Tür 2: Drache und Kepheus

zwei weitere Sternbilder der griechischen Nordpolkalotte sind die Figuren, die wir heute Drache (Draco) und Kepheus (Cepheus) nennen. Kepheus war ein mythologischer König und er wird im Griechischen mit kappa (κ) vorne geschrieben, also “K”. Das “C” ist die lateinische Form.

König Kepheus sieht schon immer aus wie König Kepheus; in der babylonischen Astronomie gibt es hier keine antropomorphe Gestalt: vielleicht ein Pferd, im südlichen Bereich vielleicht noch Anteile des Sternbildes Panther… das ist nicht klar rekonstruierbar, da die babylonischen Sternbilder in diesen hohen nördlichen Breiten sich nur mit sehr großer Unsicherheit identifizieren lassen.

Der König und Vater der Prinzessin Andromeda ist auf dem Atlas Farnese mit weit ausgebreiteten Armen dargestellt: Er wirkt väterlich gütig und gar nicht wie der Bösewicht, als der er in Planetariumsmythen immer dargestellt wird, wenn er seine Tochter einem Seeungeheuer opfen will. Erkennbar ist übrigens, dass der König zwar etwas auf dem Kopf trägt, aber keine Krone, denn Zackenkronen, die unserer Sehgewohnheit entsprechen, sind eine Erfindung aus karolingischer Zeit (Mittelalter) und Lorbeerkränze waren in der Antike möglicherweise ein Zeichen von Helden und Feldherren – dieser König in Zivil trägt aber etwas anderes. Seine Würde strahlt er durch seine landesväterlich weit geöffneten Arme aus.

Kepheus auf dem Atlas Farnese, SMH 2017

Heute Drache – damals Schlange

Der “Drache”, der angeblich der Herkules-Sage entstammen soll, ist griechisch eigentlich eine “Schlange” – bei Aratos genauso wie bei Hipparch oder Ptolemaios. Entsprechend unspektakulär sieht er auf der einzig erhaltenen antiken Darstellung, dem Atlas Farnese aus:

Drache auf dem Atlas Farnese, Zeichnung SMH 2017.

Die Schlange ist auf diesem steinernen Himmelsglobus nicht vollständig, weil am Nordpol ein großes Loch in der Kugel ist. Seine Funktion ist unklar, wurde in der Forschung schon viel diskutiert und deutet möglicherweise auf seine Position in der Architektur des Palastes hin. Jedenfalls fehlen durch das Loch die Sternbilder Große und Kleine Bärin sowie ein Stück der Draco-Schlange.

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“physics was my first love
and it will be my last
physics of the future
and physics of the past”

Die Autorin ist seit 1998 als Astronomin tätig (Universitäten, Planetarien, öffentliche Sternwarten, u.a.). Ihr fachlicher Hintergrund besteht in Physik, Wissenschaftsgeschichte und Fachdidaktik (neue Medien). Sie ist aufgewachsen im wiedervereinigten Berlin, zuhause auf dem Planeten Erde.

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