VdS Tagung in Jena

BLOG: Uhura Uraniae

Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Jena als Astronomiestadt habe ich hier bereits vor geraumer Zeit skizziert. Ich mag das charmante Städtchen sehr – und lande seit Jahren (aus verschiedenen Gründen) immer wieder mal dort. Heute führte mich die VdS nach Thüringen:

Auf den VdS-Tagungen gibt es stets ein illustres Programm aus Vorstands-, Fachgruppen und Individualpräsentationen. Sie gehören zu den Veranstaltungen, auf denen sich die Hobby-Astroszene trifft.

Abb: (links) VdS-Fachgruppen-Postersession, (rechts) das Präsi-Banner zwischen den Uni-Türen.

Jena hat durchaus sehr viel zu bieten, astronomisch. Bei einer kleinen "Kuppeltour" in der Innenstadt kann man am Schillergarten auf der einen Seite die Universitätssternwarte mit einem "historischen" 20-cm-Spiegel bewundern, der noch vor weniger als einem halben Jahrhundert in der Forschung eingesetzt wurde. Vis-a-vis steht die Urania-Sternwarte, in der ein coudé-montierter Refraktor wohnt.

Abb: coudé(frz.: "gebogen")-montierter Refraktor (links) in der Urania-Kuppel (rechts).

Im Institut für theoretische Astrophysik werden Exoplaneten, Neutronensterne, Gravitationswellen u.a. spannende Phänomene erforscht. Das Staublabor widmet sich der Spektralanalyse von Protoplanetaren Scheiben ("Proplyds"): Im Laborversuch werden hier glasartige Materialien hergestellt, wie sie im Weltall vorkommen. Diese werden dann untersucht und mit den Spektren verglichen, die man aus den Staubscheiben um junge Sterne erhält. So kann man auf deren Zusammensetzung schließen. Diese Art der Astrophysik (oder Astrochemie?) – die sogenannte Laborastrophysik – ist erst wenige Dekaden alt. Ein ausführlicher Überblicksartikel darüber von Jürgen Blum (heute Prof in BS) erschien 2003 in "Sterne Weltraum".

 

Abb.: Uni-Sternwarte (links) und ihr Spiegel-Teleskop (genutzt vor allem zur Spektroskopie).

Mit einem Telementor haben wir auf dem Dach der Uni zweifelsfrei nachgewiesen, dass die Erde Wolken hat! (also, eigentlich war es ein Versuch, die Sonne zu beobachten – deren makellose Oberfläche allerdings ließ jedes Wabern des Bildes eindeutig als Erdwolke identifizieren)  Smile

Nach Grußworten des VdS-Vorsitzenden Otto Guthier und Sternwartenleiter Peter Rucks gab es am Nachmittag einen wunderschönen Vortrag von Gernot Meiser, der den Astrofotografie-Verbund TWAN  vorstellte. Der Bericht vom Aufbau einer mobilen Sternwarte, d.h. einem großen Auto mit astronomischem Instrumentarium, mit dem einige Hobby-Astronomen durch Europa, Afrika und den Nahen Osten fuhren. Der Beitrag zeigt, wie international die Astronomie ist und sprach die weisen Worte, dass der Himmel doch überall auf der Erde der gleiche ist – Astronomie verbindet also, u.a. auch Menschen verschiedener Kulturen u.v.a.m.

 

  Abb.:Kuppel der Stw.des alten Zeiss-Werks an der Friedrich-Schiller-Uni (auf dem City-Campus) und der Cosmorama Zeiss Planetariumsprojektor in der Goethe-Galerie.

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"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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