mal im Januar und mal im September gefeiert werden.

Erfindung des Tierkreises (ein Kalender!): Der babylonische Mondkalender hat gegenüber anderen alten Mondkalendern jedoch einen riesigen Abstraktionssprung gemacht: Während die Juden und Muslime bis heute einfach den Mond am Himmel beobachten und Vollmonde oder Neumonde zählen (zwölf davon sind ein Jahr), hat die babylonische Astralwissenschaft irgendwann Mitte des -1. Jahrtausends beschlossen, einen abstrakten Mond perfekt gleichmäßig durch den Sternhimmel laufen zu lassen: Die ursprünglichen babylonischen Idealmonate, die an den Sternbildern (auf dem Himmelsäquator) definiert waren, wurden auf die Mondbahn übertragen und teilten fortan den Streifen des wahren Mondlaufs in zwölf ideal gleiche Abschnitte: Das war die Geburt des Zodiaks (wie ich in meiner Doktorarbeit vor Jahren zeigte). Der Zodiak (Tierkreis) ist also eigentlich ein Werkzeug, um den Kalender zu bestimmen.

babylonischer Mondpfad nach der Beschreibung in MUL.APIN, gemalt von Jessica Gullberg (2021) für Stellarium Planetarium Software.

Die Babylonier wussten also bereits, dass der Mond durch diese Sternbilder läuft, weil er darin Sterne bedecken kann. Daher gehören (ganz klar!) auch die heutigen Sternbilder Orion und Cetus in den Mondpfad (siehe Review 2020, Blog Post). Nun hatten die Babylonier in erster Linie einen Mondkalender, d.h. sie haben einfach nach zwölf Vollmonden ein neues Jahr angefangen. Das bringt aber das Problem mit sich, dass dann die Jahreszeiten (die an der Sonne hängen) nicht immer im gleichen Monat liegen. Allerdings haben die Babylonier schon im 2. Jahrtausend versucht, den Sonnen- und Mondkalender hin und wieder zu synchronisieren, d.h. sie haben alle paar Jahre einen Schaltmonat eingefügt und das ging vor der Verwendung eines abstrakten Verwaltungskalenders nach Beobachtungen der Sterne Arktur, Sirius und des Sternhaufens der Plejaden sowie des Mondes relativ zu diesen. 

Sie wussten auch, dass der Vollmond am Himmel der Sonne gegenüber steht und der Sichelmond immer neben der Sonne steht. Wenn sie also ihren Mondpfad einmal als Kreis aufgemalt hatten, konnten sie aus Mondposition und -phase zusammen darauf schließen, wo die Sonne steht. Man musste es nicht wahrhaftig sehen können, wo die Sonne steht, man konnte es aus der Beobachtung des Mondes einfach schließen. Der Lauf der Sonne wiederum ist ein Kalender:  Die Sonne läuft im Laufe eines Jahres scheinbar einmal um uns herum, d.h. durch alle Sternbilder des Mondpfades, den man daher später als Zodiakos besonders auswies.

zunehmende und abnehmende Sichel stehen direkt neben der Sonne – sagen wir, ungefähr im Nachbarsternbild – der Vollmond steht ihr gegenüber. Aus Mondphase und -position kann daher die Sonnenposition bestimmt werden: Bilder: Susanne M Hoffmann (CC-BY-ND-NC, Erstpublikation dieser Graphiken Halle 2021, des zugrunde liegenden Tierkreisbildes in meinem Manuskripten für Astronomiekurse in Mauretanien 2005).

Exkurs: Warum heißt der “Tierkreis” so, wenn er doch nicht bloß aus Tieren besteht: Der Anfang des griechischen Wortes zōidiakòs kýklos (= Kreis der Lebewesen) scheint wie “Zoo” zu klingen und im Zoo stellen wir Tiere aus: das ist eine Eselsbrücke, warum man im Deutschen dazu auch “Tierkreis” sagt. In Wahrheit heißt das griechische Wort aber “Lebewesen” und schließt daher Tiere und Menschen ein: die deutsche Übersetzung ist also einfach falsch. Zudem wundern sich oft Leute, was die Waage als lebloser Gegenstand im Kreis der Lebewesen macht. Dazu ist zu sagen, dass der Zodiak zwar in Babylon erfunden wurde, das Wort aber klar griechisch ist (keine Übersetzung aus dem Babylonischen) und die Griechen haben das Sternbild Waage nicht gehabt: sie hatten dessen Sterne zu den Scheren des Skorpion bzw. zum Mädchen (Virgo) gerechnet (siehe dazu mein animiertes GIF). 

Fazit: Die Babylonier konnten mit Hilfe der schmalen Mondsichel und der Sterne auch wissen, dass astronomischer Frühlingsanfang ist, ohne dass sie die Sterne neben der Sonne selbst gesehen hätten. Sie haben wohl die Vollmondposition und die Sichelposition des Mondes benutzt, um festzustellen, wann das neue Jahr beginnt (und ob ein Schaltmonat eingefügt werden muss). 

Was hat das alles mit Ostern zu tun?

Dieses babylonische Wissen kam während des Exils der jüdischen Eliten unter dem König Nebukadnezar ins jüdische Kulturgut. Sie alle kennen die Geschichte, dass die Mittelmeer-Küstenregion (heute Israel genannt) in der Mitte des -1. Jahrtausends zum assyrischen bzw. dann babylonischen Reich gehörte und die Führer der Juden (die damals noch keine Schrift hatten) deportiert wurden: Boney M. besingen diese biblische Geschichte in “Rivers of Babylon“. Neben all dem Leid, das diese Deportation mit sich brachte, haben die Juden bei dieser Gelegenheit allerdings auch Schrift und astronomischen Kalender von den Babyloniern “gelernt”, d.h. übernommen. Die Juden feiern daher ein Frühlingsfest – Pessach oder Pas-cha genannt – beim ersten Vollmond im Frühling, d.h. in der Mitte des ersten babylonischen Monats. 

Nun berichtet ja die Bibel-Geschichte, dass die Christen Ostern dann feiern, wenn Jesus nach seiner Kreuzigung auferstanden ist (an einem Sonntag, d.h. dem Tag nach dem jüdischen Ruhetag Sabbat). Die Kreuzigung selbst fand an einem Freitag statt und der Prozess, den man ihm gemacht hatte, war ein kurzer Schauprozess. Man hatte ihn überhaupt gefangen nehmen können, weil er anlässlich des jüdischen Pessach-Festes nach Jerusalem gekommen war. Der Prozess und die Kreuzigung Jesu fand also etwa gleichzeitig mit dem Pessach-Fest statt und das wiederum wird am ersten Vollmond des neuen (babylonischen) Jahres gefeiert. 

So wird also das Osterdatum noch heute quasi nach babylonischen Kalenderregeln berechnet (natürlich über die Jahrhunderte abgewandelt) bzw. erinnert an das babylonische Neujahrsfest, das genau genommen zwei Wochen vorher gefeiert werden müsste: dieses Jahr also am 1. oder 2. April (Neumond/ Neulicht). 

In diesem Sinne: Happy New Year!

Post Scriptum

Übrigens habe ich kürzlich zufällig bemerkt, dass heutzutage der astronomische Frühlingsanfang mit dem Verschwinden des Sternbildes Hase (Lepus) vom Nachthimmel einhergeht. Ich hatte bereits in früheren Jahren auf dieses Sternbild hingewiesen: den kleinen Hasen unter dem Orion, vor dessen Brust ein kleiner Kugelsternhaufen als Osterei umfunktioniert werden kann. Das Lustige ist also, dass dieser Hase mit Osterei zu Ostern stets mit der Sonne am Taghimmel ist, also wir ihn heutzutage also NichtTierkreis-“Sternbild des Oster-Termins” umfunktionieren könnten – die Auferstehung findet also im Sternbild Hase statt. 

 

Sternbild Osterhase: ein HST-Bild des Kugelsternhaufens M79 mit TheGIMP auf ein Ei gemalt.
Messier79 (HST) als Osterei

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

13 Kommentare

  1. Habe ich auch so gelernt :

    So wird also das Osterdatum noch heute quasi nach babylonischen Kalenderregeln berechnet (natürlich über die Jahrhunderte abgewandelt) bzw. erinnert an das babylonische Neujahrsfest, das genau genommen zwei Wochen vorher gefeiert werden müsste: dieses Jahr also am 1. oder 2. April (Neumond/ Neulicht). [Artikeltext]

    Die bekannte Online-Enzyklopädie kommt noch so :

    Nach neutestamentlicher Überlieferung ereignete sich die Auferstehung Christi zur Zeit des vom Frühlingsvollmond abhängigen jüdischen Pessachfests. Da der genaue Tag nicht bekannt ist, seine Feier nicht an einem wechselnden Wochentag stattfinden und die grundsätzliche Datierung im weiter von den Juden verwendeten Lunisolarkalender nicht in Erscheinung treten sollte, wurde auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 (die Christen benutzten inzwischen den Julianischen Solar-Kalender) folgende Festlegung getroffen: Osterdatum ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.

    Vgl. auch mit :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Konzil_von_Nicäa
    Mit freundlichen Grüßen + frohe Ostern schon einmal, karfreitagsfern
    Dr. Webbaer

  2. So zugänglich die babylonische Astral-Religion auch erscheint, kommt das Gemisch, das wir heute als Himmelskunde betreiben, auch aus einer zweiten, weitgehend schriftlosen Quelle, die aber dafür jede Menge Kalender-Goldhüte und Stonehenge ähnlich Bauwerke vorweisen kann von Gibraltar bis weit in den Osten und Norden sowieso – also keine “falsche Übersetzung”. “Tier” kommt wohl eher von “Tyr”, einem Jupiter gleichgesetzten Himmelsgott:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Tyr
    https://www.youtube.com/watch?v=gMjFOoShYdk

    Miraculix war übrigens im Matriarchat zwischen Stein- und Bronzezeit eher eine Priesterin, als männlicher Zauberer:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Marija_Gimbutas

    • Es geht in meinem beitrag nicht um “das Gemisch, das wir heute als Himmelskunde betreiben”, sondern es geht sehr konkret um den Tierkreis. Den hat das heutige Gemisch der Himmelskunde nachweislich aus Rom, wo es aus dem Griechischen übernommen worden ist (griechisch als lingua franca der Wissenschaft), wobei “das Griechische” die Erfindung der neuen gemeinsamen Identität im multikulturellen Imperium des Makedonen Alexander der Große ist. “Das Griechische” ist also bereits eine Mischkultur und den Tierkreis hat sie aus Babylon übernommen – wenngleich nicht alle Sternbilder desselben, aber das mathematische Konzept, das auf den oben genannten Kalenderprinzipien beruht. Das sind Tatsachen, die keiner “alternativen Fakten” bedürfen. Geschichtswissenschaft ist eine faktenbasierte Wissenschaft und keine freie Assoziation von Meinungen.

      • Da bin ich ganz ihrer Meinung. Was aber den Tierkreis angeht, können wir auf Darstellungen im Alter von 12 500 Jahren verweisen, da hätte ich auch einen Link, sowie das hier sowieso:
        http://azinovic.de/astronomie-der-antike.pdf
        Sie haben mit ihrer Zentrierung auf Babylon eben nur einen kleinen Ausschnitt im Blick. Die ganze Welt hat notwendig Himmelsorientierung betrieben – was sonst? Denken wir das mal mit der Maya-Astrologie zusammen – der Venus-Kalender – zeitgleich gültig, wie der gregorianische im noch unzerstörten Südamerika ein paar Jahre …

        • ich bin überhaupt nicht auf Babylon zentriert – aber die Griechen und Römer, die die europäischen Kulturstifter sind, hatten nunmal keinen Kontakt zu den Maya. Es ist absolut irrelevant, für das Osterproblem die Maya, Inka, Inuit, Boorong, Kamilaroi, Chinesen … zu betrachten.

          • Hatten sie wohl, diesen Kontakt zu den Maya – davon berichtet bekanntlich Plutarch (“Das Gesicht im Mond”). Und die Maya selber. Griechen und Römer sind nicht “die europäischen Kulturstifter” – die Bronzezeitliche Kultur, die ganz Europa mit einer Astralreligion verband, deren Symbole – die Goldhüte – überall gefunden wurden in Europa – ist eine historische Treppe tiefer, näher am Matriarchat – wg. Schriftlosigkeit übrigens – siehe Marija Gimbutas “Die Sprache der Göttin” – das bedeutet, Europa hat zwei Strömungen der Kultur verbunden: die babylonisch/kemisch/hellenisch/etruskisch/römische mit der keltischen Astralkultur für die sinnbildlich Stonehenge stehen kann, weil das jeder kennt – und natürlich Asterix.
            Auch die Himmelsscheibe von Nebra passt als Hinweis für den Zyklus, den Plutarch für die Reisen zum Chronos-Heiligtum in der Karibik angibt. Obelix als Außenbordmotor. Mit freundlichen Grüßen!

      • Das sind Tatsachen, die keiner “alternativen Fakten” bedürfen. Geschichtswissenschaft ist eine faktenbasierte Wissenschaft und keine freie Assoziation von Meinungen.

        Es ist nicht ganz klar, was Geschichtswissenschaft ist, der Schreiber dieser Zeilen hat sich mit einigen Historikern diesbezüglich auseinander gesetzt, auch z.B. mit Yoav Sapir, ehemals bei den SciLogs.de präsent.
        Die Geschichtwissenschaft lebt sozusagen von unterschiedlichen Datenlagen und unterschiedlichen Interpretationen.
        “Blödmänner” sind so nicht gemeint.

        Mit freundlichen Grüßen
        Dr. Webbaer

          • Nun, dann wäre es in der Astrophysik und in der Geschichtswissenschaft Zeit, den Horizont zu erweitern. Erstere ist zumindest ihrer Göttin treu: der Singularität – die zweitere, die Geschichtswissenschaft lebt – seien wir ehrlich – von genialen Außenseitern außerhalb des Universitätsbetriebs – aber es ist schon lang keiner mehr aufgetreten (Sloterdijks ideales Grau neuerdings muss als Ironie verstanden werden).

  3. Das mit dem reinen Mondkalender bei den Muslimen führt ja dazu, daß der Ramadan über mehrere Jahre im Jahr “wandert”. Besonders zu der Zeit der Sommersonnenwende ist das für die Leute schon recht belastend, weil man am Tage auch nichts trinken darf.

    Gruß
    Rudi Knoth

  4. »Während die Juden und Muslime bis heute einfach den Mond am Himmel beobachten und Vollmonde oder Neumonde zählen (zwölf davon sind ein Jahr), …«

    Es ist wohl doch etwas komplizierter. Der heutige, ca. Mitte des 4. Jhdts CE eingeführte Jüdische Kalender ist ein rein arithmetischer Lunisolarkalender, wo nichts mehr beobachtet wird. Der zuvor gebräuchliche klassische Jüdische Kalender war in der Tat observationell — vergleichbar mit dem religiösen Islamischen Kalender — hatte im Unterschied zu letzterem jedoch bereits eine Regel für Schaltjahre, die dann 13 Monate umfassten.

    »Sie alle kennen die Geschichte, dass … die Führer der Juden (die damals noch keine Schrift hatten) deportiert wurden …«

    Nachweislich hatten die auch schon lange vor dem babylonischen Exil eine Schrift, die heute als palaeo-hebräisch bezeichnet wird. Diese wurde allerdings dann während des Exils durch die aramäische Schrift verdrängt, woraus nachfolgend schliesslich das entstand, was im Talmud “assyrische Schrift” heisst und uns heute gemeinhin als hebräische Schrift geläufig ist.

    • danke, dass Sie exakt bestätigen, was ich oben sagte: zwar behaupten Sie, die Wahrheit sei komplizierter, aber Sie sagen exakt dasselbe wie ich nur mit anderen Worten

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