Vor 80 Jahren: erster Computer

BLOG: Uhura Uraniae

Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Heute vor genau 80 Jahren tobte der 2. Weltkrieg. Berlin war allerdings noch nicht so stark betroffen: Die Kämpfe spielten sich eher an den Fronten ab. 

In seiner Werkstatt in Berlin-Kreuzberg hatte der Maschinenbau-Ingenieur Konrad Zuse seit Jahren getüftelt: Er war in den 30ern am Flughafen Berlin-Johannisthal angestellt gewesen und die eintönigen Rechnungen langweilten und unterforderten den talentierten jungen Mann. Daher hatte er im Wohnzimmer seiner Eltern (ebenfalls in Kreuzberg) eine Rechenmaschine gebaut, die ihm diese stupide Automatenarbeit abnehmen sollte. Sie war 1938 in Betrieb genommen worden und funktionierte. Von dem Erfolg beflügelt und von seinen ehemaligen Kollegen in der Luftfahrt angespornt, entwickelte er weiter und hatte nun endlich (mit Hilfe eines Kollegen) eine Rechenmaschine konstruiert, die frei programmierbar war. Sie gilt als der erste Digitalrechner der Welt. 

Die Maschine war so groß wie zwei Kleiderschränke, bestand aus ca. 2000 Relais und 30.000 Kabeln. Sie konnte addieren, subtrahieren, multiplizieren, dividieren und die Quadratwurzel ziehen, hatte ein Speichervermögen von 64 Worten à 22 Bit und arbeitete mit Dualzahlen. 

Dieser Zuse-Rechner namens Z3 (wikipedia) wurde heute vor genau 80 Jahren zum ersten Mal in Betrieb genommen. 

Aufgrund der politischen Umstände kam er nie zum industriellen Einsatz: Er wurde nicht als “dringlich” eingestuft und ging daher nicht in die Militärforschung ein. Zudem wurde die Werkstatt von Konrad Zuse 1944 in einem Luftangriff zerstört. Dennoch gilt Zuse als Pionier der Entwicklung elektronischer Rechenmaschinen (“Computer”). 

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

6 Kommentare

  1. Wichtig aus diesseitiger Sicht das Einlesen von Lochstreifen (Programme meinend).
    Denn frühe Rechner hatten so zu konkurrieren :

    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Rechenschieber#Vom_Logarithmus_zum_Rechenschieber

    Mechanische sog. Rechenschieber waren sozusagen ebenfalls programmierbar, ich habe vor gut 50 Jahren Fachkräfte noch so (“flüssig”) hantieren gesehen.

    In den Staaten gab es seinerzeit vergleichbare Entwicklung.
    Vgl. : -> https://en.wikipedia.org/wiki/Computer#First_computing_device

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Webbaer (der in den Siebzigern, bei Siemens, funktionsfähige “Großrechner” gesehen hat, die stapelweise Lochkarten automatisiert von “A nach B” transportierten, der Transport war sozusagen spektakulär, die “netten” so beschäftigten Maschinen meinend)

  2. Die Z3 war programmierbar und arbeitete mit 22-stelligen Binärzahlen in einem Gleitkommaformat, welches bereits die Werte Minus Unendlich, Plus Unendlich und Undefiniert kannte und diese Werte in einer Ausnahmebehandlung setzte.
    Das war in einem gewissen Sinn seiner Zeit weit voraus und hat bis heute überlebt: Die von IEEE definierten Gleitkommaformate haben diese Elemente noch heute. Dort heissen sie +Inv, -Inv und NaN (not a number).

    Konrad Zuse soll ja die Z3 ohne grosse Designdokumente fast allein aus dem Kopf zusammengebaut haben. Es scheint fast als hätte er eine Eingebung von einer höheren Ebene erhalten. Doch wahrscheinlich lagen die Ideen, die der Z1 bis Z3 zugrundelegen damals einfach in der Luft. Zuse selbst sah sich beeinflusst durch Hilbert’s and Ackermann’s Buch über elementare mathematische logische Prinzipien der mathematischen Logik.

    Erstaunlich auch mit wie wenigen Relais Zuse die Rechenfunktionen der Z3 realisieren konnte. Von den insgesamt 2600 Relais waren nämlich 1400 allein dazu da, den Speicher zu realisieren.

    • A bisserl blöde war halt die Zerstörung des guten Geräts, die zu Mythenbildung einlädt.
      Wie genau war das gute Stück per Lochstreifen programmierbar?

      Wir vergleichen auch hiermit :

      -> https://de.wikipedia.org/wiki/ENIAC

      “Röhren” galten spätestens seit dieser Erfindung als weniger cool :

      -> https://de.wikipedia.org/wiki/Transistor

      Randnotiz :
      Opa Webbaer erinnert sich gerne noch an die Ablösung des Röhren-Empfängers durch das sog. Transistorradio.
      Soweit Dr. Webbaer weiß, war Konrad Zuse weitgehend auf sich allein gestellt und verfügte nicht, anders als anderswo, über ein Team von, nun, “Eierköpfen”.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Webbaer

  3. In Erinnerung sind auch die Einplatinencomputer, wo sich jeder, der einen Computer verstehen will , einen Computer zusammenbauen kann. Dazu gab es eine CPU und ein Monitorprogramm. Die Platine ließ sich mit dem Fernseher verbinden. Das dazugehörige Buch gab es beim Franzis Verlag.

Schreibe einen Kommentar