Visite 2009 – SciLogger zwischen Science und Fiction

BLOG: Uhura Uraniae

Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Mehrere Leute haben bereits erwähnt, dass wir SciLogger dabei sind, eine verschworene Gemeinschaft zu werden. Stefan Oldenburg diskutiert fleißig das Quo Vadis mit unseren Lesern, andere berichteten über unsere Gespräche und querlesend schreiben wir alle transdisziplinär.

Auf unserem Bloggerwochenende in Deidesheim eine VISITE-Aktion beschlossen. Das ist so ein bißchen wie Weihnachtswichteln unter Sci-Autoren: d.h. man "wichtelt" dem anderen anderen einen Text zu seinem Blog zu. Hier ist also der Text meines Wichtels, Jürgen vom Scheidt:

Wie der Zufall es will, bin ich Ihr VISITE-Partner bei den SciLogs. Anlässlich eines Kommentars von mir zu einem Beitrag Ihres Blogs hatten wir ja schon einmal Kontakt (betr. Exoplaneten und ihre Rolle in meinem neuen SF-Roman).

Ich habe Ihnen ein "Geschenk" mitgebracht, von dem ich gleich noch schreiben werde. Zuvor erlauben Sie einem inzwischen 69-jährigen einige Erinnerungen.
Dass ich via VISITE gerade Sie als Partnerin bekam, ist ein nochmals größerer Zufalls-Volltreffer! Schon der Bezug zu "Bruno H. Bürgel" hat mich sehr berührt – sein "Aus fernen Welten" war mein eigener Einstieg in die Astronomie. Dieses Sachbuch hat mich als Jugendlichen sehr beeindruckt und geprägt. Es passte so gut zu meiner SF-Leidenschaft (die Weihnachten 1948 mit Anton F. Kolnbergers "Auf unbekanntem Stern" begann – dem ersten Buch, das ich mir selbst gewünscht habe).
"Aus  fernen Welten" war 1952 ein Geschenk meines Vaters, der mich als Zehnjährigen in einer eiskalten Winternacht in die Astronomie eingeführt hat, indem er mir den Sternhimmel erklärte: den Großen Bären, das W der Kassiopeia, den Orion (mein Lieblingssternbild), die Pleiaden, die Magellanschen Wolken usw. Als junger Mann war er zur See gefahren und kannte sich deshalb "dort oben" gut aus.

Mein Vater war es wohl ebenfalls, der – wenn auch nicht so direkt – mein Interesse am Labyrinth-Motiv geweckt hat; als Soldat war er im Zweiten Weltkrieg auf Kreta stationiert und von dieser Insel immer sehr fasziniert gewesen.

Was ich so spannend finde, ist, dass diese beiden Interessen (Astronomie und Labyrinth) so etwas wie den Äußeren und den Inneren Weltraum benennen.
Als Jugendlicher war mein größter Berufswunsch "Weltraumpilot", geweckt durch viele SF-Geschichten, die – ähnlich wie der Bürgel – in mir sehr lebhafte Vorstellungen ausgelöst hatten, wie es im Weltall aussieht und zugeht. Diesen Berufswunsch musste ich dann ad acta legen, weil ich eine Brille verpasst bekam – auch heute noch sicher ein Grund, jemanden NICHT Astronaut werden zu lassen (damals, noch so nahe am Zweiten Weltkrieg, hätte man als Deutscher aber ohnehin keine Chancen in dieser Richtung gehabt). Stattdessen begann ich mich mehr für den "Inneren Weltraum" zu interessieren, den die Psychologie zugänglich macht. Dazu kam das Schreiben utopischer Geschichten, die oft von einer tiefen Sehnsucht  "nach den Sternen" erfüllt waren.
Doch nun zu meinem eingangs erwähnten "Geschenk":

In meinem Labyrinth-Blog habe ich schon des öfteren erwähnt, dass die europäische Ariane-Rakete ihren Namen der kretischen Königstochter Ariadne verdankt, die man auch "Herrin des Labyrinths" genannt hat. Ich erzähle Ihnen wahrscheinlich nichts Neues, wenn ich mitteile, dass die Griechen der Antike diese Ariadne sehr verehrten und ihr sogar ein eigenes Sternbild  zuordneten: das "Diadem", auch "Krone" genannt. Dies wohl auch, weil sie dem Theseus half, den mörderischen Minotauros zu besiegen und mittels des Roten Fadens den Weg aus dem Labyrinth herauszufinden – wenngleich er sie anschließend nicht sehr freundlich behandelt hat.

Als ich das vor Jahren las, begann ich in meinen astronomischen Büchern zu stöbern und fand noch Folgendes:

  • Der Planetoid Icarus (1949 entdeckt) "verdankt seinen Namen der Tatsache, dass ihn seine Bahn etwa alle 13 Monate bis auf 28 Mio km an die Sonne heranführt, wo diese fast dreißigmal so intensiv strahlt wie in Erdbahnentfernung. Die 39 kW an thermischer Leistung pro m2 reichen dort aus, um Icarus jedesmal rotglühend werden zu lassen" (Stanek, Planetenlexikon, S. 281).
  • Aber auch Ariadne (schon 1856 entdeckt und benannt) ist ein Planetoid, mit der sehr frühen Nummer "49" in der Liste der Entdeckungen aufgeführt.
  • Schließlich wäre noch auf dem Mars das Noctis Labyrinthus zu erwähnen (ein schönes Bild davon finden Sie in meinem Blog unter http://www.chronologs.de/chrono/blog/labyrinth-blog/astronomie/2008-01-23/noctis-labyrinthus-5000-meter-tief)

Ich könnte mir denken, dass Ihnen aufgrund Ihrer Fachkenntnisse wahrscheinlich noch andere Kandidaten für diesen "Geschenk-Korb" einfallen. Daidalos? Minotauros? Theseus? Namen für weniger bekannte Spiralnebel, Kometen, einer der neu entdeckten Monde um Saturn oder Jupiter?

"Daidalos" und "Ikaros" werden übrigens gerne als Namen für Raumschiffe verwendet, die ja die Verbindung zwischen unserer festen Erde und dem Weltraum herstellen, früher rein fiktiv, inzwischen ganz real : Ersterer in der köstlichen SF-Komödie "Space Cowboys" von und mit Clint Eastwood, letzerer in Danny Boyles düsterem "Sunshine" und in dem James-Bond-Thriller "Stirb an einem anderen Tag (Die Another Day)". Die Ariane-Raketen habe ich ja schon genannt.

In diesem Sinne möchte ich mich von Ihnen verabschieden und freue mich schon auf neue Einträge in "UHURA URANIAE".  

Ihr Jürgen vom Scheidt

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Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

6 Kommentare

  1. Astronautenbewerbung

    ich glaube nicht, dass eine Brille wirklich ein Problem ist: 1. kann man zur Not auch Kontaktlinsen tragen, 2. kann man Lösungen finden, eine Brille derart zu befestigen, dass sie trotz Gravi-Mangel auf Nase und Ohren die Gläser vor den Augen hält.

    Ich jedenfall will trotzdem ins All und fühl mich nicht behindert durch meine Brille

  2. Zurückwichteln@Susanne

    Das mit der “Brille” ist wirklich witzig: Als ich die (1956) verpasst bekam, gab es noch keine Kontaktlinsen. Aber die vertrage ich ohnehin nicht – resp. ich nehme die Brille gerne ab, wann immer es geht – bei KL wäre das eine ständige Fummelei. Heute würde man wahrscheinlich ohnehin radikaler eingreifen: mit dem Laser.
    Was soll´s: Die Brille hat mir sicher erleichtert, vom Astronauten-(Buben-)Traum Abschied zu nehmen. Die 35 Millionen Dollar kriege ich in diesem Leben nicht mehr zusammen, die man da als Tourist berappen muss – und für den Naturwissenschaftler oder Ingenieur (als der/die Du ja inzwischen keine schlechte Chance hast) ist mein Gehirn nicht richtig “verschraubt”.
    Sei´s drum: Ich nehme sehr intensiv teil an dem, was in Astronomie und Raumfahrt geschieht – und schau mir das alles lieber im Kino aus der Nähe an (auch wenn es meist so Schwachsinn ist wie im neuen Startrek 11). Noch dazu, wenn es so eine schöne Brücke gibt wie jetzt mit dem erfolgreichen Start von “Herschel” und “Planck” mittels einer Ariane-5-Rakete der ESA – was ich jetzt gleich in meinem Blog würdige mit dem Titel “Ariadne – Herschel – Planck”. Denn die griechische Prinzessin ist ja DIE Brücke in die Labyrinth-Geschichte – noch direkter kann man Deinen und meinen Blog gar nicht verlinken (vor allem, wenn Martin Huhn jetzt in diesen Kommentar noch den richtigen Link nachträglich reinfummelt, den ich ja nicht einfügen kann, weil ich meinen Beitrag erst noch posten muss und nicht weiß, wie er genau heißen wird.)
    Tschüs – war mir ein Vergnügen, diese Visite
    – Jürgen

  3. Asteroiden

    Das Volk der Minotaurier verwahrt sich gegen die Pauschalverurteilung, es sei aggressiv.

    Die Regierung der Minotaurier verzichtet daher vorläufig auf die Vernichtung der Erde.

    *****

    Science-Fiction-Autoren am Himmel:

    Asteroid (4923) Clarke
    Asteroid (5884) Dolezal
    Asteroid (15265) Ernsting
    Asteroid (25924) Douglasadams

    Minor Planet Names: Alphabetical List:

    http://www.cfa.harvard.edu/iau/lists/MPNames.html

    *****

    Die Astronomen wollten Xena und Gabrielle mit den phantasielosen Bezeichnungen Eris 136199 oder 2003 UB313 und den Mond als Dysnomia benennen, aber ein guter Science-Fiction-Autor kann das niemals akzeptieren.

    *****

    Noch mehr Science-Fiction-Geschichten:

    http://www.e-stories.de/view-autoren.phtml?kbedn

  4. ganz ehrlich: Gravitation ist etwas super-spannendes – deswegen wollte ich Newton und Einstein studieren. Aber oft weiß man etwas ja erst dann zu schätzen, wenn man es nicht mehr hat. Also wäre es sicher ein interessantes Erlebnis! 🙂

    Da ich aber auf meine Bewerbung ohnehin keine Antwort erhielt, muss ich mich wohl auch mit den Phantasien begnügen.

    (Den neuen StarTrek kenne ich noch nicht; aber Astrofuturismus ist m.E. zu jeder Zeit anregend für Wissenschaft und Technik. Man muss einfach werten können, was realistisch ist und was nicht und was ausprobieren – zumindest schreiben sämtliche Raketenpioniere, deren Aufsätze ich las, dass sie von Jules Verne et al und/oder direkten Himmelsbeobachtungen zu derartigen Gedanken & Experimenten angestiftet wurden.)

  5. Naturwissenschaft und Science-Fiction

    Viele Naturwissenschaftler und Techniker kamen durch die Science-Fiction zu ihrem Beruf, und einige davon schreiben wieder Science-Fiction (das war auch bei mir so).

  6. Science und Fiction in der Vergangenheit

    Science-Fiction Autoren dachten sich etwas aus – und wurden auch in einigen Fällen von Wissenschaftlern beraten. Darüber berichtete Prof. M. Kaku u. a. auf der A.A.S.-Weltkonferenz 2003 in Interlaken, dass er u.a. wissenschaftlicher Berater der beliebten Fernseh-Serie “Star Trek” ist/war.
    Dr. Richard L. Thompson hielt seinen Vortrag zum Titel: “Eine genaue Karte des Sonnensystems in einem altindischen Text”. Woher wussten die „alten“ Inder das? Wahrscheinlich aus der gleichen Quelle wie die Sumerer. Hier veröffentlichte Prof. S. Kramer schon 1956 sein Buch: „Die Geschichte beginnt mit Sumer“! Sie kannten alle Planeten, weil sie Lehrmeister hatten, die uns als Anu, Ea/Enki, Ninharsag/Hathor, Enlil, Marduk/Ra, Inanna/Ischtar… überliefert wurden.
    Es gilt also in der Gegenwart die High-Tech der Vergangenheit für die Zukunft zu erschließen. Warum sollte es verborgen bleiben? Der Autodidakt Smith begann 1872 die Übersetzungen der über 70.000 allein sumerischen Keilschrifttafeln. Nur 12 sind das Gilgamesch Epos – uns wird noch viel verborgen!

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