Tür 7: Schlange und Schlangenträger

Ein Doppelsternbild, das modern wie antik viele schöne Geschichten einleitet, über die wir in Planetarien m.E. viel zu selten die Zeit haben zu berichten: Erstens ist der Schlangenträger mit seiner Schlange das dreizehnte Sternbild des Tierkreises, zweitens ist er das einzige Sternbild, das – sehr wahrscheinlich – nach einer Person benannt wurde, die real gelebt haben könnte.

Ob Kassiopeia, Kepheus, Andromeda, Perseus, Herakles und die Zwillingsbrüder Polydeukes (Pollux) und Kastor wirklich gelebt haben, wissen wir nicht. Beim Schlangenträger ist man sich ziemlich sicher, dass das Bild einem berühmten Arzt gewidmet wurde – nur nicht genau welchem. Es ist die Verstirnung von Asklepios (lat.: Aeskulab), den Schutzheiligen der Apotheker (deren Symbol der Aeskulabstab), sagen die Griechen – aber das ist wahrscheinlich ein Phantasiename für den Halbgott. Möglicherweise war die Vorlage ein ägyptischer Arzt namens Imhotep (so hießen viele) oder auch jemand anders… bisher ist das nicht eindeutig erwiesen. Jedenfalls ist der Mann mit der Schlange in der Hand nicht irgendein Würgekünstler, sondern ein Symbol für die Heilkunst und darum entbehrt es nicht einer gewissen Logik, dass sein Fuß gerade den Skorpion zertritt. Auf dem Atlas Farnese ist sein Bild am Fuß abgeschnitten, denn dort befindet sich die steinerne Hand des Titanen Altas und verdeckt den Himmelsanblick:

Ophiuchus, Schlangenträger mit seiner Schlange auf dem Atlas Farnese, Zeichnung SMH 2017.

Tatsächlich ist der Schlangenträger auch im Tierkreis – und das war übrigens auch in der Antike bereits der Fall. Auch damals schon haben die mathematischen Astronomen zwischen Sternbildern und Sternzeichen unterschieden – wie wir heute. Das kann man also gar nicht oft genug erklären: Sternbilder sind die lustigen Bildgestalten mit unterschiedlich großen Flächen, die man mehr oder weniger gut am Himmel erkennen kann, weil sie aus Sternen komponiert sind. Sternzeichen hingegen sind – sehr schnöde – zwölf exakt gleich große Abschnitte der Ekliptik, d.i. der zentralen Linie des Tierkreises, also der scheinbaren Sonnenbahn. Das sind keine hübsch gestalteten Bildchen, sondern es sind nur 30° große Abschnitte eines Vollkreises, von denen man am Himmel genau nichts erkennt.

Unterschied Sternbilder (Flächen) und Sternzeichen (Abschnitte): gleiche Namen, gleiche Farbe, Grundkarte mit Stellarium, Hervorhebungen SMH 2014, Ersteveröffentlichung im OnlinePlus-Material von meinem Buch “Hipparchs Himmelsglobus”, Springer-Verlag, 2017.

Tierkreis mit zwölf gleichen Abschnitten (orange) und Sternbilderflächen bei Ptolemaios, Almagest. Graphik von mir, Erstveröffentlichung in meinem Buch “Hipparchs Himmelsglobus”, Springer-Verlag, 2017.

Veröffentlicht von

“physics was my first love
and it will be my last
physics of the future
and physics of the past”

Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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