… und es ward Licht in Jena

BLOG: Uhura Uraniae

Ko(s)mische Streifzüge durch Zeit und Raum
Uhura Uraniae

Vierhundertfünzig Kerzen auf einmal ausblasen, muss ganz schön anstrengend sein. So entschied man sich in Jena für ein großes Symposium anlässlich des Universitätsgeburtstags!

Aus diesem Anlass versammelte sich die thüringische HighSociety aus Politik und Wissenschaft in der hübschen Stadt, die mindestens durch die größten deutschen Poeten berühmt ist – aber auch gerade in der Astronomie aber seit Carl Zeiss, Ernst Abbe und Otto Schott nicht mehr wegzudenken ist.

Die großen optischen Industrien von Zeiss und Schott prägen noch heute den Namen der Stadt, in der das Planetarium erfunden wurde und Optik und Photonik auf höchstem Niveau betrieben werden! Im großen innerstädtichen Einkaufszentrum, mit dem Namen (wie sollte es anders sein) Goethe-Galerie, steht ein großer ausrangierter Planetariumsprojektor, dessen Zwilling nur in Berlin noch aktiv benutzt wird. Hier wurde im Januar eine lebhafte Ausstellung zur "Faszination Licht" (http://greif-nach-den-sternen.de/)  inszeniert, die Alt und Jung zum Verweilen, schmökern und experimentieren einlud! – Als ob das Optische Museum nicht schon allein eine wahre Perle für eine Entdeckungsreise in die Physiologie des Auges, optische Täuschungen, Sehtests, Linsen und Brillen, Fernrohren und Planetarien wäre…
(http://www.optischesmuseum.de)

Lichtmess vor 450 Jahren, also am 2. Februar 1558 wurde hier an der Saale eine Universität gegründet, die „alma mater jenensis“ oder „Salana“. Später erhielt sie den Namen des deutschen Dichters und Philosophen Friedrich Schiller (1759 – 1805). Ihn, den „lichtverliebten Aufklärer", zitierte der Rektor Prof. Dr. Klaus Dicke in seiner Eröffnungsrede zu den zweiwöchigen Geburtstagsfeiern mit der Gedicht „Gunst des Augenblicks“:
          Von dem allerersten Werden
          der unendlichen Natur
          Alles Göttliche auf Erden
          Ist ein Lichtgedanke nur..

Lichtgedanken, Geistesblitze und andere Erleuchtungen kamen den Zuhörern bei dem breit gefächerten Vortragsangebot, das die Wissenschaftler der FSU darboten! (http://www.450.uni-jena.de/) Zu dem kulturellen Höhepunkt der Festveranstaltungen, derTitel_Jena Präsentation des Musiktheaters "Es werde Licht" luden Plakate in Bussen und an Häusern auch die nichtakademische Bevölkerung der Stadt ein.

Teilnehmende an der Deutschen Schüler-Akademie unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Rosa hatten dieses Stück letztes Jahr in nur 17 Tagen zusammengestellt und einstudiert. Entlang eines roten Fadens der biblischen Schöpfungsgeschichte koordinierte der Theaterkurs unter Leitung des Weimarer Theaterregisseurs Dirk Schattner und des Soundkünstlers Sascha Lemke die natur- und geisteswissenschaftlichen Beiträge. So brachten sich angehende Historiker, Germanisten, Physiker, Philosophen, Biologen und Astronomen mit ihren Einzelszenen zum Thema ein. Was in der alltäglichen Arbeit eines Wissenschaftlers oft zu kurz kommt, wenn man vertieft in den schier endlosen FORTRAN-Code einer Sternsimulation brütet, in den Diskurs zwischen Technik und Utopie von Hermann Oberths "Rakete zu den Planetenräumen" oder im Disput mit Forscherkollegen vor dem Rechenknecht lauert oder im Observatorium über endlose Datenkolonnen von möglichen Gravitationslinsen wacht,… bei aller Liebe zum Detail geht oft der Blick für das große Ganze, für das Erhabene verloren. So wie es schon der Namensgeber der Universität rhythmisch formuliert:
     An die Astronomen
     Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!
     Ist die Natur nur deshalb so groß,
     weil sie zu zählen euch gibt?
     Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume,
     aber Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht.

Wer könnte dies besser darstellen als hochbegabte Schülerinnen und Schüler unter professioneller Anleitung aus Wissenschaft und Theater?! Ausgerechnet in Jena, dort, wo sich die Poesie und die Wissenschaft bereits spätestens seit Goethe und Schiller die Hand reichen und in engem Walzer durch die Geschichte tanzen, kam nun ein Musiktheater zur Aufführung, das aufklärendes Licht wie in Spotlights auf die Schöpfung wirft – aus der verständigen und vermittelnden Distanz der SchülerInnen und Schüler gesehen.

Nachdem damit die Omnipräsenz des Lichts so beeindruckend ans Licht gebracht wurde, kann man dies gewiss wie einen Silberstreif am Horizont als Debüt zu vielen künftigen Lichtblicken sehen. So gratulieren wir der Friedrich-Schiller-Universität mit einem herzlichen:  
                                    Happy Birthday zum 450sten!

Veröffentlicht von

"physics was my first love and it will be my last physics of the future and physics of the past" Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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